Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 2 (27.1.1916)
- Date
- 1916-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit 4, *•itsfHs«*» Nr. 2 kimge aus GalWn und der Bukowina dennoch die stattliche Summe von über 100.000 K gesamm-elt wurde. Etwa die Hälfte dieses Betrages entfällt auf die ״Kriegslandsspende" des Jüd. Nationalfonds, zu der Juden aller Richtungen iboissteuerten. Von den übrigen Landern ist Deutschland hervorznheben, wo die Anhänger des Nationalfonds immerhin gegen 60 Prozent der Spenden des letzten Friedensjahres sammelten. Dank der Opferwilligkeit der Freunde des Nationalfonds ist es diesem gelungen, alle seine Wirtschaften in Palästina,׳i(n vollem Betrieb zu ׳eirhalten und damit Hunderten jüdischen Arbeitarn lohnende Beschäftigung zu geben. Mit dm Getreidovorräten seisner Farmen ist der Nationalfonds der städtischen wie ländlichen Bevölkerung Palästina zu Hilfe gekommen, und hat viel zur Li'ndeiruna der durch den Krieg hervorgerufenen Notlage beigetvagen. Für ״Notstandsarbeiten", wie Assamerunig sumpfiger Gegenden, Wege- und Häuserbauten, vermochte der Nationalfand leider nur den Betrag von 40.000 Frcs. zur Verfügung ,zu stellen. Da aber nach den letzten Berichten,aus Palästina! die Arbsitslosigkeit infolge allgemeiner wirtschaftlicher Störungen, Requisitionen usw., stark zugenommen hat, so wurde nunmehr von der Verwaltung des -Mtioualfonds ein Plan- ,zur Ausführrmg von! Notstandsarbeiten auf brsiteuer Grundlage entworfen. Zur finanziellen Durchführung dieser Aktion im Jahrs 1916 wendet sich der Jüdische National fonds an alle jüdischen Kreise und erhofft hierbei allseitiges Verständnis umsomehr, als die geplanten Notstandsarbeitcn allen jüdischen Schichten Palästinas zugute kommen sollen. Spenden Werden von. den Landes-Sanunclstelle!: des Jüdischen Nationalfonds oder von« seiner Zentrale: Keren Kajemeth, Den Haag!(Holland), Bierkade 8a, emtgegengenommen. Aus schwerer Zeit. 1914-1916. Von Marek Scherlag. 1. Die Hütten an der Strasze Sind still, wie :nenschenleer. Und weit auf reifen Feldern Wjogt sacht ein Aehrenmeer. Wo sind der Bauer!: Hände? Wo bleibt der Sensen Klang? Ein feindliches Gelände Erbebt vor ihnen lang. Ein einig Volk vor: Brüder!: Erhob sich rings voll Mut, Für Vaterland und Kaiser Zu opfern Gut und Blut. - 2. Viel Tränen Werde!: allenthalb Ji: dieser Zeit vergossen. Die Blätter fallen farbenfalb Von: Herhst ins Herz geschossen. Lieb Mütterlein, gib nur die Hand Und trockne deine Zähren, Ein neuer Frühling kommt ins Land Mit neuen Blätterheere::. 3. Rings Feinde und Gefahre!:, Da zögert keiner :::ehr. Das Vaterland zu wahren, Greift Jedermann zur Wehr. Die opfern froh ihr Leben, Und jene all ihr Geld. Es geht ein freudig Geben Verbrüdernd durch die Welt. 4. Ich ward nicht stark befunden Zu ziehen in die Schlacht, Es dehnen sich die Stunden Zu endlos langer Nacht. Doch dämmert kaum der Morgen, Da. läßts mich nicht n:ehr ruh::, Rings Elend, Not und Sorgen, Nun gilt es, Wohl zu tun! 5. Poch ans Fenster Stnringeselle! Was für Kunde bringst du nur? Wird der Himmel wieder Helle Und verstmnn!t das Kampfgewirr? .... .Wieder inöcht ich!vie vor Zeiten Friedlich in die Sonne schreiten. 6. Schlachtenberichte! Wie wenn Feuer ergloininer:.... Man wandelt beklommen Mit bleicham- Gesichte Gebeugten Hauptes durch die Nacht, Und läßt sich den Glauben An Gott doch nicht rauben, Den Glauben, der einen einst selig gemacht. 