Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 3 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2621806-2621974-2621977--3379-2624565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
y. *׳*״? “wrt,־ä*ijvי _ ־ f‘■!'יייד;^ ׳* ־** A‘»' י ־ r ., '" R, S »Jttffch» V.Wßr»»?'. Leite S Me Lage der rumänischen Inden. Im dom dieser Tage in Bukarest abgehaltenen Laudesko-ivgreß!der rmnänischen Juden wurde die ׳derzeiti׳go un>evträgli׳che Lage der rmnänischen Juden besprochen und eine Resoluihiion beschlossen, in der die Regierung ersucht wird, die Juden der staatsbürgerlichen Rechte teilhaftig werden zu lassen, da sic so wiie alle anderen Bürger die Pflichten gegen das Vaterland erfüllen. Jüdisches Gymnasium in Lublin.' Aus Lublin wi.vd,geschrieben, da>ß die Lnbliiner jüdischen Kreise di,e Erlaubnis zur EröffuUng eines achtklassigen K:mbengyn:n!astums MM jüdischer Unterrichtssprache für sämtliche! Lehrfächer, mit Ausnahme des!deutschere un!d polnischeu Sprachrmsierri'chtes, erhielten. Zum Direktor deis neuen Gymnasiums wurde :der Pädagoge Herr Speer bestimmt. Es werden Lehrer für sämtliche. Unterrichtsfächer verlangt. Bewerber trollen sich mündlich oder schriftlich au den Direktor wenden. Mtiir wollen hoffen, baft das Gymnjasiunr auch wirklich jüdisch, d. i. religiös jüdisch gesührt wird Und der wöchentliche schulfreie Dag der Sabbath ist und nicht wie iin manchen ״jüdischen" Instituten der Sabbath Schultag und der Sonntag frei ist. Verhaftungen von Juden in Saloniki. Aus Saloniki Wird gemeldet, daß der Kornmialndaut der Salon ikiar französischen Truppen, General Sarraill, di!e V׳erha!ftm:g dev Juden in den von der Entente als Kriegszone deklarierten gviechis chrnazedoni s chen Geb ieteu äuge ordnet habe. Der Salonikier Oberrabbiner erschien! persönlichbei General Sarrail und protestierte gegen diese Maßregel ׳unter Hinweis daraus, daß diieser durch!nichts zu rcchtferti׳gende Gowaltstreich unter derr englischen und französischen Inden böses Blu!t erzeugen M:d schwere Konsequenzen mach sich züehen tvürde. Der Protest führteindes zu keinem Erfolg ,und die Inden verbleiben einstweilen weiter i|m Haft. Der erste jttd. Universitälsprofessor in Spanien. Durch Äi!e Ernennung des Dr. Jahoeda zmn Lehrer der rabbinischien Literatur u!1l׳d Mssenschlaft au der Universität Madrid ist das Edikt des Jahres 1402 aufgehoben worden, das unter anderen׳ hatte!:, gegen, dilei Juden gerichteten BestiininUngen auch ihren!ewigen Ausschluß von allen Aenüerm in׳ Spanien verfügte. Diese ErnMmiing, die von König Alfons XIII. persönlich nnterfertiigt wurde, gewinnt!noch Badeu׳tn!ug dadurch, daß zu ihren wärmsten Befürwortern der dar Jesuit Tidal Fita, der Vorsitzende der kön׳:>glichen AUrdeluie für Geschichtswissenschaft in Madrid, gehört, der Jahoeda sei,t vielen Jahren aus seilmeu wissenschaftlichen Llrbeiiten kannte rmd von seiner Berufung an diese hervorragende Stellang große Vorteile für die Geschichte der spanischen Juden in: Mittetater and eine wirksame Förderung der altspantischen Literatur ׳und Philosophie erwartet. In Ue!beroi.::stin::n::ng mit Fita betonte der Dekan der philosophischen Fakultat im) der Oiede, mit der er