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Jüdische Volksstimme · 1916-02-18 · Heft 3 (18.2.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 3 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2. uSIHMt V*N»ßr«»e.E Nr. 3. Es soll auch nicht Zahlen und Leistungen in Gesamtsummen ■nngdH'11, es soll bie kontrollierbaren Einzelleistttngen nachzoeisen u׳nd die Bebeutmui bica* ,uroft Mid her Tätigkeit bei* Juden für den Staat ins rechte Licht setzen und darauf bie ben Jnben im Staate .znkonnnende. Stellung begründen. Zur vollen Erreichnnsi dieses Zieles soll jede Knltnsgemeiude sich ein solel>es Ehrenden-kmal setzen unD die Redaktion sän'tlicher Ausweise wirb zuerst nach ben Ländern- und daraus wieder das Gesamtwerl für ga׳n,z Oesterreich zusanmnengestellt. Ein gleicher Vorgang wäre auch für Deutschland und alle an diesem Weltkrieg betoilsgten Länder zu empfehlen. Die Zusaininenstellnng e!i,n!es solchen Denk- »:,als für jede einzelne Gemeinde denke ich mir so: Ju jeder Gemeinde bildet sich ein Komitc aus freiwilligen Mitarbeitern, von welchen jeder eine Cvcftiiir.mto Partie zur sorgfältigen Durcharbeit übernimmt. Ein gutes Hilfsmittel geben die Lokalblätter ab, in welchen die Verzeichn,'sse über alle den Krieg betreffenden Personen und Leistungen enttzalten sind, undzivar von 1914— 1919. Daraus und auf dem Wege Persönlicher Erkundung sind die genauen Angaben zu holen: 1. Die Zahl und die Namen der zum Fe-lddunste Einberufenen, der ledigen und r-erbeirateteu. 2. Die auf dem Schlachtfelde Gefallenen, ledigen und verheirateten. 9. Die Verwundeten, gebeilten u>nd invalid geworbt neu. 4. Die Ausgezeichneten, Titel der Aus,;eichmtuacu. r>. Die Aerzte, ihren Rang und Anszeichnun gen. t>. Frauen und Mädchen, die sich dein Krankendienste freiwillig lvidmeten und deren! Auszeichnnngen. 7. Feldrabbiner, deren Wirkungskreis und Auszeichnung. 8. Die Namen der Zeichner und der gozoichnete Betrag für die 9 oder mehr .Kriegsanleihen. 9. Die Schülorna.men und deren in der Schule gezeichneten Betrage für die Kriegsan-leihe. - 10. Die Mitglied erzähl und Beträge und Spenden für das ״rote Kreuz". 11. T:e Spenden für die verschiedenen Arten der Kriegsfürsorge, wie Witwen und Wjaisen, erblindete Soldaten, Prothesen usw. 12. Die wöchentlichen und monatlichen Beiträge zur Versorgung der Armen während der Kriegszeit, Kofttage für jüd. und nichtsüdiischc Kinder. Immer neue Massen drängten durch die Stadt, bis der Donner weiter gegen Osten Zu verklang. Der Jubel des befreiten Volkes erfüllte die Strafen, lichte Franenkleider u. Blumensträuße wurden sichtbar, um die Sieger und Befreier zu grüßen. An der Spitze seines glänzenden Stabes zog ein) deutscher General ein-, deutsche und österrei- -chische Truppen!nahmen Paradeanfstelllmg auf dem Npnek, -von dessen Häusern die Fahnen flatterten). Salz und Brot wurden dein Heerführer gereicht, Kreuz und Tora hielt suiain: ihm entgegen. Wieder stand. Boris Goldenberg, bei einer Gruppe 001:1! Juden, alten und jungen, mit gramdurchfurchten Zügen. Wieder bebte er vor Erregung, die Bilder ׳dar letzten Tage zogen in ׳seinem Geiste rasch vorüber. Wie im Traume sah er «ans das glän- Lende Schauspiel vor seinen. Angen, hörte Rede und Antwort. Dann wirbelten die Trommeln uud die Hörner klangen jubelnd in! den fernen Donner. Ein eherner Hymnus brauste über den weiten Platz. In einer Ecke stand Boris Goldenberg entblößten Hoinptes, mit der Rechten umschloß er die Hand e-iinjes Pominer'schen Husaren, die Linke hielt ein:- Kärnthner Schütze und in die kräftigen deutschen Stimjinen l)inei>u, klang das dünne Or- ׳gan des poln-iischen Juden: ״Lieb Vaterland magst ruhig sein. Wir Me wollen Hüter seil»." 19. Die Spenden zur Unterstützung der galtzischen Flüchtlinzze. 