7. Umklammert wie von Kralle!: Von tausendfachem Leid, Nicht kann die Seele wallen Leichthin durchs Tal der Zeit. Es fallen rings die Lose, Und Menschen sind wie Staub, Tot Liebe und Gekose, Es herrschen Mord und Raub. Wie soll das anders werden? Mau ist in Gran: verbohrt Und fragt sich: ist auf Erden Ein Ort noch lenzumflort? Eine Synagoge als Pferdestall. Es war in: Juli, als unsere Artilleriekolo!:- ne auf Schau len zu vorrückte. Das Wetter war sehr heiß; eine wahre Backofenten:peratur, welche Mensch und Tier ausdörrte. Dazu eine ungehcue!re Stabentwickelung. Nach, 96stündigem Vorrücke!: wurde uns die Gewißheit, in Standquartier zu kommen. Es war in P ...., einem Dorfche!: an der Dubissa, das -ehedem zu neun Zehnteln von Inden bewohnt, aber jetzt, ebenso wie fast alle russischen Ansiedelungen, von der Bevölkerung verlassen dalag. Dagegen trafen wir das Dorf gut besetzt von Feldgrauen; wir erhielten Quartier in Privathänsern und :nachten es uns so gut bequem, wie man es eben in: Felde sich ״bequem״ machen kann. Ich erhielt den Befehl, in: Dorfe für nnsere Kolonne zu requirieren. So g-ing es donu los, und da hatte ich ein Erlebnis, das ich nie in: Lebe!: vergessen werde. Auf der Wanderung durch die Gasse!!: kau: ich in ein Gebände, in den: eine Kavallerie-Abteilung ihre Pferde untergebracht hatte. Wie erstaunte ich aber beim Nähertrete::! Ich befand :!:ich in der ehemaligen Ortssynagoge. Auch sie hatte den: Kriege ihren Tribut zahle!: :nüsseu, und die zahlreich aus den: Boden verstreuten Schriften und Gebetbücher zeugten davon, wie schnell die Bevölkerung geflüchtet war tu der uns lächerlich a׳nn:utenden Augst vor de!!: deutschen Krieger. Hijer hatte die Gemeinde nichts getan, itm ihr Syuagogengut i:: Sicherheit zu bringen. Ein Kavallerist war beu:üht, die ehemalige Synagoge zu Heizen; als Brennmaterial dienten die zu erneu: großen Haufen anfgetürmten Schriften. U. cs. hatte er gerade eine der Thorarollen ii: den Ofen gesteckt, und die Flmmnen züngelten bereits an: Pergament, als ich es 11!it einen: Ruck herauszog und die Flammen verlöschte. Verwundert blickte der Kamerad mich an; war ihn: doch mein Beginnen ganz unerklärlich. Er entschuldigte sich dann, da er nicht gewußt habe, daß es sich um eine solche heilige Schrift handle. Er verwies!!:ich tu: den Quartiersvorsteher, der — uns den Nucken zugekehrt — in einer Fensternische stand. Er hatte eine noch unversehrte Thorarvlle in der Hand und suchte sie zu entziffern. Auf meine Bitte um Ueberlassnng der Rolle erklärte er, evangelischer Geistlicher zu sein, der gerade noch diese einzige Thovarolle vor ihren: Flammenschicksal bewahrt hatte. Beide Rollen nahm ich nun an mich, und nach Erfüllung!::eines Requirierungsauftriag.es holte ich sie, mit der Absicht, sie in Sicherheit zu bringen. Aber ich hatte in diesen: Augenblicke nicht an den Krieg gedacht?.Wo nun hin mit in einen: Fund? Schon beim Morgengrauen hieß es für uns vorwärts. Ich brachte die Rollen in: Protzkasten unter, wo aber auch ihres ständigen Bleibens nicht war. Oester ninßte ich sie hernnternehnic!:, im Straßengraben bergen und was dergleichen Umständlichkeiten mehr waren. Eine Gelegenheit, sie nach ^er .Heimat zu se!:de!:, fand ich nicht. Mancherlei Gespött von