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Jüdische Volksstimme · 1915-11-19 · Heft 26 (19.11.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 26 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kt. 26 ׳■■■“ין mir uni suchte mich zu trösten, zu besänftigen und zu beruhigen. Sei unbesorgt, Gott wird Dir bei stehen und Du wirst zu deinem Gelbe wieder kommen. Wohl bist Du einem frevelbelastetert Menschen, der alles Wissens bar ist und sich nur durch Berstellungskünste zu erl)alten weiß, in die Hände gefallen, NEU kann aber einend solchen! Scheusal leicht bci'kommeN, Wenn man ihn zu entlarven versteht; befolge meinen Rat, den! ich Dir erteile itnb dein Geld wird dir sofort zurückerstattet werden. Gehe morgen, wenn der, Betrüger nicht zu Haufe ist, in feine Wdhnung und sage seinem Weibe, daß er dich hingeschickt^ habe, bei ihr dein Geld abzuholen. Als reiner! Beweis, daß Du tatsächlich von ihm beauftragt wurdest das Geld von ihr ausfolgen zu lassen, teilst Du ihr das Geheimnis mit, daß er dir als Wahrzeichen mitgeteilt habe, daß er nämlich am Bersohnungstaige sich an den besten Speisen delittiert und am Pesachfeste Chamez Gesäuertes ' gegessen habe. — Als ich des morgens erwachte, ging ich vor allein in das Haus des f;r 0 m m c n Betrügers, dessen Frau mir, als ich ihr das Wahrzeichen zu meiner Beglaubigung angab, das Geld sofort anstandslos zurückstellte. Als später der gute Mann nach Hause kam und die Frau ihm das Vorgefallene mitteilte und ihm dabei bittere Vorwürfe machte» daß er so unverschämt und töricht war einem fremden Menschen solche Geheimnisse :nitzuteilen, schwor er ihr, daß er niemanden zu ihr geschickt und am allerwenigsten solche Geheimnisse jemandem anvertraut habe. Nun bin ich jetzt — rief er ganz verzweifelt .aus — entlarvt, gerichtet und vernichtet, habe h ier in dieser Gemeinde überhaupt nichts «meHr zu suchen." Nun möchte ich mir erlauben zu fragen: Ergeht es den Ententediplomaten in dieser großen stürmisch bewegten u. aufgeregten Zeit etwa besser? Zeigen die Vorgänge auf den Schlachtseldexu nicht klar und deutlich, daß! die Lüge immer noch von der Wahrheit besiegt wird, daß die Anstifter des Weltbrandcs allmählich entlarvt werden und vom Schauplatz ihrer grauenhaften fluchwürdigen Tätigkeit schwinden müssen. Ferner, daß die wackeren opferwilligen Armeen der Zentralmächte ihres echten Heldenmutes wogen immer noch imstande sind ihre ihnen au Zahl weit überlegenen Feinde niederzuringen, indie Flucht zu jagen? Seit Jahren haben die Enten tediplmnaten gefährliche auf die Zertrümmerung des Deutschen Reiches und der Monarchie zielende Pläne geschmiedet, ein großes Netz von Lügen, Verleumdüngen und Verdächtigungen gosvonnen. Hetzreden gehalten und den Völkerhaß in Wort und Schrift gelehrt und gevredigt, bis mau endlich in Serbien Anlaß gefunden hat die Monarchie zu vrovocieren und Europa in Brand zu stecken. Mlche Erfolge aber haben diese Maulhelden auf dom Felde der Eh r c er-rci'cht? Ja, zu Hause, wo sie SHlacki-ten geführt, nämlich Redeschlachten, waren sie große Helden, mit welchem Patos riefen sie aus: ללשננו נגהייר ש&חינו אתנו מיאחץ לנו ״Unsere Zunge ist unsere :nächtige Waffe, durch unsere Rednergabe werden wir die glänzendsten Siege erringen, wer wird uns rneisteru, wer kann uns widerstehen? Auf dem Schlachtfern aber verkrochen sie sich, damit ihnen ja kein Haar gekrümmt werden, während sie hunderttausende ihrer Landskinder hi!:schlachten ließen. Wenn auch diese Aufwiegler jetzt nach und nach in den Ruhestand versetzt werden, Ruhe jedoch werden sie nirgends finden, ihr böses Gewissen wird sie guälen, martern und foltern; die spätesten Geschlechter noch werden sie verfluchen, verwünschen nnd verdannnen, kein Verbrechen bleibt ungeahndet. tz Dr. Friedländer. Zusammengestellt und herausgegeben von Max Schwanger, Mitglied des Chores der israelitischen Kultusgemeinde Wien. — Im Anhänge: Kantorale Rezitativs, Raaponsen und Chorgeaänge aus dem Werke ״Schlr Zion" von Salomon Suliar, mit dem wohlgetroffenen Porträt des Altmeisters samt dessen Faksimile. Zu