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Jüdische Volksstimme · 1915-12-09 · Heft 27 (9.12.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 27 (9.12.1915)
Date
1915-12-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*?. M Nowifp vtirfptmar. OM.S ■■■BQ■■■■■■■■■■■■ An die jirdische Oesfentlichkeit! ׳Durch die kriegerischen Ereignisse im Osten, die Bestreinng Galiciens nnd das sieghafte Vordringen der verbündeten Truppen in Polen, Lithanen »nnd Wolynien sind Millionen von Ost- ,juden. die. diese! Gebiete in großen Massen bewobneu, Europa näher getreten. Das Interesse der bveitesten Oeffentlichkeit hat sich infolgedessen dein ostjndischen Problem zngelvendetr So erfreulich diese Tatsache au sich auch seich >!rag, muß eS doch sedem Kenner der Verhältbisst auffallen, das; »neben manch Richtigem und Zlitreffende!» auch sehr viel Unrichtiges nikdEntstMtes geboten »virR Ost werden sogar in bester Absicht Vorstellungen über ostjüdisches Wesen PNd Lieben verbreitet, die zu beit wirklichen, Wirtschriftlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Zuständen in krassem Widerspruche stehen: Wesentliches:wird übersehen, Unwesentliches hervorgehoben — von den Fällen nicht zu reden, in denen infolge falscher Information oder gar aus böswilliger Absicht die abenteuerlichsten Dinge erzählt werden. Daß hiedurch die Ostjuden, die ja gerade seht samt ihrer Umgebung vor großen Schicksals- Wendungen stehen, in ihren lebenstvichtigsten Instresse bedroht »verden und mittelbar die gesamte Indenschaft gefährdet wird, liegt auf der Hand. Abhilfe ist dringend nötig. Wir, die Unterzeichueten, sind darum zusainnieugetreten, um sie zu schaffen. Wort und Schrift wollen »vir benutzen, tun liber die Lebenstatsachen des Ostjudeutu-ms Klarheit zu verbreiten, eine richtige Wertung der ostjüdlscheu Probleme anzubahnen und Irrtninern, wo nnd in wessen Interesse immer sie au stauchen mögen, entgegeuzutreten. Das Büro, das »vir zu diesem Zwecke eröffneu, »vird eine ebenso gründliche und systematische, wie vielfältige Arbeit zu bewältigen haben. Es »vird sie ׳nur dann leisten können, wenn ihm die weitesten südischen Kreise ihre moralische und materielle Unterstützung gewahren. Wir bitten demgemäß nm Ratschläge, Anregungen, Mitteilutlgen, »vir bitten um Förderung durch einmalige oder Periodische Beitragsleistnngen. Die Bedeutuug der Sache läßt uns hoffen, daß »vir keine Fehlbitte tun. Das Konnte zur Aufklärung über ostjüdische Fragen: Tr. W. Berkelhammer, Dr. Ah Birnbaum, Dr. I. S. Bloch, Dr. Mar Brod, Dr. B. S. Feldmann, Rabbiner Dr. Max Grnnlvald, Red. Meir Heul sch, kais. Rat KM Hirsch, Dr. Hermann Kadisch, Dr. Anselm Kleinmann, Red. B. Locker, S. Meisels, Dr. Karl Pollak, Red. M. A. Racker, Reichsratsabgeordlieter Heinrich Reizes, Dr. I. Schipper, Oiabbiner Gedalje Schmelkes, Siegfr. Schmih, Adolf Stand, Dr.W. Stein, Tr. F. Sternberg, Ober-Ingenienr Robert Stricker, L. Taubes,-R'eichsratsrevisor Rudolf Taussig. Ae resse: Komite zur Aufklärung über ostjüdische Fragen, Wien, l). Bez., Soegasse 2515—׳. — Zahlstelle: Bankhaus A. Hecht,׳Wien, 15. Bez., Mariahilferstraße 128 Korrefponäenzen. .Brünn. Bibelschule des Vereines ״Machsike Ha das", Adlergasse 12. Trotz des Krieges erhält die Leitung des Vereines ״Machsike HadaS" die;Massige unentgeltliche Bibelschule für Knaben!und Mädchen. Eine tüchtige,Pädagogisch geschttlte Lehrkraft wurde gewonnen. Die Erhaltung der Schule erfordert ziemliche Opfer. 