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Jüdische Volksstimme · 1915-08-20 · Heft 21 (20.8.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 21 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 21 »gLHtfchD V-lkDßtMM-E. Sette. 5 Bukowina ist durch ,die inzwischen ei «getretenen Ereignisse nur noch dringlicher geworden. In unaufl)a.lts׳amen Siegeszuge hat unsere glorreiche Armee Galizien u. die Bukowina vom Feinde befreit. Ter Eindringling ist verjagt aber er hat fürchterliche Spuren seiner nwnatelangen Schreckensherrschaft zurückgelnssen. Die Arbeit vieler Generationen und Hunderttausende von Existenzen sind vernichtet. Oesterreich steht vor,dev großen Aufgabe des wirtschaftlichen und sozialen Miiederaufbäues der von den Kriegsereignissen unmittelbar'getrofjenen Kronländer. Es braucht Wohl nicht ausführlich begründet zu ׳werden, daß die sofortige irnd großzügige Aufnahme ׳der Arbeit sowohl i.m Interesse der Geschädigten, als auch des österveichischen Staates gelegen ist. Eine hohe k. k. Negierung t>at durch Kund»- gedungen und Maßnahmen bewiesen, daß sie als notwendig erkennt, unverzüglich nrit der Lösung der großen Aufgabe zu beginnen. In Anbetracht dieses Umstandes erlauben sich die gefertigten einer hohen k. k. Regierung Wachfolgende Feststellnngen u. Anträge mit der Bitte um geneigte Prüfung und Berücksichtigunig zu unterbreiten: 1. ) Der Wirtschaftliche, soziale und politische WiLdevaufbau Galiziens und der Bukowina ist eiine gesamt österreichische Angelegenheit, eine Nei-chsangelegenheit. Alle Volksstämme Oesterreichs haben u-ngeheuere Blutopfer gebracht, um diese Reichsteile hu verteidigen! und wieder zu erobern. Alle Volksstämme Oesterreichs werden die Mittel und die Arbeit -aufbringen müssen, welche der Wiederaufbau erfordern wird. Alle Volksstämme haben das!gleiche, starke Interesse daran!, daß in den an Rußland grenzenden Gebieten Ordnung geschasfen werde, denn sie allein bietet ׳den Schutz gegenüber dem Feinde. Aus diesen Gründen muß schon jetzt Verwahrung gegenjene Bestrebungen eingelegt werden, welche dahin zielen, den Wiedevaufbau Galiziens u. der Bukowina zur Angelegenheit -dieser Kronländer zu stempeln. Er kann nnr dann zu einem gedeihlichen Ende gefüh rt werden wenn er durch die Zentralregjierung besorgt Wird. Bei! Festhaltung dieses Gvundsatzes kann -ei'n׳e hohe k. k. Regierung sich der Zustimmung und tatkräftigen Mithilfe aller öfterreichischen Völker und Volksschichten versichert halten. Denn nur dann erscheint es verbürgt, daß alle Maßnahmen zur Regelung der Wirtschaft!:- chen und sozialenVerhältnisse im Sinne strengster Gerechtigkeit getroffen werden. Allen Volksstämmen und allen Wirtschaftsklassen muß in׳ gleicher Weise Hilfe werden. Die Zentralregüernng und nur diese wird den wiptschaftlichen Wiederaufbau in diMin SiNne orgairisieren und leiten können. 2. ) Unerläßliche Grun,db-edn>ngung für fruchtbare Arbeit -ist ein׳e schleunige unld -gründliche Neorganisation des Verwaltun'gsapparates. Durch sorgfältige Auswahl -der Personen und zweckdienliche Bestifnmung des Msirkungskreises muß er! zur Stütze unbedingter Gerechtigkeit und unbedingter Reichstreue!ausgestaltet werden. In Erwägung all dieser Umstände unterbveiten die Gefertigten folgende Anträge: A) Der Plair und die Vorbereitung des Wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbaues ist in einem von der Zentralregierung einzusetzenden Komite zu übertragen. Das Komite ist unter Ausschaltung -jeder Nücksichtsnahine auf politische Machtverhältnisse und Sonherbestredüngen ans fachkundigen Männern des Praktischeu Lebens und der Wissenschaft, Oesterreichprn, (ohne Rücksicht auf ihre Landeszugehö riigke i t) zusammenznsetzen. B) Zur Ordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse ׳in Galizien und der Bukowina sind in möglichst vielen Zentren der betreffenden Landesteile spezielle S chadene rlMungs kam in i ssio n e n ai'nzusetzen. Die Kommissionen sind der Zentralregierung direkt zu unterstelln. Sie sind, den Verhältnissen entsprechend, aus Vertrauensmännern der polnischen, rutheni-schen