beziehen durch den Heraus• geber: Max Schwanger, Wien II., girkuagaaae SO. m SmpMRRi" CnR 9 Die Vielseitigkeit polnischer Brunnenvergiste. (I. 3L K,) Eine geradezu erstaunliche Leistung- und Anpassungsfähigkeit bekunden gewisse Schichten des polnischen Bürgertums während dieses Krieges. Eines ihrer beliebtesten und zuweilen wirksamen Mittel, sich bei den.jeweiligen Machthabern einzuschmeicheln, ist die Fabel vom jüdischen Verrat. Der Wechsel des Kriegsglückes bringt sie kaum tn Verlegenheit. Die Fabel wird eben den Umständen entsprechend rasch umgcdichtet. Was die Antisemiten in Kongreß- Polen, die zugleich Anhänger der ״russischen Orientierung" sind oder — waren, an blutigen Verfolgungen gegen die Juden durch ihre ewigen .Denunziationen mitverschuldet haben, könnte Bände füllen. Daß das allpolnische Tageblatt ״Slowo Polskie" int Lemberg, das auch während der russischen Invasion bis zur Räumung dieser Stadt von den «russischen Truppen erschien, — sogar die Stirn hatte, die galizischen luden der Untreue gegen — Rußland zu bezüchtigen, ist nrehr als eine interessante Kuriosität. Nachdom die Russen Lemberg und Warschau geräumt hatten, begann die Umdichtung de«r> Fabel. Jetzt hören wir weniger, daß die Juden samt und sonder im deutsch-österreichischen Solde stehen, um so häufiger aber wird von Anhängern der österreichischen Orientierung behauptet, daß die Juden gar rusophile Gesinnung betätigen. Eine kleine Blütenlese aus dev polnischen Presse, aus der letzten Zeit, die wir hier folgen lassen, mag für den zukünftigen Historiker der Polnischen Moral und des polnischen Bürgertums von einigem Interesse sein. In ihrer- Ausgabe von: 6. Juni erzählt die allpolnische ״Dwa Grosze" das Märchen von den jüdischen Händlern, die sich besonders an den Warschauer Bahnhöfen den Soldaten!aufdränten. Dabei vorfolgten sie das doppelte Ziel, den Verkauf schlechter Ware zu hohen Preisen und das Aushorchen, was in den Schützengräben vorgeht. Der in Petersburg erscheinende ״Glos Polski" schreibt: ״Es darf durchaus nicht wundernehmen, daß die Deutschen, indem sie im Königreiche (Polen) eine Armee von Spionen organisioren, sich desjenigen Elements bedienen, daß 12°/g der Gesamtbevölkerung bildet und, das ein unsreichLndes Kontigent von Leuten liefert, ■die sich mit den erwähnten ״delikaten" Dingen befassen. Dies besonders, wenn man in Betracht zieht, daß dieses Ellement eine Sprache spricht, ׳die dem klassischen Deutsch mehr verwandt ist als plattdeutsch. (Zitiert nach der Moskauer ״Jewrejskcija Wedela" Nr. 5 vom 21. Juni). Selbst der große polnische ״Kulturträger" Nieinojewski leistet sich im ״Mysl Niep adle gla" folgende offene Denunziation: ״Die offensichtlichen Sympathien der Juden für den preußischen Eroberungszug fanden eine «ganz offizielle Bestätigung in den warnenden Aufrufen der Heeresleitung, in den Kontributionen, die den Juden wogen Dienstleistungen an die Deutschen auferlegt wurdet: (Pabjanitz) und schließlich in der Feststellung der immer mehr um ׳sich greifenden Spionage, von der wir! in den Aufrufen des Generalgouverneurs Bobrinski von Galizien gelesen haben". Die polnische—antisemitische Methode der -Beweisführung ist ganz originell. Durch svstematische Verbreitung von lügenhaften Berichten und Denunziationen werde:: Maßnahmen der Heeresleitung wie die zitierten :nitverschuldet, worauf diese Maßnahmen triumphierend als Beweis angeführt werden für die Nichtigkeit eben dieser Beschuldigungen. Die polnischen Organe in Wien und Krakau glauben ihrerseits ihre gute österr. Gesinnung zu bekunden, indem sie die von den Kosaken hingemetzelten Juden als Freunde der Russenherrschaft darzustellen suchen. Der Krakauer konservative ״Czas" brachte in seiner Nr. 893 einen Artikel aus der Feder des galizischen Landtagsabgeovdnten Hupka, in tvelchem die Le:nberger Juden beschuldigt worden Paß sie am 3. September 1914 die einziehenden russischen Truppen mit Blumen überschüttet und die Pferde der Kosaken «geküßt hätten. Dieses Verhalten der Lemberger Jrrden hätte eine unter der polnischen Bevölkerung