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Jüdische Volksstimme · 1915-08-20 · Heft 21 (20.8.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 21 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite S. »gKllffl* «MKftmwt* Nr. 21. großherzige Spende hervor, ׳indem er dem Hilfswerk für Palästina seine kostbare Privatyacht um! Geschenk!nachte. Er richtete!an Herrn Louis Brandeis, dein Vorsitzenden׳ des provisorischen Komites für zionistische Angelegenheiten i׳n Amerika den folgenden Brief: Sehr geehrter Herr Brandeis! In diesen Tagen der Finsternis; für alle Menschlichkeit m!d für unsere Brüder in! besonderen hat die Frage der Hilfeleistung für die allgemeine Not, insbesondere im heiligen Lande, eine unvergleichliche Bedeutung erlangt. Es ist zur zwingenden Pflicht für jeden einzelnen geworden, Opfer zu bringen oder wenigstens auf manchen! Luxus zu verzichten, um dort Hilfe zu leisten׳, wo sie an!!!!eisten uottnt. ״Die Welt ist!nein Land Gutes zu tun, ist meine Religion". Ich habe!!!ich dar!!!!! entschlossen, dein provisorischcm.׳ Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten meine Nacht, die ״Sisilina" zum Geschenk zu machen, von der ׳ich eine Beschreibung!nitschicke. Ich habe diese Nacht Maklern zun! Derkauf übergeben, so das; erlöste Geld so schnell wie!!!östlich zur Hilfeleistung für die dringende Not .zur Verfügung steht. Die Verkaufsverhandlungen werden sie selbst in der ihnen am geeignetsten Weise zu Ende führen können. Ich habe einen tiefen Eindruck von der Art der Haltung, in der Sie immer in erster Linie für Recht und Ge rechtigkei-t gestanden haben und dar!!!!! nehme ich n!ir die Freiheit, Sie zu bitten, diese Gelder zu verte"!- leb, den!!! ich bin sicher, das; Ihre Kenntnis der Dinge Ihnen ermöglicht, den besten Gebrauch davon zu machen. In Deutschland haben sich zum Hilfswerk für Palästina sieben jüdische Organ!- sationeu. zusammengeschlossen, deren Sammlung schon über 62.000 Mark, ergeben hat. Das Verteilungskomite in Palästina, den! sowohl die aus Amerikia als auch aus Deutschland, Oesterreich usw., zugchenden Gelder überweisen werden, besteht aus Vertretern aller!jüdischen Richtungen!. An seiner Spitze steht Herr Dr. Arthur Nuppiu in Jaffa. Weitere Spenden werden an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W. 16, Sächsischeste. 8) Postscheckkonto Berlin 4102 erbeten. Warschau. Das Herz des Ostjudeiitumes, die Metropole jüdischer Kultur, das Leipzig des jüdischen Buchhandels ist in den Händeu der Deutschen. Die bangen Wochen der Belagerung, in welchen sich au den von ihren eigenen Koiupatriote!!׳ gequälte!! jüdischen Bewohner der biblischen Fluch erfüllte: ״Von .außen wütet das Schwert, und 111! Innern der Schrecken", sind vorüber, u. wen׳!!׳ sich der russisch-patriotische Jude mit dem Schicksal vertraut gemacht haben wird, so wird er ein ueuesungekanutes Leben der Gleichachtung und Menschenwürde mit froher Wehmut genießen können. ...Vielleicht ist in keiner anderen jüdischen Stadt soviel von jüdischer Zukunft und von dem einstigen gerechten Walten der Geschichte geträumt worden: hier entstand die Wiege d. jüdischeu politischen Tagespresse: Warschau war die oberste Richter!!!! in allen׳ jiidischeu Fragen der Vergangenheit, der Gegenwart und besonders der Zukunft — und plötzlich sieht sich alle Weisheit, die hier ersonnen wurde überrumpelt von eiiiiem nie geahnten Zuge des großen Lenkers Zionist, Itoist, Allianzler. Polen, Russe, Jkaist, Bundist, — eines hat Euer überschavfsinniger divinatorischer Geist nicht erschaut, das; Ihr Deut-!sche!verden würdet. Jetzt stürzt eine mächtige Kultur, wie durch eine geöffnete Schleus-.׳ im das große Portal der Ostknltur nnd ihr steht vor neuen Rätseln-. Bon! Jüdischen Nationalfonds. Tie Spendeneingänge des Nationalfonds im Juli d^J. erreichten die Höhe von 41070 Mark. Diese Summe verteilt sich auf verschiedene Länder wie folgt: Südafrika 11923 Mark, Nordamerika 10111 M, Oesterreich 10062 M, Deutschland 4340 M, Rumänien 1709 M, Bulgarien 749 M, Alt-Griechmlaiid 043 M, Holland 497 M, Nußlaub 481 M, Portugal 224 M, Dänemark 190 M, Frankwich incl. Tunis 136 M. Ans Palästina eingetroffene Nachrichten geben erfreulicherweise davon Kenntnis, das; die Getreideernte in den Nationalfondsbetriebem vor allem in den Genossenschaften Merhawja n. Taganiah, sehr befriedigend war , und was die Hauptsache ist, noch rechtzeitig genug geborgen werden konnte, bevor die Heuschreckenplage Galtläa erreichte und Schaden anzurichten vermochte. Bekanntlich sind Pflanzcnbetriebc und Gemüsegärte.!! von den Heuschrecken schlver heimgesucht. Da die N.