Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 25 (3.11.1915)
- Date
- 1915-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 29 h9***MH» «Mt B Ein wirkungsvolles Präservativmittel zur Bekämpfung der Kriegswut. / 3׳)k «Heften Bibelerklärer eröffnen den Abschni tt Mezora IN. M. 14) m!{!t einem Gleichtt׳iß, das in imseren Tagen besonders beachtet zu werden verdient: ״Ein Gewürzhändler zog in den kleinen Städten, die muSepPhoris lagen, nnther tzvnd rief den Leuten zu: ״Wer will ein LebenslNedicainent kaufen (Man׳ boi San re dechaje)? Scharenweise eilten Kauflustige herbei — denn wer möchte nicht gern leben und sich der blühendsten Gesundheit erfreuen? — Was tat nun der Gewürzhändler? Er zog hervor das Buch der Psalmen und las vor: ״Kommt Kinder, hört mir au, die Furcht Gottes will ich -euch lehren. Wer ist her Manv,. der zit loben wünscht, und gern׳ möchte in׳ seiiieti Tagen >^ls Glück des Lebens schauen? ״Bewahre deine Zunge vor ÜlleM Bösen, deine Lippen vor trügerischen Redensarten; Meide daß Böse und tue das Gute; suche den Frieden unB eile ihm mach". — Mich eine Fülle von Gedanken enthält dieses Gleichnis! Der Wann, der lim der Gegend von Sepphoris von׳ Stadt zu Stajdt zog und iiberall jein &efmü&inefoi׳Mnnent feilbot, war weder ein Gewürzhünjdler, :loch ein Kräutler, sondern ein Äußerst. frGn!iner M-ttibGeisterter Lehrer in Isvälel, der iii Me.r stürNrW. bewerten Und aufgeregten Zeit lobte, wo gewiffenlöst,׳.. NeiMche, lündergierige Herrscher und vorleniiMmAsuchtige Machthaber durch ihre Agitation im Geheimen die Bewohner der Nachbarländer Hetzen, Kriege entfachten, zum Ungehorsam und Empö- VU!11jg atlfstächeln ließen, uul gewisse Staaten, die einen inachtigett Aufschwung geNütntNen hatten, zertrimi-merteti NM oie Be Ute sich untereinander teilen zu können. — IN jenen verhnNKttisvollen MgeNda täiüseiide rnid -abermals tausende Exiftcn^cii, zerstört, hunderttmllende junge tatkräft-ijhe Menschen hinaoschlachter, stttzkhliitze imschulldige Wäiüits ilkip unrnündige Kinder ,dem größten Elend hretWgBöii würden, ׳hatte, jener Rabbi es sich pr Aufgabe ge!nacht die verseuchte Wogend von Sepphoris zu be!suchen, von Stadt zu Stadt zit Mildern und überall Vorträge zu Mteli, ״ Niii das ßci&tlc Volk zu belehren (und ׳müfzukläreü, Wü!).t.Ls׳ die UeberzöNguNg gewitme, haß es von herzlosen UgitcktürtN herschsüchtigsn Despoten in schamloser Weise getäuscht, geblendet durchs Licht geführt,^ ins gräßlichste Unglück gestürzt tvurde, und ׳liiisoW, dieser Ueberzeugümg sicha-tlfraffe.׳die Braindstistör/ in dchi AMagestaüd zu. versetzen, die. Bestrafung ihres frevelhaften Vorgehens energisch zu verlangen.ilstd die eigentliche Machthaber zu bestimmen, daß sie den uutzlosen Blutvergießen rechtzeitig ein Ende bereiten. —- fernen Vortrag begaim er, gleich loineilN GowiirzhMidter, tust Lien Worten: ״Wer wünscht stri MedicaMeNt. ztt ertverben". Scharenweise strämiteN die KanslNstigen herbei um in den Besitz dieses unbezahlbaren. Mittels zu gelangen. von An das ito Rede stehende Gleichnis knüpft Israelitische UnionUnter dtzm Vorsitz der Midrasch die Bemerkung: die Thora warnt Carasso gehören dem leitenden Komitee folgende die Israeliten mit den Whrten: ״Dies ist Vor- Persönlichkeiten an : der Deputierte von Smyrna schrift des מצורע nach einem Wortspiele המוציא שם רע jb. h. wie der mit einem Aussätze Behaftete von der menschlichen Gesellschaft mtsgeschloffen werden mich, .damit nicht andere von ihm infiziert werden, ebenso sollen Verleumder, Verräter und Ehrabschneider als gefährliche Subjekte betrachtet und sovg fäl t i g gemieden werden. Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß auch ein großer Lehrer,der tal. Zeit R. Alexandrim ähnlicher Weise wie d. bereits erwähnte Gewürz- Händler -dem Volke zugerufen: ״ 121׳n לגביה מאי 2עי vsby ואתו עולי und als alle Welt herbe teilte um das so viel gerühmte Lebensgewürz zu erwerben, er ihnen die oben angeführten Verse des Psalmisten vorlas (Ab. Sam 19). Aus diesen hier angeführten kurzen Notizen stft klär und oeütlich zu ersehen, daß die hervorragenosM Ltzhrer Asraels Mer Zeiten den Bekennern des JüoMüius unausgesetzt eiingeschävft haben, für die Vevbreit-MZ der . Kenntnis der Thora Sorge zu tragen, damit die Fugend frühizeitig lerne, Wahrheit, Gerechtigkeit Md Frieden zu leben, Lüge, Gewalttätigkeit und Raubgier zu verabscheuen. Eine für Hie ewigen Wahrheiten, Lehren. Vorschriften u. Satzungen der Thora im hohen Maße begeisterte Generation leistet dem Staate unschätzbare Dienste und kann, so manche düstere Gewitterwolken, die den Horizont des f eichcs zu verdünkelndxphen, rechtzeitig verschonen, denn der öffentlichen Meinung sehen sich Pst selbst Autokraten gezwungen Rechnung zu tragen. Nur ein Unkultiviertes Volk, das zumeist mrs Analphabeten besteht, läßt sich von Despoten am Gängelbande leiten und selbst für die unge rechteste Sache zur Schlachtbank führen. Fa, die KrieaKwut, die eroberungssüchtige Herrscher Wachgerufen haben, kann Nur dannerfolgreich bekämpft werden, wenn das Volk auf einer hohen Stufe.der Kultur steht und jeder Einzelne ׳desselben die Worte des Psalmisten: ״Wahre deine Zunge vor allem Bösen, de tue Lippen vor trügerischen Reden;meide ׳das Böse und tue das Gute; suche den Frieden und eile ihm ttach" zu beherzigen und zu Würdigen ver- Dr. Friedländer. Die Türkei und die Juden. Das Jüdische Hilfskomitee ״Roter Halbmond" unter deM Vorsitz von Kommerzienrat S i m o n in Berlin, aN dessen Sammlungen sich bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, Hat den von ihm aufgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum Ankauf von Der Weise Rabbi zog aus seiner Apotheke nichts Sanitätsartikeln verwendet.^ Das amgeschaffte anderes als das.Buch der Psalmen hervor und? r ־׳־*׳' * ־ ׳1,‘ ־ ־ 'las folgende Verse: ״Ko in tut 5k inher und schenket nur Gehör, ich will euch den reinen geläuterten Göttesglaübön, wahre, innige, aufrichtige, ungeheuchelte Fröuunigkert, echte Gottesfurcht lehren. AlleidMgs.gibt es in allen Klassen der menschlichen Gesellschaft Menschen, die bei jeder Gelegenheit auf ihre Frömmigkeit!Pochen, ob sie aber alle wahrhaft fromum genannt zu werden verdienen, jst sehr fraglich. Wagen es doch gar uinsere Feinde — die aus Neid, Mißgunst, Evoberungsgier, Herrschu. VerleujndrMgssucht den Krieg entfacht haben — als fromme zu erscheinen, lassen Bittage stiren Raubzügen beistehen, damit es ihnen ge- 'liuge ihr angestrebtes Ziel zu erreichen. Das kann man! doch nicht Froumügleit, sondeM Heu- Material wurde nrittels Sondorzuges nach Konstantiuopel gebracht. Der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses des Komitees, ' Dr. Alfred N o s s i g übergab in Konstant!nvpel die Spende dem Leiter der Heeres-Sanitätsabteilung S u l e i m a n N u m a n Pascha, sowie den Vertretern des türkischen ״Noten Halbmonds". Kommerzienrat G. Slmou war durch Erkrankung verhindert, sich! an! der Reise zu heteiligen. Wie die offiziellen Depeschenbüros bereits gemeldet haben, wurde Dr. N o s s i g voin S u l t a n, dorn Thronfolger Jussuf Jzzedip dem Kri-egsminister Enver Pascha, dem Minister des Innern Daalat Bey und dem Kammerpräsidenten Halil Bey, sowie von den -Vertretern des Nissim Mazliah, der Vorsitzende des Konststo- .riums der Jüdischen Gemeinde iin Konstant in opel Fachi Bey, Profeffor Wrevaya, der Präsident des Sanitätsrars der Marine Oberst Galemidi Bey, sowie andere hervorragende osmanische Juden. Die Vereinigung bezweckt die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Juden verschiedener Länder und den Osmanen sowie die festere Angliederung der osmanischen Juden an me andren Devölkerungsgruppen der Türkei. Ferner sind der ״Osmcmisch-Jsraelitischeu Union", auf Grund der ihr von her türkischeu Regierung ׳verliehenen Satzungen, in der Angelgenheit der gesetzlichen Regelung der Ein- Wanderung von Juden nach der Türkei wichtige Befugnisse übertragen worden. Es ist besonders hervorzuheben, daß das jungtürkische Komitee ^Einheit und Fortschritt", dessen Verhältnis zur türkischen