14. Die von Juden selbständig errichte ton Wohl fahrtsalt,stal ten. Die sorgfältige׳ An.sarbeitnng der vorstohende:1 Verzeichlltjse wird das ׳glänzendste und nurzerstörbare Denkinal der jüdischen Leistungen in diesen: Weltkriege für jede e-iinzolue Gelnoinde, für die Jubeuschaft in jedem Lande und in u-ns'orei» großen Daterlande aufstellen. Das soll nicht etwa ein ans perföntichem Ehrgoigc o-der, wie gewi'sso.Kreise sagen lverdeit, aus jüdischer Nlchmredigkeit hervorgehendes Ehrcublatt der Inden Oesterreichs sein-. Es soll violmehr ein Schutzblatt seilt, lvie der ehcinaiige Turrnaltar Üm Ostjordanland, Iveiin die gewissen Mitbürger, alls deren Dank wir Juden nicht .Zl! rechnen haben und nie- 1tt!als rechneten, und denen wir stets nur zur OpfeNvilligkeit, die opbvaucht wird, gut sind, sagen werden: ״Das Jordanwasser scheidet uns von einander", ihr gehört,nicht ,;,u uns, ihr habt kemen Teil ail den grossen Errn-ngen schäften des Weltkrieges", b1an1׳l, werden lvi!r die u::Widerleglicheit Zahlen und Netneilsverzeichnisse hervo-rholen tt,nd erwidern: Bringet div Beweise, daß ihr mehr uud besseres geleistet haibet und wo.vi!1l euere Vorzüge bestanden und -noch bestehen. Diese Ausweise miiffcn auch dazudienen, unsere Stellang und unseren Platz gleichberechtigt nnd nubeschränkt in unserem Staatsleben einzunchmen. Wir Juden müssen -nicht nur in- Kriegszeiiten, weinini es gilt, wer die lne-isten ׳und größten Opfer bringt, unterschiiedlose Staiatsbi'lirger sein׳, ichr müssen es ailch i>nder FriOde,n!szeit bleiben. Es darf daher beii! gew!issen Besetz rmgen im Staatsdie'nste d-as Jordanwasser n-icht die unüberschreitbare Grenze vonhier und dort bilden. Der charzakterfeste Jude, der :nicht uni eilw Stück Brot seine U-eberz-engung, seine Volkszugohörigkeit verleugnet und preisgibt, darf nticht bei. gleichen oder gar besse-reu Fähigkeiten, bei ebenso-gewissenha-fter DienstleUtmig •cfifniom leichtfertig wie ein Modestück die Religionwechselnden Collegen aachgesetzt und -Uni seiner Laufbahn geschädigt werden, we-ül das Jordianwasser e-iiue! Grenz scheide bildet. Nach dom Frieden wollen wir Juden wie 1iim Kriege in unseren: Vatcmlande mÄ aiffen and׳eve!n Staatsbürgern, ein -ein-ilg Volk von- Brüdern sci!v." Dazu diene das große Volksdenkmal der Judenschaft in Oesterreich und zur Nachahmung auch in allen anderen Ländern des Weltkrieges. Weltkrieg und Weltfrieden. Von Dr. I. Eisenberg. Dobrisch, im Februar 1916. (Nachdruck verboten.) Die Bibel erzählt: Als König Salomo den Thron seiner Väter bestiegen ha-tte, da erschienen vor seinem Tribunal zwei Frauen, welche eine Wohnung gemeinsam -inine hatten und des Morgens eines ihrer Kinder tot i!nr Bette liegen sahen. Eine Frau behauptete, das lebende Kind,gehöre ihr und das tote — der Nachbarin, hie es im Schlafe erdrückt hätte. Die zweite Frau hingegen brachte das Gegeilteil vor, daiß nämlich das an ihrer Seite vorgefu!1ldell>e tote Kind der Ersten gehöre, welche es des Nachts gegen ihr lebendes vertauscht hätte. Der König ließ sich ein Schwert reichen und traf Anstalten, um das lebende Kind Zn zerteilen und jeder streitenden Frau je eine Hälfte zll Übergebell. Sofort schrie die richtige Mutter-auf: ״O Herr und Gebieter, folge.ihr das lobende. .Kiud ganz aus und füge ihm kein Leid zll!" Daran -erkan,n.te sie auch der König als niatnrliche Mutter und sprach ihr das Kind zu, wühr-e-lid ihre Gegn-eri-::., welche es lieber zerteilt gesehen hätte, mit dem toten Kind auf de!n Armen den HeinNdeg -gutreten mußte." — Diese schlichte Erzählung dar heiligen Schrift (König 1., Kap. 10, 1—10) hätten die engli-schen Diplomaten beherzigen sollen, um soviel Mißgeschick «iim Wjeltkriege und soviel Unglück der MensHhoit zu ersparen. Um die Selbständigkeit dejs belgjischen Staates zu retten, entzündeten die Machthaber der englischen Nativll, der Verehrerin der Bibel, in! Juli 1914 den WeltLraild, welcher -bereits neunzehn Monate mvi-t ungeahnter Hetfigksit und beispielloser Grausamkeit wütet und den Völkern Europas die blutigsten Wuildcn :zeschlWen l>at. - Wäre es aber beim Jniselvolke tatsächlich um die Zukunft Ve-lgiens zu tun gewesen, wäre es als wirklicher Beschützer der Selbständigkeit des klcii-- neu ^Nachbarstaates ailsgetpeten, so hätte es, gleich der natürlicheil Mutter i.N der angeführten