Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 24 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wlches K!ie göttliche Offenbarung ihm M Obhut für die Menschheit übergab. Gott in seiner alles dvraussehenoen Weisheit hatte aber die Erz rehuryg JsrMK Nrit einer vievlMdertjährigen Sklaverei unter k ekbtrrmtmgslosen ägyptischen Hi!rm begonnen. Israel wurde ׳dtt trefflich «a!ngeleitet und eingHvöhut, zu gehorchen, den: Gesetze׳ und dom» Zwa.nge sich zu uik,kew!rjdnen. Es anitwor- ^tete darum nicht, -wie einoberflächlicher Leser glauben föiUfttiK*.׳, voreilig und unüberlegt, sondern wie em divrch Evfährmig gereifter denkender Mann auf die göttliche Frage!durch Moses, ob sie das Gottcsgesetz anzunehlnen bereit seien <Exod. c. 2ä, 7)j.. ״Alles was Gott gesprochen, wollen wir tun, höreri üüd verrohen". Verwun- .׳dort fragt da so mancher: Wie kMN man ein Persprechen geben, eine Lebensfühvrmg, selbst Wenn« sie von Gott augeorduet wird, cmzunehmen, zu betätisgen, bevor tnan sie kennt und ein richtiges Verständnis,dafür« erlignigt hat? Gerade dadurch bekundete das unwisseuoie Sklavenvolk seinen gesunden gottvertrau enden Menschenverstand, .iuden: es erklärte: Wir wollen das Gottes-- ftesetz soMnltig ansübcn, m ums ei!n leben lassen, es zu unserer LebenstätiMst Machen, bis es u,n!s Unzertrennlich veMküjde.ii tlü'd eigen ist; dann erst wollen wir es ernstlich unseNeM Verständnis näher bringen, zun: Gogenswjnd unseres eifrigen )ligchdenkens in-achen, i-n nhsern Geist aufnehinen, bis er Geist Vom göttlichen Geist ,:Wtvöroen ist. Diese öffentliche Kundgebung Israels vor Jahrtausenden -a!m Berge Sinai entlockte gleiche sam Gott den: Herrn den Ausruf (Sabbat 88): Wahrlich Israel hat meinen Welteupliau erraten: ,,Nicht durch die Allgewalt der Waffen, nur durch die unbesiegbare )Nacht der Thora, der Religion und Sittlichkeit wird den Menschen auf Erden der dauernde Friede gesichert", Nicht die Stärke der Waffen, Glicht deren verhoereNd«e Wirkung, ׳n׳icht die schrecklichen Opfer, die sie fordern, köunen und werden jem«a!ls die Menschen abhalten, Kriege zu führen, aber die religiösesittliche Macht, die Menschenherz und Menschensinn, dev Völker und Reiche beherrschen wird, die wird und muß den Kreg unjniöglich machen, wird die Menscher: vor diesen unermeßlichen Opfern zttrückschrecken lassen und ihnen den rmabänderlicheir Willen aufzwi-ugen: Ende aller Kriege! Das ist Zweck u. Ziel der Thora, dieser unvergleichlichen Grgiehurrgslehre «der Menschheit zum Frieden. Jedes Wort der Thora von: ersten bis zmn letzten gilt den: Frieden der Menschen, enthält die große Friedenslohre für Israel und die Menschheit. Selbst die Kriege, die darin beschriehei: werden, sollen nur ein, Ubschreckungsjmiittel ,für die Menschen sein!, eine Scheu vor! dein Kriege Hervorrufen und zum Frieden erziehen. (Tanch. Lewit. 