Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1916)
- Date
- 1916-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nlnfp w1i»p111r> «MS. Noch angenehmer ist die Wahrnehmung, daß alle sechs van den wärmsten Sympathien für das Judentum und ihre jüdischen Brüder erfüllt sind und wunderbar genug, Anhänger der jüdischnationalen Bewegung sind, was ihrem Patriotismns für ihr Adoptivvaterland keinerlei Abbruch tut, obwohl 2 davon sogar leitende Stellungen in der zionistischen Federation oder zionistischen Vereinen einnehmen. Diese jüdischen Abgeordncten gehören im Parlamente vier verschiedenen politischen Parteien an, aber nur einer jüdischen Partei. — Einem Gerüchte zufolge, sei einem dieser jüdischen Abgeordneten, Herrn Grau mann» auch das Finanzministerium an geboten worden. Die dijenstfähigen russischen Juden in England. Die Lage der rnilitärpflichtigcn russischen Inden in England wird mit jedem Tage schwierigor. Es kommt so weit, daß es für einen rnssischeu Juden oft schon unangenehm ist, die Tore von Whitechapel zu vorlassen. Er wird sofort als ״Deserteur" angerufen, bestenfalls von Herren und Damen, die die Werbetätigkeit ausüben, gefragt: ״Warum erfüllen Sie nicht ihre Pflicht gegen Ihr Vaterland?" Die Lage dieser Juden wird nur so schwieriger, als russische Juden, die sich zum Militärdienst melden, abgewiesen werden, da in England nur in England Geborene zun: Militärdienst angenommen werden können. Die englischen Militärbehörden empfehlen diesen jiunieu Leuten, in die Fremdenlegion in Frankreich einzutreten. Es braucht nicht erst gesagt zu Werden, daß kein russischer Jude sich freiwillig in die Fremdenlogion ei.nreihen lassen wird, uin so!nehr als sie in England selbst mehr als ״Strafanstalt" denn als Regiment angesehen wird. — Reisepässe nach Amerika bekommen die Leute auch nicht, da die Answanderungslust allein seht in England kein genügender Grund ist, um einen Paß zu bekommen. Die diesbezügliche Lage in Frankreich ist zur Genüge bekannt. Dort kann sich ein junger russischer Jude einfach nicht auf der Straße zeigen, ohne sich der Gefahr auszusehen, tätlich beleidigt zu werden. Ebenso ergeht es den jungen russischen Juden in Italien. Sofort nach Kriegsausbruch mußten sie alle Italien derlassen und begaben sich nach London, wo sie aus dem Regen in die Traufe kamen. ■־ ׳ י"'■'■';'■ Airs Palästina. Die türk:scheu Behörden haben den Kolonisten von Nischon le-Zion die Dünen längs ihrer Kolonie abgetreten. Diese Konzession wurde von den Behörden als Zeichen der Anerkennung des Wertes der jüdischen Kolonien für das Land gewährt. Die Abgrenzung.der abgetretener: Dünen wird in der: nächsten Woche:: .vorgenommen werden. . Der Franenverein in Jerusalen: beschloß, einen Zyklus von Wlntervorträgen über Geschichte, Natnrwissenschaft und Kunst in Jerusalen: zu veranstalte!:. Die Organ isiorrmg der Vorträge soll dieselbe sein,wie die der Vorlesungen, die die Lehrer in: vorigen Sonnner eingerichtet hatten, aber populärer, um auch den breiten Schichten der Intelligenz Jerusalems zugänglich zu sein. Der Zyklus wird aus 20 Vorlesungen bestehen. Bis jeht haben die folgenden Vorlesungen stattgefanden: Schriftsteller A. M. Boruchow über Soziologie; Dr. A. Vehan: über die Entdeckungen des verstorbenen Prof. Ehrlich und Prof. Boris Schah über Antokolsky. Alle diese Vorträge, die in hebräischer Sprache abgehalten u. durch Lichtbilder illustriert wurden, zogen Scharen von Besuche:׳:: an, die mit Spannung den Vorträgen folgten. Leider hat sich die wirtschaftliche Lage in Palästina erheblich verschlechtert. Die Preise für die Lebensmittel steigen von Tag zu Tag und sind selbst für die nicht ganz :nittellose Bevölkernuig kaumi noch zu erschwingen. — Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Ueberweisu-ug von Hilfsgeldern aus allen Ländern dringend erforderlich ist. Spenden neh- :::ei: die einzelnen Landes-Sammelstellen oder die Zentralstelle für die Palästina-Hilfsaktion (American Jewish Relief Commitee Newyork, 22 East, 22rd Street, und das Bureau der Zio- :::.stischen Organisation, .Kopenhagen, Vestergade 1) ntgegen Krünner Jlacfirirfitcn Verlobung. Frl. Paula Zwicker, eine Tochter des hieß Eisenhändlers Heinrich Zwicker, hat sich mit dem Leutnant i. d. Nos. d. Jnf.