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Jüdische Volksstimme · 1915-09-29 · Heft 23 (29.9.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 23 (29.9.1915)
Date
1915-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gelte 6. zionistischen Lager -das gesetzestreue Jndentun! ׳des Ostens bcfitv zionistischen Ideal zu Uw innen Vorstand. D׳je jüdische Orthodorie Rußlands aber verliert in Isaak Jacob Reines cilucit ihrer bedeutendsten Führer, dessen Airtorität u. dessen organisatorische Fähigkeiten auch von Gegnern stets anerkannt wunden. Isaak Jacob Reines llx!r 1 «s■?u {•!ין .garlin (Gonvr Minsk) geboren. Im Iabre 1869 wurde er RMbiner in Slvenz'gny in! Gonv. Wilna, i!8H5 Rabbiner il1r Lidd (Gonv. Wilna. In weilen Kveisen bekannt wuiude Oiabbi-ner ^iernes, als er il'm Jahre 1882 dein Koj!greßder vussisch-jildische!! Goineiu'den in Petersburg einen aiusgearbeiteten Plan über düie Revrganlüsation des Jeschiwawesens vorlegte, wonach die Jcschistva den Fordern!!- der Flüchtlinge, nicht n!i!!׳der aber auch die Erhaltung derjcn.-pen, denen es unmöglich geworden ist in ihre zerstörte Heimat znrückkehre!! n!nd die Unterstübung ׳der verarmten Gemeinden erfordert täglich' bedeutende Suininen. Ganz a>us-.׳rordentlrche Mittel aber wird der Wiederanfbau der vernilchten׳den Existenzen in Anspruch nehtnen. Das jiWsche Aiettnngskomitee für Galizien m,׳It seinem Litze litt Lemberg! hat bis heute ^108.000 Kronen, welche ihm ausschließlich von der Privatwohltätigkett ׳der Glaubensu. Stammesgenossen zu!!! Verfügung gestellt worden sind, zur Linderung der Not unter den Inden Galiziens ansgegeben. Nun sind seine Mittel beinahe erschöpft. gen der modernen Pädagogik angepasst werden{ Dahingegen sieht es sich vori!en-e Aufgaben Dieser Nefornüplan drang nicht durch. gestellt, tvelche van Dag 51t Tag wachsen, zumal Steines eröffnete dann aber selbst eitle Musterjeschitva in Swenzai>ny, in der auch weltliches Wissen noben dem rabbineischen gelehrt wurde. An diese Gründung knüpften sich grosse Kämpfe, -in deren Verlauf die Jeschitva geschlossen wurde. In! Jahre 1000 aber konnte! Rabbiner Reines seine Ioschijwa wieder eröffnen rmd zwar in Lida. Otabbiner Reines war schon der Chowetvozionistischen Bewegung sympathisch gegenübergestanden 11u׳b! mit Mohiilewer und Pinsker in lebhafter Kovresvondenz gewesen. Auf Herzls Ruf aber schloß er -sich ganz der,zionistischen Bewegnn.g an-. Seine Arbeit int orthodoxen Indeitstün für den ziiynliisdßschen Gedanken, die, zur Gründung!des Misrachi! führte, .bedarf eiu׳e>r besonderen Würdigung. Den westjüdischcn Zionisten war er vott beit zionistischen Kongreßen bekannt, wo seine ehrwürdige Gestalt mit dein klugen, gntilgen Antlitz auf dar Tribüne ilnrmer wi׳eder auffiiel. Oft nahm er an.ch in wichtigen Debatte!! dgs Wort, hm den Standipunkt des Misrachi zu vertreten. ׳Ltets wurde seine Rede wo N1W mit ZuMmmNng, so doch mit höchster Ächtung ausgenommen. ,Wie er dein gesetzesknitd-'igen Östjuden als einer der hervorragendsten Gaoniilm erscheint, der eine besondere Auffasstinlg des Relügidnsgesetzes vertreten itnlb gelehrt hat, so war er für die ׳gesamte zionistische BewegnNlg ׳eine schöpferische Persönlichkei t - von 1m־ schätzbare in Ansehen und nie versagender zivnistischier Hingabe. Jetzt vor einem Jahr fahrt Rabbiner Reines n1J:<t eiinilgen a!nde!!len rnssisch-jüdischen Nabbiaevir durch Berlin!. Das war sein letztes Fusain inentreffen n!it der zionistischen Leitung. Drei- Tage vor Nosch Haschanah fuhr er ׳nach Schweden, nin nach Rußland zu kommen und seine Jeschiwa in schoerer Zeit nicht zu verlassen. ' w ** t9 % jlL 4x4 .