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Jüdische Volksstimme · 1915-12-09 · Heft 27 (9.12.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 27 (9.12.1915)
Date
1915-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27. «ritt 2. in meiner Familie.im Städtchen, in Bialystok, in ganz Polen. Nun haben sie die Nüssen vor dein heranstärmenden deutschen Heer ins Innere des Landes verschleppt-vielleicht mach Moskau, und ich sehe sie vor meinen Augen, wie sie dort jedem Haus, dem Kreml, jedermann, der mit ihr in Berührung kommt das Glück aus den Lippen zuflüstern wird: Jwanowitsch. Das vorher so bleiche Gesicht n!einer Erz ählerin hatte sich mehr und!mehr gerötet, und der Klang ihrer Worte verriet mir, wie sehr ihr das Schicksal der Dichterin Rosse zu Herzen ging, wie sie mi׳t der Dichterin zugleich litt und mit ihr re stloses Glück empfand. Ihre Augen funkelten sie eigenartig bezaubernd, als sie von der großen Liebe der Dichterin sprach. Draußen vor der Haustüre scharrten schon ungeduldig meine Pferde. Das Wasser in! Samowar war heiß genug zum Teebereiten. Ein Schluck des goldgelben Trankes dann verabschiedete ich mich unter der Haustüre von meiner Erzählerin. Der Mond )var kreisrund und seine silbern leuchtende Scheibe verdunkelte fast alle Sterne und Sternlein, die aus dunkelblauem Himmelsgrund Herniederfunkelten. Ein inniger Händedruck dankte der kleinen Jüdin für ihre Erzählung. Ein hell aufleuchten¬ Die Ausgaben der nächsten Zeit. Die in Moskau erscheinende jüdisch-natiomale Zeitung ״Jewrejskaja Schisn" veröffentlicht an leitender Stelle einen Artikel über ״Die Aufaabeu Der nächsten Zukunft", dem wir — in wörtlicher llebc-rsetzung — folgendes entnehmen: ״Der Weltkrieg, der große Teile des Jüdischen Volkes im der Diaspora betroffen hat, stellt gleichzeitig mit den laufenden Aufgaben des täglichen Lebens nach Forderungen höherer Natur an das Judentuin, Aufgaben, die darauf hinzielen, die historischen Bestrebungen unseres Volkes zu befriedigen. Die zionistische Lösung des Inden-Problems muß in den Mittelpunkt der jüdisch-nationalen Bestrebungen gestellt werden; mit ihr müssen die breiten Massen unseres Volkes vertraut gemacht werden; ihr muß in allen einflußreichen Kreisen der kulturellen europäischen Gesellschaft Anerkennung verschafft werden. Die Organisierung der Volksenergie nach dieser Richtung hin, die Anerkennung unserer historischen Forderungen seitens der Knlturwelt und seitens ihrer leitenden Faktaren — das sind die wesentlichen gegenwärtigen Aufgaben der Zionistischen Bewegung und ihrer leitenden Organe. In dieser Beziehung wurde im Laufe des verflossenen Kriegsjahres viel geleistet, aber vieles ist noch zu tun. In Anbetracht der Ergebnisse der bisherigen Tätigkeit und im Hinblick auf die Einzelheiten unserer Tätigkeit der Blick aber ließ mich eine Träne in ihren!großen schwarzen Augen erkennen, und )nährend ich im linken Steigbügel mich in den Sattel hob, nickte ich zum Abschied nochmals zu, dann ritt ich in die mondhelle Nacht hinein. Während mein Pferd zu einen! leichten Trapp überging, sann ich wieder und immer )nieder über das Schicksal der Dichterin und Schauspielerin nach, um die sich schon in so frühen Jahren Legenden in! Volke bilden und deren Weisheit und Kunst bis in die kleinste Hütte eingedrungen ist. Ich hatte noch nie etwas von der Dichterin gelesen, sie noch nie gesehen, die tiefempfundene Erzählung der kleinen Jüdin aber hatte die Geschichte von der Dichterin bis ins Innerste mei-!!er Seele eingehä!nn!evt, so daß die Dichterin heute noch wie ein. Traumbild vor mir steht, und es ist mir, als würde ich die Dichterin kennen, so gut )vie ineine Schwester- Meine Träume hoben sich weit hinaus über alles Irdische. Erst ein scharfes Kommando meines Unteroffiziers rief mich zur Wirklichkeit zurück. Still und geräuschlos fuhr!!!eine kleine Wagenkolonne durch den knietiefen Sand ׳ der russischen Laudwoge. für