Erzählung, den Ausbruch der StreiWgküilten lieber verhüten, oder endlich jaden Augenblick die Gelegenheit ergreifen müssen, um den Kämpfen -auf sriedlichqm Wege ein Ende zu!bereiten. Der kün-ftilM Oieschichtsfvrscher, welcher,ein abschließendes Urteil über di!e UrsaHnen und Wirkungen dos europäischen Krieges zu fällen, -in der Lage sein wird, wird zur Ueberzen,gu,n!g gelangen, dgß die Machthaber Englands ,ihrem belgischen Schützling -einen gar schlechten Dienst -erwiesen u. durch ihre Politik der Unaufrichti!gRe.i!t daß Unglück Frankreichs, die DomütiiWUg Rußlands und iln letzterer Ze!i!t die VeainichtuiNg Serbiens Wausbeschworen hat. Ter künftige.Geschichtsschreiber wird die Ueberzeugnug gewinnen, daß England in den Krieg zog, um eiuen lästigen Konknvrenten auf,dem Weltnrarkte zu Wasser und zu Lande mit Hilfe der russischen Dampfwalze aus dqnr Wege zu räumen u11׳ib Deutschland -auf die K!ni,e zu zwingen. Der knnftilge Geschichtsforscher Wird erkennen, daß bie englischen Machthaber di,e Interzessen -ihres Landes denen der kleiUen Staaten voranstollten, und das Schicksal der kleinen Völkor verschuldeten, welche i-m blinden Dovtrauen ׳in die Macht u!nd d-ile Weltstellung i,h-ver Gö׳nner sich für dieselben verbluteten. D>ie russische Dampfwalze sollte die!deutsche Ku-ltur zertreten, Berlin und Wien, die R'esidenzen Zeutvaleurvpas besetzen und dile europäischen Völker knechten. Allein gar bald mußten die ungelze-ue-ren Heeressäulen dos Zaren den schlemr-igsten Rückweg.in ihre Hoim!at antveten, sich der Residenz,chros Herrschers -nähen: und die schrecklichsten Bovlnstie erleiden. Aber -anch die -eu-glischfra>nzösischon Truppenko!o,n-nen im Westen mustteir gar bald, statt der erhofften Siege, die Zerteilung des belgischen Staatskörpers melden und! ihre R-egieruugen faßten -den En-tschluß, die- Blockade über Mittel- -europa zu. Verhängen. Was also -die Waffen uiicht zu vollbuingen veruwchten, sollte der Hunger erzielen. Es ist selbstverständlich, daß diiesjo Maßr-egel!die we»itesten Schichten der Bevö-lkernng treffen und sogar von neutralen Staaten schwer empfunden werden must. Die bibelfrommen E-1:,gländer sollten bedenken, dast Deu-t-eronomiwn /(Kap. 20, 19—20) -es -ausdrücklich als einer kriegführenden N-atzion uuwürdjig -erklärt, die dem Feinde gehörenden Fruchtbü>um!e mnzuhauen und dijo Ernährung seimer Äevolkerintz zu nnterbinden. Ja, selbst Mohammed enrpfapd eß als Greuel, bei. Be-la«gerung!einer Stahlt, die -dem -eingeschossenen Gegner gehörenden Datt-elbäume n>iede!rzu.l!e!ge-n-. U-n!d wein-ner einn^ail anläßlich der Belagerung ׳eiiner jüdischen Festung zuerst ihre Dattelbäume fällte, so koulute er seine Handlungsweise danrit rechtfertigen, Gott habe ihm -Äs Propheten eben!manche Konzession ei!n,geräumt, (Ko-mn Sure 89, Vers 49) die jedoch jepem andeiren Krieger verboten sei. Ob aber auch die. englischen Diplomaten ihr Vorgehen mit -einer solchen Ausrede zrr rechtfertigen vermöchten, erscheint sehr zw-eifelhast. (Forts-chuug folgt.) Also, sprach Herr Cohn. Es gibt Wohl m-ichts verächtlicheres als seinen Stanrnr uuib seine Sippe zu verleugnen und zu beschmutzen. Ein altes Jiargon-Spri-chwort sagt schon: ״Wer seine Familie beschiinpft, an den: ist Kein Segen". Dasselbe gilt für Stamm und Volk. Dieser Krieg gab vielen Gelegenheit, die Maske abzurei'ßen rmd -ihr wahres Gesicht zu zeigen. Männer -deutscher Abkunft, hielten sich Nicht -für zugut, i!n eiüWn Moment, dp ihr Vaterland m größter Gefahr schwebte, in Erklärungen ihren vatriotischen Gefühlen für ihr neues Heimatland durch haßerfüllte Ausfälle gegen Deutschland zu bekräftigen u,nd zu!beweisen. Und es waren nicht die schlechteste Namen, die rm-ter den Erklärung gen standen, n-ei-n Namen, die in, Deutschland einen guten Klang haben. So Siemens und Baron v. Schroeder, dje jeder Deutschs vor dem Krieg stolz zu seinein Volke zählte. Ubi bene, ibt patria ist der Wahlspruch dieser Herrn gewesen und sorgsam hüteten sie das Gute, das -ihnen ihre

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