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Jüdische Volksstimme · 1916-02-18 · Heft 3 (18.2.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 3 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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», Jahra. XV». Nummer 3 ftolhöftimmr. Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6*20 ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rutzland, ganzjährig.Rubel 16 — Balkan, Frankreich ........ Frank- 4׳— 4---L Wien—Budapest. Brünn, \»■ ^9616\56"״ Prag—Lemberg. N --H Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe S. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die Sspaltige Petitzeile 30 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Bezugspreise: Ein Denkmal der Judenschast. Bon Professor Dr. Adolf Kurrein. Als!bfi'e Eroberung Kanaans so weilt gelungen war,!daß die Verteilung des Landes vo,rgen!o»:men werden konnte, -entließ Josua diite dritthalb Stämnw Nuben, Gad u-Ud Me!n!asche, welche -ihren: Borsprechen getreu die Vorhut gebildet hatteu, ili:׳ das ihnen von Moses zugedachte Ost-Jovdia>ul>c1md, ׳iln idem sie »nunmehr frilodlich lcden und ihrer Beschäftigung niachgchen konnten. J׳u den Besitz ihres Landes gelangt, bauten sie sofort -ciinen hohen Altar, der weithin üm das jenseitige Land seinen Schatten warf und diie Auf- :::erks!a:::ke!i!t aller lauf sich lenkte. Nach der Berän!lassiu,n!g zu diesenn sonderbaren Werk gefragt, gaben sie die Erklärung ab: ״Aus Besorgnis taten Wir das, indem Wir dachten: Künftig werden eure Künder zu unfern! Kinidew sprechen: Was habt -ihr mit dom Herrin, dein Gotte Israels schassen? Der Herr hat eine Grenze gesetzt zwischen uns und euch, ihr Söhne Nuben und Gad: den Jordan: ihr HM keinen Teil an dem Herrn. Und so werden eure Kinder unsere K inder stören, den Herrn -cmzubisten. Da sprachen wiir: Wir wollen doch für uns sorgen, den Altar blauen, dcH er ein Zeuge sei zwischen uns und den Geschlechtern nach uns, daß nicht eure Kinder künstig sprechen zu unseren Kindern: Ihr habt keinen Teil an dem Herrn!" Hätten die Juden mehr und sorgfältiger allezeit aus un!serer Geschichte gelernt, hätten wir kt den verschiedenen Jahrhunderten und Ländern uijcht versäumt, solche Zeugnisse unserer Tätigkeit' im Vereine mit dort Mitbürgern glaubhaft und, unwiderleglich uns zu »errichten, so hätten wir m,a!1:1che bittere Enttäuschung uns erspart und die Verleumdungen nus/evev Feinde ad absurdum führen können. Eine solche Aufgabe Wird der künftige Friedensschluß der gesamten Judenheit in allen Ländern» mit ׳geschichtlicher Notwendigkeit stellen. Haben wir Juden doch überall, wo immer wir leben, unsere patriotische Pflicht bot und ganz mit echt jüdischem Herzen getan und standen keiner Nationalität, keiner Konfession auf irgendwelchen: Gebiete nach, und trotzalldem machen sich schon jetzt noch dm Krisgslärm, der alle Gegensätze im Innern schon aus Klugheitsrücksichten zum Schweigen zwingen sollte — die antisemitischen Schreier bemerkbar und verraten ihre Absichten für die Zukunft nach dem Kriege. Es wair daher ein goldenes Wort zur' rechten Zeit, ein, von der gesäurten Judenheit nur allzusehr zu beherzigendes Memento, das der k. u. k. Konckradmival Geza dell' Admni» v. Darczal in einen: offenen Schreiben iin der ״Neuen Freien Presse", Nr. 18442, am 26. Dezember 1916, aussprach. Es lautete: Euer Hochwohlgeboren! Mit diesen Zeilen!möchte ich die Anregung geben zur Herausgabe eines Werkes, betitelt: ״Die Juden Oesterreich-Ungarns im jetzigen Weltkriege." Die Jude:: haben heldenmütig ijn dev Front gekämpft, als Aerzte Außerö-rdsnMichss geleistet, in Galizien hat die jüdische Bevölkerung einen nicht genug hochzuschätzenden Patriotismus bewiesen, wofür nur, mn einen Beweis desselben anznführen, die Hilfe erwähnt sei, welche sie versprengten Offizieren unserer Armee -angedeihen ließen, igidem sie denselben in! ihren! Heimstätten eine Unterkunft gewährten, ihnen. Zivitkleider gaben -rmd denselben zur Flucht halfen. Schon Montecuccoli sagte, z»mn Kriegfi'chren brauche man Geld, Geld, und i!n welchem Ausinaße sich die Juden durch große Zeichnungen an den bisherigen Kriegsanleihen beteiligt, wäre leicht nachweisbar. Durch Anführung der Taten und Leistunge:: einzelner, welche für ihre Vor-- dienste von Sr. Majestät ausgezeichnet wurden und die i.m Wege eines Aufrufes zur Bekanntgabe an die Redaktion des Werkes von! den in Betracht kommenden Personen selbst ei nz uh ölen wären, kön׳n.te retches Material zur Verfügung gestellt werden. Die Beteiligung der Inden an den Kriegsfürsorgezwecken und all den andemit zahlreichen Wohltätigkeitsan stalten hätte ein weiteres Kapitel des Werkes zu bilden. Das Werk selbst würde nacht nur ein hiistorisches Denkmal und für die kommenden Generationen diin Ansporn sein, ein gleiches zu Um, sonder:: auch für die Stellung und das Ansehen der gesamten Judenschaft der Monarchie von! großer Tragweite. