Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 28 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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r H H - 3 Man! legt das Buch aus der Hand, mit schreibt an einer als Nachttisch hergerichteten lehrten seiner Zeit, und in seinem Fach galt er heißem Danke an den Toten, der uns dies ge-'Kiste mit käligraphischer Schritf die Theater-'als große Autorität. geben und mit leiser Frage an das Schicksal,'zettel nebst Erläuterungen in jidischer, hebrä-! In den vierziger Jahren des vorigen Jahrwarum es uns diesen Großen so friih genommen? Ernst Lebenhart, Prag. Jiddisches Theater im Gefangciicillagcr. Immer wieder erleben wir cs: nichts ist so wunderbar, daß es in der wunderbaren Geschichte ischer, deutscher und russ. Sprache, und bringt Hunderts kam Slonimski nach Berlin, wo er die nach kaum 6 Wochen die erste Vorstellung zu-! Bekanntschaft des großen Forschers Alexander stände. Goldfadens historisches Drama Bar, von Humboldt machte. Dieser, der die großen Kochba wurdle gespielt, und es braucht nicht erst Fähigkeiten Slonimski erkannt hatte, verschaffte gesagt zu werden, daß es ungeheueren Erfolg! ihm eine Audienz beim König Friedrich Wilhelm hatte. Das Theater faßt etwa 600 Personen, wo- 4., der sich für den eigenartigen jüdischen Forscher von freilich über 100 Plätze als Freiplätze für lebhaft interessierte. Slonimski hatte eine Rechendie deutschen Unteroffiziere des Lagers, die Ärzte Maschine erfunden, die denBeifall des Monarchen und einige Offiziere reserviert waren. Immerhin fand, wofür er ihm eine ansehnliche Subvention brachten die verkauften Billets (die Preise waren von 80 Pf. abwärts bis 10 Pf. festgesetzt) einen erheblichen Ueberschuß,so daß außer den notwendigen Abschreibungen für die Kosten der späteren dcs jüdischen Volkes nidji■ »otfämc. »renb-auf, st״ ff1״ ■>״'nflcn ^ch 60 M. dem Unt-rstühnngs der blutioen Vukviio!*י.׳ Wvlt-TOmteis die Tra- ^;^2 uitBcmittcUc jüdische Gefangene über- Wiesen werden konnten. Außer dem Bar Kochba und dem auf denselben altsüdischen Ton gestimmten ״Churban Jeruschalajim" ״(Zerstörung Jerusalems") Wurden noch leichtere ״Komödien" gespielt, in denen Szenen aus dem kleinbürgerlichen jüdischen Leben mit charakteristischer Darstellung der typischen Personen (Nebbe, Bocher, Schadchen usw.) der blutiger: Bühne des Welt-Thciaters die Tra gödie dar polnischen und russischen Juden von Akt zrr Akt fortschreitet, spielen auf einer kleinen, aus rohem Holz gezimmerten Bühne innerhalb der Drahtzänne eines deutschen Gefangenenlager jüdische Schauspieler u. Dilettanten ihren gefan-!geilen Brüdern Theater Vor, singen ihnen von alten jüdischen Helden uud neuen Duldern und erheitern זזתt Scherz und Spott über das jüdische Leben ihre Herzen. bewilligte. Mit Aron Bernstein erfand er gemeinschaftlich eine Verbesserung des Telegraphen- Apparates, die ihnen die preußische Post- und Delegvaphenverwaltung abkaufte. — Slonimski kehrte jedoch bald darauf in seine Heimat zurück, wurde Direktor der Kronrabbinerschule in Shitomir, gründete dann das hebräische Wochenblatt ״Hazephivah", das noch jetzt in Warschau in veränderter Form (als Tageblatt) erscheint, und war noch bis zu seinem achtzigsten Lebensjahr literarisch-wissenschaftlich tätig.' Slonimski war auch als Kritiker und Archäologe bedeutend; seine Hauptbeschäftigung galt aber den exakten Wissenschaften. Slonimski war in zwingendr Komik vorgeführt wurden. Hier keineswegs ein Stubengelehrter; Stets :euche das Lager Hein: und hatte auch unter den Maßstab wollen wir lieber nicht anlegen, aber stellung und in einfacher Sprache zu