Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 23 (29.9.1915)
- Date
- 1915-09-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9t. 23 6rfk. 3 Hundfcfiau. Das Bairemfcst der Mohammedaner. Im! ״Beiyliuer Tagblatt" von: 12. September l. I. ')kr. 406, 4. BeAage erschien folgende Notier Bairam. In de!r Abenda,usgabe i>e8 ״Berliner Tagblatt" vom 23 August enüvlilrft E. Ludwig eine anziehende Schilderinng von der türkischen Feier des Bairen!festes u. wnnd>ert sich über den Brauch, da!ß btiie Gläubiger beM! Kadi als Zeugen ihre Wah-rnehnming über den Mo,ich!, Größe, Gestatt \u. s. w. zu Protokoll geben und mit ihren )tarnen und Vatersnamen das Schriftstück uinteirzeichnen. Es txvirb zweifellos -iNterefsiieren zu erfahren, daß karrt Talmud Traktat, Nosch-Hascho- >uoh 24 genan nach demselben Vorgang iin Palästina vor der Teinpelzeglstörung, das Erscheinen das Nannronides vor dein: Obe!rha,npt des Synhödriunrs Ärrrch die LWzeugen bestätigt wurde. Diese Prozedur erschien daher notwendig, weil rrach dem Neumond!diie Jahves feste fe stgesetzt lvurden. Auch der Na!ne ״Bairam" Dom persi: schcn ״Bi>ran" gleich Bohret, weist!auf das Hervorbrcchen des Mon!des hin. — Miese Notiz sei hie<riln>i!t auch den! Leserkreis der ״Jüdischen Volks Mm me mftgeteilt. Dr. I. Eisenberg. Kardinal Vaßary u. d. antisemitische Professor. Das ״Neue Pester Journal" wröffcutlichte folgeude Episode aus dmu Lebcu des Fnrstprimas Kardiinal Kla>udiius Daszary, die ein glaubendes Zeugnis von. der Toleranz ׳des verblichenen Kirchcnfi'msten abgibt. Als Naszairy!roch als Erzabt von Pannon- Halma das Benediktiner Gymnasium besuchte, Kilos; er sich m der 'Regel mit dem Oberrabbiner Dr. Schn-iitzer tkn ein Gefpräch ein und pflegte sich ibeli -iihm zu e>rku«ndi!geu, was es tn> der Stadt Noues gebe. Einmal sagte dev N,a!bbiner gang aufrichtig: ״Alles beim Lllten. )öur im Gyiunaifintitnt haben wir einen neuen Benediktner, der werm er ein solch vorzüglicher Professor wäre, )nie er e,iingvoWr Antifeunt «st, wirktiich der bmjühn!- teste Pädagog des Landes wäre". Zlvei, Wochen später wmide der Betreffende auf der Oekonomte .dies Kardinals angeslellt und an setijne Stelle «ns Gymnasium eine neue Kraft geschickt. Heimkehr von nach Rußland verschleppten Juden. Dieser Tage kam eil 427 gaDzische Inden, die nach Rußland verschleppt waren,!iU Lemberg au. Das ״Lemberger Tagb-latt" berichtet darübev: An! 28. April haben die Russen!i it Tlo matsch alle Juden i>m Alter von10—8 ׳ Jahren als Spione Mchaftet und sie nach Zlotschow gebracht. Dort nahrn die jüdische Gemeinde sich der Vertriebenen an nnÄ ihre Lage lvar lejidlfch. ״Als jedoch die )küssen Lemiberg verloren", so erzählt einer der Vertriebenen einen! Mitarbeiter des ״LembeUger Tageblattes", wurde rmsere Lage von Tag zu Tag trauriger, die Mißhandlungen maincu!nicht mehr zu ertragen, Hilfe von,seiten der Zlotschower Juden durfte uns n!icht mehr gckvähvt werden. Viele sind H!u!.gers gestorben. Am 20. August abends hat man uns versa!!!