Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 25 (3.11.1915)
- Date
- 1915-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25. •.ממימיו!•* M» 1 »»MW welche die Regierung schon be§ österveichvschen Staatsintereffes wenn nicht der Juden halber baldigst realisieren mutz. AlS die österreichische Regierung den derzeitiigen Statthalter von Galizien» einen k. u. k. General ernannte, waren gerade die Nationaljüden diejenigen, die Liese Ernennung am freuvigsten brühten, weil sie in ihr die Rückkehr zu einer österreichischen gegen alle Nationen und Konfessionen gerechten Politik in Galizien erblickten. MW piptt «Mtz yeE «W E -l״ l [T :»_L 1 *1 j. 1ו «%ר, t Jr‘!(rU. —J ־ ־ידי..» CT r.v. . - r * s :.«TX* 4M'. Das in Galizien auch den Juden Gerechtigkeit zuteil wird, ist eine Frage, die nicht eine einzige jüdische Partei betrifft, sondern eine Frage aller galizischen Juden. Hier ist auch folgende Frage voll und ganz berechtigt: Haben die galizischen Juden aus dem Weltkriege noch nicht gelernt^ haß ihre Jnferjeffen nur jüdisch und österreichisch sein! müssen? Wenn dies, wie wir hoffen, der Fall ist, dann müssen sie daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen, daß sie zusammen mit den. Juden der übrigen Kronländer eine gemeinsame jüdisch-österreichische Organisation bilden müsse«. Wenn sie zu dieser Erkenntnis .gelangt sind, -dann, ließe sich auf dem Wege eines jüdischen Nationalrates oder auf anderem Wege auch, gemeinsames Exekutivkomitee schaffen, welches den Vermittler zwischen den Juden und den anderen Völkern und mit der Regierung bildet. Jedenfalls erheischt die ernste Zeitlage nicht bloß Worte, sondern auch Taten, sie fordert den Bruch mit jeder engherzigen Fraktionspolitik und Provinzpartikularifmns sie erfordert vielmehr eine großzügige, den jüdi- .scheu Volks Interessen und österreichischen Reichsmteressen!gleichmäßig Rechnung tragende jüdische Volkspolitik. Von dem Verständnis für ihre Aufgabe, hängt die Zukunft des jüdischen Volkes ab. Das jüdische Bott im Weltkrieg. Von Dr. Hanns FM. I. Georg Schönerer, einer unserer Gegner, ein aufrechter Mann, hat das Wort geprägt, das deutsche Volk in dev Ostmark müsse für Katastro- Phen vorbereitet werden. Auch unser Gesamtvolk hat einen solchen Sehrer und Warner gefunden. Theodor Herzl, der mehr war als ein bloßer Parteiführer, lebte und starb in dem Bestreben, das jüd. Volk für Katastrophen zu rüsten. Weit haben die Kenntnis der deutschen Sprache bis in die entlegensten Teile Osteuropas getragen, oft in Gegenden, wo die Bevölkerung fast durchwegs analphabetisch ist, und Dolmetsch-Dienste für unsere Truppen geleistet. — Wir hörten die Klänge des Schiofar und das ergreifende Unsano- Tokef-GeVet; unsere Gedanken weilten in weiter Fevne, bei unseren Lieben! Am 2. Neujahrstage konnten wir am Gottesdienste nicht Leilnehmen, da erfolgte unsere Ein- Waggon ierung. 4 Tage und 4 Nächte dauerte die Eisenbahnfahrt, durch die Gefilde des westlichen Polen, auf der Nordbahnstrecke nach Wien und von da nach kurzem Aufenthalte auf der Südbahn-Linie in die Nähe von Triest. Ungefähr 1200 km. hatten wir mit der Bahn zurückgelegt, die Monarchie Von Norden nach Süden durchquert. — Welch ein Unterschied war da zu bemerken — zwischen dem bereits fühlbar gewordenen russischen Herbste mit seinen kalten Sumpfnebeln und dem ewig blauen Himmel der Adria! Auf den steilen Abhängen am Stravde des majestätisch sich ausbreitenden Meeres Wuchsen reichlich Weintrauben Felgen und Lorbeer, die Wellen umspülten das bemuVernd schone Schloß Miramar, die Schöps״na des unalückttchen Kaisers Maximilian von Meriko. Grado. sonst der Spielplatz der Kinder, ist deutlich sichtbar, aber fm Gegensätze zu diesen gesteckt War sein Ziel, ein