bieten. Juden zahlreiche Opfer gefordert. Erst nachdem! nicht darauf kommt ׳es an, was wir, die Außendie Krankheit endgültig überwunden war, und, stehenden, dazu sagen, nicht darauf, welche Mei- Zeit und Kräfte der Verwaltung, die bis dahin, nnng, der Herr Kommaudant und das Offiziersallein zur Schaffung eines gesicherten Gesund-, korps des Lagers, die sich zu der nächsten Vorheitszustandes völlig in Anspruch gen o in men stellung angesagt haben, von dem jüdischen Theawaren, für andere Dinge frei wurden, konnte an ter bekommen werden, sondern worauf es andie Befriedigung hölierer Bedürfnisse herange-j kommt, ist lediglich dies: daß es einem, ganz gangen werden. Lesehallen, Spielplätze und das in seinem Beruf lebenden jüdischen Schauspieler Theater wurden geschaffen. Letzteres wurde aus gelingt, unter den ungünstigsten Verhältnissen einer früher als Notlazarett verwendeten Baracke? seinen Brüdern und Landsleuten eine ständige hergestellt. Einige französische Gefangene, Ar-! Bühne zu schaffen, und sie allwöchentlich für tisten und Musiker, taten sich zusammen, beeinige Stunden aus ihren: Grübeln über die Not schafften Instrumente und bildeten ein Orchester, ihres Volkes und ihre eigene herauszureißen. Aus dem Ertrag der ersten Konzerte kamen diejUud cs ist sicherlich ein gutes Zeugnis für die Mittel, die Bühne technisch zu vervollkommnen;!Kraft der jidischen Thcaterkunlst, daß sie dieses ein versenktes Orchester, Kulissen, Hintergründe neueste Produkt der jüdischen Golus-Geschichte, wurden hergestcllt, und bald fand die erste fronein Jargon-Theater im Gefangenenlager, schafzösische Theater-Vorstellung statt. Der volle Er-'fen konnte, folg dieses Theaters ließ einen jüdischen Schau-' spieler, der seit Monaten als gefangener russ. Soldat im Lager ist, nicht schlafen. Sein Name ist Faibischeff, doch ist er, wie er mir anvertraute, in den jüd. Theaterkrcisen Warschaus, Londons und Neworks und anderer Jargon-Zentren nur unter seinem Bühnennamen Fabow bekannt. Er hat schon in vielen Stuten gespielt, seit 12 Iahreu ist er im Verriß kam kurz Vör den: Kriege aus Newyork, wo er drei Engagements hatte, nach Warschau, um seine Angehörigen nach Amerika zu holen, wurde beim Kriegsausbruch zurückgchalten, ins Heer eingereiht. Von einer deutschen Kugel am Leib verwundet, lag er über 8 Monate in einen: deutschen Lazarett und kam dann als Gefangener in das Laaer. — Dieser Mann also! wollte durchaus ein jiddisches Theater im Laaer schaffen. Man muß dir Verhältnisse in einen: Gefanaenenlager kennen, um zu ermessen, was das heißt. Er hatte nichts als seine zehn leeren Finckt. Außer einem Flötenspieler, den man ebenfalls noch zum Fach zählen könnte, war nute:׳ den jüd. Gefangenen sonst keiner, der je etwas von Theaterspielei: verstanden hätte. Jedoch, nachdem die Erlaubnis der Kommandantur erteilt und ein Vertrag mit d>en: französtßchen Theater abaeschlossen war, auf Grund dessen das Theater jeden Somuabend Abend gegen eine bestirmnte Entschädiaung dein Inden zur Verfüanna stebt und das französische Orchester die musikalische Ausführuna übernimmt, ginnen alle Dorbereitun gen in kurzer Seit von statten. Bald fanden sich einigend Solisten, selbst für Da men rollen, und ein nus zehn Mitaliedern bestehender Chor zusammen. Fabow schrieb für sie alle aus dem Kopf die Rollen und die Partituren^auf, leitete täglich die Proben und instruierte das Orchester, dessen Dirigent, ein franz. Berufsmusiker, sich Josef Julius Prager. Ein Jude, Gastgeber eines preußischen Königs. An: 12. Septeu:ber des Jahves 1840 kam das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm 4. und seine Gemahlin!auf