Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 26 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. *Steifte Auherden: trug Goldbaun: durch seine jüngeren Jahren Choralist, später Tenorist in: langjährigen Aufsätze im Lemberger ״Israelit" -vielfach zur Aufklärung und Verherrlichung der jüdischen Idee bei. Als Goldbamn zur Zeit der Judenverfolgungen in Rumänien lebte, schloß er sich der Bewegung zur Erlangung der Judenrechte a.u, ging nach Paris zur Alliance Israelite und sprach bei Adolph Crernieux vor. Obgleich allfällige Ehrenstellen ablehnend, beteiligte sich Goldbauin spontan bei allen jüd. Aktionen zu denen er nicht allem beitrug sondern auch noch von Haus zu Haus abzusammeln hflegte. Jnsbesondere interessierte er sich für in Noth geratene Gelehrte Charakteristisch ist daß Goldbaun: seine von: rumänischen Fürsten erhaltenen Ordensband, den er nicht ablehnen konnte aus bekam:- ten Gründen niemals an seine Brust häugte. Wien. Samstag, den 80. Oktober ist hier Frau Amalie Engel nach langem Leiden gestorben. Die Verblichene war ein Biederweib in des Wortes vollster Bedeutung, eine Frau von seltener Lebensklugheit, die frühzeitig den Gatten verlor und es verstand, ihre Kinder so zu erziehen, daß sie alle geachtete Lebensstellungen errangen. Diese hingen aber auch an ihr mit inniger Liebe und Verehrung und boten alles auf, mn der Mutter einen sorgenfreien Lebensabend zu bereiten. Der älteste Sohn, Sekretär der. Kultusgenleinde Herr Emil Engel, der seit Kriegsbeginn als Oberleutnant int Felde steht, war auf die Nachricht in schwerer: Erkrankung der geliebten Mutter zu kurzen: Urlaub heimgekommen und mußte zwei Tage vor ihren: Ableben mit der:: traurigen Bewußtsein, daß ihre Tage gezählt seien, wieder ins Feld zurückkehren., Der zweite Sohn ist. Oberoffizial der Kulltusgenrcinde Herr Heinrich Engel und eine Tochter ist an den Oberoffizial Herrn Remy Friedman:: verheiratet. Das Leichenbegängnis fand Montag der: 1. November unter überaus zahlreicher Teilnähme von: Trauerhause statt. Ein großes Trauergeleite mit den: Präsidenten der Kultusgerneinde Herrn Dr. Alfred Stern an der Spitze, folgte den: Sarge der wackeren Frau. Die Erde sei ihr leicht! Quartette, noch unter weiland Sulzer im Seitenstettener Bethause. Libesrry starb bekanntlich irr?der Ausübung seines Amtes infolge eines erlitteuer: schweren Unfalls. Bei der Beliebtheit dieses überaus gewissenhaften bescheidenen Mannes hat sein tragisches Ende allgemein umso schmcrzlicher Mitleid erregt. Bis auf Dr. Gustav Kohn — einen 1y-i tigen Prager — waren alle die genannten Perstorbenen Mährer von Geburt und Haber: ihren: Heirnatlande, den: die Wiener Kultnsgemeinde gar manche verdienstliche Männer dankt, Ehre gereiht. Segen ihrenr Airdenken! A. L. , Jerusalem. Eirre schöne, herzerhebende, das enge Bündnis der drei Mächte: Oesterrei׳ Ungarn, Deutschland, die Türkei gleichsam synrbolisch darstellende Feier beging am 2. August l. I. die Edler von Lärirel-Schule in Jerusalem. Diese erste, segensreichj wirkende irrodern-jüdische Schule, die unter österreichischem Schutz steht, die Tausende zu einer menschenwürdigen Existenz verholfen hat urrd den fester: Unterbau der vielen höherer: Bildungsanstalten des Hil-ss- Vereines der Deutschen Juden bildet, hatte dreifache Vranlassung zu dieser hübschen Feier: 1) die nahe bevorstehende 80. Wiederkehr des Geburtstages Seiner Majestät unseres erhabensten Kaisers Franz Josef I.; 2) Schuljahrsschluß mit Zeug::isvertei lun g; 8) sind es 00 Jahre, daß die sel. Frau Elise Herz zun: Andenken an ihren verstorbenen Vater Simon Edler von Läme.l die Stiftung -dieser ersten jüdischen Bildungsstätte im heiliger: Lande gemacht hat. Tie Feier nahrn einer: überaus würdevollen Verlauf. Einleitend schilderte der Director Herr E. Cohn, dessen nahezu 80-jährigon: Wirken an der Anstalt es zu verdanken ist, daß diese von kleinen Anfänger: ausgehend, die heute von allen anerkannte Blüte erlangt hat und der sich rmvergär:gliche Verdienste nrr: diese Austalt und mn das ganze jüdische Erziehungswesen in: heiligen Lande erworben hat, schilderte den Werde- und Entwicklungsgang der Anstalt. Nachher hielt der Prorektor Herr I: Preß eine inhaltsreiche zündende Festansprache, die auf alle Anwesenden eine tiefe Wirkung übte: hierauf folgte eine rührende Szene: die 400 Zöglinge der Anstalt rezitierten das Kaisergebet ׳Mid sangen unsere Wien, November 1916. — Todesfälle im'dVolkshymne, die vor: ausgezeichneten Schüler- Vorstande der Wiener Kulausgomeinde. — orchester begleitet wurde. Dorr: österreichischen Mit der:: am 4. d. zu Grabe getragener:, Plötzlich Ohr klang es eigentlich erhaben fern von der ^erstorbenen kais. Nat Herrn! Adolf Schrarnek,! heißgeliebten, bedrängten Heirrmt, in der heiligen ist der dritte Vorstand der Wiener Israelitischer:'Stadt, wo unzählige heilige Erinnerungen die Kultusgeinoinde innerhalb 14 Tagen aus dem'Andacht heben, aus so vielen Kinderkehlen Hynr- Leben geschieden. Zuerst bekanntlich der I. Vize-!neu M:d Gebete für den allgeliebten, unendlich Präsident Herr Dr. Gustav Kohn, ihn: folgte der!verehrten greisen Monarchen emporsteige:: zu Bethausvorstand Herr S. A. Wasservogl und hören. Zu Tränen gerührt, hielt sodann der von zuletzt kais. Nat Adolf Schmlnek. Die Äbberufuilg all dieser Herren bedeutet einen überaus allen hier lebenden Oesterreichern und Ungarn ungemein! verehrte, aufopferungsvoll wirkende, schluerzlichen Verlust für die Genwinde, in deren das Ideal eines diplomatischen Vertreters bil- .Dienst sic alle mit seltenen Eifer und opfervoller/dende k. u. k. Konsul Herr Friedrich Kraus eine Hingabe ihre schätzbaren Kräfte gestellt und viele!.von patriotischen: Geiste getragene rührende Jahre verdienstlich gewirkt haben, jeder dieser ־ . Herren in seiner ausgezeichneten Art, denn ihnen allen war es eigen, ihre mit den Ehrenämtern übernommenen Pflichten voll und ganz zu erfüllen. Herr Schrämet betätigte überdies -einen überaus regen Wsthltät igkeitssin.il׳ und perewigte seinen Ncm:en durch die seiner Jnit!ia!- tine entsprungenen Aufführung des schönen, vor zwei Jahre!: eiingeweihten geräumige!: Gottes- Hauses in! M. Bezirke, Paziiianiteugasse, anläßlich des 80. Geburtstages unseres Monarchen als Kaiser Franz Josef .1.-.Huidigu,ugstempel erbaut, in dessen Innere der Sarg seines Schöpfers unter großer Trauerfeierlichkeit gebracht wurde,!ehe der Leichenkondukt seine Fortsetzung auf den Zeutmlfriedhof nahm. -Auf den! Wege dahin Passierten die Condukte all dieser Vorstände die beleuchteten Gotteshäuser der Seitenstetten- und Tempelgasse, deren Pforten zur Ehrung der Toten offen standen. Eine Massenbeteiligung an diesen Leichenbegängnissen von hoch und nieder gab Zeugnis vou der großen Verehrung, die all den Verstorbenen zuteil wurde. Innerhalb derselben Zeit verzeichnet die Gemeinde den Verlust zweier langjähriger Beamte!! u. z.: des.Herrn Julius Braun-, etielnal. Volksschulinspektors und Anitsleiters, und des Herrn Leopold Libesny, Gemeindeinkassenten, in die in einen Hymnus auf den machtigen deutschen Verbündete:: gipfelte, worauf das Schulorchester ״Heil Dir in: Siegeskranz" anstümmte. In: Nainen des anwesenden . greisen Chachan: Baschi (Oberrabbiner) und der ganzen jüdischen Gomeinde sprach Herr Rabbiner I. Levy, Vorsitzender des Nabbinatskollegiulns, warme Worte des Dankes und der Anerkennung für die alteh:würdige ErziehuluOanstalt, die stets :!!!d erfolgreich bestrebt ist, ihren Zöglingen -eine ethisch-religiöse Erziehung angede-ihen zu lassen und sie zu wahre!: Juden und tüchtigen Menschen heranzubilden. Nach dieser Rede spielte das Orchester die türkische Hymne. Musikalische und gesangliche Rezitationen, sowie Deklamationeu Patriotischen Inhalts, prächtige Turnübungen. beendeten das herrliche Fest. Unter den vielen