und jüdischen Bevölkerung zu bilden. Sie arbeiten unter dem Vorsitze eines delegierten Beamten der Zentralregierung, welcher nur dieser verantwortlich ist. — Kein Bürger darf unter ׳irgend welchem Vorwiande daran gehindert werden, seine Forderungen -und Beschwerden den Organen dieser Kommissioneu unmittelbar mündlich und schriftlich vorzutragen. Dia Gefertigten bitten eine hohe k. k. Regierung, diese Anträge um Feststellungen als den Ausdruck hojße-r Vaterlandsliebe und der Sorge um die Jnvunft Oesterreichs zu werten unld zu ,prüfen. Sie bitten aber auch als Vertreter der Interessen der österreichischen Judenschaft, iusbesondere der schwergeprüften Juden Galiziens und der Bukowina, um Gehör. Kein Volksstamm ,Oesterreichs hat so schwer gelitten wie die Juden. Niemand hat sie, das kann -mit Stolz behauptet -werden, -i!m zähen Festhalten am österreichischen Staatsgedanken, in der glühenden Liebe zu Kiaiser und Atai'ch übertroffen. Neben Tausenden jübischer Soldaten haben tausende jüdischer Nichtkämpfer in Gali'zi-en und der Bukowina für Oesterreichs Wohl ihr Leben -gelassen. Darum darf der Ruf um Schutz und Recht für die Judenschaft Galiziens und der Bukowina ׳nicht -ungehört ver- Hallen! An vielen Anzeichen ist zu erkennen, daß nationalev Chauvinismus und Rassenhaß sich zwischien die Juden und ihr Recht stellen, daß viele wieder eingesetzte Organe der Willkür in noch verstärktem Maße frönen. Sie deuten darauf hin, daß wiederum eiine der istaatstreuesten Bevölkerungsklassen ׳ihres Rechtes und der-wohlveMenten Staatshiilfe systematisch verkürzt werden soll und verkürzt werden wird, -wenn nicht eine hohe k. k. Regierung durch energisches Eingreifen sofort Abhiilfe schafft. Die Gefertigten erlauben sich noch darauf zu verweisen, daß die Juden Galiziens und der Bnkowina gerade deshalb ungleich blutiger und schwerer zu leiden hatten, als alle anderen, weil ,ihre unerschütterliche Vaterlandsliebe und ihre felsenfeste Staatstreue den wütenden Haß des eingedrnngenen Feindes -erregten In den Juden sollten die markantesten Träger des österreichischeu Staatsgeidaukens im Osten getroffen werden. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes für Oesterreichs M>hl gelitten. Daru.nl muß ihnen in Oesterreich ihr gutes Recht werden. Wien, den 26. Juli 1916. Dr Karl Pollak, Prästdent d. Exekutivkomi-tes d. österr. Zionisten Adolf Stand, Präsident des Zentra-lkomites der gal. Zionisten. Kunllsikau. Oesterreichisch-ungarische Kolonien in Palästina. Zur Unterstützung der!durch beit Krieg und eine ungewöhnlich schwere Heuschreckenplage dein Hungertode prei.sgegebeuon jüdischen׳ Kolonisten österreichisch-üngarischev Sta-atsangehörigkeit in Palästina hat die vor wenigen Wochen gegründete Hilfskommission 1915 (Geschäftsleitung Wien, Ferdiuandsstr. 28) eine Sammlung e-ingeleitet, an der sich u. a. die Herren, Louis Freiherr v. Rothschild mit 10000 K., Gebrüder Guttmann mit 8000, Sigismund Freiherr v. Springer mit 5000, Philipp v. Gomperz mit 5000, I. Petschok und Kommerzialrat Ed. Weinmann in Außig mfi.t je 5000, Leop. Pollack v. Pavnegg 2000, Generalrat B. Wetzler mit 2000, die Herren Banlkd-idektoren! Dr. Paul Hammerschlag, Wl- Helm Kuux, Em. Ranman und Alexander Weinov mit je 1000 K. beteiligt haben. Am Dienstag, den 24. d., 6 Uhr nachmittags findet i.m großen Saal des Hotel Continental. Wien, II., Praterstr. 7, eine Volksversammlung dieser Hilfskommission statt. Gäste sind willkominen!. Professor Dr. Israel in Konstantinopel. Wie -di׳e KonstantiUoPoler ״Auvore" meldet hat der berühmte Berliner Chirurg Professor Dr. Israel, welcher bekanntlich an das Krankenlager des Sultans berufen worden war, seine A.nweseitlieit in׳ Konstantinopel dazu benützt, um auch mit -den maßgebenden! Persönlichkeiten des ottomanischen Judentums in Fühlung zu treten und einzelne jüdische Anstalten in Augenschein zu nehmen׳. Professor Israel stattete auch dem Großrabbinev Ehaim Nahum einen׳ längeren Besuch ab. Ebenso erschien er im jüdischen Spital Or- Hachasi/m und besichtigte alle Einrichtungen desselben. Professor