Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1915-11-19 · Heft 26 (19.11.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 26 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2621806-2621945-2621971--3329-2624511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JaLra. XVI. ghun»et26. «--«-»preise: Für Oesterreich-Ungar«,- halbjährig . Kronen 6-20 ganzjährig . »׳.. .... . . . Kronen 12— Deutschland, ganzjährig ...... Mark 12 — Rußland, ganzjährig ....... Rubel 16׳— Balkan, Frankreich Frank» 4׳— N---0 Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe ü. Buchhändlerische Vertretung: Ott» Klemm, Leipzig. Inserate: die Vspaltige Petitzeile SS k Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto deizufügen. Wien—Budapest. lS. November 1915 «UUUl, ,z. KiAew 5676 Prag—Lemberg. Das jüdische Volk im Weltkrieg. Von Dr. Hanns Fischl. II. Der Krieg hat umwertend gewirkt. Die neuen politischen, militärischen und Wirtschaftlichen lehren, die er mit sich gebracht hat, waren nur wenigen erleuchteten Köpfen klar gewesen. Und ,merkwürdiger Weise waren diese zumeist imter den Deutschen zu finden, die den anderen Völkern, auch den Inden,!innrer als läppisch und minder intelligent erschienen waren. Die Deutschen wußten ganz gut, daß mit Festungen und Dreadnoughts keine Entscheidungsschlachten gewannen werden können, sie wußten, daß im Kriege, wo die Menschen weniger werden und - der Boden seine Frucht giebt wie im Frieden, niemand zu hungern braucht, daß inan auch ohne. Ex- und Import, die nur ein paar Kaufleuten zugute kommen, existieren könne. Jeder, nüchtern Denkende, der das Schicksal des jüdischen Volkes im Kriege ins Auge faßte, mußte ebenso auch hier voraussehen, was demselben bevorstehe. Heute, wo vielleicht 12/ג Millionen Juden unter Waffen stehen, wo vielleicht 4 Millionen elend nmherwandern, wo Inden freiwillig Millionen hergegeben haben, wird niemand mehr den Plan Herzls, ein paarmal hunderttausend Inden in Palästina ansiedeln und dort auch für die im Golus lebenden Volksgenossen ein. nntio־ nales Ccntrnm zu schaffen, als Utopie bezeichneu. Schaudernd müssen wir, die unser Volk glühend lieben und an׳ seiner'Befreiung vergebens gearbeitet haben, uns eingestehen, daß, das jüdische Volk den großen historischen?lugenblick versäumt hat. Rückblicke in der Geschichte sind wie im׳ Daran hat niemand gezweifelt. Eine ebenso Leben des Einzelnen dazu angetan, belehrend'beliebte als kindische Methode jüdischer״ Publi« und läuternd zu wirken. Wenn wir zeigen zisten hat darin bestanden und besteht noch heute )vollen, was unterlassen wurde, so ist es uns! darin, aufzuzählen, wieviele Juden dekoriert nicht darum zu tun, Einrichtungen und Personen wurden, welche materiellen Leistungen Juden im zu bekämpfen, cs soll vielmehr die Lehre für die Zukunft daraus gezogen werden. Die Kriegsschäden des jüdischen Volkes sind :ungeheure Verluste an Menschen, Material und Kriege für das,allgemeine Wohl ausgebracht haben. Das mutet so an, wie wenn eilrt Mann sehe tüchtig in seinem Berufe ist, tausende sür die Kapital, die nicht nur nicht in seinem Interesses Arm!en gibt und dabei seine nächsten Angehözu seiner Verteidigung, sondern sogar zu Gunsten ,'rigen hungern läßt. Darin liegt ja die politische Feuilleton Der Freikauf. Kriegsskizze von Max Eck-Troll, im Felde. Wild, bestialisch, ohne jegliche Ueberlegung hatten die Kosaken und die übrigen russischen Regimenter auf ihrem Rückzug über die Navewlinie gehaust. Auf ihrem Fuhrpark führten sie ׳-neben Munition und Verpflegungsmitteln für die Truppen: Petroleum und Benzin als Kampfmittel mit sich. Zum Feuermachen! Zum Anzünden der polnischen Gehöfte, Dörfer und Städte. In der Wut der Ohnmacht gegenüber einem überlegenen Feinde wollten sie den Deutschen nur ein verwüstetes Land zurücklassen. Und zur Wut kam die Freude des pathologischen Brandstifters. Daher goßen sie von ihren reichlich mitgeführten Petroleumvorräten in die Strohvorräte der Polen, den noch vor wenis; Wochen der Zar in einem Ukas als seinen Liebling bezeichnet hatte. . Ein Feuerfunke, ein Streichholz .an die von der Sommersonne ansgetrockneten Holzwände und Strohdächer polnischer Bauenlhäuser und schon züngelten getvaltige rote Beuergarben gegen! Himmel, die Nacht taghell erlauchtend. Die brennenden Dörfer waren Wegweiser für die! vorrückenden deutschen