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Jüdische Volksstimme · 1915-11-19 · Heft 26 (19.11.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 26 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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?*®*”,äSls; Rr. 26 »Mq» V,m»r«M^. «rtte.» und unter völliger Verkennung ihrer׳ Aufgabe als reine Wohltütigkeitsorganisation — die ihr als solcher obliegende Neutralität verletzt hat. Wir werden die maßgebende Stelle zur Rechenschuft ziehen und erwarten, -das; das Zentralkomitee das Verfahren seines Sekretärs in ißbilligen und nus volle Genugtuung gewähren wird. Solange das nicht geschehe, sind unsere Beziehungen zur A. I. U. gelöst. Der״Ger-Zedek" von Wilna. Das nunmehr unter deutscher Verwalumg stehende Wilna erinnert an eine Aufsehen errcgen de kultnrhistorische Begebenheit ans dein 17. Jahrhundert, über welche polnische Geschichtsschreiber folgendes berichten: Ein Angehöriger des gräflichen Hauses Potocki, geboren zu Wilna, beschäftigte sich schon in seiner frühesten Jugend mit theologischen Studien. Er prüfte die Dogmen aller bekannten Religionen und unternahm Reisen in verschiedene Länder Europas, um sich mit gelehrten Männern über religiöse Fragen zu unterhalten. Nach längeren: Aufenthalt in Paris wo er mehrere Disputationen mit den Profesforen der Sorbonne abhielt, ging er nach Jtalien, wo er sich längere Zeit aushielt, viel mit gelehrten Juden verkehrte und den Entschluß faßte, in den Bund der israelitischen Religion einzntreten. Allein die Rabbiner, die den Zorn des Papstes fürchteten, gingen auf seinen Wjn'nsch unht ein und riefen ihm, in seinem eigenen Interesse Italien schleunigst zu verlassen'. Er ging hierauf nach Holland, wurde in Amsterdam Jude, erhielt,beit Namen Abraham und widmete sich fortan mit großem Eifer dem Studimn des jüdische!: Schrifttums. Nach einigen Jahren verließ Abraham Potocki Amsterdam und unternahm, als Polnischer Jude verkleidet, eine Reise in die alte. Heimat. In seiner Geburtsstadt Wilna angelangt, wurde er aber erkannt und auf Veranlassung seiner einflußreichen Ver- -wandten in den Kerker geworfen. Er protestierte gegen die ihm angetane Schmach, leugnete auch, ein Graf Potocki zu sein, aber nachdem er schrecklichen Martern unterzogen worden war, gestand er alles Vorgefalle!!e ein und wurde auf Betreiben der eigenen Familie zum Feuertode verurteilt. Lelewel in seiner Biographie des Grafen Potocki (Wilna 1805) teilt die Worte mit, die der Verurteilte angesichts des Todes an die Beiwoh- 11er des grausigen Schauspiels gerichtet hat: ״Glaubet nicht, daß es eine Gerechtigkeit sei, die ihr ausübt. Die Wahrheit ist bei Gott — ich sterbe für meine Ueberzengung." Und!nit dem Rufe: ״Schma Israel" stürzte er sich in die Flammen. Die Juden Wilnas setzten ihn später auf ihrem Friedho.se bei. Die Zeppelinfurcht in.den Synagogen. Ve r s Pa tot ein gel a!! fe ne a in e r i kau i schj ii 01' s che Blätter bringen eine Londoner Meldung, wonach am letzten Kolnidre-Abend die Fraueugalerien sälntticher Londoner Synagogen geschlossen bleiben mußten und auch in den Mänuerabteilungcn ganz besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen und ein strenges Ueberfülluugsverbot erlassen wurde. Die Polizei hat diese Maßnahmen n!it der Befürchtung begründet, daß ein eventueller Zepelinangriff während des Kolnidre Gottesdienstes eine Panik Hervorrufen könnte, deren Folgen unabsehbar wären. Gleichzeitig wird aus London gemeldet, daß der Lord-Mayor von London in voller Amtsuniform am Jom- Kippur in einer Synagoge in Whitechapel erschieneu sei und eine Ansprache an die Versammelten hielt. Der Lord-Mayor erklärte, daß er über die schreckliche Lage der Juden in Rußland genau informiert sei und sprach die Bereitwilligkeit aus, die Bemühungen wegen Beschaffung! eines Hilfsfondes für die russischen Juden mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht zu fördern. Dr. Otto Goldstein. Dr. Otto Franz Goldstein, geboren