Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 28 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4% Olul w! «Suff#( Nr. 88 jüdischen Nation die Vollmacht des gesamten Volfische Judenheit ist aus ihrer Stätte nicht herauswund aus den Schützengraben getragen — und kes auszuweisen in die Lage kommt. gerissen worden; von den hunderttausend Juden^wenige Tage darauf aus seiner Heimatstadt die Der innere Zwist, der den römischen Legioin Erez Israel sind nur 8000 ausgewandert, fast! Bersche ׳t, er sei gestorben. ־nett die Thore Jerusalems geöffnet, muß schweialle mit ihrem freien Willen und fast ausschließ-s Und dann, abermals kaum nach Tagen, nochgen, das ganze Volk muß einig sein in dem Belich diejenigen Elemente, die mit dem Lands noch mals eine stunde: Auf dem Friedhöfe zu Eger streben nach evner großen und glücklichen Zukunft, nicht verwurzelt waren und die Fäden zur alten! hatte, nachdem sie mit zärtlich kosenden Händen Jeder, der sich berufen fühlt, der Wortführer Heimat noch nicht gerissen hatten. Unser Bodennoch einmal frisch duftende Blumen auf die Erde, Judas im Staate dev Völker zu sein, muß sich ׳besitz in Erez Israel, diese 40 Vorposten für unbescheiden, wenn die Wahl auf einen einzigen ser Wideraufleben, sind nicht angetastet worden, fällt.!nach unseren Wohnstätten hat sich niemandes Seit Hevzl an jenem sonnigen Sommer- Hand ausgestreckt, unsere Schulen sind nicht getage von Zehntausenden zu Grabe geleitet wurde, schlossen. Aber der wirtschaftliche Schlag, der das fett Wolffsohn die Augen geschlossen, ruht unsere, Land betroffen hat, wird längs fühlbar sein. All- Zuversicht auf dem greisen Patriarchen, der noch zu stark ist er für unser junges Kolonisations- .im hohen Alter zu unseren Fahnen geeilt ist, der Werk. Weltklugheit und historischen Blick für die hohe Aufgabe besitzt. Millionen jüdischer Flüchtlinge Hilfe zu leisten ist eine Tat edler Menschlichkeit und Nach \Stn 9ege6etten Momente mögen sich ftenliebe; hunderttausend Juden in Palästina zu Stimmen auf MaxNerdau vereinig«,, der mit ^Ifcn - ist eine Tat treuer nationaler Pflichtseinerwurdigen Erscheinung.semem erprobten Erfüllung. « ludischen Natwnalgefuhl und nicht zuletzt mit, ' . .״״ seinem Pariser Französisch auf einen Kongreß! .Das Gefühl für Nächstenliebe und Barm-, von Diplomaten am würdigsten die Wünsche un- Herzigkeit ist jedem Menschen verständlich, insbeseres Volkes vertreten könnte. I sondere den Juden, die sich hierdurch von alters England und Frankreich werden nimmer I??,.^öeichnen, aber das Gefühl nationaler ihre Hand aus unseren heiligen Boden legen. Für Pflichterfüllung, das ist schon nur einzeln zu den Großhsvven ist das Land in seinem heutigen eigen. - Zustande eine wertlose Provinz..| Bei uns Juden ist dieses Gefühl zu unserem schichte uns den Platz gewiesen. Unsere Pflicht gegen Palästina. Bon Menachem M. Ussischkin.*) Wir wollen es als Geschenk aus der Hand der Unglück stark eiugedämmt worden. Die Notwen- Sieger nehmen, die es für uns verteidigt, und bigfeit, den Hungrigen zu speisen, den Nackten zu wollen alle Vorbereitungen ungesäumt treffen, bekleiden, versteht ein jeder von uns, und diese daß ein neuer Kampf uns dort finde, wo die Ge!