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Jüdische Volksstimme · 1915-12-09 · Heft 27 (9.12.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 27 (9.12.1915)
Date
1915-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Üft& Hqmpp MWIKWMMMU * Nr. 27 III. Als bk armen Wanderer am zweiten Morgen erwachten, wußten sie nicht,ob die Zusammen- Lun ft mit dein weißbärtigen Alten Wirklichkeit oder nur ein beseligender Traum gewesen ttktr. ( Indes war keine Zeit zu verlieren rmd sie gingen weiter. Ein fürchterliches Schneegestöber nahm i-hnen fast den Atom, aber mutig schritten sie ans und gingen Hand in Hand ihrem Ziele entgegen. Jetzt kamen sie über eine kleine Brücke und da schien es ihnen, als mischte sich in das schrille Pfe'ifeii des Windes ein menschliches Hilferufeu, ein schwaches Kinderwimmern. Kurz entschlossen sprang David in bcn mit einer T>arkn Schneekruste ganz bedeckten Fluß. Dort lag ein Kind ganz im Schnee versunken. Halb erstarrt, mit der schwachen Stimme eines Sterbenden um Hilfe stöhnend. David holte den Knaben aus der kalten Masse hervor, hüllte ihn in seine eigenen Gewänder und rief ihn so wieder allmählich zum Loben. Als das Kind die Sprache wieder gewann, erzählt cs, daß es der Sohn eines reichen Gutsherrn sei, er habe sich auf einem Spaziergange hierher verirrt und war im. Schnee stecken geblieben. Nun!galt cs mit dem lebenden Funde kehrt zu machen. Als die Wanderer auf dem Gut ankamen, fanden sie dasselbe im hellsten Aufruhr. Reiter waren nach allen Richtungen ausgesandt, um den Verschollenen zu suchen,!die Eltern raw gen verzweifelt die Hände. Als sie aber ihr Kind lebend im Schutze der Juden entdeckten und den Sachverhalt erfuhren, ergingen sie sich in heißen Danksagungen an seine Lebensretter. ״Was wäre uns das Leben und das Vermögen!" sagten sie unter Tranen. Als Belohnung bekam David die Krugwirtschaft als ewiges Geschenk und einen vollgefüllten Beutel. Als David den Beutel öffnete, fand er neben anderen Scheinen einen Umschlag, .in dem zweitausend Gulden enthalten waren. Zmn Chanukka-Fest versendet die ״Jionistische Vereinigung in- Deutschland", wie im vorigen Jahre, an sämtliche im Felde stehenden jüdischen Soldaten, deren Adressen ihr mitgeteilt tvcrden, Chanukkah-Paquete mit Liebesgaben. Die ״Jüdische Rundschau" gibt zu Chanukkah eiue Festnummvr heraus, für die eine .Reihe bekannter Schriftsteller Beiträge zur Verfügung gestellt haben. ch Tunis. Die ״Association Siouiste Tnnisienne", die auch während des Krieges ihre Tätigkeit fortgesetzt hat, veranstaltete vor Kurzem eine große öffentliche Versammlung, bei der viele Anhänger für die zionistische Belegung gewonnen wurden. Wiedererscheinen der ״Hazefirah". Nach einer Panse von r> Wochen begann am 25. November die Warschauer hebräische Tageszeitung ״..Hazesira" in ihrem gewöhnlichen Format wieder zu erscheinen. Eine Bezalel- Ausstellung in Ncwyork. e «In Newhork fand in der Zeit vom 8.—24. November eine große Ausstellung verschiedener Kunstgogen stände a1t§!dom ״Bezalel" statt. Die Knnstgegonstände lvurdcu nach Newyork durch den Leiter der Kupferabteilnng des ״Bezalel", Herrn Bardin, gebracht. Die .Kunstgegenstände ans Kupfer wurden mehrere Wochen in italienischeu Häfen zurückgehalteu, da die italienischen Beamten durchaus glaubten, daß das -Kupfer für Deutschland bestimmt seimud die Gegenstände als BanMvare konfiszieren wollten. Die Ausstellung wurde von« ei nein eigens zu. diesem Zwecke geschaffenen Komik geleitet, dem hervorragende Damen und Herren anigchörten. Zur Unterdrückung der jiid. Presse in Petersburg und diejenigen des Atltißmitismns anzuklcrgen, welche