einer Durchreise nach Danzig auch nach Elbing. Dort besaß der Kaufmann Samuel Ascheuheinl, der sich der hohen Achtung aller seiner Mitbürger erfreute, ein stattliches Haus, das der Magistrat der Stadt für einen Besuch des Königspaares herzurichten erbat, und der erfreute Besitzer des Hauses folgte gerne diesem Wunsche.Der König und die Königin speisten in den besonders glänzend eingerichteten Räumlichkeiten an der Seite Aschenheims und seiner Gattin und gaben ihrer Befriedigung über Ausstattung der Empfclngsräume kund. Jung verheiratet kam er in das kleine weltvergessene Städtchen Zabkrdowa, wo er zufällig mathematische und astronomische Lehrbücher in die Hände bebau:. Dieser Zufall war für seine fernere geistige Entwickelung entscheidend. Slonimski fühlte sich seitdem zu den exakten Wissenschaften hingezogen und vertiefte sich seitdem in die höhere Mathematik und in die Astronomie. Im Jahre 1834 veröffentlichte er bereits in hebräischer Sprache ein Lehrbuch der höheren Algebra, und bald darauf auch umfassende Forschungen über die Kometen und über das Kalenderwesen. Seine hebr. Schrift über das jüdische Kalenderwesen er mit anerkennenswortem Eifer in das so ganz an-! schien im Jahre 1838, «erregte in Fachkreisen ders geartete Wesen der jüdischen Musik hinein-! wegen der Kühnheit und der Neuartigkeit seiner zuleben suchte. Fabow zimmert aber auch den'da aufgestellten Thesen großes Aufsehen; sie rief ״Thron" für den Kaiser Chiskiah, benagelt ihn eine ganze Reihe von Zustimmungen und Krin:it Stoff u. benmlt ihn mit dem Magen-Dawid,'tiken hervor. Slonimski verteidigte seine Aufmalt Hintergründe und Kulissen, besorgt in einem, fassung, die übrigens gerade jetzt immer mehr Kostüm-Verleihgeschäft der Stadt die erforderihre Bestätigung findet. Bald stand er in regem lichen Kostüme für alle Solisten und Statisten, Gedankenaustausch mit den größten jüdischen Ge- Selbst als die ״Hazephirah" ein politisches Tagblatt wurde und notgedrungen einen anderen Charakter annchmcn mußte,liebte es Slonimski, hin und wieder wissenschaftliche Abhandlungen über Mathematik, Astronomie und Physik zu bringen. Wenn Slonimski auch in den letzten Jahren insbesondere seit.dem er seine geistvolle und feingebildete, ihm durchaus ebenbürtige Gattin durch den Tod verloren hatte, literarisch nicht rnehr tätig war, so blieb ihm doch seine Geistesfrische bis zu seinem Ende. In Warschau Pflegte diese unverwüstliche Gestalt ehrfurchtsvolle Bewunderung zu erregen. — Einer der letzten Größen aus der glänzenden Epoche der Wiederbelebung der Wissenschaften bei den Juden ist mit Slonimski aus den: Leben geschieden. Er gehörte einer längst!entschwundenen Zeit, die die Wissenschaft des Ju-!dentums geschaffen hat. S. B. Lebensregeln. Wie dein Roß, daß Wohl gezämuet, zäu:ue Ohr und Mund: Lausche nicht auf jede Rede, tu nicht alles kund. Dein Verstand sei dir ein Helm, Gurt dir Redlichkeit. Speer und Lanze dir dein Herz, stets zun: Kämpf bereit; .Anmut wie auch großer Sinn kleiden dich gar Und Bescheidenheit als Mantel Wird dir gar Wohl stehn. Rechtlichkeit, Gerechtigkeit feie:: deine Zier, Guter Name, Liebe aller dien' als Balsam dir. Jeden: Menschen sei willfährig, Herr sei deinem Zorne, Liebe jeden! nimm die Rache! aus den: Liebesborne. Sei nicht weis' in deinen Augen, bald füllt ab die Hülle, Sei nicht edel mit. den: Mund' nur, stets dein Wjort erfülle. Weißt du dir nicht Rat zu geben, geh', befrag bie Alten; Steigst du, halt dich! — doch im Fallen mußt auch Mut behalten. Goldne Mitte stets bewahre, bau' auf Recht dein Streben, Elp׳' und liebe deine Eltern, die für dich׳ nur leben. Jehudah Halevi. •k