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Jüdische Volksstimme · 1915-12-23 · Heft 28 (23.12.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 28 (23.12.1915)
Date
1915-12-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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M «. ־ . ■ 9P91fl|K V9WPI11I1" Frau Radosch, deren Mezzosopran von schöner, dunkler Färbung gefiel, und die jugendlich dramatische Sängerin Frl. Kühnberg. Beide Damen ^׳reichen ihrer Lehrerin Frau Dr. Kanner, die selbst die exakte Klavierbegleitung besorgte, zur hohen Ehre.׳ —o— Baden. Freitag, den 6. d., veranstaltete der isr. Frauen-Wohltätigkeitsvevein in Baden eine Chanukah-Feier, wobei bedürftige Schulkinder, hierortige wie solche der Flüchtlinge, mit Winterkleidern und Schuhen in reichstem Maße bebaut, wurden. Anwesend waren: die Vereinspräsidentin! Frau Julie Leitner (die Vize-Präsidentin Frau Rosa Schneider war durch Unwohlsein verhindert), die Vorstandsdamen Frau Oberrabbiner Jenny Reich, Rosa Scheu, Sofie Leitner, die Beiräte Kultuspräsident Moritz Leitner und Anton Schneider, Vize-Präsident Sigmund Rausnitz mit Frau Gemahlin und die׳ Damen Frau Dr. Schar und Freiwillig, die zu dieser außerordentlichen Feier bedeutende Liebesgaben spendcten. Se. Ehrw. Herr Qberrabbiner Reich eröffnete die Feier mit einer Ansprache an die Jugend und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät Kaiser Franz Josef I., in welches die zahlreiche Versammlung begeistert einstimmte. Dann setzten sich die Kinder um. die mit feinen Speisen und warmen Getränken reich besetzte Tafel, wo sie von der Präsidentin Frau Julie Leitner und den Vorstandsdamen mit innigster Herzlichkeit bedient wurden. Zur Erhebung dieser Cha!nukah-Feier trugen mehrere der Jugend angehörige Kinder wesentlich bei. Auf dem Harmonium gab der Gymnasiast Schüß österreichische und reichsdentsche patriotische Lieder zum besten und die sich stets bewährten Schülerinnen Maria Weiß und Marianne Baumsteiger erfreuten die Versammlung mi't der Zeitlage angemessenen Vorträgen aufs höchste. Zum Schlüsse dankte der Kultus-Präsident Moritz Leitner allen Anwesenden und besonders den zum -großartigen Gel ingen -der Chanukah-Feier beitragenden Damen, worauf alle Anwesenden die Volkshymne intovierten und wiederholt auf den Kaiser du dreimaliges Hoch ausbrachten. Warschau, Die ״Deutsche Warschauer ZeituNg" äußert sich in einen! Artikel über die Sprachenfrage in den Volksschulen in Polen u. a. wie folgt: ״Wenn für die Juden als Unterrichtsspräche die deutsche Sprache eingeführt Wurde, so liegt das Wohl in der großen sprachlichen Verwaudtschaft des Jiddischen mit den! Dentschen. Es erscheint wie d!as Plattdeutsch, das schwäbische und altbayerische Idiom als ein Dialekt, eine Uiugangisspräche in! Vergleich zun! Hochdeutsch, >djas aber für alle als allgemeines Verständi-gungsinittel, als Weltsprache unbedingt notwendig ist. Und wie die deutschen Dialekte neben den! hochdeutsch auch in der Literatur die schönsten Blüten treiben, ja sogar befruchtend, neubildend auf das Hochdeutsch wirken, wir erinnern an Reuter, Hebel, Kobell, Holtei u. >a.!!!., so wird auch das Jiddische neben den! Hochdeutschen seine berechtigte. Entwicklung finden." Jerusalem. Anfang November besuchte der Oberbefehlshaber in! Syrien, General Djeiual Pascha, die jüdischen Kolonien Nischon le Zion und Petach-Tikwah. In beiden Kolonien wurde er durch Deputationen begrüßt. In Nischon le Zion besichtigte Djamal Pascha das Genwind-- Haus und den Park und spendete 10 Pfund für die armen Kinder der Kolonie, mit der Bitte, ׳seine Spende als Zeichen feiner freundlichen Gesmiiung entgegenzunehmen. — In Petach-Tikwah wo der Geni.