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Jüdische Volksstimme · 1916-02-18 · Heft 3 (18.2.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 3 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sk. 8 1*»»»»«וו•* *וי*«• Geite Z. zweite Heimat darbot, ohne Rücksicht auf das Ver-1 ächtliche ihres Han!de-ln.s zu llohmen. Auch uns Juden fehlt es nicht <rn! Verrätern ihres eigenen Volkes. Nicht von den Inden will ich sprechen die a-la Siemens vorgega-ilgen sind, Mit schlijmmere Verräter ihres Volkes kben sich gefunden. Haben die evsteren! wenigstens durch ihren Wohl sprach ubi bente, ibi« Potria ei,ge Ensschul'digimg, ist ׳es auch eine sehr motte, so hoben doch die letzteren nichts vorzubringen, was ihr Vovgehen inein ^1ni,lkres Licht rücken könnte. Eieal heis-er K׳anlp!f ist allgebrochen, von ollen Seiten wird der Versuch gemocht, ׳das Verhältnis zwischen Juden und Polen, beziehungswoisen Dcntschen und Jllden ztl klären und 51t regeln. Männer aller Richtungen lassen sich in diesem Wortkoinpf vernehnlen, ׳der nicht immer, ohne Haß und Vorurteil geführt wird. Wir sind sicher ilichtersrellt, we1׳W ein Nichtjllde Worte spricht oder schreibt, die gegen unser Volk gerichtet sind. Hier könneil wir aber!loch verzeihen, denlil wir kennen die Quellell aus denen dieses trübe Bächlein׳ qtlillt. Anders, lvenn Jllden in ihrer Selhstverliongnllng so weit gehen ihre Brüder zu befehden, wie es eilu Herr Doktor Willy Cohn in seinem Artikel ״Zllkunst fragen des kutschen Judelltlinls" tut. Also läßt sich Herr Doktor Cohn dort vernehmen: ״In die altjüdische Potri'Zierfoulilie koillint ein, Jüngling aus denl Osten, der unr Geldjinansch ist, und indent er dos arme, eher hochstehende Jettchen kiratet, zieht er die Familie, zu sich herab. Hier heißt es einen Ni>ege-l vorschiiebei׳. Zllm Segen des dent.scheil Indentnms-—-- Die ungeheueren Meilschellreservoire des Ostens gießen, falls sic nicht daran gehindert werden, Jahr für Jahr ihre Massen ׳nach dem Westen aus. Wir wollen unsere jüdischen Glaubensgenossen des Osteils — in jeder Weise zu heben suchen — aber wir wollen lind ulüsscn -allch zwischeil ihnen ltnd uns eine Scheidelinie errichten wollen wir nicht das deutsche J-udelltlnu ans das empfindlichste schädigen." Hwr Cohn möchte eine Scheidelinie Mischell Ost- und Westjuden, ahntich wie Herr geh. Regierlnvgsrat Fritz int. seitten Grenzschlnißforderuugell. Abschließnng und Auss,chließllng, Schlch dem Jdeolisullls der deutschen Juden vor dem Materialismus der OstjNdcn, das sind -di!e F׳orderll1׳lsgen des H׳errn Cohn. Aber cs wird noch!besser, denn später findet sich lloch folgendes Bekeiliutllis: ״Ueber sie ׳(die Grenzen des deutschen Votevliowdes) wollen wir,nicht Hii1l,0l1sschiielen nach den Juden der aildereu Länder. —-Mit jenen verbindet uns fei 11 SBtonjb wehr und darf uns nie. nlehOeiNs verbinden." Wahrlich ein schönes, voll» Jkalismus getrogenes Progra!