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Jüdische Volksstimme · 1916-02-18 · Heft 3 (18.2.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 3 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vette 4. DMUMM» MmtiiliMMJ» Rr. 3 Die lei!dilgje Politik ist es auch Wohl, die den von ihr gefesselten Dichter bisweilen in den Hmleirgrunfe treten unid von dem sich in den Vordergvund stellenden Politiker so weit verdrängen läßt, daß in einzelnen Gedichten sogar die sehr ggystige Note des politischen Antisemitismus schrill sich hören läßt und so der Dichter förmlich vom Politiker erschlagen wird, wie dies nach denn Mannten Stachelvers Grillparzers mgnchom Ilnterrichtsnti-nist-er soi-iens des Kultusministers widerfährt. Wir wollen aber trotzdem nicht mit ,dem Dichter Sichert rechten, sondern ihm, der übrigens auch als Politiker nicht zum großen Troß gehört, den wohlverdienten Lorbeer reichen, bozüjglich dieses Gedichtbuches gern ulnd ganz die Versicherung des ׳auch noch mit zahlreichen and^ ren Dichtungen hervorgetretenen, entschieden völkischen Dichters bestätigend: ״Es ist in jeder Faser erlebt, erlitten und gefühlt, gauz aus den: Herzeil ist es gequollen". Ohne Herz kein echter Dichter! Sichert hat Herz uufe reiche Begabung. Zeitungsschau. Aus dev ״Ostdeutschen Rundschau": In: Briefkasten wird ein ein Leser über die Bulgarien folgende Auskunft zu teil: ״Ob die Bulgaren Slaven oder Tatarlen sind, ist vorläufig gleichgülti!g. Die Harchtsache ist jetzt,.daß sie uns helfen, unsere Fein,de tüchtig verhallen. Wie aufrichtig! Aus Nr. 7: Nach einigen Jahren wird auch Herrn Morgenstern!dem Moritz die Größe der Zeit klarmachen: ״Fa, das waren Zeiten, dahat inan -lvonig-stens leinen Verdienst für das Handeln gehabt, der dafürfftand." Dasselbe wi!rd wohl ailch Herr .Hinterhuber seillljetnij Günther erzählen! ״Wir Deutsche...... ״schreibt e!i!n Graf feilt Moulin׳ (!) in den Salzb. N. N., während ein gewisser Lawrence Makay (!) im dev ״N. Fr. Pr." gegen England loszieht. Rührend ist die Sch!Hld!er.un!g fees Christfestes veranstaltet von!der Natbausvorstehersgattin, Amalie Beck, in: Evholimgsheim feer jüdischen ״Phitantvophia". Aus emem aufgesangenen englischen Diplomatenbrief: ״Wenn du die! Art von Menschen kennen würdest, welche als ZeitunaDkovresPoudem!- ten fungieren, und wenn du wüßtest, wie ungehener ihre Ignoranz ist, könntest du.... den Zeitungen kein Vertrauen schenken." Die ״Reichspost" von vorne und von hinten: Vorne jeder Kohn und Grünstein mit (!) Rufzeichen, hinten inseriert NaViuowicz, Pollak und Nosenberg. Wer's nicht glaubt, faatft ein Exem- Pla-r! Arische Assirnilanten: Der Oberpvokurator des heil. Synod, Herr N. Karl Säbler hat seinen Namen in N. Gawrilowitsch Dziesiatowskis, der Fachlehrer Franz Drha i׳n- Amstetten den sei.nen in Dreher geändert. No, darf sich da der Herr Dr. Arthur Pollak, Rechtskonsulent der russischen Botschaft i'n Wien nicht Poltin nennen? Dr. Hanns F... l. direkten Anfragen m alle Raihbinate des Landes durch den?lusschuß und die Ermittlungen, Welche durch die sofortige freundliche U-uterstützlMg