׳!ral.Ebenfalls mehrere Stunden verlveilte, stattete er der Schule, der Volksküche und der Synagoge einen Besuch ab, wo ihm ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Djemal Pascha sagte wörtlich: ״er freue sich üiber die gewaltige Kulturarbeit, die die Juden hier geleistet haben iiiiib deren Bedeutung er sehr hoch einschätze." — Einige Wochen zuvor hat Djamal Pascha mit feineu! Gefolge die jüdische Kunstgewerbeschule ״Bezalel" und deren Museum in Jerusalem besucht, lvobei er seiner Bewunderung darüber Ausdruck gab, daß in der kurzen Zeit von 10 Jahren so reichhaltige Sammlungen «geschaffen werden konnten. - üiidict&csprccftMng. Levy ben Gerson, Die Kämpfe Gottes, herausgegeben von Benzin!! Kellerinann, Uebersetzung und Erklärung, des handschriftlich revidierten Textes. Preis 8 Mark. — Das bedeutende Wdrk beschäftigt sich, wie schon der Titel besagt, mit dem Hauptwerke des Levi ben Gerson, des berühmten, freidenkende!! und doch tiefreligiösen Philofophen, welcher vom Ausgang des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die geistige Blüte des jüdischen Frankreichs repräsentierte. Das Werk ist überall von einem scharfsinnigen Gedankengange geleitet und gibt nebst der trefflichen Uebersetzung des Textes in jeder Hinsicht ׳erschöpfend über alle Fragen des Werkes Auskunft. Nicht außer Acht zu lassen ist die Schärfe und Klarheit, mit welcher Kellerinann die geistigen Zusammenhänge einer längst verschollenen Zeit klarlegt. Das Erscheinen dieser Arbeit eines berufenen Autors wird in jüdischen Gelehrtenkreisen sowohl als auch bei Freunden dner .eingehenden Erläuterung der jüdischen Literatur!nit Befriedigung begrüßt werden. In! Nachstehenden sei noch darauf ver- Wiesen, was Braun in seinem Werke über die jüdische Literatur und Geschichte über die ״Gotteskämpfe" des Leviten Gerson sagt: Gcirsonides ging aus von dem Gedanken, daß die Welt durchaus aus einen! Etwas, und sei cs auch nur aus einem ganz wesenlosen Urstoffc, entstanden sein!nüsse. Gott habe die Welt geschaffen, indem Er diesen! dürftigen Stoffe eine Form und der Form dir Möglichkeit der Fortentwicklung verliehen habe. Er erhalte die Gattungen und Arten der Wesen, die m der Schöpfung vorhanden seien, und habe den! Menschengeschlechte die charakteristische Befähigung gegeben, durch die sich Einzelne bis zu einen! außerordentlichen Grade der Vollkommenheit entwickeln könnten. Sieseien imstande, durch erhöhte geistige Erkenntnis und fartgesetzte sittliche Läuterung Gott näher als andere zu treten, und erlangten dann die Gabe, mit klarem, unverhüllten Blick in die Zukunft zu!schauen. Solche gotterfüllte Männer seien die Propheten gewesen, denen wir die Gesetzgebung und die Anleitung zur Sittlichkeit verdankten. Auf diese Mise gjcwann- Gersonides mit Hilfe seiner Gedankenschlüsse dieselben Vorstellungen, die die Thora auf den! Wege der Gesetzgebung und der Praktischen Belehrung als heilbringend und beseligend vorschreibt. Seine Philosopie führte ihn! demnach zu dem versöhnenden Ergebnis, daß das unbefangene Denken dem richtig verstandenen Schriftsinn nicht nur nicht Widerspreche, sondern vielmehr oft erst das rechte! Verständnis für ihn erschließe. Lg. Der Weltkrieg im Lichte des Judentums von Dr. I. Wohlgenmth. Verlag! des ״Jeschurun", Berlin, N 24, Preis drosch., 2.60 Mk, elegant geb. 8,60 Mk. — Das vorliegende Buch enthält zehn Aufsätze, welche von verschiedenen Gesichts- Punkten zeigen, wie sich die gewaltigen Ereignisse der Jetztzeit im Lichte der jüdischen Welt- und Lebensanschauung spiegeln. Der Verfasser beleuchtet die politischen Ereignisse der Jetztzeit als dentscher Patriot, sucht aber auch den Gegnern gerecht zu werden. In wohlgewogenei! Worten, die sich jeder leidenschaftlichen Aenßernng enthalten, schildert er die Schuld der Völker, Volksführer und Volksverführer an dein Zusammenbruch der großen Ideale der Menschheit und zeigt den Weg, wie die! Gedanken der jüdischen Ethik, die inj seiner Darstellung identisch sind mit den Gedanken einer wohlverstandenen Humanität, zu emem gerechten Urteil über Schuld und Sühne der sich befehdenden Völker führen. — Spezifisch religiös gehalten sind die Aufsätze: ״Die Entweihung des göttlichen Namens" und ״Der heilige Egoismus und das go tilge segnete Volk". Im ersten wird England der Niedergang und dan!it der Unte^- gaug als Woltmacht angekündigt, weil es als ״frommes Volk", das zu sein es trotz allen! seit Jahrhunderte!! sich rühmen durfte, den Namen Gottes, den es bekannt, durch die