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Jüdische Volksstimme · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f '1 * i » 1 r > » I I > > r Nr. 1 •וויייגי Alk S. fcn. Auch diese rigorose Verfügung wnrde bald gemildert. Den Juden wnrde gestattet, den Verwaltnmun als Mitglieder auzugohören, aller- Vings unter der Bedingung, das; ste in der Minder!»nt verblieben. Als Timi׳.iasew (der übrigens^ vor dem Kriege dazu au-serseben ivar, den Handelsvertrag zw! scheu Rlkßland und dem Deutschen Reich zu erneuerust Handelsminister wurde, begann mau dae׳ russische Aktiengeseb freier zu gestalten. Aber in: Jabre 1013, als Maklatow Minister des Innern wurde, wurden die Beschränkungen von Juden bei Gesellschaften, die Bergwerksunternelnnungen sind, wieder mit aller Strenge durchgefi'chrt. In allen späteren neuen Regeln des Aktiengesebes wurde hauptsächlich darauf geseben, das; Personen jüdischen Bekenntnisses in Verwaltungen nicht die Majorität erhalten sollkr׳. Der Grundsatz, das; ei ne Gesellschaft, in deren Verwaltung sich Juden befanden, als jüdisch anzu setzen und daher allen Beschränkungen zu nntenversen sei, wie Personen jüdischen Bekenntnisses selber, blieb in Kraft. In neuester Zeit ist es dem Ministerium anbeimgestellt worden, von Fall zu Fall zu entscheidet!, ob die Gesellschaften zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit Grund und Boden erwerben dürfen, aber dabei besteht die Gefahr, das; die nachtiäglich einzuhokude Geuehmiguu'g des Ministerrotes mit den Bestimmungen des Handelsminist'rinms nicht übereinstimint. Wahrscheinlich dürfte in der ganzen Angelegenheit das Krit-erium das sein, das; man einfach prüfen wird, wo die Russen auslän-difches oder jüdisches Kapital, "er beide i!n der Gesetzgebung gleichgestellt sind, benötigen und wo der russische Boden ausschließ- ''ich von russischen Staatsangehörigen besten Glaubensbekenntnisses genützt werden darf. Das ganze russische Aktiengesetz ist nichts weiter als ein neuer Beweis für die Nneh.rlichkeit nnd Verbvhrtheit der russischen Regicr-ung. Einer Krankenpflegerin. Hier Niliter Fremden liegt ein Kranker Mit müden Blicken, Pflog ihn mit!iebeweicher Hand lind strahle Wärnie lind Güte, Wie eine Mut kr aus! In, deinen Allgell soll er sich sonnen, An! deinen Worten sich erquicken, Hilf ihm ins Land, Wo der Genesung Blüte Bescheiden ziert ein stilles Haus, Seiner Väter Haus. M. Scherlag. .in den Stadtgraben. — Ter Prozeß began.u. Die Gefangenen lvurden!nach einigen Tagen Wieds«׳ entlassen. Am 10. September 1574 erZkG' die Sentenz. Weil der Pfarrer sich nn einem karser- .lichen Kammerknechte vergriffen, kaiserliches Gut gestohlen, wurde er!und sein Lehnsherr zu einer Pön voni 1000 Goldgnlden verurteilt und die Gemeinde an gehalten, an den Festungslverken zu Korneuihurg zn roboten. Die Inden kamen nach Wien, um Tuch, Roß und Wagen zu holen und etwas von der Pön zn erhalten. Da bedeutete der gestrenge Statthalter den Inden: sie hätten nach auswärts appelliert, Strafe verdient, deshalb seien Tuch, Leinstvaud, Ros; uud Wagen und die 1000 Goldgulden ״zur Artollerie au die huugarische Gränitz geschickt worden." Verdrießlich war Johann Schretel, der Schottenprälat, er mußte 1000 Goldguldeu bezahlen: verdrießlich war der Pfarrer Johann Oberdorfer, denn er wurde beurlaubt, d. h. davongcsogt: verdrießlich waren Mäthos Kriegler uind die Okmeinde Ga!u!m׳sdorf, 5*01111 sie mußten schanzen: verdrießlich waren Adan! Leser rmd David Jüdl, die Juden von Nikolsbnrg, denn Tuch und Leinwand waren bei den Landsbnechton; verdrießlich lvar Adam Jüdl, der Jud zu Mattersdorf, denn Roß und Wagen waren bei der 'Artillerie an! der ungarischen Grenze: verguügt waren nur Lazarus Schweiudi, der Kriegsoberst, deu,u er hatte 1000 Goldguldeu, und Ossicial Paldersteiu, denn er hatte de!u Nuntius ein Schn iPPchen geschlagen. Der lebende Leichnam. Merkwürdige Dinge kommen jetzt in Nußland vor. Es war doch auch bisher nichts Uugewöhnliches, daß Zeitungen verboten