>rllll, für seine Bekenner auch!bequem, denm! für sie ist so die Judeilfrage einfach lind billig eiin« für allemal gelöst. Eines vergißt ׳ober Herr Cohn. Die Großväter vieler heute schon! idealistischer deutscher Judeil (ja vielleicht auch der Cohns) katnen vor llicht zu vielen Jahreil malische lud mi׳t Schläfenlöckchen lind Klaftani aus denl fernen SJfteii nach Deutschland um hier zu verbleiibeil. Prächtig -habell sich — trotz der Großväter schlechter Sitten — die Eilkel entwickelt. Nichts von. ihren- Ahnen ist an ihnen -haften geblieben, nicht eHuilial das Bewllßtsein,, daß ihre Väter ailf ׳dein selben Wege emrmal faimeit, den sie hellte ihren Brüdern verrc!t!l׳»ul!e׳tll-. wollen. Herr Cohn! will alle Bande mit kn i! Juden all derer Länder zerre ißen. Treibt ihtt der Krieg -dgzn? Will er seinen Patriotismus dadlirch beweiseil, daß er ewigeil Bruch lilit den Judeil, der un!s feitldlichen Staaten, schwört? Cohil. weiß wahrscheint ich .llicht, daß erstens nichl die Juden diesell Krieg, verschlllkt haben uild z.weiten׳/s, daß jgder einsichtsvolle Mansch übergeillgt ist, daß alles geschehen lllüsse, nm nach dem Kriege das gute Einvernehmen unter dell Völkern wieder herzustellen. Männer, deren Potrieti-smus nicht zu bezweifeln ist, haben dies ösfentlich erklärt, Cohnaber, der Uebc-rpatriot, brich! lnit den Jndeil der anderen Länder. Ein nicht welliger annmtiges Geständuis verkündet Ludwig Geiger im seiner ״Allgemeinen Leitung des Judentums": ״Jnlinjer war unser Beistrebetl darauf gerichtet ltnd soll es ferner sein, die zionistischen Znklmstsplün'e! ztl bekämpfen lmd llnellitwegt unser altes Kredo zu verkünden, das; der Ztonis<1i׳«ns der schlimlnste Feind des Delltschtll'Ms war und ist lind ׳daß er von jekill wahrlind k-utschgesinnten Judell aufs entschiedenste bekämpft Werk." Das alte Mährchen, kr Zianislnns der Feind des Delltschtutns, die Uiltelschiedlmg vatorlandsfeindlicher Tendenzen, das nicht einnnal unsere Gegner ans nichtjildi schein | Lager zu erzählen wagen, ist zu neuein Leben er-!wacht» Auf diese Anschuldigung wäre schade näher eillizugehell, bmm gerade der Krieg hat es bewiesen, dos; die Zionisten mit Milt und Todesverachtnng gegen die Feinde Deutschlands gekämpft haben. Angesichts solche.r nnleligbarer Tatsachen sind Aelißerlingeil solcher Art, wie die Geigers voll weit größerer Niederträchtigkeit, als die ähillicheu Jiilmlts ans vergongenell Tagen. Das sollten Mer mich unsere Gegner nicht vergessen׳, daß Ulan im Kampfe »iTjiir ehrliche Waffen benützen soll, ilicht -aber durch Verleumdling und Anschwärzerci das Glück korrigiereil darf! Wien, im Jäune 1 n. Felix Ungar. Wetterleuchten. Eine Besprechung von Leopold Schwarz, Brünn. ״Politisch! Lited — eiin garD!g Lied." Aber ui-cht u!nr Politische Ka-ntpflieder, sondern! allch reiiu relilgi-öse und gar erst politisch-voligiösc Strentgedichk״ könnlen sehr leicht garstig lindganz ungenießbar werdcil,!insbesondere, lvenn kr Ton durch,allzustarke tl-oberspannling leidet und o'beildre-i,u die Zahl der GedWe Uns Uferlose wächst.