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Jüdische Volksstimme · 1915-11-19 · Heft 26 (19.11.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 26 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. SS Das ganze Verhalten ,der Juden zeigt nur Der Antisemitismus wird weiter emporblühen. Un-sere nationalen Kreise sind versprengt, unsere echten Bolksmassen zertreten. Der Sieg der Kulturmächte, der vereinigten gutdenkenden Protestanten, Katholiken, Orthodoxen und Moslims ist so gut wie entschieden. Der echte Heldenmut. Ein Wort zur Zeit. Ein talm. Sprichwort lautet: אגב אורחך לבעל דבבך אשתמע Nenn Dir dein Feind begegnet, fasse Mut, laß ihn fühlen, daß Du ihm weit überlegen seiest, und er wird sich scheu zuriickziehen. (Synhedr. 95) Heldenmut kann jedoch nur der entfalten, der die M/VKV (V«VUIAV ׳v'vv וי י ״יי•’« ׳ימי׳״יט♦ y / . t יו- י׳ * ihre vollständige politische und mtionnle Des- יי י " Ueb-Ael^ung hat, daß er für eme «- o-i-ntierung. In dieser Richtung ist der Jude rechte Sache sich emsetzt, daß er einem Feinde der geborene Sklave gegenuberstche, der nur aus Habsucht und Den Krieg fort diese Erscheinungen nicht Eroberungs g i er «ine Verschwörung gegen gezeitigt, er hät sie nur wie alle anderen Kraß d-n ,Herrscher;eines Vaterk-Ms angezettelt und ^unrtvk.ten lassen F« Krieg angefacht hat. Soldner aber, die von Dieselben Juden, die auf dm Kongressen neidischen rachsüchtigen unaufrichtigen Machtnebcneiniimdcr für ein hohes gemeinsames, ^?becn gedungen werden, m cm fremdes Land Ziel arbeiteten, müssen jetzt in allen Erdteilen ^!nzndringen und!^>rt heillosen Seiden anzm gegeneinander kämpfen., für fremd- Völker, die^cht-n. zeichnen sich Wohl in der Re^l durch sie verachten und Haffen. i Verübung mannigfacher Greu-lt-ten, aber nicht cy״ ' durch Heldenmut aus. Wenn die frommen -r« wLT imh: Engländer - die doch bekanntlich auf ihre BibelßnAf iS!? kenntnis und strenge Religiosität pochen — glau- &en׳ e§ ihnen mit Hilfe der Söldner aus in xÜ׳ dllsier, Kongo, Indien und Transvaal, und besonders mit Hilfe der Marokkaner, Senegal- Zulukaffern gelingen werde die Mow!» uarchie und das Deutsche Reich vollständig zu gerührt an ihr Monates °Herz1lehen. Z Lrischen SolL politische Einfalt reicht höchstens für ein Kino- rtH^?01fn1 c■ ihr teueres Vaterland durch die lügenhaften mus dre emzige Verleumdungen, die die russische, engl, und franungehindert von Ausnahmsgesehen und Zensur, Diplomaten durch ihre zahlreichen Agendie üppigsten Blüten treibt. Wer das nicht glaubt, nehme die antisemitischel Hetzblätter fleißig zur Hand. Der Umstand, daß endlich alle jüdische Jntelligenzler Reserveoberloutnants wurde!:, daß so viele Kreuze und Medaillen an jüdische Brüste geheftet wurden, wird der Assimilation ungeheuren Aufschwung geben, nicht minder die hohen Kriegsgewinne unserer maßgebenden Kreise. Mein Jude von Ostrow fertigte eine eventuelle Bejahung: Ich denke doch! in! voraus mit einem so überlegenen: Lächeln ab, daß ich feinen Einwand zu machen wagte. Und mit einem! Grundsystem erschüttert werden. ten in der Welt verbreiten ließen, stark bedroht und zum Kampfe herausgefordert wurden; und wer für die Wahrheit und Gerechtigkeit einstoht, für sie bereitwilligst sein Leben opfert, muß siegen. Unsere Feinde aber kämpfen für Lügen — obwohl sie selber gut wissen, daß ihre Angaben nichts anderes als Dichtungen und Erfindungen seien — und die Lüge kann für die Dauer keinen Bestand haben. Kuschte koi, schikre lau koi ״Die Wahrheit besteht, die Lüge