Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 27 (9.12.1915)
- Date
- 1915-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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jsttt «. DWUMIsW» wlUtplinw• M. 27 Sftrm wir, wie mitgeteilt, bis 1895 das 1mbedingte» Vorherrschen &:$ Spaniolischen iMter den serbischen Juden fostskellen kümien, -so ergibt sich hieraus, Latz die seinerzeit aus Spanien vortr!ebenen sephardischen Juden den .Hauptstock der jüdischen Bevölkerung Serbiens bilden. Die viel später eingewanderten Aschkenasim stammen größtenteils aus Oesterreich-Ungarn. Die Serbisch oder ein andere slavische Sprach redenden Juden rekrutieren sich wahrscheinlich aus beiden Gruppen, sind also zum großen Teil assimilierte Deutsch oder Spaniolen. Wodurch die nach 1895 einsetzende Periode einer kulturellen Assimilation hervorgerufen tvurde, ist schwer festzustellen. — Wahrscheinlich wurde die Sliavisierung. per serbischn Juden durch wirtschaftlich und nationalpolitische.Umstand bewirkt. Recht bemerkenswert sind auch die aus der serbischen Statistik gemachten Mitteilungen über die Schulbildung der Juden ln einem Lande, dessen Volksbildung auf tiefer Stufe steht und in dem im Jahve 1900 kaum ein Fünftel der Gesamtbevölkerung schreiben und lesen konnte. In den amtlichen serbischen Veröffentlichungen heißt es hierüber wörtlich: ״Wir-ersehen, daß die Inden die intensivste Schulbildung besitzen". Sie zeigen kulturell! von allen Bevölkerungsklassen des Königreichs Las erfreulichste Bild. Während nämlich im genannten Jahre inganz Serbien des Lesens und des Schreibens kundig waren überhaupt: 21,03 Prozent, in den Städten: 55,01 Prozent, betrug die Zahl der geschulten Juden 50,99 Prozent, übertraf also auch den städtischen Prozentsatz. Die Schlußfolgerungen der vorl-iegeuden größeren Arbeit Arnold Wadlers aus dein Jahre 1906 lauten folgendermaßen: ״Die Zahl der Juden in Serbien ist absolut und relativ sehr gering. Den Hauptstock bilden Spaniolen. Die Juden haben sich allster durch Abstammung imb Konfession grösttenetils auch durch eine besondere Umgangssprache charakteristisch von der übrigen Bevölkerung ab. Doch ist in, den letzten Jahren ein Fortschritt der Assimilation festzustellen. Die Kriminalität der Juden ist außerordentlich gering." Daß cs sich bei der erwähnten Assimilatioli lmsierer serbischen Glmlbensbrüder lediglich um eine kulturelle handelt, ergibt sich aus der Tatsache, daßTaUfeü und Mischehen unter den Juden in Serbien erfreulicherweise austerordent- ■0₪Q₪!6BHaHRaBHHBnF Aufruf! Voll deu schrecklichen Folgen des gegenwärtigeu, null schon fast eineinhalb Jahre dauernden Krieges wurden die heincatflüchtigen Bewohner Galizieils uub׳ der Bukowina am härtesten betrösten. Zu den Allerunglücklichsteu unter ihnen zähle״, die Kantoren, Chordirigenten, Tempelsällger ulld Funktionäre und die sonst in größte Rot geratenen Kollegen. Ihnen droht lieben dom Verluste ihrer Habe, ihres Einkommens, der Zerstörung ihres Wohnsitzs auch!loch der Verlust ihres teuersten Gutes, des einzigen Besitzes, auf Veil sie ihren Familiellstand gründeten — dev Verlust ihrer Stimme. Das Elend des Exils, die Unbilden des Wetters ftiivmeit immer aufs neue auf sie ein n. jede Erkrailkung, jede Gefährdung ihrer Gesundheit raubt ihnen Stück für Stück die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In die frelldige Stimmung aber, die jetzt bei dem siegreichen Vorgehen unserer heldenmütigen verbündetell Armeen in ihnen aufkeimt, »mischt sich, trübend unb bedrückend, die leider nur zu begründete Angst, bei der Rückkehr in ihre Heimat ihre Gemeinden verarmt, ihre Gotteshäuser zerstört, ihre Wohnungen allsgeraubt u. verwüstet wiederzufinden und so nach einer tieftraurigen Vergangenheit, einer vielleicht noch traurigeren Zukunft entge;zenzugehen. ׳^Die Folgen solcher Not zu mildern nud zu nlipdern, die entnewende Angst vor den Gef ahren der Zukunft