+m Anfrus! durch tlie Befreiung des ganzen östlichen Teiles von Galizien sein Wibkungskrci'is sich bedeutend Mveiteirt hat. Im Namen der jüdischen Bevölkerung Galiziens erlaubt sich somit das gefertigte Komitee an die weitesten Kreise der gesammten Oefsentlichkeit sich!niiit der dringenden Bitte zu wenden uns in unsere,!! schworcit Arbeit helfend beistehen zu wollen. Eventuelle Beträge sind zu richten an dds jüdische Hilfskomitee zu Händen des Vorsitzenden Herrit Ka!iserlichen Rat Jakob Stroh, Lemberg, Bernsteingasse 12, oder ׳all die Redaktion dieses Blattes. ' Für das jüdische Hilfskomitee in Lemberg: Kais. Rät JaköÜ Stroh, ObmanN Prof. Sigm. ,Bromberg, ,1. Öb>u!an!!ftellvertrieter Leon Wahl, II. Obmairnstellvertret-er Prof. Dr. Bernhard Hansncr, I. Schriftführer Lazar Goldberg, Zcchlmeister. Oücherbesprechung. Herodes, Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses, voll Dr» Walter Otto, Professor der alten Geschichte an der Universität Greifswald-. Der Verfasser gibt uns hstr auf 400 cilftfacdruckten Seiten ein ,ausführliches und anschauliches Bild der Regierung der Herodäer. Die Arbeit zeugt von einer seltenen Geschichtskenntnis, ,insbesondere von einer staunenswerte!! Orientiertheit über das orientalische Altertum. Man weiß, büß die Regiernnasv,^!^ Merodes I. zu den ^^st'd^hVnresten und bis heute am wenigsten aufgehellten Epochen der jüdischen Geschichte gehört. Herodes gehört zu den tyvischen Vertretern der Despoten' des feinem Untergänge elltgegeneileiv den Altertmns,welche durch. List uiid grausaiuer befreiten Galizien an die gesanünte ^׳,sentlichkech init dev Bitte um Hlilfe heran. Von den 840.OÜD Inden Galiziens sind Nähezu 0/1V vvlistäuhig zugrunde gerichtet. Der gransgme rnsstsche Bezwilnger hat in sei!nen! bl׳sn!den Wahn den Juden Wgönüber ein׳e Verfolfluugstakti'k eiiltgeschl-ägen, wie sie ba,rba׳vi.schor n,׳/cht gedacht Iwrde'n kann׳. Hunderte v. gesunden, ׳arbeitsarnen. uud wohlhabenden Männer slitd hinge mordet Warden, viele Tausendewurden fortgeschleppt, tun im Janillwr und Elend zu verkümmern, während, ihre״ FraneN und Krlnder obdstch- und ln-ittellos, zurtickblieben, dem Hungeivtodie *lpreHsgegeben sind. Hab und Gut der Juden Wurde vernichtet, selbst heilige Stätten, wie Tempel und Gottesäcker wurden nicht verschont, Thorarollen wurden zerrissen n,nd geschändet. Ganze jüdische Gemeinden sind vom׳ Erdbo- ׳den vollständig verschwunden, die Arbeit von Jahrzehnten wind schlverlich genügen, um all die Wunden zu heilen, tvelche der Kv'vg und eiu durch Haß und VerfolgungMvut geblendeter Feiud den Mlizischen Jlrden geschlagen hat. Der Staat w'ird seinen treuen, nngliicklichen Bürgern seine Hilfe sickxn'lich nicht versagen, doch tvird dies in Anbetmcht der unermeßl,׳chen Not nicht hinveichen. Vor allerii ist aber aiMublickliche Hilfe voiiin'öten. Schon die in! Zuge bef>indliche Nepgtu',!eru1lgiRache ztigrunde richtet In ihreil persönlichen Vortei!l ׳auszuntitzen. Mpu kennt die wichtigsten Negierungsakte Herodes: eine Serie von Morden an seinen nächsten Verwandten, seine hellenophile Gesinnung, seinej den orientalischen Despoten kennzeichnende Verschwendungssucht uub Pracht liebe, die zwischen dem Tempel in Jerusalein und den heidnischen Opferstätten keinen Unterschied ׳machte. Dieser recht wenig sympathischen Züge ungeachtet bildet seine Negiern'ngszeit ein überaus dankbares Feld für Altertumsforscher und das vorliegende Werk muß als vollständiges und gelungenstcs über diesen Abschnitt der jüdischen Geschichte an gesehen lverdsn. Der Verlag S. Fischer bringt i׳m Nahmen der trefflichen und wohlfeilen 9t0lnanbibliothek zwei neue Bände: Hans Land: Staatsanwalt Jordan und Herrmaun Hesse: Knulp. — Pappband 1 Mark, in Leinen 1.25 Mark. Hans Lands Roman ״Staatsanwalt Jordan" behandelt das wichtige Thema von dem überstrengen, sittlich-fanatischen Staatsanwalt. Der Staatsanwalt hat bei einen! Kuppelei Prozeß eine schöne junge Zen,gin moralisch gepeinigt. Er findet seine Strafe bierfür dadlcrch, daß er, ein -alternder Manu in׳ freiudlos-er Ehe, sich in Liebe an das Mädchen Ivrliert, das ihn in Planvoller Rr. 23. Knulp ist noch in Knabenjahren einer gehofften Liebschaft wegen ans der Lateinschule entronnen; die Liebschaft würde eine Enttauschnng, er aber blieb deklassiert. Er wattderte, sah