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Jüdische Volksstimme · 1915-09-29 · Heft 23 (29.9.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 23 (29.9.1915)
Date
1915-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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WWWWWWW Lette 4. jm» giirohtwn* «r. 28 wir wußten, daß un seine Armeen nähergekommen sei!! mußten. Bald hörten wir von der Einnahme Przemysl! Mr glaubten es aber nicht, da ja die A,uf ׳cMimal kam der Befehl, wir ruüßteu alle nach 3inßlaud. Nasch!!xmi Geld beisammen, einige Nicht ohne tieferen Sinn bemerken unsere ׳ SMäler waren dageblieben und an diesem Mon-. Bald kamen für! uns erfvenliche Botschaften Weisen (Sab. 31), daß gleich bei dar Schöpfung tag Vormittag waren auch Ne letzten Transporte von anderen Ortschaften in Form von Granaten, Gott der Herr mit Himmel und Ecke also gespwper Bahn abgegangen. chen: Ihr seid von mir nur bedingungsweise ge-; Durch die Meldrmg zürn Wörter fürs Epischaffen, die Bedingung, von der Euere Existenz dem iespital hatte ich mich diesen Transporte, , abhängig ist, daß wenigstens Israel sich für die entzogen, nachdem ich schon vorher durch 23er־j Stuffen, so taten, als sie schon weit in Ungar!: Annahnre der Thora, die die .Hauptsäule, auf der borgenhalteu einen! Transporte glücklich entgan-! wären, die sittliche Weltordnnng beruhen wird, bildet gen bin. An! Montag Mittag noch geleitete ich bereitwilligst erklären wird; sollte aber auch!,Mine Kameraden zur Bahn, die letzten Staine־; Jsvael die Annahme der Thora verweilgeru, so valden, ich rief ihnen weinend den Segensspruch hundert Rubel und Wir konnten bleiben. Seit r^vdient ihr zertrümmert n. das Tohu-wa-Bohu, nach! Wann!vevden!vir uns Wiedersehen, so das vor Euch Erden war, wird wieder an euere dachte ich. — Stelle treten", das heißt urit anderen Worten: Zun! Milttagessen verging wir die Lust, das - Eine Mlt, deren Bewohner weder bk religiöse Spital war fast leer, die letzten Schwerkranken humanen Gesetze, noch die Völkerrechte respektie-' wurden noch ins Garntsonsspital Nr. 3 gebracht, ren wollen, muß in ihren Grundfesten erschüttert und ich erfuhr einige Stunden später, daß alle werden. In der! Tat war Israel, Wie der Midrasch jüdischen Soldaten morgen abtransportiert wer bemerkt, das einzige Volk, das nicht wie Esau, Jsmael usw. sich vorerst nach den! Inhalt der Thora erkundigt, sondern einmütig ausgerufen nasse wenischma. ״Alles was der Ewige gesprochen wollen Wk befolgen, beherzigen und durch die Tat iiin Leben verwirklichen". — Maggid deworow׳ lejakob Chukow umischpotow lejisroel ״Er verkündet sein Wort in Jakob, sein Gesetz und Recht in Israel". Lau osoh chen lechol Goj, nicht aber mit allen änderen Völkern konnte er so verfahren, denn mischpotim ba!l jedoum, sie wollten überhaupt von Recht und Gerechtigkeit, und besonders von Völkerrechte nichts wissen".— Israel abw hat die Thora nicht nur angenommen, sondern seit Jahrtausenden für deren Erhaltung!und Verbreitung auch gekämpft und gerungen, so daß heute alle redlich und rechtlich denkende Menschen es eingestehen, daß sie ihre bessere Begriffe über Gott, Mensch und Welt, einzig und allein dler am Sinai ge offenbarten Lehre zu verdanken haben. Allerdings hat es zu keiner Zeit an Leuten, die den Materialismust gehuldigt gefehlt, allein, diese gehörten zumeist zu den Ausnahmen, denn die Menschenliftn Allgemeinen den müßten. So ging ich wrzweifelt daran, aus dem Spital zu flüchten. Deu russischen Wachen war ich!«!!bemerkt eutkonuuen und ging sinnend in die Stadt. Da kam Herr Neb Meilech A. des Weges u.nd ich fvug ihn, wohin er laufe. Er antwortete, er fahre als einer der letzten, die änswandern n!üsfen, nach Wielkie Oczy nördlich!an der Grenze zu gelegen. Ich sagte, daß ich noch gerne bis zun! Wochen feste hier bleiben möchte, worauf der alte Jude antwortete: ״Mit wen! werden Sie Minjcm haben? Ich erschrack .gewaltig und gefaßt sagte ich!, plötzlich: ״Nehmen Sie!nich n!it, nach Wielkie Oczy!" — ״Wsie ist das möglich?" frug der alte Mann und gjmg!n-it mir weiter, da der Wagen mit den Möbeln, ein klei!!