die nächste Zukunft, können wir zu foglenden Beschlüssen fommcti: 1) Mit dem Gefühle höchster Genugtuung billigen wir die Tätigkeit der leitenden Organe der Zionstischen Bewegung für die verflossene Kriegsperiode «nd heißen die dieser Tätigkeit zn Grunde liegenden Prinzipien gut. 2) Wir glauben, daß seitens der leitenden Organe der Zionistischen Bewegung in ihrem Bestreben zur Schaffung von Bedingungen für die Verwirklichung des Zionismus folgendes getan )vevden muß: a) Die bisherige vorbereitete Tätigkeit, die sich das Wohlwollen und die Mitwirkung aller politischen Faktoren, die Einfluß haben oder Einfluß erlangen können, bei der Lösung unserer Aufgaben sichern will, muß fortgesetzt werden. Besonders Aufmerksamkeit ist hinsichtlich der Entfaltimg einer breiten und informatorischpolitischen Tätigkeit den neutralen Ländern, besonders den Vereinigten Staaten von Alnerika, zu widmen. b) Die jüdischen Organisationen und die jüdischen Staatsmänner sollen z)vecks größerer Jntcusität der Arbeiten zu Gunsten eines jüdischen Palästina, zur Mitarbeit eingeladen werden. c) Energische Anstrengungen!)!üssen zur Erhaltung und Stärkung der zionistischen Posttionen und Anstalten!gemacht werden. Besonders sind hier die bereits in Palästina geschaffenen Institutionen zu berücksichtigen, welche die nottrendige Basis für!1nse׳re ganze Zukunft in! Lande und die unerläßliche Verbindung einer jeden Politischen Tätigkeit außerhalb des Landes bilden. d) Im Zusammenhang und Parallel mit der . oben dargelegten informatorisch-politi schen Tätigkcit sollen die Bestrebungen der iüd-ischen Massen in der Diaspora, die auf eine volle nationale Gleichberechtigung in allen den Ländern lsinzielen, wo Judenmassen wohnen, durch eine ebensolche informatorisch-politische Arbeit und durch eine entsprechende Vorbereitung׳ der Jüdischen Gesellschaft unterstützt werden. Der jüdischen Bevölkerung Palästinas wird der Dank und die vollste Anerkennung für ihre aufopfernde und bewundernswürdige Haltung während der gegenwärtigen Krisis ausgesprochen. Die gesainte Judenheit der Diaspoua muß für die Erhaltung sämtlicher Positionen >im Laude durch finanzielle Unterstützung, sowie durch Beeiuflußu'ng der in Betracht kommenden Machtfaktoren Sorge tragen. Endlich muß alles geschehen, um autentische Mitteilungen über die Lage in Palästina im die allgenieine, sowie in die jüdische Presse zu bringeu, damit nicht, wie es leider geschehen ist, unkontrollierte und unwahre Nachrichten über Palästina verbreitet werden. Den Schluß des Artikels bilden Grundsätze und Richtlinien für die materielle und kulturelle Hilfsarbeit für die großen Massen der jüdischen Flüchtlinge in Rußland. Der jüdische Sabath. Die herrliche Perle. Bon Samson Naph. Hirsch. Unter alte!! heiligen Gütern, mit welchen das Judentum seine Bekenner beglückt, ist keines fo heilig, keines so reich an Segen und Beseligung, als das Gut der ältesten Institution der Erde, als das Gut des Sabbaths, des jüdischen Sabbaths. Nehlnet dem Juden seinen Sabbath, und ihr habt ihn der reichsten, unschätzbaren Perle beraubt; und was ihr auch sonst dafür ihm bietet, nichts gibt ihm Ersatz. Nehmet dem Juden seinen Sabbath, und!hr habt ihn freund- und fremdeleer gemacht; und wie sich auch sonst die Freunde um ihn drängen mögen, und mit welchen Krünzen der Freude ihr ihn auch zieren.wöget, e!r! fmbet doch keinen solchen Freund wieder, wie den Sabbath, es schwindet doch die Lust jeder Freude vor dem stillen, süßen, seligen Glück der Sabbathfreude. Denn der Sabbatb ist des Juden Perle; denn der Sabbath ist des Jrwen Freund. Vermählt hat Gott den Juden mit dem Sabbath, hat wie eine holde Braut diese seine herrlichste Stiftung ihm zugeführt. Bleibt er ihr treu, mit ganzen! Herzen treu, mit aller Hinaebuug, mit aller Aufopferung treu, so ist sie ihm öle treueste, beseligendste ' Gefährtin, weiß ihm

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