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Jüdische Volksstimme · 1915-10-15 · Heft 24 (15.10.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 24 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 V.N»ßk»«e- Nr. 24 daß Nordalt trotz seiner keineswegs glorreichen Abreise von Frankreich an dieses aus dem Aus- -laude begeisterte Huldigungsartik-el zttgeheit ließ. Daß es auch Juden geben könnt, die gegen ihr Heimatland ״Treue bis in den Tod" üben, selbst wenn sie van diesem Heimatlaitde aufs gransumste u׳nd niedertraglichste verfolgt werdeit. kmm sich Herr Horowitz natürlich, nicht vorstellen. Mit den Kenntnissen der indischen Keschichte scheint er jedenfalls <a!1tf Kriegsfns; zu stehen, sonst würde er nicht?tordatt das znm Vorwurf machen, was in der gangen Diasporageschichte von den Inden als heilige Pflicht erümrtet worden ist: die bedingungslose Treue zum He inmt lande. Inn Jahre 1402 haben unsere Volksgenossen Spanien gewiß nicht glorreicher verlassen, als hente Novdait Frankreich und hellte nach mehr als l Jahrhunderten haben die Inden an Spa- »icit nicht vergessen und Hängelt immer noch mit Liebe und Treue an der Phrenäischeu Halbinsel. Irr seiltert Ansfnhrnngeit sagt?tordau: ״Mit Händen können tvir jetzt das Werk von t Generationen greifen, die alles was sic an Kraft Begabung und Eifer besaßen', daran gewandt haben, das jüdische Volksbewiißtsein zu vernichten und den Znsammeithang, die Einheit, das über beide Weltteile zerstreuten jüdischen Volkes ansz-nlösen. Ich sage es ruhig, wenn auch nicht ohite >t!iefen Schlttcrz: Hätte das jüdisthe Volk sich i 1t seiner geschichtlichen Verfassung, in seinem wenn anchnoch so losen, doch überall kenntlich altem Gefüge erhalten, die Welt würde hellte ein -atnbcrcS Antlitz zeugen. Wir wären heute, wie wir es ilmmer gewesen sind und nicht anders sein, köilnen, das Volk des Gesetzes ttnid der Propheteil. Um den .niilverrückbaren Pol des Rechtes gelagert würden Nur uns vonkeillenl! Wirbel rechtslvidriger So- Phismail nlitre!!ißen, Volt fcittciu Schwindel not iongler Selbstsucht heritmtreiben lassen ... Und wer kann sagell, welchett Eindruck es machen Nüirdo, wennbellte das jüdische Volk in allen Ländern zugleich inmitten der Ausbrüche tollen Hasses und wüster gegenseitiger Beschimpfung die Stttume der Gevechtigkeck vetzuehntcn lassen, den Predigern der Wut und Gelvialt,!dir Botschaft der Nächstenliebe und Brüderlichkeit entgegensetzen, )!>m allgemeinen Wahrsinn das Beispiel der Verivmift, 111 der Tobsucht das der Gelassenheit geben, die volksvergifienden Lügen durch die adjektive Wjahrheit bericht'Wli die menschliche Gesittung und Gorne im schuft gegen wilde Zerstörllngsschlüge beschützen würden? Die Völker würden sich vieMcht aatf sich besinnen, wie von einem bösen Traume erwachen, ihre Verhetzung .abschütteln zur gesunden Vernunft zurückkehren. Von, diesen Worten läßt Herr Horowitz den ersten Satz weg und bringt,mm das Kunstwerk jzustände, den Beweis zu erbringen, daß das ״alte verknöcherte, blutleere Ghettojiltdeutum, das vor dem Säuseln eines welken Blattes erschrack und zitterte" von Noridau wieder herbeigewünscht wird, denn er stellt ja den Worten Nordaus das Eiimnzipatlions- und Aufklärmigsjudentum demoilstrativ entgegen und lobt in überschwänglichen Phrasen den jüdischen Kosmopolitismus, der so bedeutende Männer