- melt und hat uns in!der Nacht von Freitag auf Samstag mit verbundenen Ange!! durch die Feuertiinie geschickt. Mir sind glücklich zu den uusri'gen gelaugt, von denen wir mit Freude aufgeuonuuen Wurden.". Der Durstqual der jüdischen Flüchtlinge. In! der Dmuaisitzung von! 30. August wurde die Frage der Flüchtliünge erörtert. Der jüdische Abgeordnete Frlidmanu erhob gegen die rücksichtslose BelMMung der jüdischen Flüchtlinge Einspruch, die schon An saug Mai aus Kowno und Mljllna vertrieben, nach Sibirien geführt und als Verräter gestempelt, von einem Gouvernement ilus andere abgeschobeu wurden. Die Behörden hätten sogar verboten, ihnen Wasser zu geben. Der Sultan und die türkischen Juden. Die Wiedereinsetzung des Sultans hat in dein Kreisen der jüdischen Bevölkerung des türkischen Reiches grenzlose Freude hervongernsel!. So wie lvährend dev Krankheit des Sultans in sämtliche!! Synagogen der europäischen und asiatischen Türkei fast un!n!nterbrochen Gebete für die Wiedorherstellrmg seiner Gesundheit verletztet wurden, so erschollen bai der Kunde selbreir Genesung in den jüdischen! Bethäusern aller Ritten Dankes- Hymnen. De!r Großyalbbiner der Türkei Chain! Nahm!!, erschien wiiedcirholt in! kaiserl!>chen Palais, un! sich über den Zustand dies Sultans zu!erkundigen. Als er in Begleitung seines Sekretärs in! Palrbs erschienen war, un! die Freude, dier jüdischen Bevölkerung über die Wiederherstellnug ihres kaiserlichen Herrn zu verdolluetschen, erfuhr der Sultan, dhe Anwesenheit des Großrabb'inors. Se)i!ne Majestät ließ durch den ersten .Kanzler Tewfek Bei u!!!d den ersten Sek!-etär Fnad Bei! dem Großnabbiiner und durch ihn der jüdischen Bevölkerung seine Grüße übeir- ׳!!Mitteln und seine Frude über die Anhänglichkeilt der Juden an! Thron und Vaterland aussprechen. Verein zur Errichtung von Volksküchen nach isr. Ritus in Prag. Den! Vereine!i!st es bisher, ohne feinde Hilfe tu Anspivuch zu nehme!!, unter unsäglichen Opfern gelungen, seinen! hohen Ziele uachzukomme!!: den Kriegsflüchtliingen Prags un! ganz billigen Preis streng koschere Kost zu verabreichen. Das ist jetzt anders geworden: seit niehr als zwei Monaten ist die Zahl dgr — meist gä!!glich!nittlellosen — streng frommen Soldaten, die als Verwundete oder Kranke in den Spitälern und als Gchunde in den Kasernen nntergebracht sind und deren Koscheir-Vevpflegung der Verein i!n Evmangelnug anderer Faktoren selbst ohne Entgelt übernahmen innßte, nngemeiin, angewachsen; uinfero ׳oh!nehi!n ganz geringen Mittel sind bald zn Ende ltimb wir müssen, wenn nicht bald Hilfe koinint, unsere Tätigkeit einstellsn. Whr wenden uns daher a!n die jüdische Oe!ffcntlichkeit mit der iiauigstel! Bitte, den! Veveiuie durch möglichst,aiusgflebige Unterstützungen, sei!!es!durch Eiuzelne oder!ganze Korporati'onen, die Weilerführung seiner Aufgabe zn ermöglichen. Geldspenden werden erboten an! Dr. Lieben, Prag, V., Biilekgasse 3. Isr. Militärscelsorge der k. u. k. 4. Armee. A1׳!j die Frauen M. u. F. Gri'uiwald, Wien. Ihr