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Jüdische Volksstimme · 1916-03-09 · Heft 4 (9.3.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 4 (9.3.1916)
Date
1916-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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§^|1ץו^| VillffpVWl« MH S. Rr. 4 ibicfo Bestrebmrgen einen für uns günstigen Verlarls rrehnren. — Ein! gütiger Hirnrirel sorgt schon dafür, daß alle Anstrongurrgerr der englischen Vormacht ei,neu Erfolg .zu crpcku, ins Gegenteil j rljmschlagerr. Sie steigern höchstens die Verlvirrrmg in, eigenen Lager und verlängern die Dauer des unsel igen Ri׳ngens. Den׳n dieses Ergebnis hatte»״! ja die Munitionslieferurrgen Anrevikas und Japans an. Nrißl-and, um dessen MunitionsinaiVel abzuhelfen. Nmeriika hatte zwar den kriegführenden Mächten allseitige, wohlwollende Neutralität erklärt. Doch Geschäft ist Geschäft und wenn es an, ׳europäischen Brand seine Suppe kochen kann, warum denn, nicht? Warum soll es ׳nicht für seine mit Pulver und Blei gefüllten Äugeln die silbernen Kugeln׳ des Jnselveiches verrechnen? Oder soll jenes Handelsvolk die günstigei Gelegenheit verpassen, und dann folgende Klage ds verarmten hebräische,: Dichters Abra- Ham Jbn Esra (1088—1167) cm,stimmen: ״Ich bemühe mich reich zu!verdcn, aber die Sterne sind nur feindlich. Würde ich nrit Kerzen handeln, so würde die Sonne ״ii!c untergeben! Würde ich Sterbekleider verkaufen,so würde niemand dem Tode verfallen." Doch mögen die englischen Bibel- Verehrer bedenken, das; V. B. M. (Kap. 22, V. 8) ausdrücklich verbietet: ״Du darfst in diesem Hause keine Instrumente zum Blntvergieszen anifertigen, bezw. für solche Geld hergäben," (Das dort vorkommende Wort *דל׳ים“ bedeutet: ״Blut", sowie auch ״Geld" n. beinhaltet be!i!de Erklärungen-. Freit ich hatten diese Fürsorge jener Staatslenker eine Verlängerung des Weltkrieges zur Folge und die englische Mutter trägt -iilun sowohl die Leiche des belgischen, als ׳auch die dies serbischen und ״u!outenegrischcu Staatskörpers in den Arnum׳. (Fortsetzung folgt.) Auf eines Kindes Tod. (Theodor Hickl, gest. im 11. Lebensjahre.) רדו ואדר־* Du liebes Kind, du rosig-holder Knabe, Der besten Eltern Freude und Kleinod, Wie ruhest du so früh im stillen Grabe, Wie holte dich so Plötzlich, ach, der Tod! O Elternschmerz, o nnanssprechlillp Leiden, In tausend Qualen zuckt das arme Herz! Vom Liebsten, ach, auf Erden muß man scheiden, Doch Gottvertrauen trägt auch diesen Schmerz. L. S. Israelitischer Seelsorge- und Kriegsfürsorgedienst in Tirol. Es ist eine nicht lvegzuk'ugneude Tatsache, daß der Krieg hinsichtlich der physischen Widerstagdsfähigkeit der Kämpfer alle Theorien des Friedens über den Hausen geworfen hat. Aber auch die DaheüuigMiebeneu haben sich selbst übertroffen und büc Opferwilligkeit hat Triumphe gefeiert, wie sie der größte Opti'vmst kaum geahnt hätte. Es zeigte sich hier wieder, daß Menscheu nicht niitr mit der Größe der Aufgaben wachsen, sondern daß sie mich leichter, als mau ge- ,nein,!glich denkt, -in den Dienst einer guten und edlen Sache gestellt werden können. Was auf dem Gebiete der Kriegs fürs er ge gelastet wurde rmd welchen Anteil insbesondere unsere Glaubeusge,u/0ssen an dieser haben, dies festzustellen bleibt einer berufeneren Feder überlassen. Hier sei bloß auf die Fürsorgetätigkeit der jüdischen Seelsorge der Kultusgemeiinde in Innsdruck,nährend des Krieges hi'ngewiesen. Die isr. Kultusgen1ei,nde iin Innsbruck — als eirrz-ige Kultusgemeünde i>n Tirol, nrit den: Sitze des Landes-Nabbinates für Tirol und Vorarlberg — war brxüts inden ersten Tagen des .Krieges vor Arrfgaben gestellt, die nur mit A-nsPamm'Ng aller Kräfte ׳eiiner gedeihlichen Lösuin'g zugefiihrt werden kannten. Fast täglich kamen Hunderte von, Glaubensgenossen, meist Hgndlverker, mit ihren Familien, die plötzlich, oft