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Jüdische Volksstimme · 1915-12-23 · Heft 28 (23.12.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 28 (23.12.1915)
Date
1915-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*SOfflai «•mtb*att* «ete5. M bleiben fütf sie weiter gesperrt, ja fortdauernd werden neue Ausweisungen von Juden, die als Kanflente erster Gilde, Aerzte und Rechtsanwälte eigentlich im ganzen russischen Reiche wohnen dürfen, vorgenommcn. Dazu komnrt, daß man sie nach wie vor des Hochverrats verdächtigt und so der Rache der verhetzten Bevölkerung ausliefern will. So berichten die ״Indischen Nachrichten", daß der Bischof Antonius aus Charkow jüngst, anläßlich seiner Anwesenheit in den Städten Srrmrr und Bjelopolje, in denen sich große Flächtlingslager befinden, in eincir öffentlichen Ansprache erklärt hat, die jüdischen Flüchtlinge wären sämtlich Spione. Diese Erklärung hatte zur׳Folge, daß sämtliche Hausbesitzer dieser Orte ihre Mietsverträge mit jüdischen Flüchtlingen rückgängig machten \mh sich tveigcrn, fortan Juden in ihre Häuser aufzunchmen. Eine polnische Forderung einer Prozentnorm für die Juden an den Warschauer Hochschulen. Kaum sind die neuen polnischen Hochschulen in Warschau eröffnet, so erheben sich schon im Lager der polnischen Antisemiten Stimmen, die eine Beschränkung der Zahl der jüdischen Studeuten an den Polnischen Hochschulen fordern. Die jetzt unter denr Titel ״Gazeta Poranna" erscheinende Zeitung, die früher als ״Dwa Große" das Organ der antisemitischen Nussophilen war, schreibt mit Bezugauf die jüdischen Studenten, die an den Polnischen Hochschulen ausgenommen werden wollen: ״In jedem Falle ist es eine״ Aufgäbe von ungeheuerer Wichtigkeit, nicht bloß die Universität vor einem derartigen Ferment zu bewahren, sondern auch darauf zu achten, daß die Rechte der Christen an diesen Hochschulen nicht geschmälert werden. Mit anderen Worten: daß sie dort in einer Anzahl vertreten seien, die ihnen von Rechtswegen und entsprechend den Bevölkernugsverhältnissen zukommt." Diese von den polnischen Antisemiten erhobene Forderung nach einer Prozentnorm für jüdische Studenten nach russischem Muster wird von sei te der deutschen Verwaltung sicherlich keine Berücksichtigung finden. Die ״Norddeutsche Allgmcine Zeitung" hat in einem offiziösen Kommentar anläßlich der Eröffnung der Polnischen Hochschulen ganz deutlich gesagt, daß die Warschauer Hochschulen keine Be- Nachteiligung irgendeines Bevölkerungselements kennen werden. Die Spaniolen in Saloniki. In der Bevölkerung Salonikis sind die Spauiolen oder Sefardim, wie die ״spanischen Juden" sich selber nennen, das regsamste Eloinent. Sie sollen ungefähr zwei Drittel der Bevölke^ ru,ngsz,ahl Salonikis ausmachen. Nach einer alten Ileberlieferung sollen die Sefardim im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, als nach der Vertreibung der Mauren die Uuduldsamkeit der Kastiliauer sich auch gegen die Juden richtete, nach der Levante ausgewaudert sein. — Jedenfalls sprechen sieheute noch ein verdorbenes Spanisch,das ungefähr so mit hebräischen Sprachelementen durchsetzt ist, wie das ursprünglich fränkische Deutsch der russisch-polnischen Juden. Zum Teil scheinen sic auch aus Portugal gekommen z!u sein-. Der Name Sefardim bedeutet nur ״die aus Hesperien Eingewanderten". Die Spauiolen sind vielleicht noch vor der Eroberung der Balkauhalbi.nsel durch die Osmanen nach Saloniki gekommen. Ein Teil trat später?*um Islam über. In Saloniki bestand schon eine ältere jüd. Kolonie, die sich jedoch mit dem Sefardinr vorschmolzen und auch ihre Sprache, das Spanische, angenommen zu haben scheint. Sie gehören dort fast alten Berufszweigen an, und viele von ihnen haben es zu bedeutendem?Reichtum gebracht. Sie tragen ihre altertümliche Tracht, ein Gewand von bunter Seide^ das ihnen bis zu den Füßen reicht, darüber die offene, maurische Jacke, in der Regal über diesen .Kleidungsstücken noch den .Kaftan, der bei den Wohlhabenden 111 it_ fcüiom Pelzwerk verbrämt ist. Gewöhnlich bedeckt ein Turban das Haupt des Spaniolen, nur das junge Geschlecht trägt zrüveilen schon den Fes. Ein sarbenprächtiger Schal wird breit um die Hüften gelegt. D׳ Frauen tragen?mm großen