antisemitische Strömung erzeugt. Mit der antisemitischen Strömung unter ׳den galizischen Polen hat es ein eigenes. Bewandtnis. Was aber die Haltung der Lewberger Juden während der russischen Invasion betrifft, so scheinen die guten Patrioten vom Schlage des ״Czas" außer Acht zu lassen, daß Oesterreich doch nicht Rußland ist und daß ihre ebenso bodenlos dumme wie unverschämte Denunziation hier von niemanden ernst genommen wird. Die in Wien erscheinende deutsche Wochenschrift ״Polen", die von Dr. Ladislaus Leopold Ritter von Jaworski, dem Präsidenten des Obersten polnischen Nationalkomitees herausgegeben wird und nicht nur besonderen Anspruch auf Vornehmheit macht, sondern sich auch als Mundstück des,ganzen!Polnischen Volkes gebärbet, leistet sich in ihrer Nr. 31 vom 30. Juli folgende Brunnenvergiftun-g: ״Bei der letzten angeordncten Evakuierung der Stadt Warschau hat die russische Regierung, wie Warschamr Blätter berichten, (welche?) alle polnischen Juden ins tiefe Rußland oder sogar nach Sibirien übersiedelt, dagegen ist allein russischen Juden, den ״Litwaki", vom General-Gouverner der Aufenthalt in der Stadt genehmigt worden. Diese ganz besondere Begünstigung zeigt deutlich, wie die Polen die Stellung und die Rolle dieser eingewanderten Juden- Massen imrner richtig ei.ngschätzt haben. Opfer grimmiger Verfolgungen, so lange sie am eigenklichen Rußland verweilen, sind die ״Litwaki" auf polnischer Erde doch Anhänger der russischen ״Kultur" von den Behörden gefördert. Da,her vernmtlich ihre Haltung der Polnischen Gesellschaft gegenüber." Die in!der zitierten Notiz enthaltenen Be- Hauptungen sind eine faden-scheinige Erfindung, die den kaum verhüllten Zweck verfolgen, denjenigen Teil der Juden Warschaus, der der Wut des russischen Militärantisemitismus und den Folgen der Angebereien der Polen ״russischer Orientierung" glücklich entgangen sind, i!m׳ cor- Pore als Zarenknechte und bezahlte Agenten Rußlands zu verdächtigen und ihnen das Leben unter den neuen Regime sauer 51t machen. Das Boykottisten- und Denunziantenblatt ״Dwa Grosze" erscheint gegenwärtig, nach der Besetzung der Stadt durch!deutsche Truppen, unter den Namen ״Gazeta Codzienna". Nach den Erfahrungen, die man mit der AnpassUngsfähigkeit und Vielseitigkeit des Polnischen Antisemitismus gemacht hat, würden wir nicht im mindesten überrascht sein, wenn die ״Dwa Grosze"-Gazeta Eodzienna" sich mit der erforderlichen Fixigkeit in der neuen Situation ״orientieren" wird, indem sie die früheren Demmziationeu zum alten Eisen werfen und statt deren mit Beschuldigungen ala ״Czas" und ״Polen" beginneu wird. Während für die Herren Um! ״Polen" die ״Litwäki" ״Anhänger" der russischen ״Kul- ׳tur" in Gänsefüßchen sind, beschuldigt eine von Polen in Paris kürzlich herausgegebene Brochüre ״La guestion suive en Pologne" (Die Juden frage in Polen) d ieselben ״Litwäki" Träger des in Frankreich so verhaßten Deutschtums zu sein und rechtfertigt dieses Kavitalverbrechen, den Judenboykott und ähnliche Blüten des Polnischeu Chauvinismus. Die Juden in Saloniki. In einer Beschreibung Von Saloniki, welche Stadt gegenwärtig infolge der Kriegsereignisse am Balkan eine so große Nolle spielt, finden wir folgende Schilderung über die dortigen Juden: Ein eigentümliches Bild bietet Saloniki an: Freitag abend und Sonnabend. Saloniki ist eine Stadt der Juden, die hier mehr als drei Fünftel der Bevölkerung bilden, während die Griechen nicht mehr als ein Fünftel sind. Die Juden geben also der Stadt das Gepräge. Am Freitag abend, wenn die Sterne am Himmel aufleuchten, Wandern die Frommen in die Bethäuser, ,deren Zahl in die Dutzende geht und die doch nicht genügen, so daß auch in den Privathänsern und selbst unter freiem Himmel Gottesdienst abgehalten wird. In den Wohnungen und auf den offenen Terassen sieht man die Sabbatlampen brennen und um weißgedeckte Tische in festlicher Kleidung die Hausleute sitzen und hört sie jubelnd Lieder singen zu Ehren der Sabbatbraut, zum Preise Jerusalems. Am Samstag entwickelt sich

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