am 26. April 1886 tu PoLegcr (Slavonien) als Sohn des Kaufmannes Karl Goldstein, absolvierte die Mittelschule in seinem Geburtsorte und bezog dann die philosophische Fakultät an den Universitäten Agram und Wien. Als Studimnfach wählte er Slavistik und Germanistik. Am 10. Mai 1000 erlangte er sein Toktordiplom. Nach Absolvierung seiner Studien leistete er die Einsährig-Freiwilligendienstzeit ab, 1010 wurde er von der bosnisch-herzegowinischen Landesregiernng als Lehrer der Slavistik und Germanistik an das Obergymnastmn in Sarajewo berufen, im September 1012 wurde er an die Oberrealschule in Banjaluka versetzt. Goldsteil: rückte gelegentlich der Mobilisierung zu seinem Truppenkörper ein, kämpfte in Serbien und wurde dort durch ein Schrapnellstück verwundet. Später finden wir ihn am nördlichen Kriegsschauplätze bereits als Kompaguickom- ׳Mandant. Am 24. Februar 1015 hatte er bei Stanislau seine Kompagnie fünf Bajonette!!- griffe machen lassen und wurde beim fünften Sturm am Fuße verwundet. Durch eine viertägige Bla gen sah rt zur Bahnstation Delatyn versch li-n: inerte sich sein Zustand und auf der Heimreise ereilte ihn der Tod in Körösmösö am 1. März 1015 im Eisenbahncoupe. Er wurde von der Chewra Kadischah in- Marmaros-Sziget, wnrdia eines Helden, bestattet. DrSamu Danzig hielt die Trauerrede. Goldstein, als Student Mitglied des zionistisch-akademischen Vereines ״Bar-Giora" in Wien, gehörte auch in Banjaluka zu den rührigsten Mitgliedern des dortigen Vereines ״Kadi- ״nah", war bis zur Mobilisierung Nationalfondskommissär der dortigen Ortsgruvve und eifriger Schüler des hebräischen Berlttzkurses. Seine Artikel in der Abovska Smotra" (Blatt der zionistischen Organisaiton für südslavischen Provinzen) wurden viel beachtet. Er war einer der ernstesten Bekenner der jüdischnationalen Vewegnng. An seinen Freund I. Thau, Bezirksleiter in Zenica (Bosnien), schrieb er vom südöstlichen Kriegsschauplätze folgende Feldpostkarte: Lieber Herr Thau! Noch lebend, teile ich Ihnen mit, daß ich gottlob glücklich eine furchtbare Kanonade von 15 Stunden durchmachte und dann auch einen zwölfstnudigen Kugelregen. Es war ״sein". Mein Wunsch hat sich erfüllt: ich habe etwas Ungewöhnliches erlebt. - von Ihrem O. Goldstein. Zionsgr! Wir erhalten folgende Zuschrift: Meine sehr geehrten Damen! Es freut mich Ihnen mitteilen zu können, daß die Lektüre Ihres schönen, gefühlvoll geschriebenen Wtzrkes ״Saatkörner" sowohl mir als auch den süd. K r a n k e n u. V e r w u n d e t e n, denen Sie als Liebesgabe zugedacht haben, einen hohen geistigen Genuß bereitet hat. Ter schlververwundete Einj.-Freiw. Moritz Spiegel bat mich, Ihnen seinen besonderen Dank auszusprechen. Er hat sich mit Ihrem Buche sehr gefreut, zumal er schon seit 10 Monaten ״kein jüdisches Wort" gesehen hat. Für Ihre Liebens- Würdigkeit nochmals dankend, zeichne ich - hochachtungsvoll Dr. M. Halberstamm k. u. k. Feldrabbiner. Korrestonllenzon. Wien. (Auszeichnung.) Oberleutnant Dr. Siegfried Kramer wurde für sein besonders, tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der« Wichtiger wäre es allerdings gewesen, wenn der!׳belobenden Anerkennung^ und!nit dem Signu-m Lord-Mayor von London erklärt hätte, seine sicherlich nicht gerinne Macht dafür zu verwenden, daß die russische Greuel gegen die Juden ein Ende nehmen, daß ihnen endlich die Menschenrechte zngesnhert Iverden, dann wäre die Beschaffung eines Hilfsfonds überflüssig. das Leichenbegängnis des Grohkcmfmannes Lass. Rates Adolf Schramek statt. Die Teilnahme zahlreicher Kreise gab Zeugnis von der allgemeinen Wertschätzung deren sich der Verblichene e.freute. Aus kleinen Anfängen wußte er seine Firma zu einer der ersten der Branche zu machen. Als reicher Mann erfüllte er in vornehmster Mise die Pflichten des Besitzes, und wo es immer galt, Elend zu lindern, war er zur Stelle. Die Armen des zweiten Bezirkes verlieren in ihm einen nimmermüden Wohltäter. Zur Trauerfrier hatten sich ei!!gefunden: der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Ster!!