Anwesenden bemerkte :!:an den deutschen Konsul Dr. Brode, viele Rabbiner und andere .Honorationen, :::eist ehemalige Schüler der Lämel-Schule. Wir alle verließen die prächtige .Aula der Anstalt in den: Bewußsein, etwas wirklich schönes erlebt und gesehen zu haben. Rabbiner M. D. Groß. Nr. 2b. Kückeröespeeckung. Wiemann, Bosnisches Tagebuch, 230 Seiten Oktav. Mit vielen Jllustr. Preis Mk. 3.60, gebunden Mk. 4.60. Verlag I. Kösel, München. Seit -den: unglücklichen Tage, in: vorigen Sommer, da in Sarajevo die ersten Schüsse des furchtbaren Weltkrieges fielen, ist mit den: Nan:en Bosnien ein leichtesGrauen, ein assioziatives Erschauernverknüpft. Erst durch dieses Buch sehen wir das Land im rechten Lichte. Es ist eiil schönes, sonniges Land, mit'großartigen Naturschönheiten und einen: friedlichen und friedliebendem Volke,welches jene verrückten Feigl!::g!e gewiß ebenso verabscheut als wir. Allerdings hat der Verfasser seine Reise, die ihm auch nach Montenegro führte, noch in Friedenszeiten unternomnwn. Das Buch selbst glauben wir nicht besser kenn,zeichnen zu können, als mit Worten, die schon einmal über das selbe gesagt wurden: ״Die Eindrücke sind so fesselnd geschildert, daß sie, obwohl der Wirklichkeit entsprechend, wie ein Ro!uan sich lesen!" In der Tat ist uns selten ein Buch in. die .Hand gekominen, welches ein Land mit soviel Liebe und Heiterkeit mit soviel Scharfsinn und Verständnis beschrei- -ben würde. Der Verfasser, welcher es meisterhaft verstand, Land und Leute und Leben nicht nur :!:eistevhaft zu erfassen, sondern auch meisterhaft wiederzugeben, schildert uns den gutmütigen Bosnier, die sanfte muselmanische Frau,. das arme und doch so ronmntische Montenegro in der denkbar interessantesten und fesselnsten Weise. Das Buch wird viel zur Entdeckung dieses Landes beitrage::., wie ja auch die die wildzerklüftete Schönheit Dalmatiens bis in die jüngste Zeit hinein fast u,::bekamt blieb. Kronen-Bücher. Holländer, Agnes Feustels Sohn.; Kremnitz; Ist das — das Leben? Jeder Band 1 Mark. Kronen-Verlag, Berlin. Mit diesen zwei Büchern sei die Sanunlung des Kronen-Verlages, auf die wir nach zurückkommen werden, wärmstens empfohlen. Wir wollen auf den Inhalt der Bücher nicht eingehe::, denn Holländers Kunst ist au dieser Stelle schal: oftmals gerühmt worden und auch der Name Kronmitz ist bereits bekannt. Es sei bloß darauf hi::gewiesen, daß sich -der Verlag die schöne Aufgäbe stellt, den: lesenden Publikm!: Werke erster Autoren in einer hübschen, graßgedruckte:: Ausgäbe zu den: billigen Preise von einer Mark zu bieten. Jeder, der nur einigermaßen mit der deutschen Literatur der jüngste:: Zeit bekannt ist, weiß, -daß die Preise der Werke oft in einen: grellen Mißverhältnis zu den: Mrte desselben stehe!:. Hier jedoch sehe!: wir zum erstenmal, (wenn, :!:an vou Fischers Nomcmbibliothek absieht) daß inan dein Publikum einen sehr guten No>1!1>a׳n in eine!!: Umfang Vau 800 Seiten auch uiu eine Mark bieten kann. Von der Sammlung sind bisher 18 Bände erschienen. Tiroler Bergbauern. (Aus der bei Eugen Düderichs, Jena, erschienen Gedichtssam>!Hu:1g Alfons Petzolds: ״Volk, mein Volk".) Ihr langsames Schreiten dröhnt eisern über das Pflaster, ans den: sie herausgewachsen erscheinen, ihre Gepchter kennen kein Lachen und Weinen, fr!m׳d sind den Augen die Tugend 1t. das Laster. Auf ihren kantigen Stirnen liegen die Schatten der Berge ernst und schwer ihre Weiber und Dirnen kommen wie heilige Frauen daher; hochaufgerichtet, den Blick zu Boden gesenkt, als bätte Gott in sie hineingedichtet' himnilische Demut, die nicht nimmt, nur schenkt. Aber :!:anchmal blitzt es hinter den stillen Augeu der Männer und Frauen hervor, daun ist es so, als glitzt, in ihren knöchernen Fingern Sense und Büchsenrohr; Steine sehe ich wälzen ihre Berge herab, den: Feinde zun: Verderben, und lachenden Angen ihre Felsen mit d>1!׳: Blut verhaßter Fremdlinge färben.