Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 2 (27.1.1916)
- Date
- 1916-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2621974-2621976--3368-2624553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«r. 2 . ^■-'*?teiS}'• r'-:; Ts?"*g<--gr% WM, MU M M-WMM»—» jjliny WWipnW»« 4 w» S« Uns bmriit aber gegen An/griffe, zu verteibigcit, Beweis zu führen für unsere ׳:mtito-nale Unbescholtenheit, dazu lmben wir ^inen Anlaß. Andere Volksgruppen haben sich Ä: Indifferenz verhalte!:, ja sie sind bis zum Verrat goAWgen, und doch wagt man nur den Juden anzugveifen. Wenn von leiten der :mtional-jüdischer Seite auf das ״Jüdische Kriegsarchiv" hi::gewiesen wurde, so handelt es sich hiebei! n:n eine inteirnnationale Einrichtung, keineswegs jedoch um sin tt'cmiiitc zur Nbtvehr von Beschuldigungen gegen das Judentum. I E. E. werden cs gewiß mit Freuden begrüßen, diese :nanuhaften Erwiderungen zu hören, und wird sich gewiß hiedurch die von E. E. Vekündete günstige Meinung vom jüdischen Volkstun: nur befestigen. Ich zeichne mit der Versicherung meiner besonderen Hochachtung Euer Excellenz ergebener Dr. Hans Fischl.;,f ׳.. ....... . tj Amerikanerinnen für die Friedenspropaganda. In den letzten Tagen brachten die Zeitungen folgende Notiz: Der Autofabrikant Ford charterte den Dampfer ״Oskar" und reift mn 4. Dezember mit -angesehenen Ar:Hangern der Friedensbewegung nach Europa. Frau Ford finanzierte die Friedeuspropaganda unter den Frauen, die Tausende von Deepschen an Wilson senden und ei,ne Veratung der!neutrale:: Staaten fordern. Frau Ford ist eine energische Frau; man nennt sie in Amerika die zweite: Suttner; seit Monaten ii't sie für die Friedensbewegung tätig; sie hat sich mit eiuem Stab tatkräftiger Frauen umgeben, die die weitgehendste Propaganda für die Friedensidee machen. Mehr als 3000 Damen, die Zeit und Geld opfern, um der sie begeisternden Idee zum Siege zu-verhelfe׳?, stehen im Dienste der Friedens- Propaganda, über 100.000 wird die Zahl derjenige:: geschätzt, die als freiwillige Helferinnen von Stadt zu Stadt reisen, Vorträge halten, Stkmmen saninielll, Telegramme m\ den Präsidenten Wilson absendeu. die mit zahllosen Unterschriften bedeckt sind. Flugblätter werden wie zur Zeit, als di.e Anlrikaneri'nnen für das Frauen-Stimmrecht kämpften, aller Orten verteilt, Sonderausgaben den großen amerikanischen Zeitungen beigsgeben. trefe essen! Gott sei Lob und Dank, in unserer ganzen Fmuilie war keiner Soldat. Und Töchter — machen einem eine Sorge: Heiraten; aber sie kolilmen doch nie in die Verlegenheit, trefe esseil zu müssen."- Gott verläßt nicht seine Knechte. An einem schönen Morgen kanr Neb Chatzkol aus der Synaigoge ״lllit beim• Bräutigam i׳n der Hand". Durch den aftcn Shnagogendilen!er hatte er ihn tonnen gelernt. Er war ein zugereister Talnnldjünger, der in der Stadt zu bleiben gedachte. Neb Chatzkel, als kluger Mann, bereitete dem Bräutigam einen überaus herzlichen Empfang. Er ließ Malkele Tee servieren, damit er seine Glückliche sofort sehe. Auch leitete er -bald ein Passendes Gespräch ein. Und Neb Chatzkel sprach mit überlegener Miene, klug mrd würdig: ״Was nützen hellte viel Geld und Güter? Ein Jude nluß Ulan sein, ein ehrlicher Jude und Gott muß nlan dienen ..... Wenn ein Jude sei 1 re Tephilii: legt, seinen Schabbes hält lind seine Mesuse an der Tür hat und mit der Welt in Frieden lebt — was braucht er da lloch mehr? Eine,in ehrlichen Jude:: passiert nichts Böses. Wenn ein Jude einen heiligen Gang macht,wird er nicht überfallen; wenn er eine koschere Mesuse an der Tür hat, wird bei ihm nicht eingebrochen; und mein: er noch so viele Millionen in seinem Hanse hat — trägt er Zizis, wird er nie überfallen.Was Holfell da Mi-llionen, welln er kein ehrlicher Jude ist? In seineu: Hallse wird oingebrochen, er wird berallbt, überfahreil u-nd überfalleil.... Ein Jude braucht Nx'iter nichts, als ein ehrlicher Jude zu sein und allf Gott vertrauen. Tephilin im Sack, ein Zizn ans denl Leib und eine Mesuse an der Tür — N'Nid der Jude ist seines Lebens sicher. Der ״Bräutigam" hörte Neb Chatzkel verwundert a-n und sagte halbverschämt: ״Gewiß, Die Werbearbeit der für den Frieden kämpfenden Amerikanerinnen hat gute Früchte gezeitigt. Präsident Wilson, dor in letzter Woche mehr als 100 Deputationen jener, für den Fviebeit tätiger Damen zu empftmgen liatte, ist bereits dafür gewonnen, eine Beratung!den neutraleil Staaten zu veranlassen, im der die Friedens- Propaganda wirksanle Unterstützung finden soll. ein Jude muß man seiü und dann hilft Gott. Mein Schwiegervater, der Rabbiner uleiner Genleinde, hat nrir noch eine Minute vor der Trauuing zngernfen: ״Sei ei'n ehrlicher Jude, und Gott wird helfen". Als Neb Chatzkel zun: Abendgebet in die Synagoge kan: und der alte Synagogendiencr ihn: halblaut ״nlaseltow" sagte, da meinte 3teb Chatzkel: ״Schade, daß er zwei Jahre zu spät kan:, er hat schon selbst feine Last." Aber Neb Chatzkel fand bar in Trost, daß seine Malkele wenigstens zwei Stundeil Braut gewesen. Reib Chatzkel hatte oft Gelegenheit, seine Malkele zu verheiraten; aber er hat immer die Gelegenheit verpaßt.Einmal war der geeignete Schwiegersohn in Amerika, ein anderesmal verlangte er viel Geld, oder er war schon verheiratet. Neb Chatzkel sah ein ,daß es ihn: nicht gelingen werde, seine Tochter reich und glücklich ,zu verheiraten. Und er wurde sehr erbittert. Denn ׳ konnte seine Tochter nicht mehr in Ehren erhalten. Er klagte sein Schichsal an, er nannte es tückisch und trachtete danach, die Bestimmungen seines Geschickes zu durchkreuzen. Er dachte an tausend Pläne, an tausend Möglichkeiten — aber immer war es das verfluchte Geld.... Er verfluchte den Entdecker des Geldes. Manchmal frug er sich ernstlich, ob rnam überhaupt das Geld nicht abschaffen könne? Er seinerseits war dazu bereit - aber die andern? ״Allein, wenn ich kein Geld habe, kann ich meine Tochter nie verheiraten und kann sie auch nicht nach Amerika schicken.... Ohne Geld sind wir ick-erbaupt verloren. Ein Jude ohne Geld ist w!e ein Jude ohne Tephilin." In seiner Verzweiflung fuhr ihm wie ein Blitz der Gedanke durch den Kopf: ״Malkele kann Jda Barber. Der jüdische;Nationalfonds im Kriegsjahre 1915. Die weitvovzweigte OrWmsativn. des Jüd. Nation alfonds hat sich auch ijm Kriegsjahve 1915 glänzend bewährt, wie aus der nachfolgenden Aufzählung der Spenderbeiträge der verschiedeneu Länder hervorgeht. Die Gesan:teill1:ohme des Nationalfondsin: Jcqhve 1915 betrug 609.478 M. Daran waren beteiligt: Nordamerika 233283 M., Oesterreich 85730 M., Deutschland .61013 M., Rußland 24007 M., Rumänien 19199 M., Canadi! 