- Diese große Gefahr zll mngehen, ist nur eiinenl Wirklich bekntellden Dichter gegeben, lind vi!n solcher konn sogar -denl entschiedenen Gegner seiner Lebellsnnjd Schasfe1lsr׳icht1׳mg volle Achtn,״g lind selbst Bewlvnkrll'ng abringeil. Ei׳n schärfster Tendeilzdichter dieser -A rt, als e-itii-er der stärksteil Nlifer im kntschell Dichterhainlkr rö m ischkatholischen CH ristellhe it lvoh lbeka,1ln!t und vielgelesen, außerhalb der streng-katholischen Deutschkrei-se jedoch iiilfolge se!i!1ler Abs0׳ll>krllng nur Wonnigen vertraut, ist der 1857 i!u Deutschf׳(Hinten gebo,Wille, i|n; Wien lebende Franz Cichert, ksseil Zeit- und Streitliieder ״Wettorlolichteil", Oktavseitell stank, schoil 1912 bei׳ Friedrich Alber -in Ravensburg, Württonlberg, das vierz-ehil'te Tauseild Eremplore erreichten, also etite vor kul Kriege für Gedichte gewiß ungewöhnilich hoho Berbveiülllg. Aber auch E-iichevt selbst zeichnet sich durch eiine beträchtliche Ungelvohiltichkeit aus: ein scharfes Flamnieuschlvert rmd e!ine lllächtige Doilnersti'lmnle int B-lllilde niit echter Begabung sind ihnl eigen. ״Des freiiiell Wortes blanse Wleh-r Hab' ich von Gott erhalten, Und inlnter will zu Gottes Ehr' Ich dieser Gabe ׳lvatteil." Ja-, etil׳ -heißer Go-ttesstreiiter ist dieser Dichter, aber nicht bloß ei!11 ailisgesprochen christlickpr, srnderil überdies ein -ilnr-katholischer Gotteskämpser, für den es keinen aildereu Weg zti Gott gibt, als nur׳ durch ben gekreuzigten Christus, Maria lind die röllltsch-katholisch? Kirche. ״Und wimmelt anch die Welt von Krenzzer- - trctern, - Wir fürchten nichts mit Kreuz und Rosenkranz! Wir Hab eil freii-ich nur ein- Heer von׳ Beteril, Ihr habt die Macht, die Zahl, das Goldes Glanz! Nur E-itnes habt Ihr ilicht: -in Eurer Mitte Wohnt Christlls nicht,!vo-hnt nicht die Jllngfrml vom — -- Und w'.'Niiii mit -Euch die gailze Hölld stritte — Wer ist wiie Gott! — Der Sieg wird Gottes sein!" ״Wer ist wie׳ Gott! -- Der Sieg wird Gottes sei,ll!" Um dieses Rufes wUten verdient F-ranlz Eichert, von allen Gotteskinlderngehört zu iver- -den. Wer Ohren hat zum Hören und Augeil zu nt Scherl, kr tvird faum im Zlveisal sein«, das; aus kill größtell lmd fürchterlichsten aller bitzh-eri!qell Kriege, ben mit zu erleben Mid mit ztl erleiden lins beschieden lvaaid, ei,׳׳e überirdische Stinlme dröhnt Mld -ei.il. großes Wetterleuchten zuckt, um die übermütig und blichstäblich ״gottlos" .Moordetlell Mellschenkillder wieder zu Gott, dein Einten Vater Aller, in Demut und Gerechtigkei׳tsliebe zurück ztl führen. ״Zerrissen jedes gottgewollte Baud, Volk feHilidlich lvi-kr Volk, Stand wider Stand, Und Br!ll!kr wsder Bnider wiild tut Krieg; Ein- K,.׳,nlpf, xt, km nur Einenl winkt der Stdg, Dem Härtesten, dem Goldesgier und Lust Anstilgte nleilschllch' Fühlelt in der Brust. Nach falschen( Ziel ein furchtbar wildes Renneil! ״Au ihren Früchten sollt Ihr sie erkotlniell!" Diese kleiu-e, aber gen!ügelld kemlzeichlletlk Probe zeigt n/nv? des Dichters zweite Seite oder auch Saite: die starke Stinnn-e des Ntisers imch sozialer Gerechtigkeit, des christtich-sozialen Dichters im besten Snrne des weUmild Maiuger Bischoss von Ke-tteler und des Wiener Schriststetl-ers Freiherr von- Vogel sang, nicht im eng bcgreilztetl Parteipoliti.scheil Siiln-e. Ter gleichfalls sehr la'llte ntub vielleicht eint wenig oder sogar sehr grelle Ton -anch dieser Gedichte erklärt sich ans der!tun zum Teile, schon! über dreißig Jahre "7;itvi'uf reichenden Eutslehnngszeit dieser Dichtllngen, die der Verfasser ansdrücklich -als Zeit- und Streit-Lieder bezeichnet. J-tt seinem Vorlvorte ztl der inn Jahre 1898 erschienenen ersten