׳er Bauernwagen schon beim Tore stand. Wir kamen zun! Haus, die Frau wollte mich anfangs nicht miitnehmen, aber eine Aiworwandte trat für mich ein und man!!!׳achte es nun davon abhängig ob der zur Bezirkshaupt-- Mannschaft gegangene Schwager die Reiselegjiti-!Nation noch für ein. Familie!!!!!ltglied mehr ausmehreren Tagen tvurde cs in ׳der Stadt leerer und leerer, langsan! zogen die Offiziere ab,!!ach ihnen das Etappenkomamndo, man war bald klar, daß dies ein vollständiger Rückzug war, obwohl noch kuüner neue Truppe!! nach vorwärts geschickt wurden. Erst heute kann!ich beurteilen, ׳daß das .flüchtende Truppen waren, den׳!!, von׳ mehreren Saiten wurden die Russen z!!׳vückgetr>i)eben, so das; sie wußte!! nicht mehr, wohin sie flüchten sollten. Da kan! dar berühmte Montag für Wielkie Oczy. Es War asn schöner Sonnnerlmlorgen, da flog au! Wege zum Bethaus die erste Granate von den Deutsche!! zu uns. Nach dem Gebete vermehrten sich d!ie Granaten und Schrapnells in! ungcheuerlich großer Zahl. Bald brannte es in! Ort. Leider standen gegen Nachinliittag schon mehrere Gebäuden in Flammen und wir mußten hinaus ins Freie. In einer Mühle und einem Stalle fanden Wir Zuflucht, die abseits des großen Brandherdes standen. (Fojrtsetznn.g folgt). «ÄSWSSSSSSSSKKSKNKSSK««« Ausruf! warenreligiös rmü gkmbtm «m Gott, den Mm laffm^M,«.'Der «Ito Man» m» ich ..^ ,*KTTÄ Schöpfer dies Weltalls. Einen >ypidem!scheu Eha-- Tiiu'Fort Tn Trfmjp-fT vnlr frmiiktt 9 1»! 1גVfinv:S1» 9if:f<*ms! lbevtausende unsreliu illilger Gaste aiw den! raktM jedoch hat leider der Materialismus — dipse bittere höchst gefährliche Kranklieit, — in unserer Zeit angenommen, so daß selbst reglereude Fürsten und deren Diplomaten von derselben ergriffen wurden. Nur aus Neid, Mißgunst, Rachsucht und Ländergier haben die Ententemächte den Weltkrieg entfacht. — Mögen biijc Anstifter des Weltbrandes zur Besinnung kommen und ein sehen, lernen, -daß es einen gerechten Gott gibt, der den Unschuldigen beisteht, ihnen Kraft, Mut und Sieg verleiht und die Untaten der Hochmütigen ahndet' TM לו חכמה ישכילו würden sie an ihr ״So sie zur Einsicht kämen, Ende denken". — Dr. M. H. Friedländer. Jüdische Soldatenbriese Von M. P. Einleitung. Als die allgemeine Mobilisierung vor mehr als einen! Jahre in aller Welt Besorgnis erregte und keinen freudilgen Ausblick zuließ, da rückten viele Glaubensbrüder ein n. zogen hi,!!!aus in den Krieg. So einem war a.uch ich und zwar kam ich nach der Festung Przemysl und siehe Leser, das Wunder, daß!ich in memem Geburtslande diese Zeilen schreibe, während tausende von Brüdern iilnib Kviegsgenossen in Rußland gefangen sind. So will ich nun, die Geschichte n!ei׳ner Erlebulisse mit der Flucht aus russischer Gefangenschaft W erzählen beginnen. Die Schreckenstage von ״Wielkie Oczy". Meine Flucht aus russischer Gefangenschaft. An einem Montag abends nach den! Maariv- Gebete, also schon au! Dienstag, am guten Tage, war es mir bestimmt, aus der Festung Przemysl knapp vor dem Wochenfeste zu entkonunen. Die Festung war schon eineinhalb Monate laug in russischen Händen, alles lvas kriechen konnte, war schon in Rußland, nur ׳noch einige Spendet Bücher für jüdische Kriegsgefangene! Unser Vaterland beherbergt jetzt Tausende Wesen so schnell wir konnten zur Behörde. Atem- *"">׳u Abertauseilde rinsrestvilliger Gäste aus dem los dort aügelaugt, da! zu spät! Der Schwager,?"