vergeht". Alles kommt an: Endo doch ans Tageslicht. Wjenn Lügner, Heuchler, Frömmler, Verleumder uud Verräter in i ch t entlarvt werden könnten, müßte das prachtvolle imposante Weltgebäude in seinen ״Güten Tag", geliebter Herr, verschwand der alte aus meinen: Quartier, das ich in einer sauberen gut eingerichteten, nunmehr verlassenen Wohnung eines russischen Offiziers in der Nähe der Ostrower Artilleriekaserne genommen hatte. Mein Bursche brachte mir gerade den brodelnden Samowar auf den Tisch und beim Qualm einer guten russischen.Zigarette trieb ich russische Offizier-Algebra-stellte Berechnungen über die guten Einkaufsmöglichkeiten eines hö- Heren russischen Offiziers an und kam zu dem Schluß, daß ein *Genie" wie der gewesene Korn- Mandant von Ostrow es sehr weit bringen kann. Finanziell! Die Juden und die übrige Bevölkerung von Ostrow können aber voi: Glück sagen, daß es m Rußland auch in Krigszeit noch so etwas gibt, daß man in Deutschland mit den: Wörtchen ״Korruption" bezeichnet. Und schließlich ist der gewesene Kommandant von Ostrow doch noch das, was man׳ als ״ä anständiger Mensch" bezeichnet. Er hätte ja die 8000 Rubel nehmen und Nach Empfang die Stadt doch noch mit Petrol übergießen und anstecken lassen kör:nen. Daß er es nicht getan, daß er sein ״geschäftlicheS Ehrenwort" getreulick gehalte!:, war das nicht nett vom gewesenen Kommandanten von Ostrow? Aus dem jüdischen Schrifttum ließen sich zahlreiche Fälle genüg anführen, aus welchen zu .ersehen ist, daß Lügner, Heuchler, Frömmler und Verleumder stets entlarvt wurden und schmählich geendet haben. Zweier solcher Fälle. n:öge hier zur Begründung unserer Behauptung, Erwähnung geschehen. Bekanntlich hatte Korach — ein naher Anverwandter des Moses, und Ahron — eine Verschwörung gegen das Brüderpaar angezettelt um selber zur Herrschaft gelangen zu können. Dieses Ziel glaubte er!durch Verleumdungen und Verdächtigungen auf die leichteste Weise zu erreichen. Er ließ nämlich eine Versammlung ein- .berufen und hielt in derselben folgende von Lüge, Hohn und Spott strotzende Ansprache: ״Höret und staunet meinen Brüder! Hier in unserer Mitte lebt eins Witwe mit ihren zwei Töchtern; sie besaß ein Stück Feld, von dessen Erträgnis sie sich schlecht und recht ernähren konnte. Zur Ackerszeit kam Moses und sagte ihr, die Thora verbietet es strenge den Ochs mit dem Esel aufzujochen; zur Zeit der Aussaat erscheint w:eder Moses und sagt ihr, Saaten von verschiedenen Gattungen auszusäen ist ebenfalls ver boten. — Endlich kam die Zeit der Ernte, da wird ihr im Namen der Thora geboten: ״Wenn ihr euer Feld erntet, sollst Du das Ende deines Feldes nicht vollends abernten, auch was einzeln von der Ernte abfällt, nicht -auflösen" usw. Kaum Wird die Frucht in die Scheune gebracht, kommt der Priester und macht seine Ansprüche geltend, verlangt nämlich die Abgaben, die Hebe, den - ersten und zweiten Zehent. Die Arn:e fügt sich, erfüllt gewissenhaft ihre Pflichten, um aber die vielen Belästigungen los zu werden, verkaufte sie ihr Feld, ׳ und kaufte sich von dem Erlös zwei Schafe, die ihr kümmerlich Nahrung bringen sollen. Die Schafe warfen Junge, da erscheint wieder der Priester und sagte, das Erstgeborene gehört mir. — Es kam die Schurzeit, und wieder war der Priester rasch zu Hand und sagte, die erste Wolle ist für mich bestimmt. Die Arme rief voll Unmut aus: ״Ich kann die ewigen Erpressungen nicht ertragen". Sie schlachtete die Schafe um sie wenigstens essen zu können, allein zu ihvom größten Leidwesen stand wieder