- Art unserer Mildtätigkeit ist in diesen, traurigen — 1״״'*,־״ ’ Tagen in ihrem ganzen Glanz zu Tage getreten. Wer die Früchte der Pflanzungen aufzulesen, die mit der Mühe Auserlesener während eines Zeitraumes von 33 Jahren angelegt und bearbeitet wurden, damit sie nicht Schaden erleiden, und alle Kräfte vorzubereiten, auf daß unsere Pflanzen weiter wachsen, — die Bedeutung dieser Arbeit für unser Volk ist leider uicht einem jeden ver- In dem Augenblick, da ׳der W-ltkriqg Wer st^lich. eine Million Juden von ihren Wohnstätten fort-' Wir müssen zu unserem Schmerz feststellen, gerissen und in alle Himmelsrichtungen zerstreut daß während eines ganzen Kriegsjahres die Juhat, da die verzweifelten Hi'lferufe von Greisen,, den, sogar die Zionisten, ihre Pflicht Palästina Kindern und Frauen aus Polen, Littauen und gegenüber nicht voll und ganz erfüllt haben. . anderen Ländern sofortige Unterstützung vertan-' Zwei Millionen notleidende Flüchtlinge, das gen, m dem Augenblick, da alle diejenigen, bk״ in! bedeutet zwei Millionen unserer leidenden Brüden Wirbel der Ereignisse noch nicht hinein^-- der, aber hunderttausend Juden in Palästina, rissen sind, ihr letzten Kräfte aufbkten, um diese das sind die Avantgarde der ganzen Judenheit in Hilfe zu bringen, —gerade in diesem Augenblick ihrer historischen Entwicklung: dasJudentum halte ich es für meine Pflicht, die Aufmerksamnach dem ersten Exil hat sich nicht aus den Milli- Leit aller auf ein kleines Häuflein unserer Brüder, onen Juden entwickelt, die in Babel gelobt haben, zu lenken, daß sich weitab vom Mittelpunkt der sondern aus den 42.000, die nach Palästina Weltereignisse befindet, auf die Juden in zurückkehrten. der valästi musischen Juden i J ™ 'einen Augenblick erleben wir jetzt, winz^ im Vergleich mit den gwßen jüdischen, ״?. £? ^mmt Massen, die von dem Krieg in Europa heimgesucht worden sind. Man kann auch ihre Notlage Ptr mit deren Unglück nicht vergleichen. Wenn ich den- PPf-r J״t 00 noch mit ruhigem Gewissen die Aufmerksamkeit ^lL °nS?ll!!!1 /gerade auf die Juden in Erez Israel lenken will, dieser . ,, .ת so geschieht es, weil man an verschiedene historische . n Erscheinungen in Verschiedener Weise herantre-Ueben, ten muß. In der allgemeinen Geschichte sowohl? polltische Reife bewiesen. Jetzt ist wie in unserer eigenen gibt es Beispiele dafür,' ^eiye an uns. Daß, wenn in einer Zeit zwei Ereignisse ointra- * * ten, von denen das eine den Menschen jener Zeitf Laufe der Zeit hevausgestsllL hat, daß das große Ereignis zusammen mit jenen Menschen spurlos unterigmg, während das aindere Folgen hatte, die für das Schicksal des Volkes bestimmend waren. Auch heute haben wir die volle Ueberzou- 1. Provisional-Executive Comite for General Zionist Affairs in Newyork, 44 East 23rd Street, 2. ,das Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation, Kopenhagen, Vestergads 1. . > .. . . w ... , . Die zur Linderung der Not in Palästina bem den Anfangeil der stimmten Betrüge können an eine dieser Adressen Na.>tPsr1>nennsmen ReMeounn nhf־ mnmiFnfw1 Um־ e. -. 77.r<... . c '_Y-ri.rr.״ oder an die speziellen überwiesen werden. Landes-Sammelstellen .palästinensischen Bewegung die zukünftige Um Wandlung des ganzen Lebens der jüdischen Nation enthalten ist, und nicht in jenen gewaltig׳?! Geschehnissen, die heute -das jüdische Leben erschüttert haben. Die Ursache ist offenbar. Im Verhältnis zu Palästina sind wir die Arbeitenden, dis Schaffenden, das aktive Element, wir machen allein unsere Geschichte. Jul großen Galuth dagegen sind wtr ein passives Element, d. h. andere machen unsere Geschichte für uns. Die historische Lebensbahn eines Volkes wird aber stets und! rand hocken zwei Dohlen, — fall ich am Donauimmer durch die aktive Kraft und nicht durch die strand, sterb' ich in Polen?...Alle Blätter passive bestimmt. I brachten es, sein Reiterlied. Jedes der Völker der Die Lage der Juden in Erez Israel ist Monarchie eignete es seiner Sprache zu. Sechsäußerst schwierig. Es ist richtig: die Palästinenmal wurde es vertont. Hugo Zuckermann. Mit etnemmale war Zuckermanus Name in aller Munde gewesen. ,^Drüben an: Wiesen- *) Aus ״Jewreiskaja Schisn" — Moskau. Und dann, kaum einige Wochen später, kam , ... die Nachricht, man habe den jungen Dichtet Lot-' Tempel wieder rein, laßt uns Makkabar sein! die ihr