7, 11 z. St.). Die 10 Gebote geben abgefef)cu von ihrem Inhalte schon! burcfj die äußere Form die reichste und erschöpfendste Anweifunig zmn Menschen- -und Völkerfrieden auf Erden. Das erste Wort auf der ersten Tafel lautet: ״Ich Gott" und das letzte Wort aus der zweiten Tafel heißt: ״Dein Nächster". Damit wird -cmsgesprochen: Ju allen ׳deinen Angelegenheiten und Verhältnissen, in deinen: Verkehr und Umgang, in deinen Beziehungen u. deinem Verhalten zu den: Nebenmenschen stehst du und dein Nebenmensch, steht ihr beide gleichmäßig Unter Gates Auge, u1:׳ter seinen: Schlitz und seiner Obhut ,unter seinem Gesetz, Urteil und Gericht, uüißt ihr beide von sctimenr Willen euch beherrschen lassen. Er ist über euch. Durch den steten unverwandten Hinblick loiuf Gott in allen Handlungen erlangt ״der Nächste" d. h. das Sittengesetz seine stärkste Macht, seine alles bezwingende, alles beherrtschende Kraft. Nicht ׳das Gewissen!dies Menschen, nicht sein Geist, nicht seine sittliche Veranlagung, nicht seine Zugehörgkeit zur ethischer Gesellschaft kann den Menschen erfolgreich zwingen, gegen den eigene:: Nutzen und Vorteil von einer unsittlühen Handlung abzulassen, einen sehnlichen Herzenswunsch, einer sMdhaften Begierde, einer brennenden Leidenschaft zu entsagen, sie ganz llnd gar Preiszuaeben. Nur der Hinblick auf Gott auf die höchste Macht, welche Welt und Menschen beherrscht, der Gedanke an Gott, der!allem und > jeden: seinem Willen aufzwingen kann, wird den:> Krieg sein Ende bereiten. Die Sittlichkeit, ist ilur dann eine wohltuende Führer::: durch, das menschliche Leben, wenn sie von den: Ge da::-, ken begleitet ist, Gott wacht über sie. sie siebt, unter Gottes Obhut, unter seinen: Schutz undj Gericht. Das Bewußtsein, frag es ein allsehendes Auge, ein alles vernehmendes Ohr, daß es einen so sehr,ihr Augenmerk darauf richten, die Rüfkrnallwissenden Dichter über uns gibt, darf den' gen zum Kriege ins Endlose zu mehren stets neue «* T i *4 %• I* J>if» Ah im* \ O a O .. CTl.. . .......!ii .f Y. Y.. * _ Menschen nicht verlassen, dann lebt er sittlich und Idar sittlche religiöse Mensch hält auch Frieden mit den Nebenmenschen. Em Weiser sagte einst (Vemch. 28, 2): Würden die Menschen sich ebenso vor Gott fürchten, wie sie des Menschen neugierlgcs Auge, sein lauschendes Ohr, seine geschwätzige Zunge fürchten, wemv sie eine unsittliche Handlung begehen wollen, dann!gäbe -es keine schlechten Taten, keine schlechten Menschen und keime Schlechtigkeit auf E:Hen. Die Furcht vor Gott muß der unzertrennliche Genosse der Sittlichkeit sein, «dann ist die Sittlichkeit die ׳stärkste, un-besiegbare Und rmerschüttovliche Friedensluacht, die den Frieden unter den Men- ׳scheu und Völkem begründet und dauernd erhält, Ierstörungs- und Verheerungsmittel herbaizu- -chcrfferr, Waffen invd Werkzerrge zu noch nicht dagorvesenen und :««narre ichten Maffeniuordeu gm fertigen zu lassen; diese werden die Kriege nicht verhindern, nicht anfhalten, werden vielmehr stets nur ei,n neuer Anreiz zu Kampf und Krieg sein. Die Menschen m:d Völker müssen von frü- Hefter Kindheit mit sittlicher Kraft, mit niorali- «scher Stärke ausgerüstet werden, :::üssen zur Zügelung und Zähmung der Begierden und Leidenschaften durch Gott, Religion unidSittli'chkelt erzogen und ausgerüstet und gebildet werden, müssen belehrt werden, daß nur Gott das Verhältnis den Menschen und Völker zu -einander bestimmt, ordnet und überwacht, dann herrscht die stärkste unbesiegbare Friedensmacht auf Eyden, beherrscht und bezwingt jeden Anrcliz zum Kriege bei׳ den Menschen und Völkem. Die Bernichtnng des Tieres im