^^׳nd, lebendige ZmMt! der.großen, einzüg kam uns schon fmgcnd enkpqen. was denn los sei - K AlottMch.chw d<rM°nd-n fm dar SB» Da war d!as Wie,srr«eschchä,I Der Beamte f«,g,^ den Schwier für welche Aiizcchl Personen er feii'e1Ä. Sieiift'fciii.tiiniatimtou benötiM. Ohne Zögern srwle ^^n Gorsiluckttch ilst, n^ichl ^nwU, Men er so in Gedanken, um eine Person mehr als er benöt'igte. Und so nah!!! wnm mich mit. lieber den San' war das Fuhrwerk mitten durch die zersprengten Cisenbahnbriicken auf einer provisorischen Holzbrücke Wrübergesetzt und die Fahrt begann, um bald aber bei der ersten Wache imiterbrochen zr! werden. Diese und die ztvelite Wache war Dank des Eingreifens unseres r!utheirischen Kutschers der nur 200 Kronen für bk! Fahrt schielt, passiert. Bei der dritten Wache noch größerer Anstand. Als dieser mit klimm Rubel überwunden war, gings eilends nach Radymno. Es wa.r 3 Ubr Früh geworden. Danu fuhren!vir weiter nach Wielk'le Öczy. Die letzten 2 Stunden es schien die Sonne.warm, mußten wir am sandigen Wege zu Fuß zurücklegen, da es den Pferden zn streng wurde. Dort angekommen, konnte Uh Bekannte ans dler Festungszett in Przenrysl finden, den Chasen (Kantor) der großen Synagoge in Przemysl, den Schames und viele Juden, die mE ihren Familten nach Wielke Oczy über Befehl des rusfischen Kmnimandos geflüchtet waren. Hier wa!v es ganz schön. D'ie kleine Stadt hatte blos ca. 100 Häuser, schöne Wiesen und Wald-nngen, .eine Miktve, zwei Betliänser u. sonst alles, was zun! Koscheressen gehörte. Dort tvar vochältnismaß'lg alles billig. Ein Ei kostete 6 H. 1 Deka koschere Butter 4 H., 1 Kilo Kalbsfleich K. 1.60 unh 1 Kilo Rindfleisch K. 1.80. In der Stadt waren nur oa. 20 Kosaken als Wache. Das dauerte aber n׳ur 3-4 Tage. Bald stillte sich bi’ie Stadt und die Wiesen mit Train und Soldaten und et!va 1600 Kosaken u. Artillerie iraiven hier Da waren die Preise gleich wog, denn man bekam kein Eii, keine Milch und keine Butter. Auch Fleisch!vrl/rde seltener. Dann begannen auch die Leiden der Bevölkerung, die ich als Mnlist!nitmachen mußte. Ein Etappenkonnnandant kan! und Tscherkessen mit ihren Knuten holten zeitlichen morgens Nie Män-!!er ans den Mahnungen zum Graben von Schauzen. Dann began das Rauben. Flugzeuge warfen Vo!nben ab, durchziehender Train und Truppen zurück und vorlrärts vergrößerten die Unruhe und dl'te Wirren, iü die das so friedliche Judenstädtchen plötzlich gebracht wurde. Oesterrkch kämpfen zn müssen. — Diese Opfer des Zarismus verdienen in hohem Grade unser Mitgefühl und sind berechtigt.auch unseren Opfern1!u,t 'in Anspruch zu nehmen. Für das Physische Wohlergehen der Kriegsgefangenen wird von den zuständigen Stellen in wohüvollendstor Weise gesorgt, aber andeir! jüdisichen Oeffentlichke-it /ist ׳es: die Pflicht zn übernehmen wenigstens die bescheidensten geistigen Bedürfn.isse per jüdischen Kviegsgesaugenen zu befviiedügen. Die Einsamkeit -und ׳die AbgeschiedenheiHt vom heißgebiebten Familienherd verursacht unseren Glaubensgenossen iu der Gefangenschaft genug Kummer -nnd Sorge ׳und es gibt für diese schmachtenden Seelen kein besseres Heilnuttel als ein gutes Buch, )velches die traurige W'irkl-ichkeit dergessen läßt. Für uns Juden, das Volk des Buches hat stets die Lektüre u!!!d das Denken den Lebens- -iuhalt bedeutet. Auch die jüdischen Kriegsgefaugenen sollen in guten!md anregenden Büchern Trost und Erbauung finden. Uinsere bisherige Tätigkeit in dieser 3tichlnng hat uns vielfach den Beweis erbracht, wie groß -nud stark das Berlaikgen nach geistiger NalMuig bei den Kriegsgefaugenen ist. 'Biele Briefe voll dies Daukes sind uns zugekonunen. Ein jüdischer Kriegsgeßrngener schreibt.nus: ״Heute ist eiu halbes Jahr seit dem- Tag verlflossen, ׳in!velchem ,ich Dank Ihrer Bemühnugen die erste jüdische Zeitung: Die Wiener Morgenzeitning bekouunen habe. Ich!vevde nie vergessen das Licht und den Trost, toelche das lebendige jüdische Wort nwinem jetzigen Leben gebracht hat. Ich bin also doch n?cht abgeschnjitten von der Wielt — von meinem Volk, i>n. so ernster Zeit — von seinen großen Sorgen -uub schner großen Fronde..." Wir richten an alle nutfiihlenden Inden die Bitte,!nöglichst viele Bücher u!!«d Geldspenden fiir dksen Zweck an die Adresse des .Herrn )Rabbiners Dr. Gvü!üwald in Wien, II. Ferdiimnidstvaße 23, zu senden. Zlomitee zur Schaffung von Biblioteken für jüd. Kriegsgefangene.

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