Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 22 (7.9.1915)
- Date
- 1915-09-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Dr. I. Ei-smberg eine zu Herzen drillende Fest-, rede, welche die fortschreitenden Siege unserer Anneen im Feindeslande hervorhob, wodurch den über ein Jahrhundert unter dem Russenjoch schmachtenden Völkern Erlösung und Befreiung winken. Deshalb feiern auch diese Völker, Juden wie Nichtjuden, unseren Obersten Kriegsherrn als Messias, als Erlöser. Nach Absingung der Dolkshymne, in die alle Anwesenden einstimmten fand die erhebende Feier ihren Abschluß und befriedigt verließen die Teilnehmer das Gotteshaus Hlinsko i. B. Zur Feier der 85. Wiederkehr des allerhöchsten Geburtstages wurde ein Festgottesdienst abgelMen. Der geschmackvoll dekorierte Tempel war übervoll. ,Es waren alle Hono- .atoren anwesend. Es war dies auch die erste Feier dieser Art, die vom hiesigen Betvereine veranstaltet werden konnte. Früher hatten wir ja dazu keine geeignete Stätte. — Ehrwürden Herr Rabbiner Flaschner (Ranbowitz) hat den Gottesdienst geleitet und in einer schwungvollen Rede die Feier gewürdigt. Am Abend war eine Festversammlung im Vereinslokale abgehalten. Diese war auch von unseren Damen besucht. Die Festrede hielt Herr Moritz Fleischmann (Wien) während Frau Direktor Schulhof am Klavier viel zum Gelingen der Feier beitrug. «ßcüim. c lludmcftten entgegenstzarrenden Spitzen verlegt war. Nun, das freche Mäuslein sollte sich nicht zu freuen haben! Am nächsten Morgen war Schauls erster Gang begreiflicherweise zur Falle hin, um sich am Anblick des gefangenen Eindringlings zu weiden. Aber die Falle wa׳r leer, kein Mäuslein darin zu entdecken, wiewohl das angenagte Fettstückchen seinen Besuch hier ganz unzweifelhaft voraussetzen ließ. Eine verdammte Maus, der nicht einmal eine Patentfalle etwas anzuhaben vermochte! Doch vielleicht war an ihr etwas nicht ganz in Ordnung. Und Schaul unterzog sie einer eingehenden Musterung, untersuchte das Gestell von allen Seiten, prüfte besonders das blecherne Verschlußstückchen auf seine Widerstandsfähigkeit hin», und tauschte schließlich zur Vorsicht das alte Fettstückchen gegen ein neues, noch verlockenderes mn. Umsonst. Denn auch die anderen, im Lause des Tages wiederholt von ihm vorgenommenen Untersuchungen vertiefen alle resultatlos. Die Patentfalle versagte ganz schmählich. Aber ׳man durfte die Maus doch nicht im Tempel lassen! Das war ganz ausgeschlossen. Welches Unheil konnte sie hier nicht anrichten! Sich vielleicht gar — es war nichk^luszudenken — an einem Sefer- Thora vergreifen und es annagen! Als daher um die Stunde des Abendgebetes Tempelvorstcher Greiner in Begleitung Kantor Trällers und Religionslehrers Strösler erschien,! drängte es Schaul sogleich, sein sorgenbeschwertes Gemüt ihnen gegenüber zu entlasten.— -,Immer Verein Machsike Hadas, Brünn. Am 29. August!?"V™* mit solchen Sachen gegangen der "־ ״ '־ ' יי■ Schleim,hl", ereifert sich Greiner. ״Wie die Maus ereingekommen i!s. r,ehen! Nicht ein unseres Vereines stand. Die zahlreiche Beteiliwau^ihn brauchen!" ״Das bann׳ nur eine Kirchen׳ gung an seinem Begräbnisse, zeugte von der hohen sein", lenkte Kantor Träller beschichtigend Wertschätzung, deren sich der Verblichene allge- Sl׳״ *ote gewöhnlich die Sache von der heiteren mein erfreute. Der Verein ehrte sein Andenken, ®C*JC nehmend. ״Denn hat jemand schon׳ sein indem beim Abendgottesdienste in Gegenwart W >etwas von einer Tempelmans gehört?" des gesamten Vorstandes u. zahlreicher Freunde, ־1״c »Käufe", fiel ihm hier Neligionslehrer unser ehemaliger, ehrwürdiger Nabbinatsver- ^s>'0sler ins Wort, der jede Gelegenheit sein Weser Herr Friedmann, dem Verblichenen einen Wissen