Work ״Saatküruer" habe mit Vergnügen gelesen. — Es atmet darin! warnws religioses Elnpfüinden und wirkt beigoifte-vnA und! erhebend,a>nf alle Leser; den.!!! wahre Gefiihle präg-!!gut, dichterisch zun! Ausdruck gebracht werden, da sie aus den Herzen konnnen, auch zun! Herzen gehen. Tarn!!! ,ist das Biichlejin! wert, daß es die tveitesw Verbreitung ftlnd.e — Nan!entlich nnsereu Tapferen in! Felde köNjnte es in! den Nnhe- Pausen dies Kaiupfes ja selbst!i!!n Schützengraben n!jit frst'-chen Begeisterung beseelen und -zu neuen ,ruhmreichen Taten, ,auspovuen. Den Verwundeten und Kranken bietet das Büchlein!, Liindieru-ng!!ud Trost ini i hren Leiden. Empfangen Sie daher meiner! besten Dank und mailne besondere Auerkennnng für di<׳s!e Ihre Lk'besgabe. Ergebenst Feldrabbiner Ignatz Löwy Die Judenfrage tu England. (Originialbericht dies ״Indischen Archivs".) Diie enge Verbindung Rußlands mit den Westniächten hat viele i!!! sie gesetzte Hoffun-nger! enttänischt.^ So ist vor allen! die erwartete, günst!i!ge Beeinflnßuug -des reaktouären Rußland durch die traditionellen Vertreter moderner und freiheitlicher Grundsätze ansgeblieben. Rußland ist in! Kriege nlicht englisch oder französisch, sonderu russischer gelvorjden. Es hat weder ׳seine Art, die Völker zu regieren, noch auch sv'ine Kaiupfesweise den?lnschamuiigen der zivilisierten Verbü!!- deten augepaßt. Hingegen hat die lreitgehendste Rücksicht-- nähme auf die Junerpolitik Rußlands iu Engländ nützdi Fmukreich solche Erschei>nuugen geze!igt, daß impin/ füglich von einer Beeinflußung in russifchem Sinne sprechen kam!. An! deutlichsten erkeulübar wiird dieser llinswud in der Behanidlnug Eier Judenfrage. Mahr noch iu England als in Fvainkreich. Die festgewurzelte! englische Traditiou scheint ,auf den Kopf gestellt, )licht der schi'lchternfte Versuch wurde bisher!mternl-uynen, den russischen JudenverfolMMgen Emhalt zn tun. Dafür werden diie Juden in dev Presse und in! Parlamente nach -einer Metode bekänrpft, die der irückständigsten russischen Hetzpresse entlehnt erscheint, nach der Metode ׳der sinnlosen Verdächtigung. Vorbildlich wi-rkte,das Verhalten des ״Tiiues". Jede Nunnuer enthält ei,neu Ausfall gegen Ansländische und -oinMinnsche Inden. Der Meldung bou! Falle Libans fügte d<!s Blatt die Daiuerkung!h'lnizu: ״)nachweislich durch jüdischen Verrat". Es berichtet -weiter, daß ״vier Fünftel der LEaner Geschtiftsleute deutsche Juden stnd, welche den! Einrücken der Deutschen Hoffnnugsvoll entgegensehen!" Di>e Lnsitan.i!a-Affäve wurde gleichfalls wen ätzt, un! die Wnt auf die Juden zu len ken. Tie ״Tin!es" schreibt: ״D.1׳e bodeutsainste Erscheinnng -ist die zügellose Freude Hamburgs und der jüdische!! FlNanzpresse in! allgeinoinen üben.1 die Zerstörung eines so wichtigen Schiffes und eines -fo verhaßten Nebenbuhlers." Diese Art Tairstellnug ha!t sofort traurige ׳Resultate erzielt. Mit den antideutschen Exzessen, -welche nach d. Untergänge der ״Lnsitania" stattfanden, wurde ׳ckpe Juidcnhetze