Teil noch eine merkwürdig an die Moden des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts gemahnende Kleidung. Auf dem Kopfe sitzt ein Schmuckwerk, oft aus Gol? und echten Perlen oder Edelsteinen; davon laufen grüne, gestickte Bänder aus, die frei über die Schulternflattern oder ums Kinn gelegt werden. Die Jüngeren kleiden sich bereits alla franca, das heißt nach westeuropäischem, meist Wiener Modegeschmack. Die Schönheit der Spanioliunen wird viel geipriesen. Ein besonders fesselndes Kapitel bildet die alte, sehr eigentümliche Musik der Spaniolen, die zeitweilig auch auf die abendläudische Musik eiugewirkt zu haben scheint. Ein jüdisch-deutsches Wörterbuch. mit Berücksichtigung der viel gebrauchten hebräischen, polnischen und russischen Wörter wird der Geheime Konsistorialrat Professor Dr. Hermann L. Stvack in Berlin herausgeben. Das Jüdisch- Deutsche oder Jiddische, von mehr als sechs Millionen Menschen in Polen und im westlichen Rußlaud gesprochen, hat seit dem 17. Jahrhundert eine beachtenswerte Literatur entwickelt, und dennoch gibt csfür das Verständnis dieser Sprache kein neues ausreichendes Hilfsmittel. Mit großer Mühe hat Professor Strack den Wortschatz aus Büchern u. Zeitungen gesammelt. ^ioenefsionlienzcn. Pohrlitz. In dem Baron Hirsch'schen Beschäftiguugskurse für galizische Flüchtlingskinder in Pohrlitz-Stadt fand am 1. Dez. die feierliche Bekleidung der Schulkinder mit Winterkleidern und Schuhen statt. Die Mittel zur Anschaffung derselben wurden in hochherziger Weise von der?Regierung beigestellt. Vom September vorigen Jahres an, seitdem die galizischcn Flüchtlinge hierorts u/ntergebracht wurden, ist der k. k. Be- -zirksha.uptmaun Kretschmer von Nikolsburg für das Wphl derselben eifrigst besorgt und auch bei der Anschaffung der Winterkleider zeigte er sein großes Wohlwollen für die jugendlichen Flächtlinge. Der expou irrte k. k. Statthaltereikouzipient Soldan, welcher derzeit das Barackenlager - in Pohrlitz verwaltet,ist gleichfalls von Wohlwollen für die Flüchtlinge wie auch vom ernsten Bestreben erfüllt, das Los derselben nach besten Kräften günstig zu gestalten. Dem harmonischen Zusammenwirken dieser Organe der Regierung mit dem .Kultusvorsteher und Obmaune des Fürsorgekonntes Herrn .Hermann Schnabl ist es zu darrken, daß die Feier dieser Bekleidung in solch schöner Weise stattfirrden konnte. Zu derselben hatten sich eingefunden: Herr k. k. Statthaltereikouzipient Soldan, Herr .Kultusvorsteher Hermann Schnabl, Herr Oberlehrer Bader und andere Herren aus der Gemeinde und aus Fluchtlingskreisen. .Herr Oberlehrer Lilker hielt in Vertretuug des erkrankten Schulleiters Herrn Fruchtmouir au die Schulkinder eine von patriotischem Geiste durchwehte Ansprache, in welcher er den Kindern auch darlegte, zu welchem Danke diese der Negierung, und dm> Kultnsvorsteher Herrn Schnabl für ihre den Kindern bezeigte Güte ver- Pflichtet seien, und schloß mit einem dreifachen Hoch für unseren geliebten Kaiser. Nach Absrngung der Volkshymne sprach ein Schulkind dem Herrn Statthaltereikonzipisten Soldan und dem .Kultusvorsteher Herrn Hermann Schnabl den Dank der Schulingend aus und überreichte diesen Herren einen Blumenstrauß. Mit der Verteilung der Kleider an die Kinder schloß die schöne Feier. Am Abend desselben Tags fand auch in dem festlich beleuchteten isr. Tempel zu Pohrlitz anläßlich des 07jährigeu Negierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. ein Festgottesdieust statt, zu welchem Herr Kultusvorsteber Schnabl, Herr Tempelvorsteher Sigw.u״^ Nassau und die Kultusräte Herr Mar Haas und Herr Heinrich Pollak erschienen waren. Die Gesäuge lvurden in würdiger Weise vom Herrn Oberkantor Roth vorgetragen. Von! Vorstände der isr. Kultusgemeiu.de in Pohrlitz wurde auch au die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers ein Huldigungstelegramm abgesendet. Prag. Unser langjähriger Mitarbeiter, Herr Theodor Bayer, Privatbeamte in Prag, 2., Mariengaste Nr. 1, der stets die Feder.ergriffen hat, wo es galt Witwen, Wiaisen und in Not Geratenen zu helfen und sonst der jüdischen Sache viel genützt hat, feiert am 4. Januar 1010 seinen 50. Geburtstag. Wien. (Ehrung.) Der Vorstand des Ottakriuger Tempels nahm