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Jüdische Volksstimme · 1915-11-03 · Heft 25 (3.11.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 25 (3.11.1915)
Date
1915-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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3«»w»n■ Ve-ug-preiser Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620׳ ganzjährig.Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig Mark 12 — Rußland, ganzjährig Rubel 6 Balkan, FrankreichFrank- 14׳— 8--——-n kommet 25. Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse S. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die Ospaltige Petitzeile 8V h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono« riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. m------— --—־—b Wien-Budapest. fRi'iitttt 3. November 1915 *71UIUI, 26. Cheschwan 5676 Prag—Lemberg. Unsere zukünftige Arbeit. Von Dr. H. Kadi sch. II. Die obersten 2 Voraussetzungen einer deihlichen jüdischen Arbeit sind Klarheit Die Anerkennung der 900.000 Juden in Galizien und der Bukowina als selbständige Nation würde in diesen Gebieten ein starkes Bollwerk des österreichischen Staatsgedanken schassen. Auch nach diesem Kriege wird Oesterreich in diesen wie in den angrenzenden Gebieten unbedingt verlaßliche Faktoren brauchen, die auch in ihren weitgegehendsten nationalen Forderungen von der über ן unverrückbaren österreichischen Richtlinie nicht s- Elemente mit Rücksicht auf die Lage der Presse sowie die unterbundene Vereinstätigkeit während der Kriegsdatier nur in engeren Kreisen und im beschränkten Maße erzielt werden. Immerhin müssen die führenden Personen des jüdischen Volkes in der Donaumonarchie sich darüber klar werden, daß der Krieg eine neue Lage in unserem Waterlande geschaffen hat und daß das innerstaatliche Verhältnis einer Neuordnung entgegengeht, bei welcher die jüdische Postulate -nur dann eine entsprechende Berücksichtigung finden werden, wenn hinter ihnen die jüdische Volksgesamtheit aus allen Teilen des Reiches unbedingt eintritt, sie auch in absehbarer Zeit realisierbar ,sind. Es muß auch darauf hingewiesen und ein besonderer Wert gelegt werden, daß die maßgebendsten Kreise des Donaureiches die Ueberzeugnng erlangen, daß die Forderungen des jüdischen Volkes nicht nur berechtigt, sondern daß deren Realisierung gleichmäßig vom jüdisch-nationalen wie vom österreichischen gesammtstaatlichen Standpunkt unerläßlich sind. Es gilt dies hauptsächlich von unserer Kardinalforderung — aus ihr folgen dann alle übrigen Postulate — der Anerkennung des jüdischen Volkes als gleichberechtigte Nation in Oesterreich. — Feuilleton Die hohen Feiertage im Norden und Süden. Von! Dr. T. H. Im heurigen Kriegsjahre wär es vielen jüdischen Soldaten nicht vergönnt, die hohen Feiertage in gewohnter Weise im Familien- Kreise zu verleben, da sie weit draußen •auf den Peripherien des Reiches und im Feindeslnnde für den Sieg, unseres Vaterlandes kämpften. In anerkennenswerter Weise hatte wol die Heeresleitung verfügt, daß bei Einteilung der 14-tägigen Urlaube jener Soldaten, «die vom Kriegsbeginn an un unterbrochen im Felde standen, die jüdischen Soldaten in dev Weise berücksichtigt werden, daß ihre Urlaube!möglichst in die Feiertage fallen; das Gros der jüdischen Soldaten, befand sich jedoch trotzdem int Felde, zumal diese Maßnahme nicht immer durchzuführen war. Unser Regiment befattd sich vor den Feier tagen im hohen Norden, östlich vom Bug am Eingänge in die Polesie-Sümpfe. Als eine russische Festung nach «der anderen in unsere Hände fiel, und hiedurch Truppen, welche bis dahin auf der russischen Front gekämpft hatten, einander schließen, umsomehr sind sie-nicht nur für sich sondern auch für den österreichischen Gesamtstaat zu leisten imstande. Die nationalen Juden tnüssen aus Grund ihres Politischen Programes, das in der Synthese zwischen Reichseinheit und nationaler Selbstverwaltung gipfelt, ein nationalvermittelndes und daher eminent österreichisch-staatliches Element bilden. Das aber sind die Assimilationsjndcn nicht imstande. Sie tnüssen als Trabanten fremden national-chauvinistischen Parteien -bienen und alle Seitensprünge derselben tnitmachen — mögen sie auch zum Schaden Oesterreichs und des jüdischen Volkes gereichen, — da sie sonst nicht einmal scheinbar als Angehörige dieser anderen Nation angesehen werden. Und doch müßten gerade durch den Weltkrieg die Jttden der ganzen Monarchie überzeugt fein,' daß sowohl das jüdische Volksinteresse wie «auch das österreichische Reichsinteresse es gebietet, mit dm Prinzipe der Zerklüftung int jüdischen Lager, wie mit ihrer alten, ziellosen, von Tag zu Tag mehr schwankenden Politik -zu brechen und einznschlagen neue Wege. — Diese neuen Wiege können nicht gefunden werden, solange die österreichischen Juden sich nicht klar werden