der drei Konsistorien in Stralßburg, Colmar und Motz augestellt wurden, ergaben die Gewißheit, daß bei eiiner großen Reihe unserer Glaubensgenossen im Lande >driNMlfee angoublickliche lfnd über den Krieg dauernde Hilfe bitter not tut. Um aus unseren Feststellun!gen nur einiges herauszugveifen, feien die haute jedem Deutschen aus den Tagesberichten von feer Westfront her dekaivnten Ortschaften wie: Senlnheim, Münster, Hartinannsweiler u. a. genannt. In Se-u.nl)eiln, früher eine stattliche jüdische Gemeinde, ist die Synagoge zerfstört, einschließlich der Thorarollen. Münster und Hartm-annsweilcir, Gemeinden mit geringerer Anzahl Juden, sind längst geräumt, vor kurzem auch die stattliche Gemeinde Altkirch. Eine Anzahl Glaubensgenossen sind als Geiseln nach Frankreich verschleppt worden. Eine noch größere Anzahl hat imtev!dem Zwange dar Kriegsnatwandigkeit Haus und Hof verlassen müssen unid sieht sichwigengn, Vermögens bar, auf Unterstützung «aus öffentlichen und Privaten Mitten angewiesen. Bei anderen ist .Hab und Gut unmittelbar durch den Krieg vernjichtet worden. Dw im Sperr- und Oparationsgebiet erlassenen Vorschriften, durch feie der Verkehr von, Ort zu Ort verboten ist, haben eine große Anzahl Gewerbetreibender wie Hausierer, Makler u׳nld ähnliche kleine Lento dar Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, beraubt. In! zahlreichen Faunlien stehen die Erwerber ititife männlichen Mitglieder im Felde, und Verdieustmöglichkeit ist für die Zurückgebliebenen -nicht gegeben. So sieht gerade dev Winter viele Hunderte unserer Glaubensgenossen iu Elsaß-Lothringen ib der dringendsten "Notlage. Wir haben uns nun zunächst an! unsere Glaubonsgenossen in Elsaß-Lothringen gewandt. Wir halten׳ -es für eine Ehrenpflicht derjeniigen, die nicht ulnimittelbair nniter!der Not dies Krieges zu leiden haben, den bedrängten Glaubensgenossen zu Hilfe zu kamUien. Der ׳größere Teil der bei uns eingehenden Gelder ist für unsere hi'lfsbedürftigen Glaubensgenossen iN Elsaß-Lothringen beiistmmt, ein! Bruchteil muß der allgemeinen ^KrieMpande zur instarkoilfessionellen VerweildiMjg zuge führt werden . Bils Enda Dezembor Waren rund?»0.000 Mk. ei!n,gegangen. Vovn-ehmlich!gus Elsaß-Lothringen^ Zahln!ngen nimmt!entgegen: Banjk für Handel un-d Industrie, Filiale Straßburg auf Konto: ״Jüdische Kriagsfürsorge für Elsaß-Lothringen", ׳auch deren Postcheckkonto 288 i«n» Karlsruhe. — Briefe sind zu richten!an Herrn Justiz rat Dr. Schmoll, Straßburg i. E. (Indische Kriegs fürsorgte.) Russische Greueltaten. Ein erschütternder Bericht über die Leiden der verschleppten Inden. Richtung nach Tluste -getrieben. Die Kosaken, welche die traurige Schar eskortierten, schlugen die Greise, welche nicht rasch genug, gehen könntten, blutig. Oft stachen auch die Kosaken in die Menge, wenn sie sich nicht -misch genug fortbewejgte. Selbst die kleinen Kinder und Frauen wurden von den Nagaikahieben nicht verschont. In vierzehn Stunden wurden so vonschwachen Greisen, schlvaingeven! Frauen und kleinen Kimbern und den anderen 40 Kilometer zurückgelegt. Ein Teil der armen Geschöpfe blieb vor