18504 M.. Südafrika 17525 M., Holland 11179 M., England 9700 M., Ungarn 6044 M., Griechenland 3637 M., Argentinien 3468 M., Südslavische Länder 3367 M., Schweiz 2999 M., Italien 2113 M., Bulgarien 1496 M., Frankreich 1490 M., Brasilien 866 M., Australien 864 M., Dänernark 701 M., Schweden 671 M., Aogypten 667 M., Türkei 417 M., Ostasien 224 Mark und Portugal 224 ALark. Bemerkenswert ist das günstige Ergebnis der Sannnelarbeit i,ll A:neri!ka, wo die Freunde des Nationalfonds bemüht gewesen sind, einen Teil des Ausfalles an Spenden in den von: Kriege an: schwersten heimgissuchten ostenropäischeu Gebieten wettzunpachen. Die Eingänge ans Rußland sind gegenüber dev Eilliniahme im Jahre 1913, 237.000 Mark, ׳natürlich gering, aber das Ergebnis darf nrit großer Genugtuung verzeiilchinet werden. Die Spenden sind ilumi-tten der gewaltigsten jüdischen Katastrophe geschnmelt u׳nd wurden aus vielen Ortschaften unmittelbar vor der Evakuierung an den- Jüdischen Nationalfond ab geführt. Ebenso -erfreulich ist das ito1 Oesterreich erzielte Resultat, wo trotz dev Kriegslage ill Galizien und der Jrmnsprllchnahme aller Kräfte in Westen für die Lindernllg der Notlage der Flächtdoch nach Amerika gehen! Amerika ist ein großes Land, :n Amerika wird n:an bald reich. Wenn :::eine Malkele reich ist. schickt sie :::ir Geld, wie alle jüdischen Töchter auch. Aber wie kommt Malfeie 7n.ch Amerika? Die Reise kostet Geld. Wenn ich Geld habe", meinte Rel Chatzkel, ״verheirate ich sie lieber hier.... Und doch mülßte Malkele nach Amerika; alle ihre Freundinnen sind in Amerika, weil sie auch kein Geld hatten." Neb Chatzkel dachte nur noch daran, wie seine Tochter nach Amerika zu bringen sei! und seine Sorgen fingen von: neuen an. ״Ein Mann", :!:einte er, ״kann wandern, aber sin Weib?" Und Neb Cbatzkel war wieder verzweifelt, wie zuvor, er hatte dieselben Sorgen — und er durchlebte bittere Tage. ״Was soll aus meiner Malkele werden? — sie kann doch nicht sitzen bleiben? sie ist doch eine jüdische Tochter? :::eine einzige Tochter!" ״Aber Gott verläßt nicht seine Knechte." In sei!:er Traurigkeit und NÜedergeMiagenheilt kam er auf eine gute Idee. Was ist Amerika? Was ׳machen die Menschen ist Ameriika.? Auch in Amerika liegt nicht das Geld ans der Straße, auch in An:erika :nässen die Menschen schwer arbeiten. Amerika ist noch obendrein ein tpefenes Land. Also warum gerade nach AnreriLa? Ist nicht Wilna oder Berditschew gerade so gut? Das sind koschere Städte mit frommen Juden. Auch dort verdient man, wenn inan!arbeitet. Arbeit ist Arbeit.. ob :::all so oder so arbeitet, und ob :!:an einen Groschen mehr oder einen Groschen weniger verdient, davon wird :::an doch kein Rotsöhild! Und die schöne, kluge Malkele ist nach ihren: siebenundzwanzigsten: Geburtstag nach Wilna abgereist