über die geschichtliche Mission «der Habsburgertnoitarch 1 e und insbesondere über die für andere Kriegsgebiete frei wurden, wurde auch unfer Negintettt -nach einem anderen, wie wir später •erfuhren, dem italienischen Kriegsschauplatze beordvet. Es traf sich so, daß wir die Neujahrsfeiertage ttoch in Russisch-Polen vorlebten, während wir aut Versöhnungstage bereits im Süden weilten. In einem Dorfe unweit Nadom lagerten wir und warteten n!ach ungefähr 10 Tagemärscheu auf die Einwaggonierung. Uns Offizieren war es gestattet worden, inzwischen abwechselnd die Stadt Nadom zu besuchen. Einige jüdische Offiziere, teilten wir es uns so ein, daß wir am ersten Neujahrsfeste nach Radom fuhren, um wenigstens einetn Teile des Gottesdienstes beizuwohnen. Nach 2-stündiger Wagenfahrt langten wir in dieser netten, modernen Stadt an. Schon vom Weiten glänzten uns die 4 vergotdeten Kuppeln der griechisch-orientalischen Kirche entgegen, welche die russischen Gewalthaber in dieser Stadt, deren christliche Bevölkerung fast ausschließlich römisch-katholisch. ist, a!m! Han ptpl atze in •einer alle katholischen Ortsktrchen weit überragenden Ausdehnung und mit großer Pracht- Entfaltung erbauen ließen,' -um die Polen, nebst «der sprachlichen Knechtung, auch in religiöser Beziehung zu demütigen. Wie schwer mußten erst die Leiden unserer Glaubensgenossen gewesen seilt, wenn mit den christlichen und slavischen Brüdern in einer solchen Weise verfahren wurde! neuen Aufgaben des modernen Jungöfterreich und somit «auch, in weiterer Folge über ihre eigenen Aufgaben in ihrem Vaterlande. Das Donaureich war, ist und bleibt ein Nationalitätenstaat. Es ist angewiesen 'auf ein friedliches Zusammenleben der Nationen und Konfessionen. Jede Politik, wer auch intmer sie kultiviert, die dieses friedliche Zusammenleben stört, ist nicht nur nndemokvatisch, sondern auch unösterreichisch. Jede Politik, «die auf nationaler, konfessioneller oder Rassenverhetztmg, basiert, von welcher Partei auch immer sie ausgeht, bebeutet eine schwere Schädigung der wichtigstett jüdischen Interessen in nationaler und konfessiouellcr Hinsicht. Das jüdische Volk, das zerstreut unter den 11 übrigen Nationen in Oesterreich wohnt, ist auf friedliches Zusammenleben mit ihnen allen angewiesen. Und jedes Aufflamnten des nationalen Chauvinismus fühlen die Juden in aller erster Linie mit,allen seinen traurigen Konsequenzen als blindwütigen Antisemitismus. Darum ist das, was den Frieden unter den Völkern nähert, .nicht nur österreichisches, sondern auch jüdisches Interesse. Aber nur dann, wenn׳ die Juden eine starke in ganz Oesterreich sich ausdehnende Organisation besitzen werden, sind sie in« -der Lage dieses A. B. C. «der jüdischen Politik bis in die entferntesten Teile allen unseren Konnationalen zu übermitteln, sind sie imstande, diese ihre Stellung zur österreichischen Staatsibce mit entsprechenden Nachdruck überall und!runter zu vertreten. Die nationalen Juden nehmen gegen die auf nationale Selbste vhal tun g gerichtete Bestrebung der Polen und Ruthenen soweit sie im Nahmen der österreichischen Staats- Verbundes realisierbar sind, sicher keine Stellung. Aber sie fordern als 3. Naton in dem österreichischeu Kronlande mit allem Nachdrcke die Gleichberechtigung als Staatsbürger, eine Forderung, Das äußere Bild der Stadt war vorwiegend militärisch: höhere Kommanden waren dort stationiert, auch Truppen in ziemlich großer Anzahl untergebracht. Juden, welche sonst den polnischen Landstädten das äußere Gepräge geben, wie wir das in Miedzyrzecze, Nadzin und anderwärts beobachten konnten, waren wenig ztt sehen. Leicht erklärlich, .denn Jung und Alt, Männer und Frauen waren im Tempel. Wir erkundigten uns, wo dieser war, fanden ihn tatsächlich gdrängt voll. Von außen unscheinbar, war er innen schön ausgestattet, von Säulen getragen, mit einem«.Kuppeldach, unter dem die 12.Sternbilder zu sehen waren, sowie andere allegorische Figuren. Die Zeremonien wurden, in würdiger Mi-se «abgehalten, der Kantor und sein Chor sattgen melodisch, der Rabbiner hielt eine inhalte volle Predigt in jüdi«sch-«deutscher Sprache. Int( ressant war es, hier int polnischen Sprachgebiete unter (ehemals) russischer Herrschaft die deutsche Sprache, wenn «auch in judaisierter Form, in ihrer Verschmelzung mit der hebräischen zur ״jiddischen" Sprache, als Verstättdignttgsmittc «des Seelenhirten mit seiner Gemeinde zu Hören, im Gegensatz zu den offiziellen Aufschriften, welche, noch aus der Zeit der Nussenherrsch^ stammend, in russischer Sprache und plagolitischer Schrift erfolgten, darüber auch in der hebräischen Schrift und Sprache. Hier kam Einem die Tätigkeit der Juden als Träger und Verbreiter deutscher Kultur so recht zum Bewußtsein«. Sie Juden! Zeichnet die 3 Kriegsanleihe 1

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