von ihnen, bereu Standeswürde es untersagt, bittenb an Einzelne hevanzutreten, abzllweildell, hielten die gefertigten Kollegen derselben für eine hohe GeUnsseusP-flicht und silld deshalb unablässig benlüht, mit allen Kräften ihnen beizustehen. Aber da fast 000 Personen zu! erhalten sind, dieser schreckliche Krieg zudenl, ge-1 geil alle lnenschliche Vovanssicht, nun schon fast eiueinhcrlb Jahre dauert, reichten alle ihre Beniühungen nicht aus, um auch nur die notwendigsten Bedürfnisse dieser imglücklichen Fmnilieu zu befriedigen. — Grauenerregend aber bauten rmd einen ewig wiederholten Notschrei um Hilfe bedeutendie Berichte der in die Heinlat Zurückgekehrten. * - Alls dieseill Hochpunkte der Not angelangt, die die ״historische Infamie" des wortbrüchigen Italien noch vergrößert tjat, rufen wir heute vertrauensvoll die Oeffentlichkeit am und bitten Sie aus ganzem Herzen: Lassen Sie uns in unseren Bestrebungen, solch schreiendem Elende abzuhelfeil, »nicht halben Weges vor dem Ziele unterlie- 'gen! Helfen Sic uns vielmiehr — Sie erfüllen damit eine den Juden, nach ihrer Lehre, obliegende moralische Pflicht höchster Ordnung — bei der Erfüllung icuserer imabweisbaren Pflicht, unsere armen, unglücklichen Kollegen, die Träger des jüdischen Gottesdienstes, und ihre Familien vor be.tu Untergänge bewahren! Mit gleicher Wucht drückt die Not auf die Internierten oder Konfinierten wie auf di»e Freien. Der geringe Bruchteil unserer Kollegen aber, der in! die Heimat zurückkehren kannte, steht in Gefahr, in den verarmten Gemeinden ganz zu verelenden. Helfen Sie mis bei der Rettung dieser Hoffnnngslosen! Als Menschen können, als Kollegen dürfen wir sie nicht als Bettler verkommen lassen. Mit jeder gütigen Spende tun Sie ein gutes Werk, erfüllen Sie die Pflicht des Wohltuns, die edelste der Besitzespslichten. An Ihrer werktätigen Hilft werden sich diese Unglücklichen Wieder aufrichten, Sie selbst.abcr werden eine beglückende Genugtuung in dem Gedanken finden,. in schwerer Zeit »die Forderungen der Nächstenliebe hochherzig und mit Edelsinn erfüllt zu haben. -Das. Komi te: Don Fuchs, Ober-Kantor der isr. Kultusgemeinde Wien, Stadttempel, Besitzer des Ehrenzeichen 2. Klasse vom Noten Kreuze, 1. Bez., Postgasse 10. — Postsparkassenkonto Nr. 28.127, als Obmann. Professor Ljeo Kartschmiaroff, Oberkantor, Groß- Kanizsa, S. Kwartm, Oberkantor, Budapest, Professor Ad. Lazarus, Oberkantor, Budapest, Josf Nendi, Oberkantor, Agram. Js. Tkatsch, Oberkantor, Budapest. Kantor B. Jlmer, 1. Kan!- tor M. B. Kaufmann, Oberkautor S. Löwy, ,Kantor und Ehordirigent Isidor Löwit, 1. Kan- .tor Mathias Matyas, Oberkantor L. Müller, 1. Kantor I. Schleifer, Kantor Z. Smotritzky, Kantor M. Weißmann, sämtliche 'uv Wien. BBBBI9f9Eiflflft9E9BfiBBBB Offerte Zu beziehen durch den Jüdischen Buch- und Kunstverlag in Brünn, Adlergasse. Biach Dr. Ad.: Zur Erinnerung au den 7001Lhr. Todestag des jüd. Geisteshelden Moses Maimonides K —.40 Cohn Rabbiner Dr. Cm.: Mein Kampf mus Recht K —.80 Dienemann Dr. Rabbiner: Festpredigt aus A.ulaß der Feier des lOOjähr. Besteh. K —.40 Cpstcin Dr. Jur. M.: Poesien des alten Testamentes im deutschen Gewände K —.60 Friedländer Dr.M. H.: Die hervorragendsten jüd. Religion-sphilosopheu und Dichter im Mittelalter K 1.50 Färber Dr. R.: Vier Festpredigten im Tischri 5l»74 (1913) nebst einem Anhänge K 2.40 Frankl-Grün Rabb. Dr. Ad.: Der Weg zu Gott Festrede gehalten bei dev Einweihung des Kaiser Franz Joftf I. Jubiläumstempel in Kren stier K —.00 Geiger Dr. Abr.: Unser Gottesdienst, eine Frage, die dringend Lösung verlangt K —.80 Dr. F. Hillil, Leipnik: Festpredigten 1. Heft Pessach, Schewuaus K —.80 Hoff Dr. C.: Die Empörung Korachs und die der ״großen Nation" K —.40 Horowitz Dr. I. Rabb.: Agudath Jisroel, Rede gehalten am 20. Nov. 1914 K —.50 'Jellinek Dr. Ad.: Israels Sprache, Predigt ge- | halten am 3. September 1859 K —.00 Jetski Dr.: Rede zum 100. (Mmrtstag