Menschen, der Sieg über das Tier im Menschen ist aller Kriege Ende! Die richtige Mitte. In Nr. 23 der ״Jüd. Volksstimme" hat Herr Bernhard Horowitz in einen: Artikel der obigen Ter jetzige traurige Weltkrieg bringt uns Tag für Tag die kann: glaubliche, nicht :uögliche, fast nicht denkbare schmerzliche Erfahrung, daß «von den höchsten Stellen, die vorbildlich für die! «große Menge sein:, sollten, das Sittengesetz mt׳t| Füßen getreten wird, besiegeltes, verbrieftes,; allgemein a::.or!kan.:ttes Völkerrecht ohne Scheu Mit Vorbedacht -verletzt wird, we-A bei allen Sitsie::gesetzen und Völkerrechten das weife Wort der Thora in ihren: Sittengesetze (Levit c. 19, H . ... Mt: ,Hükchte deine« Gott", ich Gott bin dokl^berjchrift. den «.,Whmngm Nordaus über Wächter der Moml, Fiirchtet nwit 1»icht 2׳^-״ •,}Ui-cn 1m& fwc 3[bc[tfncä entgegcnzutretcn erkennt traut imctyt Gott als Herrn, citS Wächter! bersl:cht. Wenn ich n-im Herrn Horowitz hier Md Schützer -er Sittlichkeit, taut hat das antworten werde, so geschieht cs nicht um Norta, Sitte,,gesch jeden Wert u«d jede Bedeutung ver-! zu verteidige» - das hat er walMcheinttlch nicht iloren notig, u. ich werde nur auch eme solche Unbeschei- , . . , delcheit nie zuschulden kommen lassen: sondern Noch auf eilt zweites Frtedenslnittel weisen itn» meiner Empörung darüber Ausdruck zu geben jd>ie beiden Gesetzestafelm! hin. Das letzte Gebot daß Herr Horowitz die Preßfreiheit dazu mißauf der zweiten Tafel lautet: ״Du sollst nicht braucht, ׳um in Nordaus Wjorte Unrichtigkeiten begehren". Du sollst den Begi,erden und Leidenhinein zu konstruteren und -ihn: daun bei Entgeschäften Schranken zjiiehen. Wan«u ließen sich Begentretung «des aller Trivialsten zu beweisen, daß glerden in chr«er uugestülnen Leidenschaftlichkeit^ ^1,- Unrecht hätte. jziigcln? Wer hat die «i.׳rwAtig-nde Macht, den« Nord.« hat mit dev ihm gewohnten stMstisturnrgepckitjchten Wellen einer Uigellosen nicnsch- Knnstfertigkeit, mit den flmnmenden Wor- Uchei! Wildheit den Mchenden Da-nijin anfzudas Schicksal des JudenvoikeS m dieser ,führen imo das ״Bishiehcr 1»cht w«ter ^xchtbar«« Zeit geschildert, evfolgveich zu gcMtMt Di« Antwovt auf diese, ,,;keinem Volks schlägt -der Krieg so fitvch. Frage gibt Wi-eder das erste Gebot auf «der ersten tcrUti)c Wu'nden, wie den: -jüdischen. Es kän:pft Tafel: o0ch, Gott. D:e stegireiche Macht, die der blutet in allen Heeren. Es übevsät :nit seinen Leridenschaft gebieten, sie beMimgen :md bchwr-. pichen alle Schlachtfelder. Es stellt Verhältnis- ,)chen kann, ist der Gedanke an Gott und fern r>v^ig md}X Soldiaiten als jeder andere Volks- Gesetz. Betrachtet man d:e zweite Tafel-von oben wird in größerer Zahl mr Haus und ,bis unten, von: ersten b:s zum letzten Gebote, da H^f vertrieben als die Belgier. Es wird Wirtfolgen auf -öiinander die Worte: ״du sollst :ra)1, fchaftlich schliiwner zugrunde gerichtet als die du darfst,::!:cht d:e gegeben Schranke durchbre-, Framzosen der besetzten Departements und die chen. Das Leben w:e die Gr/fahrung bestätigen Serben. Es erleidet Mordmng, Schäudu«ng, Koldes Ausspruches rmserer Wersen. wrung, Plünderung wehrloser, :nassenhafter, (Aboth 4, 21): ״Ne.1d, Begrerde und Ehrgoiz teuflischer als alle Bevölkerungen die an: heftig- -fuhren den Menschen aus der Welt . Neid der ^en gegen die Scheußlichkeit vertierter Feinde Menschen und Volker, «deren Haß und Leidenschaft u״m ,^Simmel schreien etc" gw die S-fShrMen Feinde und Störer des,' Horowitz tröstet sich damit, dich diese Wivnfffuvn.