verbunden. In London, insbesondere im jüdischen Ostend, wurden neben wenigen deutschen sehr vrele jüdische Läden zerstört un«d mrsgeplündevt. Besonders stark hoben die russischen Juden gelitten. Ebenso Unurde Ar Johannesburg (Südafrika) vorgega«n>- gen. In! Londoner ״Jowish Chronicle" sind ausführliche Schilderungen enthalten. Und iin! englischen Pa>rlan!e!!te sind nngewöhnte Klänge zn Hören. An! 24. Jnn,ii wickelte sich folgende Debatte ab: Sir Alfred Mairkhan! (Zechenbesitzer und /linksliberal): ״Ist es diie Absicht des Kriegsmi-!!!iistertnins, ein neues Lazarett imi Surrey auf Kronland zn errichten? Sind di!e Frei Herrn Bruno von- Schröder und von Laurenz, sowie die Herren Günther, Do!!l!!er, )teilte und Bauinann die Förderer dieser Mistalt? Wenn ja, lom'nm hat:nicht Freiherr von: Schröder sein Haus zn didsein Zwecke hovgegeben?" — Mr. Tennant .(Unteirstoatssekretär des Kriegs): ״Ihre Könißgl. Hoheit die Priiinzessli! Christiait lst die Organisatavin!dieser Anstalt." — Slr A. Markhai 1!: ״Wäre es nicht für dein Staat vortei lhafteir geweden, trenn, dlas große Hains dieses nicht!latural'i!- fi'erten Ausländers zn diesen! Zwecke beniutzt worden wäre? Können Win niicht das Gield dieses deutschen Juden benützen, anstatt den! Staate neue Lasten anfzue׳rilegen?" Ungernein bezeichnend ist die Aktionder englischen N!egieru,ng gegen das bisher tu Engfand oft gespielte Dr!G!1!a ZeH1gw!i!lls ״Der Schmelztigel". Dar Held des Stückes ist ein jüdischer Künstler, der zufolge eiiies Pogroms aus Rußland flüchten umßte. Aus Furcht vor 'Rußiland fand!es die Negj!srun,g des zensurfreien England fü-r notwendig diie Aufführung des Stückes zu verhindern. Auf -em-e di,esbezi'tgl1dche Jnterpellatibn des Soziattsten )lndersoi! i-n! Parlaniente antwortete Lord Cecil, daß die AuffiihrNng auf Betreiben des,auswärtige!! An!tes unterblieben sei>. Eines der meist!gelesenen Bücher in! England ist hente St. Grahains ״N-ussig and the World". Das Werk enthält die!ungeheuerlichste!! Beschuldtgungen gegen die Juden. Aber ÄUe liberale Presse Englands Preiißt dieses 1Ü11! und für den Augenblick hergestellte tendenziöse Machwerk als die gediicgenste wissenschaftliche Arbeit an. Seitens eiinflußreiche!v englischer Juden wurde Grey bestürint, doch endlich den russischei! Bünldssbrluder zu bewegest, die Judenschlächte- ,Wien ln Rußland und Galizien evnzustellen. Grey -gab die verbi!M)iche ZusichoiiNiiig, da!ß der engli- Mo Botschafter iu Petersburg interveniere!! werde. Heute sind Monate vergatzügen, abe.r von einien! Eingreifen des euglt'ischen Botschafters Verlautet nichts. Isaak Jakob Reines. Eine erschütternde Nachricht: Ter 'Rabbiner Isaak Jacob Reines iin Lida ist gestorben; der Gründer der Fraktion Misrachi, der große Talnuldist u.!!d Gründer der berühmt en Jeschiwa in Lida. Mit >ijhn! verliert die zionistische Bewegung wieder eine ilhrev hervorragendsten Persönlich- Veiten, die orthodoxe Fraktion ׳!)n! Zionisinus den Mam!, dessen hingebungsvolle Mitarbeit in!