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Jüdische Volksstimme · 1915-11-03 · Heft 25 (3.11.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 25 (3.11.1915)
Date
1915-11-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 ■י״יכע; jmm s>ff*1hMtc* 9h, 26 Lekden eine Auferftehung zu feiern, gleicht die. Reichskanzlei, Herrn Untersta-atssekretÄr Dr.! Tripolis der Lage des jüdischen Volkes einer Agonie, finster und verschwommen, bar jeglicher Sympathien und ohne Aussicht auf eine bessere nationale Zukunft. Zcmgwill unterstreicht dann den leidenschaftlichen Patriotismus und die Dankbarkeit der Juden all denen gegenüber, die ihnen eine Zufluchtsstätte gewährten. E׳r bespricht die bedeutende Nolle, welche einzelne Juden in England, Deutschland, Frankreich, Türkei, Oesterreich- Ungarn und Italien spielen und fährt fort: Allein nicht bloß ihre geistigen Kräfte opfern die Juden ihrem Vaterlande, sie liefern auch reichlich das Kanonenfutter. Der Prozentsah der jüdischen Gefallenen und Verwundeten, sowie der Ausgezeichneten tender. Zcmgwill spricht daun über die infolge des Krieges entstandenen Gegensähe und Probleine, berührt auch die traurige Lage der Inden in Rußland und die Frage betreffend Palästinas und schließt: Palästina selbst kann die Judenfrage nicht lösen. Die Gleichberechtigung der Juden ist eine un,bedingte Notwendigkeit. Nur der jüdische Nationalismus kann unsere Historie mit einem neuen Kapitel bereichern. ״Sie können uns aufknüpfen —־ schrieb einer der russisch-jüdischen Freiwilligen an der französischen Front—Juden bleiben wir dennoch". Zangwills Ausspruch über den Nationalismus ist bemerkenswert. Denn man erinnert sich Wohl, daß er in der seligen ״Jto"-Zeit den Zionisten ihren Nationalismus als etwas Ueberflüssiges und Schädliches zum Vorwurf machte. Auch aus., seinem ״Schmelztiegel" lassen sich nur antinationale Konsequenzen ziehen.׳ Hat der Krieg korrigierend gewirkt? An die Judenschast Galiziens und der Bukowina! Ailf Weisung der Regierung sind die Politischeu Behörden gegenwärtig mit der Erhebung und Feststellung der Kriegsschäden beschäftigt.! Von Seiten inan che r Bezirkshauptmannschaften werden auch spezielle Forinulare behufs Amneldüng der erlittenen Schäden an die Interessenten verabreicht. Da diese An Meldung bzw. amtliche Erhebung der Schäden einzig und allein die Basis für eine eventuelle staatliche Entschädigung bilde:: werden ist die rechtzeitige Vornahme der Schadenanmeldüng bei den betreffenden politischen Behörden in: Interesse der Beschädigten dringend geboten. Inden: wir nun die Judenschaft Galiziens und der Bukowina darauf nachdrücklichst aufmerksam machen, fordern wir sie gleichzeitig in ihren: eigenen Interesse auf, allerorts nnver- Züglich spezielle Schadenerhebllngs-Komitecs ius Wahnschaffe hatte. Der Unwrstaatssekretär als auch .die Avaber äußerte sich im Verlaufe der Unterredung über die Grundsätze der Verwaltung der okkupierten Teilen Russisch-Polens folgendermaßen: ״Cs ist eine Selbstverständlichkelt, daß wir alle Teile der dortigen Bevölkerung gleichmäßig und gerecht behandeln. Alle Behörden wurden angewiesen, den Juden nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Humanität denselben Schütz zuteil werden zu lassen wie den anderen Natio nalitäten. Es ist für jeden, der das deutsche Staatswesen kennt, ohne weiteres klar, daß wir ihre qrausawe und unmenschliche Ausnahme behandlung durch die russische Negierung inißbilligcn. Es liegen uns aus den: okkupierten Gebiet ist ein sehr bedeu-j keinerlei Beschwerden vor, Wohl aber tausende von Danksagyngen über die Loyalität und litt* Parteilichkeit der Verwaltung." Wie wir erfahren, ist das ״Komitee für den Osten" seit Kriegsbeginn in: Neichsintcresse tätig. und beschäftigt sich vorliegend mit den: Schicksals der Ostjuden. Es besteht aus hervorrageuden jüdischen Persönlichkeiten und angesehenen Mitgliedern großer jüdischer Organisa. tionen. Neue Leiden der Juden in Rußland. Der Gouverneur von Poltava hat 12.000 jüdischen Flüchtlingen den Befehl erteilt, nnverzüglich sein Gouvernement zu verlassen. Die Mehrzahl der Juden war aber dort schon seit langer Zeit ansässig und übte friedlich ihr Gewerbe aus. Der Versuch, das Verbleiben dieser Leute durch Fürsprache der Muuizipalbehörden zu erreichen, war vergeblich; der Befehl wurde vollzogen. Dasselbe Schicksal hatten die jüdischen Flüchtlinge des Tambower Gouvernements. In: Distrikte Oschmjany wurde die jüdische Vevölke rung uüt Gewalt ״evakuirt". 