und Moralprediger wie Rießer. Bamberger, Mendelsohn etc. hervorgedrächt hat. Diese Veudrebnng ist doch ein bischen zu plump um so ohneweiters zu lverden. Oder schätzt Herr HoroNütz die Leser seines Artikels für jso gering ein, daß er der Meinung ist, ihnen alles ein reden zu dürfen? Nun aber zur eigentlichen Sache. Herr Horowitz meint, daß nach Niciderwerf-ung der zarischen Gewalt für die Inden bessere Tage kommen müssen. Lassen wir diese Frage jetzt u'iierörtertAdenn ich sehe vor mir das wachende Auge des Zensors,' der mit seinem Rotstifte! furchtbar ' droht. Ich kann nur auf meine im Ma!i ihi dieser Zeitung gemachten Ansführungen Hinweisen. (״Die Judenfrage im Weltkriege"). Würde Herr Horowitz die jüdische Geschichte pesser verstehen, er lväre mit seinem Urteile nicht fo voreilig gewesen. Das Zeitalter der Neformation, der Enzvklvpädisten, der französischen ptevolittirm, das Jahr 1818 sind die besten Beweiise dafür wie unvernünftig es lväre ans dem heutigen Kriege eine Besserung des Judenlvses Mit erwarten. Außer man ist der Meinung, daß die menschliche Natur durch diesen Krieg eine Uniwertnng erfahren wird und daß sie, was ihr heute abging bekommen wird —- Humanität. Wenn das Inidenle'׳d endlich fct'iv Ende finden sollte, wenn Ahaslver zur Ruhe kommen soll, bam genügt es nicht, den Juden konstitutionelle Bürgschaften zu geben, dann muß die Iudenfrage radikal gelöst werden — auf nationaler Grunde läge. Es gibt heute keinen einzigen denkenden Arier, der das Judenproblem, anders gelöst wissen möchte. Bei der Friedenskonferenz müssen fc״ic Juden unbedingt vertreten sein. Wenn die Groststaaten und mächtigen M'ltnationcn mit Montenegrinern, Serben und .gntzovolachen zusammen beraten werden, daun ׳dürfen sie es auch nicht als cilne Aimnaßung betrachten, daß das Volk der göttlichen Moral dabei seine Stimme hören lassen möchte. Gewiß liegt eine restlose Lö- .sung dieses so furchtbar komplizierten Inden- -Problems ׳nicht int Bereiche des Möglichen, aller her Stachel der Bitterkeit zwischen Juden und Ariern mtiß endlich beseitigt werden. Dieses geht nur durch Schaffung einer selbständigen Heimat für die Juden in Palästina und durch die Sankjt-ion der jüdischen Nationalität in der Diaspora. Die Wofje bürgerliche Emaiuzitpation wie sie Herr Horowitz so schön zu besingen weiß, ist eine Halbheit und trägt daher, wie jedes Halbe den Keim des Todes in sich. Trotz,der EmEzipatioii des Westens müssen die Negierungen immer die Inden schiitzen und im Osten wo es keine gibt, inüssctt die Negierungen die Juden verfolgen: das Nesultait!davon ist das gleiche. Int Westen sind die Juden emanzipiert, weil die Geister entanzipiert sind, weil cs nicht angeht anders ztt handeln. Nicht emanzipiert aber sind die Herszen. Die Aversion gegen die Juden hat!durch die bürgerliche Gleichstellung nicht tun eiin Iota abgenommen. Die Judenemanzipation ist wie No Man in seiner ersten Kongreßrede gesagt hat, das Resultat eiines logischen Konklusimns; rein Verständnismäßig vor sich gegangen. Nicht die Ueberwiitdiing der Jud>enfeindschaft, sondern der Zeitgeist ist ihre Vevankiassung. Daher trotz gesetzlicher Gleichberechtigung, der wüste Judenhaß des finsteren Mittelalters. Sollte also den Juden wirklich ein besseres Schicksal beschieden sein und sollte, was ich vom ganzen Herzen wünsche , der Zweiverband durch sei,ne