-Ngts. Nr. 31 Sann: Thierfeld verlobt. Todesfall. An: 2. d., verschied in Brünn Frau Negine Herdan geb. Bräuer, Gattin des Herrn Leo Hevdau, Mitchef der Firma Friedrich Redlich, im '49. Lebensjahre. Bibclschnle des Vereines ״Machsike Hadaß", Vrünn, Adlergasse 12. Ter Unterricht fündet täglich von 6—7 Uhr abends statt. — Eine Anzahl Knaben und Mädchen finden noch Aufnahme. Auszeichnungen. Allerhöchste Auszeichnung. Herr Dr. Theodar Gruschka, derzeit k. u. k. Assistenzarzt in der hyg. Abteilung in Sokal, ein Sohn des Herrn Salomon Gruschka. Obcrkantor in Prag, Königl. Weinberg, erhielt das goldene Kreuz mit der Krone an: Bande der Tapserkeitsmedaille. — Unsere herzlichste Gratulation dem Decorierten und seinen biederen Eltern! Auszeichnung. Dem Beamten der k. k. priv. Allgen:einen österreichischen Bodenkreditanstalt, Julius Zellnik, Leutnant in d. R. des Jufanterieregimentes Nr. 82, wurde für hervorragende Dienftleistnug im! Folde das Signum laudis am Bande des Militärverdicnstkrouzes verliehen. Derselbe ist der Sohn des Chordirigenten der isr. Kultusgemeinde Josef Zellnik. Koreefponäenzen. Oderberg. Frau Rabbi,ner Dr. Friediger erhielt für ihre Verdienste Mn das ״Note Kreuz" vom Erzherzog Franz Salvator in: Namen des Kaisers die Silberne Ehrenmedaille mit der Kriegsdekomtion. Prag. Bei der am 12. v. M. stattgefundenen Konstituierung des Zionistischen Distriktsbureau für Böhmen wurden gewählt:: Obmann: H. Friedrich Mautner, Prag 2., Fleischhackergasse 9fr. 10., Obm.-Stellvertr.: Dr. Max Brod, Prag, Nfergasse 8, Schriftführer: Pos. Viktor Freud, Kgl. Wieinberge, Purky-neplatz 6, Kassier: Pros. Jakob Wertheinwr, Prag, 1., Eisengasso 22, N.-F. Koinmissärin: Frl. Life Weltsch, Prag, Niklasstr. Nr. 10, Beisitzer: H. Norbert Adler, in Firma Adler und Kohn, Zuckerfabrik, Vrschovic nnd H. Fi tipp Lebenhart, Prag, 2., Stesansgasse 67. Men. Hofrat Ritter von Hahn, Mitbegründer und ehemaliger Direktor der Oesterr. Länderbank, ehe:::. Vorstandsn::tgl1'ed der isr. Kultusgemeinde, ift in: 70. Lebensjahre verschieden. Er verdankte seiue glänzende Laufbahn seliier Tüchtigkeit. Wien. (Konnte zur Lösnng der gegenwärt:- gen oftjüdische:: Fragen.) An: 29. Deze:nber, 1t4n 3 IIhr nachmittags, versammelte sich in der Wohnnng des Oberrabbi'ners aus Hust, Herrin Jsak B. Thnmim, derzeit Wien, 2. Bezirk, Stephaniestraße 8, eine große Anzahl Rabbiner und geachtctior Bürger aus Galizien und der Bukowina zwecks Grüindnng eines Konntes zur Lösung der gegenwärtigen ostjüdischen Fragen. Bei dieser Versammlung Präsidierte Herr Oberrabbiner Thnlnin:. Nach längerer Debatte lm:rde ein Komite bestehend aus folgenden Herren bestimmt: Großrabbiner ll scher Horowitz, Krakau (Präsidenk), Oberrabbiner Pinkas Rilnelt, Zolkiow (1. Vizepräsident), Oberrabbiner Jsak B. Thnmim, Hast (2. Vizepräsident und Kassier), Markus Hat- Peru, Wien (Sekretär), Rabbiner Chain:, Nuchim Halberstamin, Mosciska, Sainnel Eder, Tarnobrzeg- Nabbiuer Kallnau Znckernmnn, Jablonow nnd Markus Schwarz, Krakau. Ans Befchluß der Versannnelten wurde ein Huldigungstelegram::: an den Kaiser gerichtet. Auf dieses Telegramm erhielt Ober-Rabbiner Thunum ein Danktelsgramtm aus der kaiserlichen Kabinettskanzlet. Wien. (Jahrhundertfeier des