fluchtartig unter Zurücklassung ihrer Halbe das Feindesland verlassen mußten, in׳ unser Armenamt, ivo für ihre Labung und Weiterbefördernrrg die nötigen Vorkehrungen getroffen wurden. Es lMen hier Rabbinat, Gemeinde und Fvanenvercin, wohl mit geteilten Rollen, doch im innigen Zusanrnrenwirken, ei׳ue Leistung vollbracht, die über alles Lob erhaben bleibt. Inzwischen sind der Seelsorge neue Aufgaben erwachsen. Die hier etablierten k. u. k. Sprtäler hatten sich nrit Verwundeten gefüllt, und es galt, für m'cht weniger als fünfzig Sanitätsabteilrmgen einen geregelten Seelsorge- und Fürsorgedienst zu schaffea rmd überdies unsern in auswärtigen Spitälern befindlichen jüdischen Soldaterrseelsorgerischen Beistand zu sichern. Allem dank dem vevständrrisvollen Entgegenkorrrmen des k.- u. k Militärkommandos tu JlMsbruck gelang cs nnserenr Lanidesrabbincr Herrir׳ Dr. Link, im EiU'vernehrnen nrit den, wackeren-, stets arbettsfreudigen Kultusvorsteher Herrn Wilhelm Dcmn- Hauser rmd dem langjährigen Präsidenten des Arnrenrates, Herrn Louis Bauer, eine Orgcmilsation zu schaffen, die sich nach jeder Richtung hin vortrefflich bewährt. Jeder: Samstag-Nachmittag laufen aus allen k. rr. k. Sanitäts-Anstalten die Listen der jüdischen verwundeten und kranken Soldaten bei׳ der Militär-Seelsorge ein, und schon in den nächsten Tagerr wird der Patient ausgesucht, ans Wunsch seinerr Angehöriger: Mitteilung gemacht. Di׳e Militär-Seelsorge versieht jeden jüdischer: Soldaten mit einem Gobetbuche, und ist der Verwundte bediirstig, dann erhält er von der Kultrisgerncimde alle 14 Tage ein Taschengeld >ijm Mimdestausinmße von zwei Kronen. Jeder Feiertag wird zu einem Festtage der Soldaten gemacht, und insbesondere der isr. Frauenrmd! Mädchenverein läßt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne unseren tapferen Solaten hilfreich beiizustehen. Vorzüglich bewährt haben sich auch die von der Militär-Seelsorge alle vier Wochen hier und auch in auswärtigen Garnisonen veranstalteten Militär-Gottesdienffte. Für Soldaten, die oft Monate hindurch keine Gelegenheit hatten, eine Synagoge zrr besuchen, bedeutet solch ein Gottesdienst'eine seelische Erfrischung. In gar manchem Soldatenauge erglänzt bto eine Träne, die Wohl den besten Beweis erbringt, daß das Gebet seine Wirkung nicht verfehlt hat rmd das gesprochelue Gotteswort auf fruchtbaren Boden ,gefallen ist. So steht jeder jüdische Soldat irr Tirol im steten Kontakte mit seinem Seelsorger, und Herr Landesrabbincr Dr. Link hat es verstanden, der seirrer geistlichen Obhut an,vertranten jüdischen Mannschaft m ehr als ein. Seelsorger zu sein: er ist ihr Freund und Berater. Wer nur Gelegenheit hat, eine halbe Strnr>de in! der Karrzlei der jüd. Mili tär-Seelsorge zu verweilen, sieht wie da Soldaterr kom irren und gehen. Der eine holt sich ein Gebetbuch, der andere Zizzis und der dritte holt sich Rat in ׳einer Angelegenheit, die er keinen: arrderrr als einem Seelsorger arrvertrarren ׳möchte. Es würde sich gewiß verlohne::, die seelsorgerische Tätigkeit unseres Herr::׳ LandesrabbiNers in den verschiede rrer: k. rr. k. Militärgefangenenrmd Jntrirlerterr-Lagern zu verfolgen. Doch von! dieser oft mühseligen, aber umso anerkennenswerteren Arbeit soll ein׳ anderesmal gesprochen werden;!narr so viel sei hier festgestellt, daß auch in diesen Lagern regelmäßige GottesdiMte stattfi'nden (in einem der Jnkegnierterr-Lager wurde sogar eine hebräische Schule errichtet) und die k. rr.k. Militärverwaltrmg stets benrüht ist, den religiösen Bedürfuisserr der Gefangenen Rechrrnrrig zu tragen. Wer:׳:: ich noch vorr> den Holden -des Krieges spreche, so geschieht dies hauptsächlich, um auf eine recht erfreuliche Erscheinmrg hi!nguweisen. Nicht immer haben es die Urrrstände erlaubt, Unsero verstorberren Krieger auf einem süd. Fried- Hofe zu beerdigen, rmd