Siege die Jtiidenoinlanzipatiou nach dein Osten tragen, damit verlange ich aber, daß die Emanzipation eine Ganzheit sei und daß die Ztiftäude, die heute im Westen herrschen, nicht nach dein Osten verpflanzt werden. Aron Schwertfingcr. Das Leichenbegängnis des Vize- Präsidenten Dr. Gustav Kohn. Hunter ungewöhnlich großer BeteiltMng wurde Montag.der Erste Vizepräsident der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde und Mitglied des 11 iederösterreichischeu Landesschttlrates Dr. Gustav Kohn zil Grabe geleitet. Ein großer Traulerzug gab dem TotenPas Geleite durch.die Straßeu, in denen zum Zeichen der Trauer die Gasuatevuen brannten. Der Leicheuzug nah in seinen Ausgang vo-m Sterbe-Hause in der Hahngasse. Hier versammelten sich zahlreiche Würdenträger des Staates und der Stadt und Mitglieder der Gesellschaft. Unter den Anwesenden waren zu!scheu: Statthalter Freiherr v. Bienert, Vize-Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates Khoß v. Sternegg mit mchreren Mitgliedern dieser Amts stelle, Polizeipräsident Freiherr v. GornP, Gemeinderat Dr. Oskar Hein in Bertreitnng des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner, als Vertreter des Barons Louis Rothschild Prokurist Oberleutnant Richard Bettelheim, der Präsident der Advokntenkammer Dr. Ritter v. Feistmantel, der Landessanitätsreferent Hofmt Dr. Nitt-er v. H-ellh, die Hofräte Edmund 61aher, Professor Dr. Lieben, Berstt, Dr. Schlag, Dr. Löwin er, der Vizedirektor der- Univeisttätsbibliotbek Regierungsrat Dr. Frankfurter, Regierumgsrat Januschle, dann der Präsident der israelitischen Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vize- Präsidenten Hofrat Dr. Nappaport, nahezu sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes mit sämtlichen Bethansvorstäuden, den beiden Sekretären kaiserlichen Rat Dr. Lieben nnd Dr. Emil Adler, de!»! Obmann der isvaelitischeu Versorgn-ngsanhalt Salo Cohn, sämtlichen?.Mitgliedern des Viallbinatskolleginins, den 61emeinderabbinern und den Nabbiinevu der Verei-iisbethänser, den dienstfreien Beamten der Kultnsgemeiilde, den Obmä-imtern und Vorstandsmitgliedern der Vereinsbetbänser in den Wiener Bezirken; dang der Vizepräsident der isvaelittschen Armenanftalt M. A. Pollak, als Vertreter des Bezirksschulrates Dr. Markus Spitzer mit Herrn Josef Fuchs, die Neichsratsallgcordneten Hofrat Freiherr v. Hock und Dr. Ofner, der el)emalige Abgeordnete Wrabetz, die Gemeinde rate Dr. Ritter v. Dorn, Hohensttmer, Medizinal rat Dr. Löwenstein, Melcher, Dr. Mittler und Neustadtl, Bczirksrat Weil, Wetter die Professoren Hofrat Dr. AÄam Politzer, Dr. Ehrntamn, Dr. Josef Pollak, Dr. Ludwig Braun, der Direktor des Rothschildfpitales Primarius Dr. Fleischmiann mit dem Ver- Walter Koranhi, der Direktor des israelitischen Blinden Institutes kaiserlichen Rat Heller, der Direktor des Freiherr Springerschen Waisenha-ttses Alexander .Hecht, eime Abor.dlnimg der isrlaelitischen Kultusgenteinde Prag, geführt vom kaiserl. Rat Troller, der Präsident der israelitifchett Knltnsgemeiiude Budapest Ludwig Adler, der Präsident der israelitischeit Kultusgenteinde Lemberg Dr. Schaff, eine Abordntt׳ng der israeli-!tischen Kultusgenteinde Baden, geführt vom Präsidettten Direktor Leitner, Abordmmgen der Kultusgenteinden Brüim imd Wienervh'eustadt, geführt vom Vizepräsidenten A. Weiß, eine Ab- .ordmmg