־ •mi-h hi(' (Srrf'ni'V illlpr . . erschreckendsten Bildern führt mis jeder^Tch>,entschc.1 und Oesterreichern zu Last Men. ncnevdmgK vor Ar«gen, als waren m den, Welt-, Nordau habe übrigens den Vcrbnnldeten der kriege die Menschen.und Völker von einem Ende der Erde bis zun: anderen von einer Widernatürliichen Ka:npfeswn>t :vnd Ka:npfesra.serei ergriffen uinjd wollten mit allen ihren Kräften rvnd Mitteln die Erde u׳n,d ihre Bewohner trotz den bereits gefallenen MUlli-onen von MenschenpspfLvn nicht zur Ruhe -und zun: Frieden ko,:::!:neu lassen und doch ertönte -die Gottesstimine schon vor Jahrtausenden vom Sinai: ״Du sollst nicht töten!" Das ist nur eine Schranke, doch es folgt eine der anderen in den zehn Geboten, um zu sagen: Das ״einzige Erzi ehnn-gsin i ttol der Menschen zur Religion und Slttlichkeit besteht in der Beschränfimg, ׳m der Beherrschung des Willens, in der Zügelung der Begierden ׳und Leidenschaften. Siind erst die Menschen und Völker erzogen, hera«ngebildet u. eingewöhut ,sich selbst zu beherr- ,scheu; haben sie die sittliche Macht, die Gewalt über sich selbst, sich Zügel «anzulegen, wenn der Neid den begehrlichen Blick von: Verbotenen, vom fre:nden Gute nicht abwenden will; wenn Haß, Neid und Nachsmht den Fei-nd vollends zngvnn!de richten will; wenn das ׳niunnersatte Herz mft: Mehr und noch :::ehr! Dann wird die religiösesittliche Macht die stärkste Friedensmacht ans Erden sein, dann wird das Ende der Kriege herveigekummen sein! Um de:: Frieden auf Erde:: zu sichern, :nüssen die Völker, die Staaten, die Negierungen nicht Russen, den Fra,nzosen Loblieder gesungen und ,ihren Sieg gewünscht. Ergo — sei er sekundärer Folge für das entsetzliche Verbrechen, begangen an unseren: Volke selbst verantwortlich. Ich habe ׳absichtlich Nordaus Worte genau wiedergegeben und frage nun seiden denke»rden Leser, ob Nordau nur in einer einzigen Silbe für die Greueltaten an unseren: Volke den Zentra!verband beschuldigt hätte. Ich frage aber auch Herrn- Horowitz. wozu er denn plötzlich den Zweiverband von diesem Verbrechen «an unserem Volke rechtfertigt,!bb ihn: doch niemand beschuldigt hat? Mit dieser Parto:>n.ahn:e für den Zentralverband hat Herr Horowitz, wenn auch unter den: patriotischen Mantel verborgen, e-ille gewisse Absicht bekundet und ich überlafs-e es jedem anständig denkenden Leser, -eine solche Kalnpfesweise zu beurteilen. Als ich diese ganz eigenartige Interpretierung der Nordauischer Worte las, «dachte ich an jene Versa:::1n:,luug zu Sparta, in der ein Redner den Herakles zu verteidigen begann und Plötzlich durch den Ruf unterbrochen wurde.: ״Ja w e:י hat ihr: denn angegriffen?" Dennoch sehe ich mich vera-nlaßt die Handlungsweise des Herrn Horowitz 'öffentlich zu beleuchten, weil er für seine gelehrten?susführungen ein in jüdischen Kreisen mwrkanutes Bliatt veiwendet hat und dieses da«her zu nmnchen Mißverständnis?tnliaß geben könnte. Herr Horowitz tut W::z entrüstet ida-rüber,