100 Kuubeu und Mädchen erhalte!» täglich Unterricht. Au der Schule »virkeu Lehrkräfte. Die Kinder erhalten mich, die Lehrbücher gratis. Wie alljährlich wird auch Heuer ci.nj Teil der Schüler nDt Spenden ..Kleider us»v. bedacht. ׳ Um diese Institutionen erhalten zu können, bittet der Verein nm Znweisung von Spenden. ן Nil-Raußnitz, 5. Dezember. (A n s z e i ckp, u u n g.) Dem hies. Bürgeriueister nnd Kultus-' Vorsteher Richard Lölv ist die Silberne Ehren- Medaille vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoration vcn liehen »vorden. Nikolsburg. Unsere!»» Hern» Rabbmev Dr. .M. Lewin »vnrde seitens,des Generalinspektors der k. k. Lanitätspslege Sr. k. k Hoh. Erzherzog Franz Salvator, so»vie seitens des k. k. Ministerinms des Innern der Dank und die beisondere Anerkennung für seine ersprießliche Wirksamkeit ans dem Gybiete der Hilfelcist»mg für die israel. Krigsflüchtlinge ans Galizien und der Buko»vi na ausgesprochen. Leipnik. Die mir aus Anlaß mieiuer Auszeichnnng durch das silberne Eh von Medaillon vom Noten Kreu,׳^ mit der Kriegsdeko ration Moordenen zahlreichen, herzlichen Kundgebungen, Glückwünsche meiner zahlreichen Freunde und Gesinnungsgenossen, ist mir so viel erhebende Freude zu teil geworden, daß ich mich außerstände sehe, jedem einzelnen separaten Dank ausznsp rechen nud danke ich allen herzlichst auf diesein Wege. Mit Zionsgruß Ilona Fuchs. Men. Der bekannte Wiener Arzt Med.-Univ. Dr. Rudolf Diamant, der seit Kriegsbeginn im Felde steht, und derzeit als als k. k. Assistenzarzt!au der südöstlichen Front wirkt, erhielt von Sr. Majestät, ״für tapferes und opferwilliges Verhalten vordem Feinde" das Sigitnm lau,dis zuerkannt. Herr Dr. Rudolf Diamant, der das 2. deutsche Skaatsgymnasi»»!!» in Brünn, fregneutirt 'und daselbst maturiert hat, ist der Sohn des verstorbenen Herrn- Dr. Adolf Diamant, Rabbinern in Schassa (Mähren) nnd ein Bruder des Herrn Dr. I. Diamant, Rabbiners inMarienbad. Wien. — (Moritz Epstein.) Unter außerordentlich großer Beteiligung lvurde der Redak-- teur des ״Nenen Wiener Tagblattcs" Herr Moritz Epstein zu Grabe getragen. Im Trauer- Hanse LandSkrongasse 1, hatten sich eingesunden: der Präsident der ״Concordia" Dr. Ehrlich mit den Vizepräsidenten Bernhard Münz und Dr. Anevnheiuter, ferner zahlreiche Schriftsteller und Journalisten, Direktor Thimig von: Hofburgtheater, die Direktoren Franz, Natzler und Wallner, viele Bühnenkünstler u. -künstler innen, Komponisten und Musiker u. a. Präsident Dr. Siegmund Ehrlich nahm von dun Dahingeschiedenen in belvegten Worten - Abschied namens der ״Concordia". Im bkamen eines engeren Kreises von Freunden sprach Dr. Emil Frankl, der Epstein, als edlen-Menschen u. treuen Freund pries. Sodann wurde der Sarg zur Beisetzung der Leiche ans die israelitische Abteilung des Zentral fr i edho fes gebracht. Wien. (Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde). In der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Knltnsgemeindc wurden über Vorschlag des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern die nachfolgenden Herren in: den Vorstand kooptiert: k. k. Hofrat Dr. Josef Löwner, Heinrich Mendl, Dr. Wilhelm Pappenheim, Hof- und GorichtSadvokat, Louis Freiherr v. Rothschild, Dr. Rudolf Schwarz-Hitler, Gemeinderat. Wien, Das Komite zur Aufklärung über ostjüdische Fragen gibk bekannt, baß es seine Tätigkeit, die vorläufig in der Herausgabe von ansklärenden Schriften und in! der Veranstaltung von Vorträgen besteht, ausgenommen hat. Die erste Schrift ״WaS sind die Ostjnden?" gelangt demnächst zur Ausgabe. In Wien findet eine Reihe von Vorträgen über die verschiedenen Seiten des ostjüdischen Lebens: Religion, Geschichte, Wirtschaft, Sprache, Literatur, Schule usw. statt, »vofür u. a. die Herren Dr. N. Birnbaum (Math. Acher), Rabbiner Dr. Mar Grmnvald, Dr. Sam. Napp.tport, Dr. Ignaz Schipper, Universitätsdozemt Dr. M. Schorr, Adolf Stand nnd Rabbi- »er Dr. O. Thon gewonnen sind. Den ersten Vortrag hielt Herr Rabbiner Dr. O. Thon über das Thema: ״Schöpferische Knltnrkräfte im osteurochäischen Judentum" am Montag, den 0. Dezemfiter d. I. Wien. Kinderbekleidnng. Der Israel. Frauen-WohltatigkeitSverein: für die Bezirke Wiieden und Margarethen in Wien, 5. Bezirk. Siebenbrnnneugasse 1 a, hat auch Heuer, »nie in׳ den Vorjahren, trotz der nngünstigen Zeitverhältnisse 70 arme Schulkinder (Knabel» nnd Mädchen) mit vollstä n di ge r W i n ter kle i dun g versorgt. Wien. (Festgvttesdienst und Festsitzung auläßlich des RegiernugS-JndiläumS Sr. M. des , Kaisers.) An dem Vorabende des Regierungs- InbilänmS Sr. Majestät strnd im Tempel der ,Inneren Stadt Seitenstettengasse) ein׳ Festgottesdienst statt, an »velcl)em der gesamte Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stievn an der Spitze, der Bethausvorstiand mit den» Präsidenten Dr. Markus Spitzer, die Beamtenschaft der KultuKgenieinde mit de»u 1. Sekretär kais. Rat Dr. Th. Lieben, Delegierte vieler Vereine und Institutionen, sowie zahlreiche angesehene Mitgljeder!der Gemeinde tettnahmen. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. M. Bach, die kantorale»» Fuuktionen versah Herr OberkMltor Don Fuchs mit verstärktem Chor. Nach den» Fcstgottcsdienste begaben sich die Anwesenden zu einer öffentlichen Festsitzung des Knlt»»svorst.a»»des, bei »velcher der Präsident Dr. Alfred Stern die Festrede hielt. 0 Osijek, 27. November 1!»15. Die Osijeker zionistische Jugend veranstaltete an» 22. d. M., »»nter dein Titel ״kroatische jüdische Jugend" ein Konzert für Kriegsfürsorgezwecke. Der Reinertrag vo!» 800 Kronen fließ den galizischen Flüchtsingen zu. Es war ei»»e zionistische Kn»»,dgeb»»»»g, die jüdischen Natio»»albänder m»d die National- Hymne verfehlten nichl ihr Ziel. — Sämtliche Osijeker Blätter brachte!» Berichte, allein das jüdische! Blatt ״Die Drau" ging totsch»veigend darüber, mit der Motivierung, daß sie sich Unternohmungei», »reiche ihre Plakate »licht bei ihnen drucken läßt, 1»icht annehmen kann. Wir inüsse!»!aber bemerke!», daß ״Die! Drau" sonst alte Kleinigkeiten registriert. So mnsst» wir nicht n»!r gegen antisemitische Nichtj»l.de1», sondern: auch gegen antisen»itische Juden kän»Psen. Hilfsaktion für die galizischen Kantoren. Das Hilfskolnite zur Nntevstütz»mg galizischer Kantoren «an dessen Spitze der Oberkantor der Wener isr. Kultnsgelneinde Doit Fuchs steht, entfaltet seit Kriogsbeginn! ei!»e überaus rege humanitäre Tätigkeit. Das Kon»ite! hat alles anfgeboten nm die traurige Lage, der Kautoren und Kultusbedien steten zu verbessern. Gar manlchs Leid wurde gelindert, gar »!»anche Träne getrocknet. Ueber 40.000 Kronen w»»rden bereits den Zwecken z»rgefnhrt. Die Kantoren erhalte!» auch »veiterhi»» ei»»en entspreche»»de»» Monatsbeitvag. Ei!»e große Anzahl in Brünn, Mähren Schlesien und Böhnren besil»dlichen Ka>!»torenfamilien erhalten gleichfalls regelmäßig Unterstützungen. Soll das Kon»ite »veiterhi!» segensreich zu wirken in der Lage sein, ist es Pflicht-der süd. Bevölkerung dom Konnte weitere Hilfsmittel zur BerfÜMNg zu stellen. — Spenden sind an Herr!» Ober-Ka!»tor Don Fuchs, Wien, 1. Bez., Postgasse 10, zu übermitteln׳. Sprache und Schulbildung der serbischen Juden. Merklvürdig wie das politische ist muh das fii'lhtrdlie; Schicksal unserer jetzt so schtver geprsisten Glaribensgenossen in Serbiei». Sohr interessant vor allen» sind die Sprache!»verhältnisse unter den serbischen Juden. Nach den Angaben verschiedener Schriftsteller herrschte noch bis zun» Jahvo 1805 das Spraniolisch (ein altes Spanisch ׳mit hebräische!» Z»»sätzen) der sephardische!» Jude!» so sehr vor, daß 80 Prozent diesen Dialekt als Muttersprache angaben. Darauf folgte dann das De»»tsche (ei»»schli׳os;lieh d. Indisch-Deutschen) mit 12 Prozent, während nnr 2,70 Prozent Serbisch oder eine änderte slavische Muttersprache redeten. Nach der Statistik von 1000 sprechen jedoch bereits 40 Prozent aller serbischen Jude!» S e r b i s ch als Muttersprache, »vährolid das Deutsche wenig znrückgegangen, das Spaniolische allst 20,05 Prozent gesunken ist. Der Jude hoißt serbisch ״Ievrejin" ״ Hebräer; mit der ״hobräischeu Sprache" der serbischen Statistik (jevrejski .j׳ez׳ik") ist stets Spaniolisch und Jiddisch gemeilit. Das Spa»».iolische der SePhardin» Serbiens ist noch relativ rotnes Castilisch; das Jiddisch der serbische!» Aschkenasin» hat einen je nach den» Lande, aus den» der Einzelne abstanlmt, verschiedonen Dialektcharakter.

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