der israelitischett Kultusgemeinde Möd- King, der Leiter der israelitischett Militärseelsorge Dr. Frankfurter mit den Feldrab. Dr. De titsch und Dr. Fredo, der Präsident des israelitischen Hnmainitätsvereines Wien der ״Bnat Brith" Dr. Matz Eisenstädter, Vizepräsident Dr. 61ustav La-ngsteitt, der Präsident des israelitifchen Hu-!mianitätsveremes ״Eintracht", der ״Bnai Brith" UniversitätsP'rosessor Dr. Wilhelnt Noch, Polizei-!Mt Heinrich Brix, d. Vizepräsident der Verkehrs- Pank kaiserlicher Rat Leopold Langer, der Direktor der Creditaitstalt Dr. Hainmerschlagt, Direktor der Eskomptegesellschaft Wilhelm Kux, Direktor der Verkehrsbank Dr. Sachsel mit dem Vizedirektor kaiserl .Rat S. Brüll, die Schriftsteller Jlllins Stern, Dr. Josef S. Bloch, Siegmiiind Skrein, Josef Perlberger, Dr. Ludwig Szrbvlci (Budapest) imd kaiserlicher Rat Lichtenstodt, von der Zentralstelle für jüdisches Arm- Wesen: kaiferlicher Rat Dr. Krüger, Karl Freund, Anton Beck -und Dr. M. Löwh, von׳ der Israelitischen Union Vizepräsident Dr. Ornstein und Sekretär Fleischer, die kaiserlicheit Räte Sach v. Sachsenhall, Moritz Malz ner, Paul Lembrger, Steinhübl, eine Abordnung der Israelitischeit?lllianz, für den Verein ״Ki-nderschutz" Notar Dr. Bergmann-, die Jitduftriellen Karl Lemberger, Matthias v. Löbl, Dr. D. Schwarzmainv, Krcmenetzky und Julias Wolf, die Koimüierzi-alräte Moritz Hacker, 61ottlteb Kantor und S. Rosettzweig, in Vertretung des Ver-ei׳n-e!s der Fortfchrittsfreunde Obmann Konstantin N-oske, Obmannstellvertreter Dr. Skrein, Max Htller und Schriftführer Löwenberg, eine Abordnung des Kaiittorettvereines unter Führtkttg des Oberkantors Bauer, vom Käi-ser Franz Josefs-Ferielthe int Fnau Dr. Zins, Fra-u Rosa Frehberg, Karoline Deutsch, -v.Wohltätigkeitsverein ״Frauen- Hort" Fra.tt Negine Kopfstein und Frau Bettel- ׳heim, die Hof- und 61erichtsadvokaten Dr. Moritz Ascher, Dr. Theodor Banntgartelt, Dr. Julius Batlmgarteit, Dr. Karl Berneck, Dr. Jakob Ehrstich, Dr. S. Elias, Dr. Albert Kuh, Dr. Pappenheim, Dr. Alois Nuziczka, Dr. Schitepp, Dr. Türkel, Dr. 61eza! Winter und Dr. Winternitz, Direktor 61lücksthal, 61eueralinspektor Arttter, Ehest larzt Dr. SchnePP, Dr. I. Schallt, Direktor Fischer der israelitischett Kinderbewahraitstalt, Schttldi rektor B. Planer, der Vizepräsideitt der Zionistischen Vereinigung Josef H. Waltuch, Professor Josef Stttzer, Professor Nasche, der Obmanit des katlfmännischeit Kaiser Franz Josef Jltbileumswaisetthanses Benedikt Kni׳na, 61ene- Balkonstil Hirsch, ferner warett folgende Frauenvereine vertreten: Weibliche Fürsorge (Frau Dr. Feuchtwang n. Gri'vuävald), Erster Fraueuverein .(Frau Dr. Steiner und Professor Roth in Vertretting der Frau Baronitt Charlotte v. Köitigslvarter), MädcheiumterstütztilitgL'.vere i n (Frau kais.?tat Schütz und Frmt Direktor Illmann), Wöchueri'Mtenverband (Frau Dr. .Herzl), Israelitische Volksküche (Frau Oberrabbiner Dr. 61üdeniamt und Fmilt Kadisch), Kiilderbelvahraiistalt!(Frau Kauder und Herr Direktor Fischer), .Kaiser Franz Josefs-Ferieitheint (Frau Dr. Zins und Nosa Frehberg), Frau Kopstein, v. Doctor und Soplste Deutsch für den ״Fwiueuhort", dem die Gattin des Verowigtett als Vorsteherin angehürt, ״Phila'N'throPia" (Frau Gmalie Beck und Nobl), Hietzinger Verein (Frau Dr. Kreubcrger), Flo-

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