Teuerstes barg, gebreitet, in unendlicher Hillgabe, ihnr im Tode vereint zu sein, sein junges, liebendes Weib sich erschossen. Zweier glücklich gewesener Menschen Schicksal hatte sich erfüllt. — Sein Sterbelied erst war es, das diesem Manne die. Anerkennung brachte, die ihm längst gebürt. Gut, daß sie ihm nicht zu viel bedeutete; tl)u1 die Freude am Schaffen alles war, ihm nur Schöpferkraft die Schöpfungen gab. Sein Dichten war Seelesprechen, wie ein Gebet, das über dis Lippen drängt. — Seine Gedichte pio jetzt gejamn.elt worden, und ein Teil 00 1 ihmn erschienen, mit dem warmen Geleitwort cmes Freundes. Ein schmaler Wand nur ist es. der vor mit liegt, und doch: das große Vermächtnis eines großen Loten. Mein Volk. Bibslgesänge. Liebeslieder. Bilder. Krigslieder. So hat die sammelnde Hand des Freundes die losen Blätter zusammengetvagen. ״Meill Volk" ist die Botschaft, die die ersten der Gedichte tragen. Sie spiegeln uns des Dichters Seele, des Kindes freudlose Jugend, das Bangen des Mannes und die neugeweckte Herrliche Hoffnung, Wegziel undSehnsucht: Zion. Sie spiegelir unseres Volkes Seele, klagen sein Leid, sehnen seine Hoffnung träumen seine Zukunft. ״Ich glaub, ich war Wohl nie sin Kind, sin Kind, wie andere Kinder sind, das keine Sorgen kannte. Ich freut mich!nie am Sonnenschein, ich freut ilnch me au! blutigen Rain, ich spielte : ׳e in! Sande". Oder ״Rachel, o Rachel,!die Welt ist so schön: Rachel, sag, hast d!u dis Welt schon׳ gesehn? Not blüht der Rosenstrauch, grün ist der Klee, blau sind die Veilchen auf blumiger Höh... Hier ists so düster, so Lall und eng... Ergreifend sind diese Lieder, so schlicht und so einfach voll so iia.nenlosen Wehs, voll so gekerkerter Lebensfrer.de, voll Sehnsucht und Verlangen nach Glück, Sonne, Licht. Dann die des Mannes, gegen den das Leben schwer wuchtet und der sich auf die Vergangenheit stützt, ihre Größe, ihre Macht. Das sind Gedichte, die Israels Vergangenheit beten, von einstiger Judenkvaft, die Hoffen macht. ״Harr aus die lange, bange Nacht, bis daß der Morgen dämmert von den Bergen und halte schwiertgogürist Totenwacht an deiner Väter blutbefleckten Särgen." Und dann׳ die Erlösung: Herzl: Zion. Mit inniger Verehrung hängt er an unserem Großen ״Theodor HerzU Blicke auf die Deinen! Du wavsts, der uns den Sang der Freiheit lehrte, den Traum vom Rauschen in den Zedernhainen; wir aber gruben dich in fvernde Erde und weinen..;." Die Lieder der Zukunft: Lieder voll schwärmender Liebe für Zion, voll seligen Glücks, voll berauschender Träume. ״Einst, eftift, wenn du nimmer woinst, Mutter Rachel, in nächtlicher Stunde....." Bibelgesänge. Eine Übersetzung des Schir Haschirim, die in ihrer Vollkommenheit allein ihm ewiges Gedenken sichert. Liebeslieder. Es sind zarte, duftige Gewebe. Von lockender Sprache, voll der Herrlichkeit der Schöpfung. Bilder. Gedichte voll Stimmung, von. bestrickendem Wohllaut der Sprache, Zeuger einer Künstlersoele. Und dann seine Krtogslieder. Man kennt sie heute schon allgemein, echte Soldatenlieder, schwermütig, keck, just beides zusammen, eben Soldatenlieder. Unid als letztes seine ״Makkabäer". ״Recht unleserlich, mühselig mit Tintenschrift geschrieben, traf es in den Tagen, ba wir oie Befreiungskämpfe der Makkabäer feiern, in der Redaktion der ״Jüdischen Zeitung" ein. Selbst verwundet schrieb er es auf dem aufgewühlten jüdischen Friedhofe zu Radymuo. Seiin Vermächtnis an die Juden Oesterreichs ist es; der Ruf zur Tat! vom sterbenden Helden durch das Opfer seines Lebens geheiligt. ״....Noch wird unser Volk gesteinigt, unsere Tempel sind geschändet.Eure Künste, euer Streben, eure festen Daseinsplätze, eure Häuser, eure Schätze frischen wir und euer Leben! Euer Leben, daß nicht sterbe Väterart und Vätererbe. Macht den