isr. Wohltätigkeitsve reines.) An: Sonntag vollendete der ״Isr. Franen-Wohltätigkeitsveretu", 1. Bez., Seitenstettengasse 2, das hundertste Jahr seines Bestandes. Tie Gründung des Vereines, an dessen Spitze seit einem halben Jahrhimdert als Präsi- Identin Charlotte Freifrau von Königswartcr stoht, erfolgte gleich zu Beginn des Jahres -1810 durch eine Vereinigung :::ehrerer Frauen, die es sich zur Aufgabe gestellt hatten, die infolge der verheerenden Wirkungen der Napoleonischen Kriege brannten Familien durch Sammlung von Liebesgaben zu unterstützen. Dank der großen allseitigen Unterstützung, die der Verein stets gefunden,' war es ihn: möglich, den sich ändernden Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen und den Wirkungskreis des Vereines, der sich auf das ganze Wiener Genre: ndegcbi et erstreckt, :::::::er mehr zu erweitern!. Aus Anlaß des Gedenktages fand am: Sonntag vormittag in: israel. Tempel in der Seitcmstettengasse ein Festgottesdienst statt. Bürgermeister Dr. Weiskirchner hatte den Gemcinderat Dr. Oskar Hein mit seiner Vertretung betraut und Polizeibezirksleiter Negierun,gsrat Polt war als Vertreter des Polizeipräsidenten Fveih. v. Gorup erschienen. Ferner waren anwesend: Präsidentin Charlotte Freifrau von Königswarter, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Oberrabbinier Dr. Güdemann, Baron Heinrich Königs- Wärter, Reichsrats-Wbgeordneter . Hofrat Dr. Kuranda und viele andere Persönlichkeiten. Eingeleitet wurde die Feier n:it den: Vortrage des von Solomon Sulzer vertonten Psolmes 111 durch Obcrkantor Don! Fuchs. Nach der von Dr. Güdemann ,gehaltenen Festpredigt wurde an: Schlüsse der Feier von allen Festgäste:: begeistert die Volkshylnne gesungen. Der Segen im Hause. Von L. Kempert. Wen:: :mm den ״Segen" in seinem! Hause bemerkt, so spreche man lieber nichts davon! — Das hat sich Josel Kozanda, der c int׳ Dorfgoher war, sehr Wohl gemerkt. Denn als er eines Freitags von der Wochenwan devung durch die Dörfer ,znrückkehrte, war seine Seele traurig u!nd grau:- voll, weil er nicht einmal so viel ״gelöst" hatte, um sich bamit den Sabbat zu machen. Wenn er zun: Wirtshause in der großen Allee kan:, wußte er, stand sein ,gutes Weib Perl, und begehrte Geld von ihm auf eben diesen Sabbat. Und mit Verzweiflung dachte er daran, wie er den letzten sil- Lernen Löffel, den er noch von seinen Hochzcitsgescheuten her hatte, werde nehinen u>nd zu Kalme dem Goldschmieden we!rde hintragen :nässen. ״Mas soll man tun", :::einte er still in sich, ״der Schabbes muß gehalten Werden". Fast in den: ׳nänllichen Augenblick stand ein Bauer vor ihn:, der zu kaufen begehrte. Jossel öffnete den Pack, der Bauer ״handelte" wicht, rmd belud sich mit der Ware, wofür er ihn: das bare (Mb in die Hand zählte, nur wunderte er sich, daß, als er sich nach den: Bauer un:blickte, n׳ichts von ihn:: zu sahen war. Die Süaße :::ächte doch keine Krümmung. — Bei den: Wirtshause fand er sein Weib, er gab ihr Gold auf ״Schabbes". Nm: traf es sich, daß an: nächsten Freitag sein Weib seiner nicht wartete, nämlich dort beim Wirtshause, ja, als er in die SOibo trat, dünkte es ihn:!noch sonderbarer. Denn da leuchtete und duftete der- Sabbat durch alle Rä:m:e. Auf den: Tijcho lagen schon die herrlich gebräm:ten weißen Brod und Perl schuppte soeben einen großen Fisch ab. ״Warst du vielleicht bei Kalme Goldschimed?" fragte er sie verwundert. ״Wlo fällst du aus?" entgegne te sie. ״Ur:d wie hast.du, Schabbes geinacht?" ״Ich Hab' ::och Geld von vergangener Woch." Sie sahen sich darauf einander an, es war ein Gedanke i׳n ihrer Seele, aber sie sprachen ihnnicht aus. Am folgenden Freitag wartete Perl wieder nicht nnd Josel fand wieder den Schabbes gen:acht, leiuhteuder und duftender als je zuvor. Das ging so