30.000 Juden wurden dadurch obdachlos. Sie wandern zu Fuß ide lange Landstraße Smorgonje-Minsk einen: ungewissen Schicksale entgegen. Nur sehr Mjohl holende fahren auf Wagen. Die Moskauer,jüdische Gememde erhielt der ״Njetsch" zufolge aus Vransk folgende Mitte: lungen: Einem van Noslaw kommenden jüdi schen Flüchtlingszuge, der in Setschinsk Hol! :::achte, brachten die dortigen Juden Lebens nnttel als Liebesgaben. Die russischen Bearnten verboten aber nicht nur, die armen Flüchtlinge zu speisen, sondern sie warfen alle Lebens::: itte die gebracht wurde::, weg oder vernichteten sie Den jüdischen Frauen, die ihre Abteile verlassen wollten, um für ihre hungrigen Kinder auf den: Bahnhöfe etwas zu kaufen, wurde das Aussteigen verboten:::tt der Begründung, man glaube nid) an diese Art von ״Ausreden". Auf diese Weise blieben die Säuglinge ohne Milch und.alle Flucht linge :nutzten hungern. Aus Jwan-Wosnesjeuss berichtet die ״Rjetscksi weiter, daß unter die Bevölkerung vieler Städte antisemitische Flugschriften verteilt werden, in denen neben lauter falschen .Kriegsnachrichten g. Sowohl die Italiener lverden von den Juden Leben zu rufen. Diesen lokalen Komitees würde'^vden des Verrates beschuldigt werden. In ־ ' ־ ־ ' . Kiew wurden alle Untertanen feindlicher Staaten ausgewiesen. Während der letzten drei Tage allein mußten tausende feindliche Ausländer Kiew verlassen. Seit Anfang Oktober darf kein Jude nach Kiew kommen. Sogar diejenigen, di! das Vorzugsrecht genieße::, in: Innern Nutzlands reisen zu dürfen, :nutzten Kiew verlassen. Die Lebensmittelnot ist unbeschreiblich Maß. J׳u Riga requirieren Soldaten alte Lebensmittel. Weiber und Kinder lungern vor den Geschäften und versuchen vergebens,, die nötigste Nahrung zu kaufen, die aber oft nicht einmal für Geld zu haben ist. Trotzden: die Polizei die Leute zu beruhigen versucht und auseinander treibt, versa:::- :nein sich die Unzufriedenen immer wieder auf einerseits die Aufgabe zufallen, der zuoisi-ye:: Bevölkerung des betreffenden Ortes oder BezirkssPreuA'ls bei der vorzunehmenden amtlichen Schadenanmeldung ::nt Rat unb Tat beizuste- Heu, andererseits müßteu sie auch für die Heran ziehung der Inden zu den Schähungs-Komissio nen Sorge tragen. Letzteres umso dringlicher, als die Jude!: sonst die Gefahr einer einseitigen Schätzung laufen könnte::. Paralell mit der Wirksamkeit dieser einzelneu Ortskomitees werden wir selbstrdend auch unsere seinerzeit eingeleitete Aktion fortsetzen. Jüdisches Schadenerhebungs-Büro Wien, H., Zirkusgasse 33. Jtimdfcftau. Die Juden in Polen. (Eine Unterredung, mit dem Hern: Unterstaatssekretär Dr. Wahnschaffe.) Eine der größten jüdischen Zeitungen Amerikas ״Die Wahrheit" berichtet in >der Ausgabe von: 29. Aidgust ds Js. über eine Unterredung, die ein Vorstandsmitglied des jüdischen ״Komitees für den Osten" in Berlin n:it dom Chef der den Straßen. Um die Ruhe aufrecht zu erhalten, wurde die Polizei durch berittene Gendarinerie verstärkt, die Tag und Nacht die Straßen, ab- Patroulliert. Die Juden in Tripolis. Wiaffenhi-lfe verlangen und da die Italiener vorläufig noch inuner Herren der Küsten städte sind, wo das Gros der Inden wohnt, so können,&ie Juden in eine höchst gefährliche SitNätion konunen. Werden sie doch scholl im italienischen Mutterlande verdächtigt und drangsaliert — was dürfte ihrer erst in der Tripoliskolonie harren?! Ein Kriegsfreiwilliger aus Palitstina. In einen: der KrakaNer^FestNngsspitäler