souveränes, jüdisches Volk auf dem heiligen Boden von Erez-Jsrael, auf rechte und festgefügte Volksgruppen in der Diaspora. Wasser zurückließ, war eine Partei| mit wenig Köpfen, geringen Mitteln, die nicht einmal im eigenen Volke Macht und Einfluß' besitzt. Die große Katastrophe, die zehn Jahre nach dem Hinscheiden Herzls über Europa und das jüdische Volk hereinbrach, hat es vollständig unvorbereitet getroffen. Juden standen in allen Lagern. Das Volk das, Wollte man Parteitiraden glauben, unter dem blauweißen Banner mit d. Davidstern geeint war mjußte auf allen Seiten kämpfen. Für Rußland, für Ungarn, für Serbien, die Türkei, für alle Länder und Völker; Erez-Jsrael, angeblich unser Land, gepriesen auf Ansichtskarten und bei Studentenkommersen, wiurve -von Osnianen unter preußischer Führung.verteidigt. Wenn je Verachtung für ein Volk am Platze War, dann für unser eigenes, das in der großen Zeit, >da Knabe und Greis für die heimatliche Scholle zur Waffe griffen, als Söldling in allen fremden Lagern zu finden war. Zwanzig Jahre sind verflossen, seit der Weckruf an Israel erging.׳״ Ein Volk, das über eine derartige Fülle von Machtmitteln und Menschen verfügt, wie das idische, hätte in dieser Zeit alles erreichen können.. Die Bäume, vor Jahren auf dem Boden Palästinas gepflanzt, würden heute Schatten und reiche Frucht geben, drei Rekrutenjahrgänge hätten wir, die schon im Lande geboren waren, das Land wäre unser, und würde uns noch die volle Souveränität!gefehlt haben, wir hätten sie uns jetzt mit der Waffe erstritten. Blicken wir zurück, suchen wir nach den Ursachen unserer nationalen Erbärmlichkeit. Vor allem mangelte der gute nationale Willen. Ein Teil der Juden fühlte sich imGolus recht wol, den anderen trieb nur die Not in das nationale Lager. Was den Kern bildete, Waren Idealisten, gering an Zahl und schwach an Kräften. Die zionistische Partei, die es nicht verstauden hat, aus einer Partei ein Volk zu werden, wie es Herzl erträumt, kann über den Kadve nicht hinaus. Während sich aber die Kadres der anderen Völker in der Stunde der Not mit Millionen Streitern füllten, mußten unsere Kadres zur Mobilmachung sperren. Die im Frieden bei uns Führer waren, mußten als schlichte Kämpfer in die Reihen der Fremdvölkev treten. Was die Einzelnen, ihrer Soldatenpflicht getreu, unter den verschiedenfärbigen Fahnen leisteten, gehört nicht in den Rahmen dieser Betrachtung. Das ist ja gerade unser nationaler Jammer, daß Juden als Preußen, als Engländer, ja selbst als Russen sich heroisch schlagen, als Juden aber weder Kampfmut noch Widerstandskraft zeigen. Es ist übrigens Vom nationalen Standpunkt aus gänzlich verfehlt, die Einzellustigen besonders Schönheiten der Natur ist.von dem unfern gele° genen Mantfaleone der Kanonendonner dernehmbar, uno erinnert an die Grauen des Weltkrieges. Nach der Answaggonierung hatten wir einige Tage Ruhestellung. Jom-Kipur nahte heran, und wir beschlossen, wenn möglich, diesen Tag zu einer Fahrt nach Triest zu benützen, um, ähnlich wie Neujahr iin! Radom, den Versal׳ nungstag in Triest zu begehen und wenigstens einige Stunden im Gotteshause zu verbringen. Da war eine andere, fortschrittlichere Richtung zu erwarten als im ortodoxen Polen, aber zu einem Gott Jehowah beten Diese und Jene, trotz zerenwnieller Gegensätze, und ein Jahrtausende altes, mit Blut und Thränen festgekittetes Band verknüpft uns Alle. Es kam anders. Am Vorabende des Versöhnungstages 'wurde ich frühmorgens verstauoigt, dÄ.ich meinen 14-tägigen Urlaub antreten könne. Meine Freude war umso größer, als ich nunmehr Aussicht hatte, den Jom-Kipur statt in Triest im Elternhause zu verleben. Rasch wurde!gepackt, ich erreichte nüch den Schnellzug, der mich abends nach Wien brachte; nachts ging es