Anzettelung dieses Krieges und die Art der Kriegsführung entweiht hat. In diesen! Aufsatz: ״Der Gott der Gerechtigkeit" führt der Verfasser aus, daß dem Christentum und Judentum die Ideen von der Gerechtigkeit und der Liebe Gates ׳gen!einfam sind, daß aber das Jüdentuu! das Attribut der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes gemeinsam ligiösen Denkens rückt. Dadurch allein aber könne es nur gelingen, die mannigfachen Probleme, die der Weltkrieg unserem religiösen Empfinden auf« gibt: das Verhalten unseren Feinden gegenüber, die Berechtigung unserer Leiden, das Gebet der streitenden Parteien un! den Sieg usw., restlos zu lösen. V 1 i 9 < - . i : V Worte der Engel (Nachstehende Sätze sind den! kürzlich bei Rütten u. Loening, Frankfurt a. M., erschienenen Buche ״Der Kaisergedanke" von Alfons Paquet, entnomiuen. Es sind geistvolle Essays über Kaisertun! und Christenheit in ihren Beziehungen und Wechselwirkungen in der Geschichte Europas.) O, daß ei!n Moses wieder vom Berg hinunterstiege und die Tafeln an den Felsen zerschmetteile vor diasen Anblick! In Haufen stehen die Völker gegen einander in unsäglichen! Zerwürfnis und versprechen ein jeder sich selber den Tod des anderen zur Festesfreude. Gott hat den Menschen sein Reich geweissagt durch den Mund der Gesetzgeber und der Propheten, er legte den Grund leise und unsichtbar. Ihm entgegen aber stiegen aus den! verschlossenen Meer der Menschengedanken immer aufs neue die sichtbaren Reiche wie Tiere aus dem Wasser; sie sprangen empor und kämpfen mit einander und tauchen dann in das Nichts zurück, Plötzlich sind sie n!it allem ihrem Raube nicht mehr da. Heilig sind die großen Engel, die Säulen des leeren N>a׳um׳e>s. Selig sind die Scharen der kleinen Engel, die in den Wolken singen zur Musik der farbigen Tautropfen. Aber lebendiger als diese ist das ausgesandte Wort, das die Erde traf, daß sie erschauerte. Die rauhen Tiere, die biegsamen Pflanzen,!die sanfhäutigen Menschen, die entstanden sind aus anderen Menschen und Tieren und Pflanzen in gegenseitiger Darreichnng: sie alle dort, die ihresgleichen zeugen und sich untereinander nähren, bewggen, entzücken^ zehren und ermatten bis zur Asche. Unablässig füllen sie di«? Gräber mit Fäulnis. Die Erde zittert unter ihrer Hand, und selbst den toten Steinen, den Metallen und den! ׳aufgerafften Staube teilt sich ein Schauder mit. Geschlecht und Geschlecht quillt hervor a>us der schmalen Pforte des Anfangs auf den freien, grenzenlosen Schauplatz. Die Erde wird einst das lebendige Fleisch nicht saren, für den Menschen ist sie zu schmal als Fußstand. Zähltalle, die gelebt haben samt jenen, die noch leben werden: das trockene Land hätte nicht Platz, diesen Körper zu tragen, er wäre mehr als die Erbe selber, ein fleischener Planet. Wahrlich, das Wort ward Fleisch, und noch ist es nicht zu Ende. Heinrich Franck Söhne, k. k. priv. Koff. Sur. Fabrik Linz, a. D., 18. Dez. 1016. Verehrl. Leitung des Jüdischen Nationalfonds, Wi/en, 2. 1, Zirkusgasse 33. Wir haben Ihren Aufruf von diesen! Monat, zugunsten der durch den Krieg arm und Heimatlos gewordenen Bekenner des Judentums in! Osten, mit Interesse und aufrichtiger Anteilnahme gelesen. Wir überweisen heuite unter ei nein per Erlagschein an die Administration der ״Neuen Freien Presse" 2000 K, welche Sie der von Ihnen ins Leben gerufenen Kriegs-Landsspende znführen wollen. Möge Ihr von wahrer Men- ,scheuliebe getragenes Vorhaben überall wo Sie anklopfen, auf fruchtbaren Boden fallen und Ihre diesbezüglichen Bemühungen eine offene Hand finden. Wir möchten nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß wir bereits im Oktober a. c. (Elogen- ן beit hatten, an die Sammelstelle der ״Neuen , Freien Presse" eine große Spende zugunsten des jüdischen Hilfskomites in Leinberg zu übermitteln. Hochachtungsvoll Heinrich Franck Söhne. Offerte Zu beziehen durch den Jüdischen Buch- und Kunstverlag in Brünn, Adlergasse. Biach Dr. Ad.: Zur Erinnerung an den 700;ähr. Todestag des jüd. Geisteshelden Moses Mai mon ides K —.40 ו

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