Hrmger und Durst entkräftet liegen. In diesem Zuge befand auch ich mich. Ich lMe es miterlebt, Wie im Monat Juli iin Ula-szkowce, Jezierza-n-y, Jagielnica, Tluste u. Czortkow, wo die nritgeschleppten Juden aus Zaleszczyki und Skia in! Buden, Scheunen und Stallungen wohnten, die Cholera wütete. Infolge des HulMrs, der Kälte,!der gänzlich unhygicuischen Wohnungen und der sonstigen Wechten Verhältnisse, unter -denen diese Juden lebten, anderseits i-nfolge des Mangels jeder sanitären Maßnahme von> Seite der Russen gingen in ganz kurzer Zeit mehr als 1000 Juden an! dieser Krankheit zugrunde. Die Kin!der, der an der Cholera verstorbenen Eltern, wälzten sich zu Dutzenden i-nl Sta-nbe der Straßen und bettelten um Brot. Die vorbciziehenden russischen Offiziere u. Sol-' daten schlugen -diese Kinder blutig. Die überlebenden Jriden wurden von!!den Russen zu Schanzarbeiten chn S׳erc!th gezwungen. Selbst die Schwerkranken wurden, dazu gen!öti!gt. So war ich i׳m Monat August Zeuge, wie zwei ruffische Soldaten einen. krebskrpuken Juden aus dem Bette holten und ihn zünden Schanzarbeiten schleppten. Auf dem Wege stürzte -er 'zusammen: Blut an!tq-uoll seinem Muu!de -und in einigen! Stunden War er tot. tlsnlter furchtbaren Mißhandlungen mußten die schwachen, zu Schanzarbeiten nicht mehr genug kräftigen Leute von sechs Uhr morgens bis echt Uhr aibiends graben. Fortwährend wurden sie von! den! Kosaken geprügelt. Sie wurden -nicht ׳beköstigt, es wurden ihnen! nur 60 Kopeken an Daglohju! zugewiesen, von. dem die Hälfte, mairchmal auch der ganze niicht -a!usbezahlt wurde. Ich weiß bestimmt, daß in der ersten Zeit zehn Juden Mts Sniatyn an! Hnnjger starben. Vergcwaltignngen warxKl -an der Tagesorduiung. In Ulaszkowce kamen au! einiem Tage 80 Vergewaltigmigell au wehrlosen Frauen und Mädchen durch russische Soldaten vor, ngchdenl die Mäimeer rm,d die Eltern vorher aus deu Häusern gewaltsam entfernt worden lvareini. Zweimal wurden kaum zwölfgährige jüdische Mädchen in Gegenwart ihrer El- -ternvon׳ den russischen Soldaten genotzüchtigt. Bei dev Eskorte der Juden wurdeir oft die Jüdiinuen ihren Mäumpxn entrissen und i>u> Gegcnwart ihrer Männer von den Soldaten verqew-altigt. In! Ulaszkowce Wurden am 1. September -oi-ne Jüdin n!nd ihre zwei Kin-dier im Alter von zwei bis vier Jahren von den russischen Soldaien mutw'illg miiedergestochen, um Offizieren und Kameraden׳ eiin! Schauspiel zu bieten. Runlffrllau. Ans serbischer Gefangenschaft heimgekehrt. Jüdische Kriegssürsorge für Elsaß-Lothringen. Dem Beispiele anderer Konfessionen folgend, ist im Sommer 1016 iin Straßburg der Gedanke ,Msgewucht, in. ähnlicher Weise für die -geschädigten Glaubensgonsoffen liju Elsaß-Lothrimigen im galnz Deutschland eine Sammlumg zu veuanstal- ,ten. Zu!r Rückunid Arlssiprache über die Notwendigkeit rund das Einschlagen eines gangibaren Weges folgten Endo Juli 1016 eine größere Lbnzahl Straßburger Ju<deu eöner Eibladumg des Rechtsanwaltes Dr. Bru!n׳o Weil. Das Ergebnis der Bespvechu'llig bildete zunächst die Bilduug eines Gesamtkomites, aus diesem heraus die eines Arbeitsausschuffes, der