die Aufnahme des ersten Juden in׳ den Lehrkörper der in ihrem he:ltigen Bestanlde 1ö08 gegründeten und 1836 erneuerten Universität von׳ Madrid begrüßte, daß er selbst ein überzeugungstreuer and gläubiger Katholik sei, daß er aber trotzden: der Freude Ausdruck gebe, daß jetzt die seit mehr als vierhundert Jahren unterbrochenen Beziehungen zwischen Spanien und dein Judentum wieder allgeknüpft seien. Der letzte Jude an einer spcmischeu Hochschule war der Astronon: Abraham Lacuto, ein Freund und Gefährte von Kolunrbus, der zu :den bedeuteudsten Gelehrten seiner Zeit gehörte. Die Lageder Juden in Rußland. Die. Lage derJuden i׳n Rußland wird mit jede::! Tage ungünstiger. Nebenden: schrecklichen Kriegselend erhebt der Autiseinitisinus loisder sein .Laicht u>::d,nacht sich in! den schau:losesten Fomnen geltend. Es ist nicht zu leugnen, daß die wirklich fortschrittliche:: Parteien jetzt tu der KrwcOzei t mehr denn je für die Rechte der Juden oinkreten, aber die Vertagung der Dunm hat sie vorläufig mundtot gemacht. Dar Einfluß der antjsemitischen Presse!:Ommt immer :uehr zu. Wie verlautet äst ein nö:ws Blatt, ״Semstschina" betitelt, begründet worden, das von den ״echten Russen" erhalten wird. Täglich l>etzt die Redaktion in Leitartikeln zu Pogromen. Die ״Semstschinia" und ׳andera autiise-ni׳ti׳schc Blätter werden gratis verteilt und in ähren Artikeln werden die Inden, die der Zar zu Beginn des Krieges ״ineiue lioben Juden" nannte, als Spione in Deutschlands Diensten >i-n wüstester Weise beschimpft. Dia russische Regierung scheint indessen so weise zu sein, vorläufig :::ehr auf das Urteil!der neutrale:: Länder und die Stimmung seiner französischen urnd englischen Bundesgenossen zu geben als auf die Wünsche der sich ״echte Russen" nennen,den Untevtemen. Billigerweise:nuß auch mitgeteilt Warden, daß die russische Regierung den: Zentralkonnte zur Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge den Betrag hon einer Million RNbel übermittelt l>at, aber für den selben Zweck hat ein:! von den Juden in Newyork veranstaltetes Meeting den Betrag Vau ungefähr drei, Millionen Rubeln er- ׳geben. Dieser Tage hat eine Deputation von Lei׳- tern der jüdischen Gemeinde in Petersburg eine Unterredung mit den: Minister des Innern gepflogen, bet ׳der verschiedene, das russische Judentun: betreffende Angeegenhe'itcn zur Sprache gebracht wurden. Korrespondenzen. Nikolsburg. Der Golns in: Golus der Galizianer drängte eine neue brennende Judenfrage zu׳r raschen Erledigung. Von den in: vorigen Jahre heiimatlos gewordenen polnischen Juden sind viele unter den Qualen der bitteren ziellosen Wanderung gestorben :md diese hinterlteßen 001 Waisenkinder, die teils in Wien, teils in Böhmen und Mähren der Hilfe der jüdischen Gesamtheit!dringend bedürfen. Die Not des Augenblicks ist aber verschwindend gegeiuiber der bangen Zukunstssorge dieser Aerinste'n der Annen. Rabbiner D׳r. L-öwim- :!::׳ Nikolsburg ׳arbeitete mm. einen Plan, aus, nn: die WMenfrage jüdisch zu lösen. Er boab!sichtigt׳die Gründung einer WatsenMstalt, iin dem die Kinder zu Handwerkern u,nd zur Erlern!::,ng der Wirtschaft heraugebildet werden sollen. Der Lehrplan der österreichischen