Israel freute sich, erklären zu können, daß das Spital mit seinen modernen Einrichtungen auch -ben rigorosesten Ansprüchen zu genügen, in der Lage ist, und gab dieser Metnung durch anerkennende Worte für die Leitung und die Aerzte in den: Freni-denbuch des Spitals Ausdruck. Das Spital Or-Hachajim ist auch-für die Verwundetenpflege von großer Bedeutung. Unbekannte jüdische Bolksstämme. Ein arabisch sprechender Jude namens Jussuf Ben Jakob Achwan kam kürzlich nach Jerusalem und behauptete, .daß er zu -änm jüdischen Volksstamme gehöre, der ׳nomanislerend in der Wüste wohne und sich angeblich fünf Tagereisen von Koweit, also in d. Nähe des Persischen Meer- Husens, befinde. Wie er angab, gehören zu semem Stamme etwa 25.000 jüdische Familien, die in Zelten wohnen und.Viehzucht treliben. Die unter!ihnen lebende Tradition besagt, daß sie ״zur Zeit des Tempels" in׳ die Wüste -verpflanzt worden!sind. Auch ist ihnender Talmud bis auf den- Heutigen Tag unbekannt gebli-eben. Sie glauben, Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rechabs, zu sein!, der tim Propheten Jeremia erwähnt wird. Achwan versichert, daß in Bälde wohl viel.׳ seiner Stammesbrüder nach Palästina oinwandern würden. Neben׳ dom Ar-äb-ischc«c spricht er ein gutes Hebräisch. Wie weiterhin -bekannt wird,!sollen östlich von Bagdad in tiefer Abgeschlossenheit noch mehr Niederlassungen jüdischer Volksstamme vorhanden sein, von denen etliche gerade- ׳zu festen Städten gleichen. Die Verbindiutgs- Wege zu ihnen sind äußerst schwierig und gefähr- ׳lich und kaunr bekannt. Ihre Sprache ist ein -stark verdorbenes Hebräisch. Amerikanische Juden lehnen die Lieferung von Munition an die Entente ab. Aus St. Louis meldet ״The Hebvew": Gearge W. Heller, der Besitzer eines hies. Stahlwerkes, hat Anfang Juni einen unbegrenzten Auftrag der französischen Negierung^ auf Schrappnells abgelehnt. Die Bestellung hätte wöchentlich -auf 90.000 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Auftrag aus Opposition, gegen den Krieg ab. Einige Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus derselben Stadt, Theodore Phillips eine Bestelliung im Werte von 900.000 Dol. auf Maschinen zur Herstellung von Kartätschen abgelehnt. Die Zionistenverfolgungen in Rußland haben sich in letzter Zeit sehr verstärkt. In Mohilew und Irkutsk fanden vor kurzem Zionisten- Prozesse statt. Es ist nur, wie bet allen Angelegenheiten in Rußland, auch bezüglich der Zionisten kein bestimmtes System, keine Ausdauer vorh-a-nden. Während man in Irkutsk die angeklagten Zionisten freisprach, hat mau in Mohilew 19 Zionisten zu 1—4 Monate Gefängjnis verurteilt. Eine Jacht als Geschenk eines amerikanischen Philantropen für das Palästina - Hilfswerk. Die durch den Krieg hervorgeruf-ene Not in Palästina, die noch dazu durch eine furchtbare Heavschreckenplage gesteigert worden ist, hat überall zur Organisierung großer Hilfsaktionen für Palästina geführt. Jüdische Kreise, die in engster VerbinÄu.ng nrit der jüdischen Kolonisation in Palästina und der gesamten jüdischen Bevölkerung im heiligen Lande stehen, haben diese Organis-atiow in allen Ländern durchgeführt. Von Amerika sind die ersten großen Unterstützungen nach Palästina abgegangen, u. a. auch schon vor längerer Zeit ein Lebensmitt-eltrans- Port auf einem amerikanischen Negieru-ngsdampf-ev. Vor kurzem hat in Boston die Jahreskonferenz-der amerikanischen Zi-on-׳sten ״• יץ״יז die eine große Demonstration für die zionistische Bewclgung darstellte. An der Konferenz nahrnen von bekannten jüdischen Persönlichkeiten Herr Dr. Schemarja Lewin, Mitglieddes Berliner Aktionskomitees der zionistischen Orgaliisation, der H1a,npt führe r der amerikani scheu Zion-isteir, der bekannte demokratische Politiker Louis Bvandeis, der bekannte amerikanische Philautrop Natan Straus, der Bruder des früheren amerikanischen Botschafters in Konstantinopol, u. a. m. teil. Herr Nathan Straus, der sich schon bisher an der jüdischen Hilfsaktion für Palästina beteiligt hatte, tat sich auch diesmal durch eine

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