oft rnrrßten diese am! Sterbeorte zur ewigen Ruhe gebettet werden. Doch überall hat die christliche Bovölkeruing unseren Toter: in,׳ würdigster Weise da!s letzte Ehrengeleite gegeben, rmd irr Kitzbühel ließ sogar der Ortsdekarr mit Genehmigr^ng des Ordinariates die Kircherrglocken läuten. Mar: sieht, es därrrnrert — vielleicht bringt die große Zeit ׳das ersehnite Licht. Bernhard Diamant. ״Hawdala." ״Gott ist nreiu Heil, ich fürchte!mcht!" Ruf' andachtsvoll ich mrs, .Hell leuchtet der ״.Hawdala," Licht In jedem frommen Hgrrs. Den Becher hält, gefüllt rrrit WjeiN, Der Vater hoch orrrpor, ״Gepriesen, .Herr, Dr: mögest sein׳!" Ruft's rintzsl)1evum in: Chor. Die Mutter ist's, die Kiatzdor auch, Sie sprechen ׳dais Gebot, Wie sto's gelehrt!der frornnre Brauch, Wonin, ״Sabbat von׳ uns geht". Wi׳r laberr -uns a,m wüvz'gen Dust, Der reichlich strdnret ans, Zur Arbeit gleich diie Pflicht ׳:ms ruft. Bald draußen, bald im Harrs. ' Noch ei׳rmr!a!l mit ׳der Fackel Schei׳!: Beleuchtet wi!vd die Hand, Das Licht gleich drauf erlischt inrWein, Der floß von Bechers Rarrd. ״Gut' Woch! Gut' Jahr!" das ist der Gruß, Wiir rufen ihn rms zu, Zur Arbeit jeder schreiten rnnß, Gestärkt von! heil'ger Mch. O. S. R. Moritz Antscherl Wien. Die Unterrichtssprache in den Schulen Kongreßpolens. Bon Bernhard Horowitz, dzt. in Wien. Motto: Steck deinrie Ungeduld >i,n׳ die Scheide, Gieß kalt Wasser auf deiiuerr Zorn. (Sjhakespeare, ״Die lustigen Weiber v. Windsor.") Diie Frage der Unterrichtssprache m den okkupierten Gebieten KoiMeßpolens bildet für die jüdische Jonrniali'stik den Gegenstaind eifrigster und verbissenster Diskussionen und Polemiken. Die gewaltigen Unterschiede iin der Dankweise zwischen den jüdischen Parteien > korrrrrren kraß zun: Allsdrucke und werfen ei!n Helles Licht ans die Psychischen Zustände im jüdischen Lager. Was ׳ein:er grau sagt, behaindelt der andere als blau. Besondere Arrsmlerksamkei.t hat auf sich die Mrrschauer jüdische! Geureinde gezogen, welche offen rrrit aller Errergiie die Polnische Unterrichts- .spräche für die Juden Polens verlangte. Ein!arges Geschrei darüber erhoben die jüdischen NativiNalisten einerseits und'die sogerr-armton Jiddischisten arrderseits. Die deutsche Unterrichts- Verwaltunig irr Pole:: bekanr ׳eine ainstärrdige Lektion über iüdischen Partereirrhader und jüdische Meiirrurgsverschiedenheiten. Wrlßte sie früher rrrrr von ״israelitisHerr Staatsbürgern deutscher Zulnge", so geriet sie auf ׳eirrmal in den dichtesten Wirbel jüdischer Zänkewien, die seit der neuen Renaissance der hebräischen Sprache und der:: Errrporwachsen des Jargonls aus einem skrnppelloserr Dialekt zu etner Sprache rrr.it einer Ausdruckssähigkeit für große Dageszeitunfferr, immer und iurnrer die jsidische Atnr!osphäre ׳erschüttern. Die Entscheidung der deutschen Unterrichtsverwaltrmg ׳ist bekanint. Wie >mg!n sie auch beurteilen nrag — das bleibe vorläufig dahingestellt — eine Satisfactian gewaltigster Art verschaffte sie jeden: wirklich jüdisch-denkender: Juden. Eine Satisfaction gegenüber der jüdischer: Genreirrde in Warschau, der zweitgrößten jüdischen Genre irrde dev Welt. Es wird.für ewige Zeiten gebrelndmarkt bleiben, daß eine so bedeutende jüdische Köriperschaft sich so offen und mrgeMrmgen in den Dienst der Assinrilation! gestellt hat. Die Entscheidurrg der Unterrichtsbehörde., War für sie, eine Ziemlich kalte Douche. Will nran׳ die Sache unbefangen beurteilen, >s!o bleibt nichts übrig, als sich jeder positiven Aerrißorntng zu errthalterr, vielrnehr diese Würge Augelegen׳he,i!t -als rricht spruchreif hinzustMen. Bedenken wir doch, daß wir mitten im großen Weltkrieg n״O befinden, daß alles über,uns rmd um uns herrinnj brennt rmd lodert, daiß der gescheiteste Kopf sich kein Bild der Zukunft rrrachen kalnn und alles,

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