auszukramen benützte, die einmal die Phiinnigen Itachruf widmete. Der Verein wird. Bnndesläde zurückgeschickt haben, :waren das Vielleicht keine Tempelmäuse? Freilich!es waren goldene, und die darf rnan sich schon 'gefallen lassen." Mochte die angeregte Debatte, \ ׳m sich svlchermaßeni um seine Person drehte, das! Mäuslein neugierig gemacht haben, oder hat «?Z j diesen Moment M.r allgemeinen Ablenkung für , den günstigsten befunden, -von seinem bereits nnj bequem gewordenen Aufenthaltsort zu entkomiiien, — genug, es unterbrach jetzt plötzlich diesen Danksagung. seiner stets in Ehren gdenken. ׳ Das Probate Mittel. Eine unbedeutende Khille-Episode Von Dr. Max Steif. maucyren ^ioonsch- und .Mboalahwein aus dem "'»wicy, vornver Mennigst de silbernen Becher in die Flasche zurückzuleeren, "lber es hatte dabei nicht mit dem schweren nicht ohne dabei auch einige Tropfen so nebenher Stocke Kantor Trällers gerechnet, denn.im nachin die!allezeit ausgetrocknete Kehle abfließen zu ste-nk Augenblicke -war ihm dieser mit zielsicherem lassen, wurde er plötzlich in seiner eifrigen Täüber den Kopf gefahren, um!darin joden t'igkeit durch einen sonderbaren, pfeifenden Toll Flrlchtgedanken aufs gründlichste auszmnerzen. gestört, und gleichzeitig dünkte ihm, als ob etwas solch kalMütig vollbrachter Heldentat wäre Av» .!Ivtl. u ״..f... _f. . . C _Yl 1 . . *• r\י «־ v 1HM1 H fA♦♦ l .,J.L r! Y ftl ft. c, .yu'iuueu jjcyuucii! ^unyceno ]einer ganzen,!0 lan«־ u!‘° Ivigen, vag oie neue Patentsall gen Praxis als Tempeldiener war dies der erste ein guter Stock ist". — Und nach dem Gottes- Fall, daß sich ettvas derartiges in die geheiligten dienste auf dem N-achhanswege, als die Sache Rlliume hinemgewagt hätte. j nochmals zur Sprache kam, beinerkte er zu Aber Schaul war nicht der Mann, der bei der Plötzlichkeit und Neuartigkeit einer solchen Erscheinung gleich den Kopf verloren hätte, sondern sich der hohen Verantwortlichkeit als Tempelhüter wohl bewußt, war er sich auch sofort im Klaren darüber, welch, geeignetste Vorkehrungen hier zu treffen wären. Znm Glück hatte da vor Kurzem seine Frau für eigenen Hausgebrauch i>m Waren Hanse Gottliebs eine Mausfalle erstanden. Und es war nach den gewiß glaubhaften Versicherungen besagten Warenhaiusbesitzers eine Patentfalle, ״eine Spezialität" von ganz eigenartiger Konstruktion: denn während bei allen anderen Erzeugnissen dieser Gattung ein seitliches Falltürchen angebracht war, befand sich hier der Zugang von oben, u. steckte ein vorwitziges Mäuslein, verleitet durch das unterhalb desselben liegende Lockmittel ihr Schwänzchen einmal hinein, dann war es auch schon geliefert, weil chm jeder Rückzug durch die Strösler: ״Niemand hat mir es noch erklären können, warum bei den 10 Makes (Plagen) ׳alles Ungeziefer, alle schädigende Tier ansge-, zählt werden, nur gerade nicht die Maus. Heute ist auch sie endlich unter die ״Makes" (Schläge) gekommen." Und wieder, meinte Strösler darauf, ״wird, heute verständlich, weshalb der l. Gott durchaus darauf bestanden hat, daß Moses zum Felsen vöden und nicht schlagen soll. Mit dem Stock schlagen kann auch ein Cbasen, aber ׳mit der Stimme dreinschlagen, das kann ihm nicht der erstbeste nachmachen". ״Da muß ich unseren Kantor schon, in Schutz nehmen", replicierte mit gemachten Ernste Greiner, ״weil ich dessen sicher bin, daß, wenn Kantor Träller, anstatt gleich tzum Stock zu greifen, sein ״wehosser soton" (entferne den Satan!) hinausgeschmettert hätte, die Maus auch gleich ganz weg gewesen wäre". — Den Gründern und Leiter der Volksküche für die gal. Flüchtlinge jüd. Bekenntnisses in Brünn, den geehrten Damen Dr. Ernestine Rotter, Dr. Gisela Feldmann, Bertha Schnabel, die mit ihrem ungewöhnlich regen