Kameraden, den Sack doch fortzuwerfen, ließen.mich an der Erfüllung meines Wunsches, den eigenartigen Fund zu bergen, fast verzweifeln. So sahen die Thorarolle!: auf meinen: Protzkastei: über drei Woche!: lang oas wechselvollc (^schick des Kriegcs, bis ich endlich Gelegenheit fand, sie durch einen verwundeten Kameraden mit nach ::seiner rheinischen Heimat zu senden, wo sie nun als Kriegserinnerung anfbcwahrt werden. Landsturmmann E. B. Kunllsckau. Zur Abstammung des ehem. Fürst-Erzbischofs von Obnütz Dr. Theodor Kohn. Das vor kurzem erfolgte Ableben dieses Kirchen fürsten erinnert Wieder an seine Abstamnumg und sein Schicksal. Beide gehören zu oinander, den!!: er litt wogen seiner Abstainnnung Uud wurde viel angefeindet, weil seine Vorfahren Juden waren. Es -:!ft die Tragik mancher Reine- -raten, daß sie und!ihre Nachfolger!am abgelegten Judentum kranken. Das amputierte Glied schmerzt auch nachher rmd die Seele bleibt wund, ohne Harmonie und ohne wahre Freude. In der ji"! di scheu Gemeinde Worban (Verbo) in Westnngarn gehörte in: 18. Jahrhundert die Familie des Abraham Schemuel Hakohen zu de!: angesehensten; er gehörte zu den Führern der Gemeinde, zu deren Lasten er am meisten beitrug; anch -der wichtigste Verein, die Chewra Kadischa, zählte ihn zu ihren Gründern!; er heiratete 1745 Chanah, Tochter des Abraham, und stiftete bei dieser Gelegenheit einen noch heute existierenden Synagogenvorhang. Nach seinem 1769 erfolgten Tode war vor: sei.uen Söhnen insbesondere Jehndah Loeb Hakohen der Erbe seiner Würden Und Nachfolger seiner segensreichen Tätigkeit. Von dessen Söhnen leben noch heute zahlreiche Nachkommen i!: Westnngarn, seine Tochter Marie, verheiratet mit Markus Diamant, ist die Großmutter des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Max Diamant. Fürst-Erzbschof Dr. Kohn stau!!ist vor: -einen: Bruder des Jehndah Loeb Cohen ab, der nach Mähren auswanderte׳; dieser Zweig der Fansilie widmete sich, 1macfjbem sie infolge unglücklicher Zufälle verarmt war, der Landwirtschaft und trat teilweise zuns Christentun! über. Die Stammre.ihe der Familie — beglaubigt durch die noch gut erhaltenen Grabinschriften — reicht bis aus Lew! Hakohen, der Ende des 17. Jahrhunderts lebte und wahrscheinlich ein Nachkomme jenes N. Josef Hakohen war, der 1683 bei der Zerstörung Ungar.-Brods durch die .Knruzenhorden des ungarische!! Anführers' Graf Elnmerich Tököly heldennnitig sein Ende fand. - Kriegsberichterstatter und Feldrabbiner. Sehr vieles von den:, was die ״Kriegsb-erichte" und Kriegsgeschichten für die HeNnat erzählen, so schreibt Herr Feldrabbi n,er Dr. Baeck in seinen Berichten an den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, bleibt der harten Wi-rklichkait fern und fremd. Denen, welche nicht ihren bestimmten Platz der mühevollen Pflicht haben, sondernbald hierhin bald dorthin gehen, um irgend etwas zu sehen, erscheint alles als ein! Schauspiel. Ter harte, schwere Ernst voller Arbeit und Hingebung steht vor ihnen immer als ein blofzes Mild, um dessenüoillen sie! hergekommen sind, und das sie schildern wollen mit n!öglichst bunten Farben, bald mit den Hellen, bald mit den dunklen. Die Erlebnisse werden gesucht und betrachtet und sind darum Mir die Erlebnisse des Schauspiels. Vor dieser 0!efahr, ein bloßer Zuschauer zu sein, muß der Feldpvediger sich * Hai