sich durch solche äußerliche Erscheinumzen incht täuschen ließen. Es ist hohe Zeit, daß die Juden begreifen lernen, -daß wenige Dinge so geeignet sind, bcn Antisemitismus zu begünstigen, als diese Tendenz, unter falschen Farben zn segeln mW die wahre Identität zu verbergen. Der Zionist und der nationale orthodore Jude haben schoik lauge die Achtung der Welt gewonnen. — Meine Rasse hat je so eifrig und erfolgreich gegen Assimilation gekälilpft wie die jüdisck)e, und das Bestrebell liloderner Juden, das zurnckweisen, was eine, ihrer Hauptruhmestaten ist, zeigt den fast komisch wirkenden Entschluß, gegen den Lauf der Natur zu kämpfen. Persien. . _ In Teheran und Hamadan il,acht sich unter der jiidischeu Bevölkerung tu letzter Zeit eine starke Bewegung zllr Pflege der hebräischen Sprache geltend. Es wurden hebräische Sprach!- vereine gegründet, die mit ähnlichen Vereinen in Rußland lind Palästina in Verbindung stehen. Neue jüdische Zeitungen. Jll Petrograd erscheiuit seit kurzer Zeit eiue neue Tageszeitung in .jüdischer Sprache ״Das Petro grade r Togblatt"; zwei an.de re jüdischen Zeitungen, der ״Tog" in jüdischer u. ״Hachailu" in hebräischer Sprache werden deulnächst herauskommen. i In )tzkw-Nork erscheint jetzt bie hebräische Wochenschrift ״Haulua", ferner wird dort von! hebräischen Lehrerverban-de ein pädagogisches Organ ״.Hed-.Ha.more hemnsgegeben. — Die Warschauer Tageszeitungen ״Harnt" .und ״Moluent", sowie die hebräische Tageszeitung ״Hazefirah" erscheinen ebenfalls wieder. Vom Jüdischen Nationalfonds. Kimäfclmu. ' Ein tapferer Fähnrich. * Fähnrich Maximillian Spitz des Jns.-N.eg. 21, ein Sohn des Rogistraturs-Oheroffizials Ernst Spitz vom Militärkommando Przemysl, bewährte sich in zahlreichen Gefechten als ausgezeichnekr Zngskommandant. Auch in der Eigen-!schaft eines Nachri chten-Patrouillen-Ko nuna!!!!- bauten, wozu er sich stets freiwillig weidete, hatte er schölle Erfolge. Beim Sturmangriff auf Gbu vioa tat er sich durch Tapferkeit hervor und machte ungefähr 100 Gefangene. Die silberne Tapferkeitsnleidaille, 1. Klasse war!der Lohn diesen bravouröseu Verhaltens. Mittlerweile aväuzierte er zweimal (zum Leutnan-t und Oberleutnant.) Vier Brüder im Felde. Vier Söhne!des Herrn D. Meitner, Wien, 18. Bezirk, Hainzingergasss 21, befinden sich an der Front. Der älteste, Ingenieur Heinriä Meitner, erhielt das goldene Verdienstkwnz --i Bande der Tapferkeitsmedaille und wurde bald darauf zum Rangs eines Ha'uptmiannes befördort. Sein Bruder Emil Meitner erhielt ebenfalls vor kurzen) das goldene Verdienstkreuz mit dem Bande der Tapferkeitsmedaillo. Leutnant Julius Meitner wurde am nördlichen Kriegsschauplätze zweimal -verwundet und befindet sich wieder im Dienste. Der vierte Sohn Karl ist derzeit als Kadett auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze. Zionistische Arbeit in Deutschland. Dom Tätigkeitsberichte der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland" entnehmen wir, daß. die finanziellen Beiträge der deutschen Zionisten während des letzten Jahres, obwohl eine sehr große Zahl von Zionisten im Felde steht, den Betrag Vau fast 200.000 Mark ausmachen. Hiervon sind etwa 70.000 Mk. Hilfsgelder für Palästina, 60.000 Mk. Spenden für den Jüdischeu Nationalfonds, 22.000 Mk. Beiträge für den Zionistischen Zentralfonds, 26.000 Mark Unterstützungsgelder für die innerhalb Deutsch- Lands durch den Krieg in Not geratenen Stammesgenossen, «der Rest Schekel und Landesbeitrage. Der Militürgonverneur von« Pekrsburg hat die ueugsgrüiuidete jidischo Tageszeitung ״Petrograder Tageblatt" >am nennten Tage ihres Beste- Heus verboten. Wie wir