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Geza dell' Adami v. Tarczal, k. u. k. Konteradmiral. Rudolfswert, 18. Dezember 1916. Auf dieses höchstbedents-apne Schreiben erfolgte nach einigen Tagen eine Erklärung -iin« demselben Blatte, daß in Wien sich bereits unter der Redaktion» des Herrn N. Birnbaum oin-e solche Arbeit als jüdisches Kriegsarchiv gebildet habe und 3 Heftchen bereits -erschienen sinh. Darajus schließe ich aber, daß das nicht den: groß alngelegten Plan eines systematisch ausgefühvten Werkes in: Sinne des k. u. k. Konteradmirals fein werde, weil das nicht von einem Kon:!ite geleistet werden könne. Ein solches Werk verlangt die Mitarbeiterschafl aller jüdischen Kultusgememdein. Feuilleton Die Wacht am Rhein. Zwei Skizzen von Hanns Fischl. 1. Gegenüber dräng,ten sich die Anderen-. Slaven, Italiener, Sozialdonwtraten und eine statt- -liche Schar der »nationalen Juden. Dorthin bahnte sich Bovis langsam den Weg. Ein blonder Bursch mit zerschmissentem Gesicht, den nur sein Davidstern in:- Knopfloch als Stammesgsnossen erken״ tuen ließ, klärte ihn! gefällig über die Vorgänge auf. Die deutsche Studentenschaft wolle den andevn Nationen verschiedene Rechte strittig ma* Es War in den, ersten Jahren des neuen »chen. Mcm dulde die Ni-chtdeutschen nicht mehr i!n> Jahvhu'nderts. Boris Golde!:berg aus Cholm in der Mensa, man! verweigere ihnen das Farben Polen hatte die Wiener Universität bezogen, um' recht, den Juden ziuden: die Satisfaktion. — Boris glühte, da gab es wieder Kampf un: die Freiheit wie!daheim in Polen. Ei:: deutscher Student hatte dgu Sockel ׳einer Säule erklo::::nen und hielt eine zündende An!- a!n der altbewährten Hohen Schule die Heilkunde zu studieren-. Eines Tages kan: er zu den: Renaissancopalast mn Frm:ze::sri!n«g, den er von «einer aufgeregten Monge umgeben fand. Die Rau! , t r war vor: Strrdieuten besetzt, in der Aula drängte spräche. Heil- -und Pereatrufe uinterbraichn d:-e ׳sich Leib air Leib, auf der Ringstraße ko::!nten sich Stille, die seine Siede bGleiiete, dann sanken die Tramwaylvagen kau::: den Weg durch das Volksgewühl bal)«l:jen. Boris Goldenberg ׳hatte mancherlei gehö von den i-mveren Kän:pfen dieses Staates, der ihn gastlich aufgenonVuen, wo er die Freiheit fand-, die er ׳daheim in: Reiche des Moskowiters entbohrte. Er drängte sich hinauf und suchte eine:: der weniigerr Kollege!: zu fi«l:den, an die er sich angeschlossen. An«fa:rgs sah er nur Menschen und Menschen. Allmählichst erst konnte er. die Par- ׳teien ausnehmen. Stuf einer Seite -standen Manu an! Mann die -deutschen Farbenstudenten mit ihren: zahlveichen AichaaD aus der Finkenschaft. Entschlossene Burschen mit K«appen und Lodenhüten, kräftige, gveifer herabreißen wollte, mit der freien Faust Stöcke in der Faust. 1 schlug er zu, dannfühlte er sich gepackt, er wehrte Kappen und Hüte von den Häuptern׳ und die ehrwürdige Halle erbrauste von den Klängen eines ,begeisternden Liedes. Boris Gokdonberg stand zitternd da, den Hut fest auf den Kopf gestülpt, die Fällte geballt. ״Lieb Vaterland, ::ragst ruhig sei«::, Fest steht und treu die Wacht — die Wacht am Rhein." Kann: war!dev letzte Ton. verklungen, da erhob sich ein Johlen und Schreien; ״Hüte ab, Judenbande, haut's ihnen runiter, Pfui, Peveat!" Boris griff ׳an seinen Hut, de!: ihm ein» Au sich, :::an riß ihn von den Freunden weg -und!nach wenig Augenblicken fand er sich barhaupt ans dev Rainpo, wo -gerade die Polizeihelme sichtba r wurden. Und von driintn-en klang die eherne Hymne: ״Lieb Vaterland, :nagst ruhig sei!::, Wir alle wolle!::- Hüter sein!" 2. Es War im Sturmjahr fünfzehn׳. Dr. Boris Goldenjberg Pflegte die Blessierten in: Feldspital der dritten russischen Aru:ee zu Cholm in Polen. In den Sonnnevtagen gab es dort viel U!n»ruhe. Da begannen die Truppen und endlose Wagenreihen weiterznzi-ehen nach dejm! Osten Und der Geschützdonner von: Westen׳ kann immer,n«äher. Schwere Tage kainen für die Juden in Polen. M!a,n schleppte sie fort nach dem heiligen Rußland, beraubte sie ihrer Habe und zerstörte ihre Häuser. Die Mädchen und Frauen ächzten -unter der Schande, die ihnen von den Wildau Kosaken tvavd, und die Greife jammerten ob des Strafgeeichtes, das Gott wieder über sein, Volk -verhängt. Jnnner größer wurden Lärm und Haß, bis jener Schreckenstag kam, an dem die Geschosse eiufielen jmtte:: an: Rynek und die letzten Kosaken plmrdevlch Und nwvdend durch die JudengMen jagten^ Aber hinter ihnen kamen graue Reiter mit funkelnden gelben Stieselir und eisernen Gesich tern, genau wie sie Boris vor vielen Jahren in der Wiener Aula geschen, und kräftige Burschen in! griinen: Loden, wie sie damals ihn: gegenüber gestanden. ..

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