Truppen. Die Flammen¬ und nationale Uebsrlegenheit unserer Herren- Völker, daß sie es verstehen, unsere Kräfte sür ihre Interessen ׳auszunützen. Trotz der Hunderte von jüdischen eisernen Kreuzen aus anno 13 und anno 70, Sonnte der Jude im Frieden nicht preußischer Offizier werden pry seiner größten Feinde erfolgten. In dem gewaltigen jüdischen Reservoir Polens sind hunderttausende jüdiche Existenzen persönlich und wirtschaftlich in grausamster Weise vernichtet worden. Die Juden Polens mußten Greuel über sich ergehe!! lassen, gegen welche die Pogroms von Kischenew und Bialystok harmlose Volksbelnsticguugen waren. s - *■ 1,;׳^! Und das alles nicht auf eigenem Boden, für das eigene Land. Deutschland, Oesterreich und Rußland kämpften ihren Streit auf einem Schlachtfelde aus, dessen Bevölkerung überwlegend jüdisch war. Die drei Großstaaten blieben von den Schrecken des Krieges verschont. Wenn die Kolonisation Palästinas^ hundertmal gescheitert, wenn das jüdische Volk,30.00Ö K. noch nicht erreicht. Dagegen haben dort angegriffen worden wäre, es hätte nicht. Juden ca. eine V!ertelm!ll!on für erblindete einen kleinen Teil jener Opfer gegeben, wie auf österreichisch-ungarische Soldaten gespendet. P den Schlachtfeldern Polens, das national den Juden nichts bedeuten kann. Nach der jüdischen Glaubenslehre und auch aus Opportunitätsgründen sollen die Juden in den Ländern ihres Aufenthaltes treue Pa tri oten sein. Sowohl vom Standpunkte dev Moral als auch des do ut des haben die Juden ihre Pflicht und die in sie gelegten Erwartungen voll und ׳ganz erfüllt. Die Kriegslandspende, die den Grund zum jüdischen Nationalstaat bilden soll, hat bis jetzt meere zeigten die Straße an, die der fliehende Russe zur Flucht gewählt hatte. Von den russischen Narewfestungen, die ich gesehen, hatten unter, dieser verbrecherischer Brandstiftmanie Noszan, Makow und Pultusk am meisten gelitten. Aber auch auf seinem weitereu Rückzug hat die russische Armee eiugeäschert was sie einäschern konnte. V1 יי'"'"'"" ' "< •. ‘ ־ Nun könnte vor den edlen Spendern! und Subskribenten die Einwendung gemacht werden: wenn unsere scheene Stadt sich wird nix abgebrennt?" Hat er gesagt: 10.000 Rubel in Gold. Hoben wir gehandelt und gehandelt mit ihm und sind wir herunter gekimmen auf 8000 Rubel. Sind wir gegangen von, Haus zu Haus haben geholt die scheenen guten Rubel in Gold und Hoben gebracht das scheene gute Geld dem Czyzer wurde bis auf die katholische Kirche Kommandant. Hot er geschmunzelt, Hot er einge- und einige Häuser um die.Kirche herum ein Opfer strichen, Hot genummen das scheene Geld und Hot russischer Brandgier. stehen gelost unsere Heiser. Nur eine Stadt zwischen Narew und Bug' Geliebter- Herr! Haben wir nicht recht ge׳ hat der Russe geschont: Ostrow.?such nicht ein Hans war hier niedergebrannt. Das war mir neu. Ich frug daher, als. ich mit Neguisiten in Ostrow beschäftigt war einen alten Juden nach habt? Auch ich armer Mann hob gegeben viel scheene runde gildene Rubel an Kommandant. Viele, scheene gildene Rubel! Aber hob ich wenigstens noch mein Hüs. Geliebter Herr! Js es sich nix besser, wir haben bezahlt und hoben unser Hüs, als hoben dem Grund dieser auffälligen Milde des rnssinix gezahlt und sich is abgebrannt Ostrow?" schen Brandstifters. | Ich konnte dem Juden in seinem grau- Wir hatten in Ostrow russische Zigaretten, schwarzen Kaftan und dem kleinen Schildkäppl Tee und Weißbrot für unsere Truppen beschlagnicht Unrecht.geben. Aber ich konnte nicht umhin nahmt. Und ich war gerade dabei, den alten pol-'׳einzuwenden, daß der Kommandant sicherlich wischen Juden für geliefertes Brot in Baar ausschwer bestraft lverden würde, wenn dieser unzuzahlen. j lautbare Handel der russischen Regierung zu Auf mein Befragen antwortete er mir in Ohren kommen würde, unverfälschten Jargon:! ״Wie der russische' ״Oh, geliebter Herr", wandte mein Gegen- Kommandant sich Hot gemert, daß die Deitschen' über ein, kennen Sie Rußland schlecht. Js sich bei kimmen, Hot er auch wollen Feier legen an diel russische Kommandant Krieg Geschäft. Für alle Stadt. Da is sich gegangen ׳einige Leit zum russische Kommandanten Geschäfts Und kann Kommandant rmd hobemsich gefrogt: ״Geliebter Kommandant! Was kosts sich, 9tußland alle Kommandanten Geld ׳!wm men? eiusperren. die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.