erfahren, sind jetzt auch die Konzessionen für Was hebräische Wochenblatt ״Hachasim", von dessen geplanten Erscheinen wir Kenntnis gegeben haben, und für eine neue jidische Tageszeitung ״Der Tag" zurückgenommen worden. Wieder ist die gesamte jüdische Bevölkerung Rußlands, trotz her Proteste der Duma und der Empörung der jüdischen und liberalen russischen öffentlichen Meinung, stumm und taub gemacht worden. Die deutschen Feldrabbincr im Westen hielten in St. Quentin eine menkunft zur Besprechung )richtiger Fragen der Feldseelsorge. Die wichtigste betraf die Heranziehun'g von Hilfspredigern׳. Die Folge davon war die Erneuung der Rabbiner Dr. Klein, Dr. teinthal und Dr. Strumpf zur Hilfsseelsorge beim A. O. K. der Armee, der Feldrabbiner Dr. Salzberger-Fraukfllrt a. M zngeteilt ist. Ferner wurde Feldrabbiner Dr. Baeck, der seit Ausbruch des .Krieges die Feldseelsorge im Westen bei der Arm« ausübte, nach dem Osten versetzt. Feldrabbiner Dr. Saenger befindet sich bei der Armee auf dem serbischen Kriegsschauplätze. Die Zahl der Feldrabbiner beträgt zur Zeit 14 (7 im Westen, 6 im Osten, 1 im Süden), der Feldprediger 0, ' - neu Werke Ebenso. Eine englische Stimm. ״Der Krieg und Demokratie". Im Monat Oktober hat der Jüdische Rationalfon.ds 06070 Mark an Spenden vereinnahmt. Diese Summe verteilt sich auf verschieden״. Länder wie folgt: Oesterreich Mk. 14500, Deutschla!nd Mk. 8508, Nordamerika Mk. 7802, Rnmä- Wen 1055, Holland Mk. 1025, Rußland Mk. 500, England Mk. 404, Schweiz Mk. 000, Bulgarien Mk. 042, Schweden Mk. 200, Italien Mk. 142 und Frankreich Mk. 05. Die Lage der russischen Juden. Minister des Innern Chwostow tritt den Gerüchten entgegen, daß die von seinem Vorgäinger Stscherbatow den Inden zu gestände neu Ertveikrniigen ihrer Rechte wieder aufgehoben werden sollen. In eine))) Rundschreiben erklärt der Minister, daß llnkr den gegenwärtigen Umständen nicht der geringste Grund zu derartige!) Schritten gegen die Juden bestehe. Anderseits wurde die Ausgabe jüdischer Blätter für Kriegsdaner verboten. In Pekrsburg allein trifft das Verbot 8 Blätter und Zeitschriften. Salamon Schächter. Ans Newhork wird gemeldet, daß der Prof, des Hebräische!), Dr. Salomon Schächter, im Alter von 07 Jahren gestorben ist. Er war zuletzt!Präsident! des Jüdisch-Theologischen Seminars in Ne)vyork, nachdem er viele Jahre in E!a»nbridge und London wissenschaftlich tätig gewesen War. Schechter gehörte zu de!) hervorragendsten Kenneru der rabbinischen Likratur, über die er . zahlreiche Unkrsuchuugeu und Abhaudluugeu r.r •'1; Letvn-Waisoil, ein: hervorragender engveröffentlichte, und trat auch durch archäologische l!)cher Hijiorlker sagt in seinem jüug)t erschiene- Stiidien hervor. An) be kann testen wurde seine scharfsi.unige )lud scharfsichtige Wisdererkeuuuug haben wir hoffen, daß er auch eine neue eines wichtigen Geuiza-Fnudes in Kairo. Dort hatten >näml.ich zwei für Bibelforschungen begeisterte. Engländerinnen einzelne alte Handschriftenstiicke ertvorben und n!ach Cambridge geans gute Gründe Z))^ beacht. Schächter erkannte in den Nestel! sofort me und gesunde Aure-. das hebr. Original des Jesus Sruach. Schachgung zu jüdisch-nationaler Politik geben, freiere! fa• nmr Rumäne von Geburt, hat auch in Men Entwicklung vieler glänzenden Eigenschaften be1ym.cf)V1ere I״chre seine Studien betrieben und hier r c c eine erste hebräische Edition herausgegeben. Juden gewähren und sie in den Stand setzen^ wird, die falsche Scham abzuschütkln, welche.! Männer, die aus ihre Abstanunung stolz sein! sollten, dazu fLihrte, fremde Masken anzulegen!

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