an ,dev Spitze ׳des Gesamtkomites die laufenden Arbeiten -erledigt. Der Gesaimchausschuß aus mahezu 40 Herren, aus Elsaß-Lothringen bestehend, zählt eine?ln- Zahl bekannter Juden im Lande, Mitglieder der Konsistorien, SyN'Agogenverwaltunigen usw. Die erste zu beantwortende Fmg^ für den Gesamtausschuß lvar, die BedürfnUe! für eine S-amntlu!ng, und die Erforschmljg des Bedürfnisses. Die?lus der reichen SammUmig amtlicher Belege über die russischen Schandtaten in Galizien liiud iu der Bukowina sei die f-oligend-e pr-otokol-!arische?lussiage eines städtischen Beamten als besonders charakteristisch lviedergegeben: Moses Tanmenbaum, Stadtsekretär in Kotzman, gab über -die Behauldlung der von den Nusst׳n uach?tord-ostgalizien verschleppten jüdischen Bewohn-er folgendes zu Protokoll: ״Ich bin am 16. Februar um 2 Uhr morgens von russischen Geudairmeu aus dem Bette ׳geholt und u1׳it auderen jüdischen Geiseln nach Galizien gebracht! worden. Ich und/nreitao Schicks,alsgeuossen wurden ׳auf dem Wege von den eskortierenden Soldatcn! schwer mißhandelt. In Zaleszczyki wurden 00^ Personen in einen!nur lvenige Quadratineter fassenden?Irrest gesteckt, wo wir, wie Heriimige zusammengedrängt, die ganze Nacht bleiben m-ußten, um am nächsten Doge weiter nach No.rdostgalizien gebracht zu werden. Dort blieb ich uugefahr drei Vier-teliahr u-. habe mit eigenen?lugen gesehen, welche Schandtaten die Russen an arei-j uen Glaubensgeuossen begangen haben.-Nur die,!schrecklichsten Greuel will ich hier erwähnen.?(1u. 17.?lpril lvnrdem in der Nacht in Zaleszczyki alle^' 6000 Juden, Jü'di'uuen und ihre Kinder zusam-, mengetrioben und aus Zalesczczyki ausgewiesen.! Sie wurden imiter Eskorte iu der?(acht!׳.׳ : '?llbert Weiß, Houved eines H.-J.-N., ist am 21. Januar aus serbischer Kriegsg-esiaingenschaft zu seiueu Eltern h!ein!gekehrt. Seinie Familie hatte -ihn bereits für tot gehalten, da sie von ihm ein volles Jahr kein, Lebenszeichen erhalten hatten. Er war -am 18. Januar 1016 in Gefangenschaft geraten. Die Serben hatten ihn — wie ״Cgyeulöseg" berichtet — aller s-eimgr Hab seligkeiten beraubt, Wliuigen u!ad m'Wandelten ihn, weil er sich weigerte, seinen geliebten König, wie sie es von ihin verlanigten, zu schmähen. Er hatte viele LeideU durchzumachen, um׳ter anderem auch die fürchterliche Flecktyphllskran-kheit. Bei seiner Flucht warevd ihm die?lrna-uten behilflich, welche ihn! ihre Kleider zur Verfügung stellten. Er war bis zunt 4. Februar!d. I. beur.la׳ubt undwurde da>niU wieder in sein, Regiment eiuaoreiht.?l.ußer ihm känvpfen nach ferne fünf Brüder auf den Kriegsschauplätzen, geuauer genommen, .nur mehr drei, dä -der ei-ne bereits an der italie ui schen Grenze de»u Heldentod g-efrvlidsn׳ hat, u«ud der and-.!re bei der Uobeirgabe von, Przemysl iu ruffische Gefangenschaft geraten M. Albert Weiß erzäblte a׳us seinen Erlebnissen ruter -anderem -auch, daß iu Valpovo ׳neben ihm ein Ho«uved ׳aus Budapestnamens?ldolf Weiß, im Zivilen Beruf Drogist, deu .Heldentod stoirb, uufe in einem geineinsamen Grab bestattet Wurde.

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