der Priester da, und verlangte Schulter, Kniestück und Magen, Teile, die ihm gesetzlich gebühren. Die arme Frau war ganz niedergeschmettert, selbst nach der Schlachtung, klagte sie bitter, kann ich auch noch nicht über mein Eigentum verfügen; wohlan denn, ich will gar nichts davon haben und erkläre sie als verbanntes Gut. Als BauU? ries der Priester, dann: gehört alles mir, denn das was man als Bann erklärt, weiht man dein Herrn. Und nahm sich die Schafe, und die arme Frau ließ er in ihren: Schmerze zurück. — Sehet also, rief Korach dem Volke zu, in welcher Wjeise ihr von Moses und Ahron ausgebeutet werdet. (Jalkut. Ps. 106). Was war aber die Folge dieser frechen unverschämten Lügen, die die Korachiden benutzten um das Volk gegen Moses und Wron zu Hetzen? Eine furchtbare Katastrophe brach über sie herein so daß sie eingestchen mußten: ״Moses ist die Wahrheit, seine Thora die Wahrheit, wir aber sind die Lüge, daher wir so schmählich zugrunde gehen müssen". Einer der hervorragendsten Weisen des Talmrcks erzählt unter anderen ein Erlebnis, das.er hatte, in folgender Weise: ״Einst unternahm ich eine Reise nach Babylon- .da langte ich an einem Freitag, frühmorgens in einer Stadt an, in der ich Sabbat zu verweilen mich entschloß. Vor allen: war ich bestrebt einen frommen, vertrauenswürdigen Mann ausfindig zu machen, > dem ich meine schwer erworbene Barschaft zur Aufbewahrung.anvertrauen könnte. Ich verfügte mich in die Synagoge, zur Zeit als das Morgengebä verrichtet wurde, und hielt dort Umschau. Da erblickte ich dort oben einen Mann, in einem Talave gehüllt und Tefilim auf dem Haupte, sein Gebet in äußerst andachtsvoller Weise verrichten. Dieser Mensch hat sofort auf mich einen sehr günstigen Eindruck gemacht, denn ich dachte, nur ein edler .wahrhaft frommer gottbegei-sterte Mann ist fähig in solch ungewöhnlich würdiger Weise seine An,dacht zu verrichten, und glaubte, daß dieser Mann unstreitig einer der würdigsten und frömmsten dieser Gemeinde sei׳. Nach Beendigung des Gottesdienstes, erlaubte ich mir ihn anzusprechen: Ehrwürdiger Manul Ich bin soeben hier angelangt, befinde mich auf der Durchreise und habe hier keinen einzigen Bekannten. Da Du mir durch deine große Frömmigkeit Vertrauen eingeflößt, möchte ich Dich bitten, die kleine Barschaft, die ich bei mir habe, über Samstag aufzubewahren. O, ich bin gern bereit, entgegnete der ״fromme Mann", Dir diese kleine Gefälligkeit zu erweisen. Und so übernahm er sofort das Geld und trug es nach Hause. Am Sonntag verfügte ich mich zu ihm und ersuchte ihn mir das ihn: zur Aufbewahrung anvertraute Geld zurückerstatten zu wollen, da ich meine Reise weiter fortsetzen will. Wer bist Du denn? riss er mir im barschen Tone zu. Ich kenne Dich doch ׳gar nicht, denn ich habe dich nie im Leben gesehen. Starr wie eine Säule sta!:d ich vor Schrecken da, denn ich habe bald die Ueberzeugung gewonnen, daß ich einem abgefeimten Schurken, einem echten Hochstappler zum Opfer gefallen sei. — Ich befand mich nunmehr in einer höchst verzweifelten Situation, meiner ganzen Barschaft beraubt, der Heimat entrückt und wußte nicht an wen ich mich wenden sollte. In» heißem inbrünstigem Gebete schüttete ich mein tief betviebtes Herz vor Gott, dem himmlischen Vater aus, ein Strom von Thränen entfloß meiner Aügen. Es wurde Abend, legte mich nieder und schlief vor Mattigkeit und Erschöpfung ein. Da hatte ich einen wunderbaren Traum. Die Lichtgestalt des Propheten Elijahu erschien

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