Pflichteifer und voller Hingabe und Tätigkeit die Auspeisulig der schwergeprüften Flüchtlinge seit Dezember v. I. nach streng relilgiöser orthodoxischer Einrichtung ünd unter meiner Aufsicht geleitet haben, spreche ich hiermit i׳m Namen der Besucher der obgenannten Volksküche den besten und innigsten Dank aus. Möge der Edelsinn dieser Frauen, welche nicht nur die Beträge für die Ausbringung der Kosten — 80.000 K. — sammelten, sondern auch täglich bei der Ausspeisung die Besucher über 000 an der Zahl, bewirtet und ihnen Trost und Mut zugesprochen haben, zum Muster und Nachahmungstrieb bei allen unseren Glaubensgenossen dienen. Brünn, den 8. September 1915. Hirsch Hsrowih Rabbiner der gal. Flüchtlinge in Brünn. Eingesendet. Gehr geehrter Herr Redakteur! Verspätet und auf Umwegen erfahre ich von dem in Ihrer gesch. Zeitung Nr. 20 vom 0. August l. I. erschienenen -,Eingesendet" des Herrn Dr. Viktor KUrre.in in Salzburg das sich mit meinein in der -,Jüdischen Volksstimme" v. 8. Juli l. I. Nr. 18 veröffentlichten Aufsatz: ״Der ״Lügengeist" beschäftigt. Sie vergaßen offenbar mir die betreffende NüMMer einzufchicken. Wcgen meiner Gommerreise kam ich auch nicht dazu die Volksstimme regelmäßig zu lesen. Go mußte ich erst von befrenndetör, sehr geschätzter Seite in Wsien ansmerksam gemacht werden u. z. mit den folgenden recht bezeichnenden Worten: Her . . . zeigte mir auch die Zuschrift des Dr. Kurrein an die ״Jüdische Volksstimine". Jedenfalls sehr interessant wie sich der Betreffende sein Gewissen Erleichtert." In einer anderen Zuschrift heißt es: ״Das Gewissen des Dr. Kurrein ließ es nicht zu über die Unrichtigkeiten die darin Vorkommen sollen, zu schweigen..." Das Gewissen ist die Stimme Gottes int Menschen, nur ist es nicht ׳immer Gewissen was Mancher als Stinnme Gottes ausgeben möchte. Ich fürchte, daß es Geist von jenem Geiste ist den mein Artikel behandelt, was so unerwartet itzid unerklärlich über den werteü Herren Kollegen und Amtsvorgänger zu Felde zu ziehen. Und oiitcit Feldzug muß ich es nennen, ׳da er anläßlich meiner Anwesenheit in Salzburg Anfangs August es in der auffälligen Weise vermied eine persönliche Aussprache mit m׳i׳r zu sllchen. Vielleicht, wenn er mir damals von der Absicht seines ״Eingesendet" Mitteilung gemacht und mich mündlich überzeugt hätte, hätte ich sogar selber die angeblichen ״Unrichtigkeiten" berichtigt und er hätte der Oeffentlichkeit das nicht übliche Schauspiel eines Federkrieges zwischen zwei bisher in nahe Beziehnngen zu einander stehenden Amtsbriidern ersparen können. Aber es gibt eben Kampfhähne, die immer Jemanden haben müssen nur ihr Mütchen zu kühlen und sei es wer immer. Und ׳nun, mit Ihrer Erlaubnis, geehrter Herr Nedakteur, zur Sache selbst: Ein bekannter Literarhistoriker äußert sich einmal wie folgt: ״Große, schöpferische Geister zeigen sich zumeist am schwächsten dort wo sie polemisieren und kritische Köpfe am schwächsten wo sie schöpferisch auftreten". Ich weiß nicht zu welche der beiden Kategorien ich Herrn Dr. Kurrein zählen soll. Für beide fehlt mir nämlich an ihm die eine Hälfte der Charakteristik. Ein kritischer Kopf mag er gar wohl sein, allein er ist schwach wo er polemisiert, das beweist seine leider vollkommen ׳mißlungene, die Tatsachen auf den Kopf stellende, bei den Haaren herbeigezerrte Kritisierung meines Artikels. Vor mir liegen mehrere Zuschriften von mmindest so bibelfesten jüdischen Männern wie Dr. Kurrein einer ist, die den Ausführungen meines Aufsatzes die größte Sympathie bekunden und mich ersuchen zu gestatten den Artikel durch Weiterabdrücke zu verbreiten. Sogar nach Amerika will ein feingebildeter jüdisches Freund die Betrachtung schicken, um, wie er schreibt, der dort