Sigis- ' rmmd Sterns, Rede gehalten an der Bahre des am 9. Jänner 1907 verstorbenen Reichsgerichtsrates Dr. Jak. Bohrend K —.00 Jung Dr. M.: Rede zur Zeit der Reichsratswahlen im Juni 1911 K —.00 Kahn Dr. L. Rede gehalten in der Debatte über jüd. Kultur K —.20 Leimdörfer Dr. D. Hamburg: Unsere Gottesl>eiligu11g K —.40 Löwi Dr. Gust.: Worte der Trauer an der Bahre -eines armen Buchbinder K —.60 Lewin Dr. Rabb., Nikolsburg: Gedenkrede bei der Enthüllung eines neuen» Grabsteines für ׳den Ober-LaudesiMbbiner von Mähren u. Schlesien R. Mordechai Benet s. A. K —.60 Lewin Dr., Wreschen: Reden aus ernster Zeit > K 1.50 Lazarus Dr. Ludwig: Patriotische Reden an vaterländischen Festtagen K 1.20 Oüekerdespreckung. Die Urheber des Weltkrieges. Von Adolf Gelber. (Oktavband, 182 Seiten, im Verlage des .HeldeMverkes, Wien, 1. Opernring 7. Preis K 1.80.) Zur selben Zelt, in -der Grey und Teloasse in den Hintergrund treten und der Großfürst Nikolajewitsch in ׳den Kaukasus verbannt nstrd, tritt der Wiener Publizist Adolf Gelber mit einer hochaktuellen politischen Schrift über die Vorge schichte des Mteltkrieges hervor. Genaue Kenntnis der politischen Ereignisse und der Charaktere der!im Vordertreffen fte־ henden Persönlichkeiten gestalten das Merkchen, das als Geloittvort des demnächst.erscheinenden .ersten Bandes des literarischen Monumentaltoerkes ״Helden 1914-15" (herausgegeben zugunsten des Kriogsfürsorgeamtes des k. 1t. k. Kri'egsministeriums) gedacht ist, zu der bedeutsamsten Schrift, die bisher, über die Ursachen u. Urheber des Weltkrieges geschrieben wurde. Der geistreiche, durch seine packende Stilart ungenvein fesselnde Autor schließt seine Ausführuitgen, die die prächtigste Verteidigung rutserer und der deutschen Politik bilden: ״Dieser Krieg uub seine Vorgeschichte war für uns ein famoser VolksbUdungsk-nrs, in׳ dein wi r gelernt haben, wie inan ihren Absichten am besten entgegenkommen kann; Md so werden sie uns jedesmal, wenn es ihnen beliebt, wiederfinden: Gewehr bei Fuß, oder auch Gewehr im Anschlag, je nachdem.. Denn unsere Söhne werden es von uns erfahren, haß sie die Heimat mit ihrem jungen Blut ebenso -verteidigen ׳müssen, wie die heutige Generation es in Deutschland auf den Ruf Kaiser Wilhelms und bei uns auf den Ruf unseres Kaisers getan׳. Denn als dieser mildeste »aller Fürsten, dessen ganzes Leben eine Anwaltschaft für den Frieden gewesen, uns in seinem 84. Lebensjahre rief und die Morte hin schri eb: ״Ich habe alles geprüft und erwogen", da war es jedem guten Bürger Oesterreich-Uugarns klar: Wenn der Kaiser dies sagt, dann ist es wahr, dann hat er wirklich alles geprüft mvd erwogen—altes Oesterreich-Ungarn, man will dir ans Leben! Und nun zeige, stand- Haft und geduldig!im Ertragen, wie der Kaiser— ernst uiid vorausschauend im Wollen, wie der der Kaiser — im Vertrauen auf dein Recht auch und in gesammelter seelischer Kraft, wie der Kaiser, daß dieses alte Kulturland weder jetzt noch in Zukunft sich von den Wölfen aufsressen lassen wird". ' ' ■ r; Die deutschen Juden und der Krieg. Von Geh. R!at Prof. Dr. L. Geiger (Kriegspolitische Einzelschriften, Heft 3). Preis M. 1.20. Berlin W. 57 bei C. A. Schwetschke u. Sohn. — Heft 3 unserer Sammlung wird gleich seinen beiden Vorgängern lebhaftem Interesse begegnen, ja es ist 1an»zunehnien, daß es eine darüber htuausgehende Berbreitling finden wird; denn das Kapitel Juden und Judentuni, so oft es auch in Wort und Schrift q^gefchn-itten wird, bleibt eigentlich ewig neu, dcv immer neue Gesichtspunkte, Stellungnahme für uud Wider, auftreten, die neue Ansichten mrd Meinungen ergeben. Diese Schrift ist keine Streitschrift; sie tritt nur tvarmherzig für die Juden ein und gibt allen Zweiflern klar zcc veiftchen, wie die deutschen Juden in Kämpfen früherer Zeiten und im gegenwärtigen Kriege sich als Deutsche u. Soldaten fühlten und fühlen und wie sie ihre Pflicht taten und wie sie auch