viele!! .H^mtierungen zu, hielt sich nttiner feinercn Sinnes und bekan! die Auszehrung. Wenn er alte Freunde traf, wurde er sogleich als willkolnlnener Gast angenoriünen, denn jederrnann respektierte in ihm einen sonderlichen Geist, einen nachdenklichen, poetischen, fr׳e!ndhei!n!schen Erdenwanderer. Und der letzte, der ihn.anfnahn!, war Gott selber, der ihn ganz versöhnt und verklärt im Schnee hinüberschlafen ließ. — Aus!diesem La,M׳ahverieben gibt uns .Hochnmijn! Hesse drei Geschichten oder vielinehr drei Abschnitte ׳in seine׳!!! einfachen, tiefen und ,nelodischen kleinen Buch. In Herrmann HesseS neuen, trefflichen lliollWu ״Gertrud" (Verlag -Albert Laugelt- München) finden wir all die Eigenschaften wieder welche diesen Dichter den! deutschen Volke ״so wertvoll gein-acht habe!!: die edle Form i!. Schönheit der Sprache, die Tiefe des Gen!üts ulld die Poesie der Wbrte. Hesse ist der Dichter r oiuer Kinderuuschuld und deshalb werden seine Werke in diesen Tagen der großen Schuld doppelt gerne gelesen. Auch in diesenr Werke, in dein Hesse in fesselnder Weise den labyrinthisch ׳verschlungenen Werdegang eiines Mu!׳'׳!'s schitdert, zei'gt sich die Innigkeit und Wärn!e seiner Erzählungskuust. Treffelld sagt Heinelnann über Hesse, daß in feinen Werken die Menschen erst auf Umwegen, die durch ihren Charakter veranlaßt werden, zu ihren! wahren Glück gelangen. In der seit Jahren rü^lnlichst. bekaiintcli R0ln-ansn1׳n׳nllung Engelhoru e-n!pfehle!l. wir.: Die Schuldige von Richard Voß, Marienkind von Paul Heyse, Selbstgerecht vom Friedrich Tpielhagen, Elias Portuln -von Grazia Delehtzü. Es sind säintlich sehr gute und lesenswerte Noinane. Man kennt die ׳richtige Sprache, in der Voß in!!!eisterhafter, Wplse sllne n!eistctts int ehetiuUs rUh igell lttl & scholl eil Süden ha tide lii den ׳Begobeichoiten schildert; die Dichtevin Grazi-a Deleddä, die Tochter armer sardischer Bauernleute, bat. sich durch ihre Rotllane, VM delleii ein Teil in die deutsche Sprache übertragen sviirde,. eiiiell Ruf^ geschafft-IDer Nomau^Pgul Heyses ist jvie bi׳ä!)tftlimlW dck LMrL lOilltUl Wv äncha,ltsr׳e!ich; ,— obeneivwähnter Roingn Spiel- Hägens gehört zu, den besten Erzählungen , des bedieikteyden deutsch«!!. Dichters, . dessetwWerke heute wieder vielfach gelesen lverden. (So veröffentlicht die ״Neue Freie Presse" zum zweiten- ׳lirta( den Non!an Spielhagens ״In Reih und Glied"). Die Lektüre ist mnsa eher zu empfehlen, als sich dieselbe zusolge ׳ihres billigen Preises jeder anschaffen kann. Der Verlag Mallz i1׳! Wien hat sich dipläbenswerte Änfgabe gestellt, Fsne wohlfeile I!!- gendänsgäbe üener deutscher Dichter zu berbreh ten und bringt in! Otahinen dieser Saiinnlung vier;ltovellen von Bartsch. Heute kennt Wohl jeder diesen echt österreichischen Dichter ׳mit seiner planderndpr Schreibweise, mit . seiinein köstlichen Optilnisnuls und seinen! erquickenden Humor. Diese vier Novellen geben davon ein hübsches Zeugnis. Besonders sei die ausführliche n׳nd treffliche ״Einführung" lobend hervorgehoben. Das bei Felir Meiner Leipzig, erschienene Werk Richters über Nietzsche ist eines der,-bestell N'ietzsche-Biogvaphien. itn. persönlicher, philosophischer und künstlerischer Hinsicht. Und es war notwendig, eine mnfassende, eingehende Arbeit Mer N'ietzsche -den! deutschen Volke vorznlegen, denn die überragende Größe dieses unglücklichen Dichterphilosophen, in dessen Hirn ganze Weltsysteln-e zusaininenstießen und der von sich rühinen durfte: ״Wer in Deutschland redet so wie ich?" ist bis heute -noch viel zu wenig gewürdigt. Diese Biographie entspricht der großen Aufgabe die sich der Verfasser gestellt und glücklich gelöst hat. Dieses Nietzschebuch scheint uns als treffendste Einleitung zu seinen Werken. Die Broschüre ״Berlin-Bagdad" von Dr. K. von Winterstetten (Verlag I. F. Lehin-aun, München, Preis 1 Mark) bildet in der — man darf sagen — Flut der politischen Flugschriften

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