Regierung bekannt ist, einen ständigen Vertreter in den Vorstand der ״Osmanisch-Jsraelitischen Union" entsendet. Die Vereinigung gedenkt auch mit den, die ostjüdische Bevölkerung betreffenden Fragen gelegentlich der internationalen Verhandlungen nach Beendigung des Weltkrieges sich zu befassen. Im dieser Angelgenheit fand auch bereits zwischen der türkischen Regierung und der deutscheu Botschaft ein Me in ungsausta usch statt, der ergab, daß die türkische Regierung, ebenso wie die deutsche und österreichisch-ungarische, den Bestrebungen zur Besserung des Loses der Juden des Ostens durchaus wohlwollend gegenüberstehen. Nähere Mitteilungen über die Dr. Noffig in Kcmstcvntinopel -erteilten Erklärungen, sowie über die Aktion der ״Osnranisch-J!sraelitischen Union" werden gelegentlich -einer Konferenz erfolgen, die domnachst nach Berlin einberufen wird. chelei, Frömm>elei Gotteslästevrmg nennen. Seine z srmg-türki scheu Komitees Midhat Schukri und wahre Fröimm.igkeit und ׳Gottesfurcht bekrmdet 1 Dr. Nasiim Bey empfangen. Die Mitglieder des derjenige, dem jede Lüge, Verleuntd»mg nnd Ver- Herrscherhauses und die Vertreter der Negierung sdächtigug itu der Seele verhaßt ist, -der unter allen sprachen sich in anerkennendster Weise über die U nt ständen und im allen Verhältnissen seines jüd. Bevölkerung-aus, der ihr besonderes Wohl- Löbens das Wort des Psalmisten: Bewahre wollen gesichert sei. Dr. Nossig und Kommerzien- Deine Zunge vor allem Bösen und deine ׳rat G. Simon wurden durch Verleihung des Lippen vor trügerischen Redensarten; tltei.de das Medjidje-Ordens ausgezeichnet. Böse, gehe jeder bösen Tat nteilenweit aus detn Auf Veranlassung des Deputierten voll Wege, und tue nur das Gtrte, suche den Frieden K-onstantinopel, Em«nu-el Earrasso und Dr. u tt >d e i l e i h m *nt ca ch, bringe nicht Hekatomben -für den Krieg, souderu große Opfer für den Frieden, stets befolgt und beherzigt. Nossig, gründete -ein Kreis namhafter türkischer Juden mit Einwilligung der Regierung! eine Vereinigung unter dem Namen ״Osmansch- Israel Zangwill über die Juden im Krieg. Jnr ״Daily Ehronicl" veröffentlicht Zangwill einen längeren Artikel über ״die Juden im Kriege", aus oem wir einen Auszug wiedergeben. ZamKvill schreibt: Im gegenwärtigen Kriege stehen 600.000 Juden unter Waffen, sie kämpfen jedoch nicht als Juden. Die jüdischen Schlachten haben mit -der Unterdrückung des Aufstandes Bar-Kochbas im Jahre 133 aufgehört. Es existiert ein Ausspruch: ״Die Mission Israels ist der Friede". In diesen Worten widerhallt zwar die Stimme Jerusalems. In der Wirklichkeit aber sind die Juden ebenso wenig organisiert für den Frieden, wie für den Krieg. Einzelne Juden verstehen es -ntitunter, sich -gut einzurichten. Das jüdische Volk als Ganzes ist jedoch ein ״Schlemihl" ... Nach zweitausendjähriger Wandemng geht es in diesem Kriege wieder den Wejgj der Hölle. Mieder sehen wir eine groiße jüdische Massen- Wanderung. Hunderttausende Juden werden gewaltsanl hinausgejagt aus ihren Heimatsorten oder sie verlassen diese mitsamt ihrem ganzen Hab und Gut aus eigenem Antrieb. Sie wanderu ziellos. Wie ein Symbol erscheint uns die Figur eines gewissen Grandrabbiners, der jetzt in Europa herumwandert, in der Hoffnuna für seine gründlich zerstörte Gemeinde einen Fonds zu schaffen. Die Londoner Fremden-Häuser und Asyle sind voll heimatloser Juden aus Belgien. Die Juden polnischer Städte füllen Warschau und die Flüchtlinge Galiziens — die Städte Prag, Wien und Budapest. Alexandrien beherbergt 4653 Juden aus Palästina. Tausende begaben sich ttach Amerika, Australien und Südafrika. Mit bem Beginn der Dardanellen-Aktion und dem Erscheinen des englischen Heeres dortselbst. verließen 1500 Juden dieses Rayons ihre Wohnorte. Von den 13 Millionen Juden sind zuminbest 10 Millionen vom Kriege betroffen, davon drei Millionen im eigentlichen Zentrum — in Polen. In der langen Leidensgeschichte der Juden gibt es kein schrecklicheres Blatt... Während Belgien und Polen hoffen, aus ihren' jetzigen