Alst läge kr ״ W et te r l e l 1 chtr! l," - S-ai l l 1 l l l tin g schrieb Franz Eichert: ״daß unsere Zeit einte solche Zeit ist, in derenl! dtlnklen Tiefen eine gewaltilge Zukllnft km Lichte eiltgegellreift, wagt Wohl lliemand zn bestreitell. Noch weniiger, daß sie eine solche ist, deren Elends- und Jamnlerfülle jedem fühlendcil Herzen Trän-eit des Mitleids erpreßt. Man gönlne lltin׳ atlch delll Dichter die Freiheit, ein! Wort von km, was «o,hn!ll>ngsvoll durch! seine Seele ranscht, m den Streit des Tages ztl werfen n.?mit den! Enterbten der Zeit zu weinen n. in ז t ihren Peinigern zu grollen!" — In den Abteiln-ngcn 2 lind t kr beiden Teile kr vierten Alislag? -atis km Jahre 1912 findet sich aber eine größere Anzahl 8״tlihepim-kt"-Gedichte, die das ewige, ans die Dauer ermüdende Kanlpfnnd Schwertaeklirr mit sanfteren Tönen unterbrechen. Daß Eichert, lli'.Oeschadet des kräftigen Grutldtones dieser soililer ״als Dokument eines jngendlicheil Werdeganges" zll wertenden GedichtsalilNllnng. tatsächlich anch sau!fter Töne und fvenn-diichster L-ieder fähig ist, zeigt z. B. das allerliebste, echt volkstünll-iche Liedchell ״K-i׳nldor llnd Frühsing", dessen erste Strophe H1M als Probe diene: ״Nliu Kinder, macht euch ans geschwind, Dem Frühiilg zieht ontgegeil, Der Frühling )st ja auch ein Kind Un«d bringt den Kindern Segen. Nun ist die Stlibenhockerei Uild Kälte, Eis nind Schno? vorlboi, Di? Olletteil -all' sich regelt." Kleine Schönheitsfehler, vere-in!zelteälißere nnd innere Mängel entschn-ldigt -der Dichter mit ansreichender Begriimdlmg durch den hantelt Zwang drücketlder Abeitsverhältilisse. ״Meiitl poetisches Schasfeil", heißt es im Volvorte ztir -l.Alifl-age, ״ist eigentlich cir.v steter Kamps des dichte-rischeil Dranges mit kr ilNe-rbittlichell Pflicht, die milch ans ei!1l-e1l Posteil stellt, kr so zienllich alle »leine geistigen nnd körperlichell Kräfte iil Anspruch iliiilmt. Die Gll!n!st des ruhigen lmbesorgten Schaffells, die als linerläßliche Vorbedingnn-g׳ kr vollen Entfaltllli'lg Poetischer Anlagen gelten kann, war mir nur se-lken gegönnt, llnd in j-ahrzehlltelange nt Streite zwischen inirlereill Drange nnb all frei beil kr Ve-vlisstätigkeit ha!be ich das Wort Platens ans seiile WUhrheit prüfen gelernt: ״Keiner gehe, wenin er einen Lorbeer tragen will davoll-, Morgens zn-r Kan-zlei «mit Akten, abends aus kn Helikon." Eichert mußte bis zum Jahre 1891 als Eisenbahllbganlter in Wien, zur Kanzlei gehen, nm diese daun« daselbst mit der noch anfreibenderell Tätigkeit als politischer 8tedaktell!r zli vertanschen, deren h-eiilmender Cii'islnß ans die edle Dichtknnst in -einem sehr hübschen, bitterlalnriaen Klaaelied ztl kräftigenl Allsdrnck gelangt. ״Das arnle Lied" lKla-ge eines Dichters, -kr ungleich Zeitlmgs- Itedaktetlr ist) beginnt rührend tnit dell Versen: ״Meine Mtlse liegt in! Fesseln, teilt des Göttersohnl's (beschick - Wie. e׳'u> brennend' Hemd ans N'c-sseln» peinigt sie die Politik" lmd schließt mit kn bitteren Verzichllvovielt: ״Armes Kindchen! Blas; und trattrig — all sein S ingeu ist vorstn-'nnlt — Unter ZeitnngMättern slhallriig liegt's zur Mllinie venliunullt."

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