werter, und zur allgemeinen frohen Ueberraschung traf ich noch am Vormittage des Jom-Kipur im Tempel nieiner HeimatSgemeinde bei meinen Lieben ein. Die Sünde, daß ich am Jom-Kipur fuhr, wird mir -der lWe Gott verzeihen! herauszustreichen. Das ist ja der Standpunkt der Assimilanten, die mit diesem Kriege einen uugeahnten Aufschwung nehmen wird. Der Enzelne war ja bei uns nie verachtet, es war imnier nur das Gesamtjudentum. Und auch dieses nur wogen seiner gänzlichen Ohn- Es wurden Versuche jüdischer Stellungnahme in diesem Kriege unternommen. Sie sind sämtlich verfehlt, sinn- und zwecklos. Statt, daß.das jüdische Volk endlich blutige Rache nimmt für Kischenew und Bialystok, für Kiew und Homel, nehmen konnte, mußte eine halbe Million Juden für Rußland ins Feld ziehen. Wol waren jüdische Freikorps da, aber wo kämpften diese? Am Ararat gegen die Russen? Bei Suez gegen die Engländer? Nein! In den Karpathen und in den Vogesen. Dort gegen die besten Freunde der Juden, die Deutschen. Gegen die Deutschen, van denen allein das jüdische Volk seine Auferstehung erwarten darf. Es wäre zu weitgehend, nur mit dem jüdischen Nationalstaate rechnen zu müssen. Das jüdische Volk wäre in der Diaspora schon für die Weltkatastrophe vorzubereiten gewesen. Daß das nicht geschehen ist, beweist die Unfähigkeit der zionistischen Partei, die das Schicksal des Volkes in die Hand nahm und für oft lächerliche Detailfragen viel kostbare Zeit und Kraft vergeudete. Alle Völker haben an den Krieg gedacht, Vorbereitungen getroffen, alles bis auf den letzten Schuhnagel bereitgestellt. Das jüdische Volk konnte nicht einmal in seinem heiligen Lande ein armseliges Bataillon aufstellen, die Organisation zerstob in ein Nichts, als die Herrenvölker aufstanden. Die Vorbereitungen, die unterlassen worden sind, wären in mehrfacher Richtung zu treffen gewesen. Vor allem in politischer Beziehung. Die Frage, wie sich das zerstreut lebende jüdische Volk ini Falle eines Krieges zwischen den Großstaaten zu verhalten habe, welche Fürsorgeaktionen zu treffen seien, War auf den Zionistenkongressen zu erörtern gewesen, bei denen Bürger sämitlicher Staaten der Welt zu einem gemeinsamen Zweck vereinigt waren. Man lese die Verhandlungsprotokolle und greife sich an den Kopf, mit was für Debatten oft die kostbare Zeit ausgesüllt wurde! Mit dem Kriege sind die Dinge klarer in Erscheinung getreten. Was Schein, Täuschung war, das brach in ein Nichts zusammen. Nur das Echte, Wahre, Wirkliche blieb bestehen. Und es wurde sichtbar, was vom angeblich geeinten Judenvolke, dem wiedergewonnenen Judenlande, vorhanden War. Eine lockere Organisation, die mit der Mobilmachung in ein Nichts zerfiel, geringe Fonds, die von den kriegführenden Staaten an einem Tage verbraucht worden wären, ein paar Dörfer in Palästina. Voila tont! Den Schutz der Juden in Rußland übernahmen etliche Großbankiers, für die verelendeten Galizianer sorgte die VÄösterreichische Regierung. Noridau aus Paris wurde österreichischer, Zangwill aus Withehecchel britischer Patriot. Die Einzelnen wurden glühende Vaterlandskämpser, dort, wo sie gerade waren, auch in Kischjenew. Die zurück blieben, organisierten sich, samtmelten und spendeten für alle Zwecke last a nd least auch für jüdische. Das jüdische Volk War mit der Mobiln״ chung, wann nicht gar zertrümmert, so minbestens auf Kriegsdauer eingestellt worden. Zueammengestellt und herausgegeben von Max Schwanger, Mitglied des Chores der israelitischen Kultusgemeinde Wien. — Im Anhänge: Kantorala Rezitativs, Rssponssn und Chorgasangs aus dem Werke ״Sahir Zion“ von Salomon Sulzer, mit dem wohlgetroffenen Porträt des Altmeisters samt dessen Faksimile. Zu beziehen durch den Heraus• geber: Max Schwangtr, Wien II., Zlrkuagaaaa 50.