Veranlassung (infolge der verdienstvollen Leistung), die Herren Oberkantor M. Kaufmann und Kantor Smotritzky durch Verabreichung von Ehrengaben auszuzeichnen. Herr S. Weitziuauu, Obmann des Tempels, weiters Herr Kultnsvorßeber Dr. Jakob Deutsch, Herr S. Weiler, S. Schükler und Herr Rabbiner Dr. M. Bach hielten Ansprachen, in denen sie die Verdienste der .Herren Kantoren um die Hebung des Gottesdienstes besonders hcrvorhobcn. Für 'die in so reichem Maße zuteil gewordene Auszeichuuug dankten die genannten Funktionäre. Wen. (25jähriges Dieustjnbiläum.) Anr 1. Dezember feierte Herr Gustav Fischer, Inkassaut der .Kultusgemeinde, sein 23jähriges Dienstjubiläuln. Der Jubilar, der sich ob seiner außergewöhnlichen Dicnstbeflissenheit, strengen Rechtlichkeit u. seines bescheidenen Charakters besoudereir Sympathien erfreut, war Gegenstand vielfacher Ehrungen. Herr kaiserl. Rat Dr. Theodar Lieben überreichte ihm in Gegenwart des Kassenchef mit einer humorvollen Ansprache das ansehnliche Ehrengeschenk des Kultusvorstandes und der Beamtenschaft. Nach Schluß des Kassen- Verkehrs veranstaltete die Beamtenschaft der Hauptkassa noch eine intime Feier. Aus samtlichen Abteilungen kamen Abgesandte, welche die Glückwünsche der Beamtenschaft überbrachten. Herr .Kassenchef Josef Pcterselka übrreichte dem Gefeierten das Angebinde der Kasseubeamtcu. Tiefgerührt daukbe der Jubilar für die erwiesene Aufmerksamkeit und die Zeichen des Wohlwollens und schloß mit dem Wuusche auf die baldige glückliche Rückkehr der so zahlreich im Felde sieheuden Kollegen. M. H. Wien. (Jüdische Toynbeehalle, 20., Denisgaste 88.) Samstag, den 4. d., fand Ln der ״Jüd. Toynbeehalle" die diesjährige Chanukah-Feier statt, welche Herr Kantor Leo Funke mit besauderen! Geschick arrangierte. Unter den Anwesenden bemerkte mau: den Vorstand der Toynbee- Halle, Obmann Dr. Samuely, Obmann-Stellvertroter Karl Freund, Bernhard, Glück, Direktor Richard Li stau, Dr. Scher, ferner Rabbiner Dr. Max Gruuwald und Frau, Vorsteher Karl Lemberger, Dr. I. S. Bloch, Professor Autscherl, Kassenchef Peterselka, Verwalter Brösler, Administrator Max Schwager u. >a. m. Die Feier begann mit denn weihevollen Anzünden der Charruka-Lichter des Herrn Kantor Funke. Die liturgischen Chorpartien sang ein Doppolguartett uw ter der sicheren Leitung des Herrn Max Mestler, Chordirigent im Genrei-n.detempel Fünfhaus. Dann schloß sich die Festrede des Herrn Sekretär Dr. Bronuer, die auf die Anwesenden großen Eindruck übte, an. Nach einer Pause folgte das Konzert, das Dank dom trefflichen Arraugemeut durch Herrn Kgntor Funke ein wertvolles, gerrußreiches Programm bot. Zunächst sangen die Herreu Funke, Germamr, Lahis, Schwarz, Sonnenklar und Wassermann, Chöre von Beethoven und Mücke, die Herr Dirigent Mittet tenrperamcutvoll dirigierte. Opernsängern! Frl. Juliska Röhler, Schülerin der Gesmrgsmeistoriu Frau Siuger-Vurian, erfreute hierauf durch Lieder, die mit durchaus glatter Koloratur und süssem Ton zum Vortrag gebracht wurden. Ihr herrlicher Sopran entzückte das Auditorium, und die junge Künstlerin erntete stürmischen Beifall. Sodau«u erhielt Herr .Kantor Funke als Solist insbesondere in dem mit Gefühl und innigem Ausdruck gesungenen Neiterlied von Dr. Zucker manu, den wohlverdienten -reichen Beifall. Den Höhepunkt des Konz-ertaborrds bildete der Ojährige bekannte Violinvirtuose Max Rosta-l mit dem ״Hejrekati" von Hubay. Die Damen Frau Placzek, Frl. Kol-!er, Frau Schwager verdienen für ihre ausgezeichnete Klavierbegleitung volles Lob. Herrn Kantor Funke, der über eine schöne Stimme verfügt, gebührt für das in jeder Beziehung geluugene Arrangement de«r Feier vollstes Lob und Anerkennung. Wien. (Jüd. Toynbeehalle, 20., Denisg. 88.) Herr Oberkantor M. Kaufmann, bildete den .Höhepunkt im letzten Souutags-.Konz.'rte am 18. d. M. Sein äußerst schmiegsamer und modulationsfähiger lyrischer Tenor gelaugte irr den mit tiefer Emvfinduug gesuiMnen Liedern von Krieg und Schubert zu reicher Entfaltung. In Prof. M. Menzer, der joden Hauch dos Sängers nachfühlt, fand Herr Kaufmann einen^würdigeu instrumentalen Begleiter. Lobend erwähnt seien auch die gesanglichen Leistungen der Damen:

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