befand sich durch einige Wochen der Korporal S ch a r f s o h n, dessen bisheriges CurrirNlmN Vitae ebenso interessant als rühmlich erscheint. Seine Eltern waren infolge der russischen Juden- Verfolgungen nach Galizien geflohen, wo sich der Pater als Handwerker redlich durchbrmgt. Der!junge Scharfsohn wanderte vor drei Jahren nach Palästina aus und arbeitete als landwirtschaftlicher Arbeiter m der Kolonie Merchawja. Zu Beginn des Krieges meldete er sich, obwohl noch russischer Untertan, freiwillig zur Dienstleistung in österreichisch-ungarischen Heere und wurde vom österreichisch-ungarischen Konsulat ■int Jerusalem!mit anderen Wehrpflichtigen auf den: Landwege über die Türkei! nach der Monarchie befördert. Die Reise dauerte mehrere Wochen und war n:it großen Schwierigkeiten verbunden. Scharfsohn: wurde in einen: steirischen Städtchen beim Infanterieregiment Nr. 30 abgeri'chtet nnd :neldete sich nach ganz kurzer Zeit zu der eben abgehenden Marschkompagnie. Er verbrachte vier Monate in: Schützengraben und machte die Ofensivaktion in: Mai :nit.. Trotzdem er in den letzten Wochen an heftigen Fiebern::fällen litt und ihn der Reg:inentsarzt ins Spital schicken wollte, weigerte er sich, die Truppe zu vrlassen. In kurzer Zeit wußte er sich durch seine, Tüchtigkeit, Strammheit und Unerschrockenheit die Sympathien seiner Vorgesetzten zu erwerben. In einer schweren Situation :neldete er sich freiwillig zur Brotfassung hinter der Schwarmlinie und versorgte die Kompagnie unter Lebensgefahr :nit Proviant für die nächsten Stunden. Er Wurde hiefür zum Korporal befördert und für die sil- -Kerne Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse in Vorschlag gebracht. Als er:::folge des immer heftiger auftretendcn Fiebers nicht :::ehr weiter konnte, wurde er nach Krakau transportirt, von wo er, nachden: sich sein Befinden gebessert hat, in Kurzen: zun: Kader seines Regiments abge- Heu wird.. Ungarisch-Jüdisches Museum und Kriegsarchiv. In den nächsten Tagen wird das Ungarisch Jüdische Museum und Kriegsarchiv, welches von den: Ungarisch-Jsrael:tischen Literatur-Verei 1: gestiftet wurde, der Oeffentlichkeit übergeben. Welch wertvolles Material das Museum wahrend einiger Jahren zufammengebracht hat, zeigt uns die neueste Nulmner der von Dr. Josef Patai redigierten Zeitschrift ״Mult es Jöv?",!welche -ihr Augustheft ganz den: Ungarisch-Jüdischen Mnseun: gewidmet hat. Der Gründer des Museums, Königl. Rat Dr. Franz Mezey, der Kustos des Museumrats, die Professoren Dr. Kohlbach, Dr. Max Weiß umd Dr. Mandel Würdigei: in je einen: Artikel die verschiedenen Sammlungen des neuen Musums, aus welchen: die wertvollsten Gegenstände in ca. 50 künstlerischen Neproduktionen in: ״Mult es Jövö" dem Publik::::: vorgenihrt werden. Eine sehr wertvolle Abteiluug des Museums ist das n::M risch-jüdische Kriegsarchiv. A:: der Stiftung des Kriegsarchivs haben sich die Vornehmsten der ungarisch-jüdische:: Gesfellchaft beteiligt. Jüdischer Heldenmut. erhielt folgendes c:. Herr M. Lindner, Wien, chreiben: In: Felde 28. 0. 1915. Sehr geehrter Herr! Wir beehren uns Ihnen das heldenhafte Durch die italienische Kriegserklärung an Verhalten Ihres Herrn Sohnes zu schildern, die Türkei droht unseren Glaubensgenossen in Wir überzeuge:: Sie, daß sein mannhaftes Ver- Tripolis neuerdings eine große Gefahr. Unter,halten in ernster Lebensgefahr uns mit Bewunder türkischen Herrschaft erfreuten sie sich aller de: ung erfüllt hat, aber eben deshalb auch auf- Freiheiten. Das italienische Regime hat ihre richtig bedauern läßt, daß sein bisher noch unge- Lage Wohl etwas verschlimmert — da die Jtaliewisses Schicksal uns die Möglichkeit erlaubt, ihn: ner die Juden!gehei:ner Sympathien :nit den Persönlich die Früchte seines aufopferungsvolle:: Arabern und Türken beschuldigten — doch Um* Tuns in rückhaltloser Anerkennung zu kommen es noch iinmer nicht allzu arg. Jetzt entbrennt in zu lassen.

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