wurden, besonders im Kriege und ganz besonders jüdische. Das waren aber immer — fast hätte ich gesagt: ״selbstverständlich" — erscheinende Zeitungen. Nun erfahren wir, daß unter den jüdischen Preßorganen Petersburgs, die neulich saint und sonders verbokn wurden, sich auch ״Haluelitz" befindet, eine Zeitung, die seit Januar 1003, also schon mehr als zwölf Jahre, nicht!mehr erscheint. Ein Schreibfehler liegt hier nicht vor. Vorwdiiullgell gegen Juden werden in der Regel am peinlichsten vorbereitet. Wohl aber haben wir es hier mit einem Kuriosum zu tun, das formell und symbolisch nicht uninteressant ist. Als ״Hainelitz" sich seinerzeit ausgelebt hatte!lud frischeuen Kräften den Platz räumen mußte, wollte der Redakteur doch nicht die Hoffuung anfgeben, sein Organ mal wieder erscheinen lassen zu können. Um aber eine Zeitung in Rußland neu zn gründen oder auchwiederherzustellen, war vor 100-; nicht blos die literarische Konjunktur ausschlaggebend: man mußte eiben vor allen Dingen wegen einer Konzession besorgt sein, die nnr ausnahmsweise zu erhalten war. Nun war ׳der Er-Redakkur des ״Hamelitz" vorsichtig genug die Konzession nicht verfallen zu lassen. Dazu benutzt er einen Paragraphen des Preßgesetzes, wonach eine Zeitung als eristierend betrachtet wird, wann sie mindestens einmal jährlich erscheint. So hat der Redakteur jedes Jahr, an irgendeinem .Tage, eine Nummer drucken lassen, natürlich in einer ausreichenden Auflage, nämlich je eines für die kaiserliche Bibliothek, für die Zensur und — hoffentlich auch— für die eigene Mappe und die Nationalbibliothek in Jerusalem. Neugierige Leser, die gerne wissen wollen, welchen Inhaltes eine derartige ״Souder"-Numm׳er war, verweise sch auf die lokale jüdische Druckerei: es kam nämlich daraus an, was ment an jenem großen Tag gerade זורו Satz hatte. An dkseiiu einen Tag Walick der Setzer nn beschränkt, das Joch des Korrektors war aVgeschüttelt, es war eitel Freude in der Druckerei. Ich kann aber versichern, daß auch diese Nummer nicht ganz ohne Redakteur war. Mußte man doch dafür sorgen, daß der Inhalt Musureinwandsvei sei. Es war mir Vergönnt, eilre solche Niunnrer zu sehen: unter dem Titel einer täglichen Zeitung waren Auszüge aus alten Ta lmndkom mentaren oder lange Telegramme der offiziösen Aigentnren über irgendeine Hofzcremonk gedruckt. Hauptsache war doch nur, die paar Seiten zu füllen, die Zensur zu passieren und — zu existieren. So war es auch nach 190,7 Noch heute wird die vorschriftÄuäßiae Erlaubnis zum Hernusgeben einer nichtrustischen Zeitung erst 2 Monate -nach Einreichung des Gesuches gewährt. Um stets ״mobil" machen zu können, erlaubte sich der ״Hamelitz" auch jetzt noch den Lurns, einmal jährlich zu leben. Dieses Zeusilr- und Mnsemnsleben, wovon inan in der Oeffantlichkeit nichts wußte, nicht einmal soviel, um darüber lachen zu können, — dieses Scheinleben eines Zeitimgskichnams war scheinbar für den russischen Staat ebenso gefährlich, wie die lebendige jüdische Presse, die wegen ״Verdacht des Verrats" verboten wurde. Daß ״Hamelitz" nli't verboten ist, zeigt den ״Sinn" Md Unsinn der ganzen Maßnahme. Zedadi. Irak, die Geburtsstätte des babylon, Talmuds. Das heute so viel ,genannte Irak, in den! unsere türkischen Bundesgenossen den Engländenn so -erfolgreich auf den Leib rücken, dk weite Ebene all! nnteren» Euphrat und Tigris, die Stätte, an der im Altertum und Mittelalter Hauptstädte weit herrschender Reiche ficutbeu inmitten üppigster Bodenkultur, ist.wie vielleicht nicht allgemein bekannt, der Entstehun-gsort des, babylonischen Talmuds, der Hauptqnelle des rab-' binischell Jndentunls, des bändereichen Schriftdenklnals ails den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, das den gefaulten religionsgeschichtlichen Stoff der jüdischen Uebevlieferung ,enthält. Früh wurden die neilpersischen Reiche, die Euphratländer die Heimat zählreicher Juiden, die in Ardschir, Apamia, Nahardea, Nares, Ktesiphan, PlMlbedltg, Sura, Machnea und Firaz- Schabnr sich