Volksschulen wird ׳als Basis des Unterrichtes genonnnen werden und imch den: 11. Lebensjahre erfolgs die Ergä1:zun!g durch Erlernung eines lcbeusfähigen HanÄwerks, woraus die Rückfahrt nach Galiziien erfolgt. Lehrer und Meister, wie der Jnlitiator der Idee wollen für den jüdischen Geist der Anstalt, die die Tradition zur Grundläge nünnnt, sorgen. Es wäre dringend erwünscht, daß sich Männer der Tat finden, die :1:1t Herz und Hand dieses Werk fördern., mit den: vielleicht esne -neue Epoche in der jüdischen Erzi!ehn׳n׳g Galiziieins begi.::.n׳eu wird. Innsbruck, 11. Februar. In der vor einigen Wochen stattgefundenen General-Versammlung der ClMvra-Kadischa wurde ׳einstimmig beschlosse::,-den aus Gesu::,dh׳.׳itsrücksichteu scheidenden lanMährigen Präsidenten der Chewra-Ka׳di«scha, Herrn. Michael Brüll, zum ersten Ehren-Mitgliede ׳des Vereines zu erneninen. Ju Durchführung dieses Beschlusses erschieir gestern der Vorstand der Chjewra, die Herren׳ Wilhelm Adler, Leopold DUbsky, Samuel Bmnn׳, in Begleitung des La::- desrabbiners Doktor Link, in der Wohnung des -Horr!: Michael Brüll und :iberveichten demselben ein künstlerisch ausgestattetes Diplom und eine vom Landesrabbi'Ner Doktor L!m׳k, verfaßte, in hebräischer Sprache gehaltene Urkunde, Hi der die Verdienste des Herrn Brüll um die Entwicklung des Vereines in poetischer Form gelvürdigt werden. — Herr Michgel Brüll hat :über ei»n׳ Jahrzehnt das ihm anvertrante Wut in zielbewußter, echt jüdischer Weise׳ golei'tet und sich infolgedessen des ei'npiütigen Vertrauens der aufrichtigen Wertschätzung aller Kreise unsewr Gemeinde zu erfrenen. Durch seine gewinnende Umgangsform und die Lauterkeit seines Eharakters hat sich .Herr Brüll bei allen, die Gelegenheit batten, ihn Peaisönlich oder beruflich näher zu treten, ungeteilte Sympathien erworben. Es :vird daher jeder die wohlverdiente Ehru!pg, die Herrn Brüll in Anerkennung Humanitären Wirkens zuteil tourde, mit Genugtnüvng begrüßen. Berlin. Unter zahlreicher Beteiligung der an der Wissmischiift des Judentums interessierten Kreise fand hier die Mitglieder׳-Versan:n:l:1ng der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentum׳,s statt. Ju Vertretung des an der Anwesenheit verhinderten Vorsitzenden Professor Martin Philippsohu eröffNete der stellvertretende Vorsitzende Radbiner Prof. Gnttn:ann-Breslau, die Versiannnlnng mit einen: Hinweis ans die hohe Bedeutung, welche dem Judentum als geistiger Gemeinschaft in: .Kulturleben der Menschheit znkomme und leitete hieraus die Vorpflichtung her, die Wissenschnft des Jndentnnn,s zu pflegen und nach Kräften zu fördern׳. Er schilderie die Pflege, welche der Wissenschaft des Indentums in alter Zeit zu Teil geworden sei und stellte sie als Ideal und Vorbild hin für unsere Zeit. Zu seiner Freude, fuhr Redner fort, kön,ne er Mitteilen, daß ihm ,eben die Nachricht von einer ׳ntz'nen Spende zngegangen sei, die Herr Moritz Wolfsohnt-Berlin aniläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres zugewendet habe. Der Redner erstattete sodanii: den Otechenschaftsbericht, ans dem er als besonders erfreuliche Tatsache mitteilte, daß demnächst von den beiden großen wissenschaftlichen