• mit dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Nappnport und sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes, der Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. Spitzer mit den Mitgliedern dieser Körperschaft, Oberrabbiner Dr. Güdemann ••mit den Gemeinderabbinern u. der Vereinsbethäuser, der Obmann der ״Chewra Kadischa" Salo Cohn, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben mit dein Amtsvorstand Freistadt, ferner in Verkrtung des Zweig- Vereines vom Noten Kreuz im 2. Bezirk Hofrat Dr. Verfiel mit den Mitgliedern der Leitung, Hofrat Dr. Schlag, der Prokurist des Bankhauses S. M. von Rothschild Richard Bettelheim, Oberlandesgerichtsrat Dr. Spi'tzkopf, Kommerzialrat Nosenzweig, alle Vorstandsmitglieder des Kaiser- Franz Josef-Iubiläums-Huldigungste׳!npels in Wien am Votkcrkplatz, Chefarzt Dw Schn epp, Dr. Knöpfmacher, Dr. Jakob EngelZHoffinann, die Bezirksräte Dr. Brady und Philipp Back, mehrere Verwaltungsräte der Versicheruugsgesellschaft ״Phönix", Abordnungen verschiedener Wohltätigkeitsvereine und andere. Um 10 Uhr trat Präsident Dr. Alfred Stern an den Sarg und nahm für den Vorstand Abschied von dem bewährten Mitglied. Der Sarg wurde dann gehoben und, während Oberkantor Morgenstern, begleitet vom Kantor Jurberger und dem Chor, die Trauevgesänge vortrug, vor das Trauerhaus getragen. Daun bewegte sich der Leichcnzug durch die Pillersdorfgasse zum .Kaiser Franz Josef- Huldigungsteiiipel am Volkert. Die Leiche wurde iu das Gotteshaus getragen. Kantor A. Stift sang die Gesänge des Rituals; danach hielt Nab-- biner Dr. Funk dein Toten einen herzliche!: Nachruf. Der Trauerzug bewegte sich hierauf über -die. Kaiser Josefstraße und die Praterstraße in! die Tempelg. zum Leopoldstädter Genwindetempel, dessen Tor affe!: stand. An den: Tempel vorbei nahm der Kondukt den Weg zum Zentralfriedhof. In׳ der Zeremonienhalle dev israelitischeu Abteilung hielt Rabbiner Dr. Grunwald einen ergreifenden Nachruf. Dann sprach der Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. Merk. Spitzer iu: Name!: der Kollegen in: Vorstande. Wien. (Trauerfeier für den verewigten I. Vizepräsidenten der israel. Äultusgomeinde Dr. Gustav Kahn.)׳ Dienstag, de!: 0. November um 5 Uhr nachmittags •fand in: große!: Ge-!!!eilidetempel, H. Tempelg., eine Trauerfeier für den dahingeschiedene:: I. Vizepräsidenten Dr. Gnftav Kolm statt. Nach einen: von: Oberkautor Morgenstern i!: Begleitung der vereinigte!: Tempelchöre unter Leitung Prof. Josef Sulzers vorgetragenen großen Psalm 40, hielt Rabbiner Dr. Max Grü!:wald eine ergreifende Gedenkrede. Außer der trauernden Familie wohnten der Trauerfeier u. A. bei: Der Präsident Dr. Alfred Stern mit dem Vorstandskolegiuu:, der Vize- Präsident des Bethausvorstaudes Dr. Markus Spitzer mit sä!utlichen Vorstands»:itgliederu, der Präsident der Chewra Kadischa Salo Cohn mit den Mitgliedern, sämtliche Gemeinde- und Feldrabbinern. Oberkantor Don Fuchs n:it mehreren Kantoren, erster Sekretär Dr. Theodor Liebe mit vielen Kultnsbeansten und zahlreiche Gelmeindevorsteher. Wien. (Rosch-Chodesch Kislew). — Ans der Flucht von seiner Vaterstadt Lemberg, verschied iüugsteus in Prag in hohen: Alter der in gallz.- jüdische!: Kreise!: sehr gut bekannte Salmau M. Goldbaun: s. A. Landis ausgezeichnet. Oberleutnant Kramer ist! Aus hochachtbarer Gelehrtenfamilie stau:- der Sohn des in: 16. und 18. Bezirk allgemein, ״:end mit Wohlhabenheit versehen widmete sich geachteten Herrn Jakob Kramer, dessen jüngerer dev Verstorbene schon von frühester Jugend an Sohn Otto erst vor Kurzen! das Signum,׳der Pflege der hebräischen Dichtkunst. Landis erhielt. Wien. — (Kaiserl. Rat Adolf Schramek.) Donnerstag, au: 5. November vormittags, fand Die auf -eigenen Kosten veröffentlichten Gedichtsammlungen verschenkte er unter der lernbegierigen Jugend, sie zur Nachahmung «:!:spornend.

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