zu Gomeinden vereinten. Die B'ne gola, ״Exulanten", stauben uilkr ernsenr von der Regierung abhängigell Exilarchen, ״Resch-galuta", denl die Rechtspflege übertragen war. Mit ben Palästinensern wetteifernd, gründeten die babylonischeil Juden Lehrhäuser in Nehardea, Sura und Pumbedita, die zn hohem Anseheil gelangten mld die Hochschulen im Stammland mit denen man im geistigen Verkehr blieb, übcrflügelteii. In Palästina sowohl wie im Irak ontstanden zn jener Zeit je ein Talmud, d. i. das neben dem im Pentateuch enthaltenen schriftlichen Gesetz, dieses erläulevilde und erklärende (bis dahin) ulün,bliche Gesetz. Während nun der j-erusakulische Talmild durch allerhand Verfolguilgen jäh abgebrochen werden nrußte und für alle Zeiten ein Rohbau blieb, der nicht rechtzeitig ullter Dach gebracht wllrde, gleicht der babylonische Tallnnd einem architektonischen Meisterwerke, bestell Niesenmauerll während dreier Jahrhunderte aus Granitsteinen ansgeführt wurde!!, ein Bau, an denl man selbst nach seiner Vollend1l׳ng noch lveitere 100 Jahre gearbeitet hat, ja man kann sagen, an dessen Befestigung man sich heute ׳noch betätigt. Als die eigentlichen rmjd einzigen Urheber des Talm-llds kaim man die Geoniln, in der Einzahl Gaon, so viel wie Herrlichkeit, Exzellenz, bezeichnen, dies war dor-Amtstitel, den die religiosen Oberhäupter der jüdischen Akadenlien in Babylon führteil und die viele Geschlechter hindurch ihr hohes Amt verwalkten. Unter denl milden Szepter der Kalifen Jahrhundevte lang in Ruhe ׳und Friedell lebentd, konuten die Israeliten ihren Geist, ihr Gesetz nnd ihre Wissenschaft zu einer Entfaltlmg brinsgen, wie es salbst in ihrem Stommlandc, dem viel umstrittenen und deshalb ulnruhvollen Pufferstaate Palästina nicht niöglich gewiesen ist. Die zwei gaonäischen HoHschulell, von w'elchen die bedeukndere in Pmnbeiditha, die zweite kurze Zeit m Firaz-Schabur und dann in Sura ihren Sitz hatte, und in welchen van 680 bis 1038 int Ganzen 88 Gaonen ihr Amt ausübten, haben Babylon zn der Vodeutling emporgehobeil, die Judäa einst für die gesamte Judenhoit besaß. — Selbst des berühmten Wormser Tallnudlehrern Naschi Kommentar zmn Talmud ist ohne die gaonischeu Leistungen nücht denkbar. Ein richtiger Talmudkonncr ist noch heute über de!l gesamten Kultnrznstästdi der zu jener Zeit in Irak herrschte, auf das ׳genaueste unterrichtet, denn» alle Rechtsverhältnisse werden im Talmud im Hinblick auf das Umbild zur Zeit seiner Entstehung in scharfsinnigister Weise» erläutert und verhandelt. Ein Talmudforscher weiß daher, wie man damals ant Euphrat Feigen trocknete, wie man Häuser baute, Viehzucht und Ackerbau trieb, er kennt alle Geräte, die der Handwerker damals benutzte und er weiß auch, daß vieles von dem, was man als Errunge-nschaft der Neuzeit botrachkt, schon damals bekannlt War und mit Eafolg benutzt wurde. Aufruf! Ein volles Jahr ist vergangen, seit dem die Schulkanzlei in Prag eröffnet wurde, die si!ch die fast unlösbare Aufgabe stellte, in Prag und in dr Provinz Schulen für die jüdische Jugend Galiziens und der Bukowina zu begründen. Mehr als 2600 Schüler und Schülerinnen sind seither durch die Stadt- und Landschulen gegangen, fast 700 Analfabeten vorn zarten Kiudesalter bis zmn reiferen Alter haben an« den neugeschaffenen Lehrstätten ihren ersten Unterricht genossen nnd viele Hunderte haben in kurzer Zeit 2—3 Jahrespensen absolviert. Schul lokale, Lehrer, Lehrbücher, Lehrbehelfe nnlßten boschafft ein Lehrplan entworfen werden, der den beson- .deren Verhältnissen entsprach, und das Wichtigste, Okldmittel zur Erhaltung des ganzen Werkes aufgebracht werden. Wann auch he-ute die Zeit noch m'cht gekommen scheint, eine Geschichte der jüdischen Schulkanzlei zu schreiben, eines ist sicher, sie ist im weitesten Sinne des Wortes ein Werk der Selbsthilfe. Die Schulen fübron vielfach die Bezeichlumg Notschule. Aus!der Not ׳des Tages geboren, haben sich aber diese jüdischen Schn-

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