Umternehin.nmgcn der Gesellschaft, dem Corpus Tannaiticum und der Olerma-nia Judaica je ein Band zur Veröffentlichung gelangen werde. In: Anschluß an die mit lauten: Beifall aufgenoin,!neuen Ausführungen des Redners ehrte die Versannnlung das Andenken der um die׳ Wissenschaft des Judentums hochverdienten Gelehrten Pros. Schechter, Newyork und׳ Leopold Cohn- Breslau durch Erheben von den Sitzen. Die Wahlen ergaben die einst!!innige Wiedertvahl des bisherigen Ausschusses und Vorstandes. Alsdann hielt Herr Prof. Dr. V. Pick-Gotha einen durch viele vortreffliche Lichtbilder illustrierten Vortrag über die jüdischen Mhuzen. — Der Vortragende schilderte nach kurzen Bemerkungen über ältere- Handbücher und die wichtigsten Saniinlnugen jüdischer Münzen zunächst das Geldwesen der ältesten Zeit. AlAdanjn wurden die freindcn Münzen vorgeführt, deren sich das jüdische Volk unter Persischer und griechischer Herrschaft bodie'nte, bis der Fre-Hheitskanipf der Mukkabäer ihn: mit der tü1!>a׳bhä1:gigkeit Mich das eigene Münzrecht brachte. Di!e Lichtbilder zeigten, daß es zunächst nur eine sehr bescheidene unjd anf Kupfenn'.nnzen beschränkte Prägung war. Die später zeitweilig dafür und daneben eil!!!trete!!de Prägung der röniischen Statthalter ist ebenso dürftig, aber beachtenswert durch die ans der Vermeidung des Kaiserbildes sprechende Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Juden. Der erste große Ansstand, unter Nero, bringt dann die ersten eigenen Silibermünze::, die dicken Schekel, deren! viel bekanntere Nachah:nun!gen am leichtesten daran zu erkennen sind, daß sie fäl׳schli.ch die jetzt noch übliche Qnadratschri'st statt der althebräischen zeigen. Die U'nterdrücknng des Ansstandes durch Vespasian und Titus wi-rddurch die zahlreichen zur Feier des Sieges geschlagenen römischen Münzen illustriert. Jtn! de:: nächsten 6 Jahrzohnten gab es keinen jüdischen Staat und daher auch keine jüdischen Münzen, bis endlich unter Kaiser Hadrian der ztveite Ansstand die reichste und :!:annigfaltigste. Prägung brachte: sowohl große und kleiln׳e Silberinünze!:, di׳e meist ans römische nnd syrische Kaisermünzen :':berge- Prägt sind, wie zahlreiche Sorten in Kupfer. Ein großer Teil der Münzen trägt den Namen eines Simeon, in:׳ den: vielleicht der unter denn, Namen Barcochba^ bekaimte Führer des Aufstandes zu erkennen :ft; vereinzelte nennen einen Priester Eteasar, während eine größere Zahl statt eines Personennamens nur den der Stadt Jerusalem angeben. Für nianche noch ztveifelhafte Fragen kann man Ausklärmig durch künftige,mme Funde erhoffen. Der Vortragende schloß, indem er der Erwartung Ansdruck gab, daß der konnnende Friede mit der Erschließung des Orients auch der jüdischen Nnmismati-k. unid der Wissenschaft des Judentums überhaupt neue Wiege eröffnen lverden. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Vortragenden reichen Beifall und der Vorsitzende schloß mit Dankeslvorten für des )1!ebner die Versannnlung. Frankfurt. Hier Verstarb in: Alter von 03 Jahren Herr Stadtverordneter Joseph Fronm׳׳. Der Verstorbe!n,e )var der älteste Sohn des frühe von Rabbiners zu Homburg v. d. H. Dr. Fromm, der später lange Jahre hindurch als