-F.-Farmeu und jüdischen Kolonien auch in diesen! Jahre wieder genügende Getreide- Vorräte verfügen, so darf man annehmen, daß m absehbarer Zeit kein Brotmaugel in Palästina herrschen wird. Das Hanptbnreau des Nationalfonds hat seit Ausbruch des Krieges eine Jnformations-Abteilung errichtet, deren Tätigkeit schon viel Gutes bewirkt hat: etwa 400 russischjüdische Studenten, die sich bei Kriegsbcginn in Lüttich befanden und zum großen Teil interniert wurden, wurden durch die Bemühungen dieser Informationsstelle mit ihren Angehörigen in Communioation gebracht und erhielten Mittel für einen auskömmlichen Lebensunterhalt.?lohn-!ich wurde die Korrespondenz zwischen zahlreichen jüd. Familien in Rußland und ihren Verwandten in Deutschland, bezw. in dem besetzten Nussisch-Polen, oder beispielsweise zwischen in England ansässigen Juden und ihren Angehörigen am Kontinent vermittelt. Als der größte Teil Galiziens von den russischen Truppen besetzt war, hat das Hauptbureau die Verbindung zwischen den Inden in dein okkupierten Galizien und -ihren Verwandten in Oesterreich hergestellt. So gingen im letzten Halbjahre allein beim Hauptburcau über 1600 Anfragen ein und etwa 2000 Informationen wurden erteilt oder vermittelt. Eine Andacht für die gefallenen jüdischen Krieger in Europa!st in Chicago in 16 Synagogen abgehalten worden. Mehr als 26.000 Jriden waren dabei anwesend. Viele Tausende mußten wegen Nanm.man.gels umkehren. Die Stadtrabbiuer, welche diese Veranstaltung getroffen haben, hielten warme Gedeukreden. Ein Appell, die Unglückliehen Familien der gefallenen Opfer zu unterstützen, hat 10.000 Dollar eingebvacht. Dringende Bitte! Es wird gebetenum entbehrliche Bücher jüdischen Inhaltes in deutscher, jiddischer und hebräischer Sprache eiuzusenden. Die Bücher sind für verwundete und internierte Inden bestimmt. Jeden! Spender sei im voraus herzlichst gedankt. Sendungen sind mit dem Vermerk ״Liebesgaden״ fürs Note Kreuz Portofrei au die Israel. Seelsorge des Patriotischen Hitfsvereines vom ״Noten! Kreuze" für W. O. zu adressieren. Rabbiner Bella Fischer. Norrefponllenzcn. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den! k. k. Feldrabbiner Dr. Knrpelis, eingeteilt bet der 40. Landwehrinfanteriedivision, für vorzügl-iche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor den! Feinde das goldene Verdienstkeeuz mit der Krone cim Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. — Dr. Knrpelis, ist der dritte Feld-Rabbiner unserer Armee, den! diese Auszeichnung zuteil wurde. Pilsen. An! letzten Sonntag hielt Herr Nabbiner Dr. Link auf Wunsch der ins Feld ziehenden jüdischen Soldaten eimen Gottesdienst in der Synagoge ab und hielt an die Krieger eine entsprechende Kriegspredigt, worin er sie zur Treue für Kaiser und Reich anfeuerte, und sie bat, das Indentnm auch auf den! Schlachtfelde zu Ehren zu bringen. Bezeichnend für die Wirkung war, daß aus der Mitte der Soldaten ein Krieger evangel. Glaubens an den Herrn Rabbiner herantrat und sich ebenfalls seinen Sogen erbat. Im Namen der Soldaten dankte Herr Moritz Gold aus Budapest Herrn Rabbiner Dr. Link für die erhebenden Worte. Nücüeröespreckung. ״Bei Kaisers." Aus den! Faimilionleben des Kaiserhauses. Johannes Baun! Verlag, Berlin W. 30. Preis drosch. M. 2,—, gebunden M. 3,— Wer verfolgt nicht gerade honte mit lebhafter Anteilnahme alles, was aus dem Leben des Kaifers und der Seinen verlautet. Sei-!!׳ Lebonskreis, seine Faniilie, seine Gedankenwelt, die vielen von uns lebenlang fremd bleiben würide, ist uns durch dieses Buch nahegebracht. Aus diesen Zeilen höreu wir seine Wjorte und können uns ein Vorzugliches Bild seiner Umgebung machen. Alle werden mit Freude m\ den Berufspflichten ihres Landesherrn tei!nehmen und!!!!,anche Hausfrau wird gern die Beschreibung des Heims, von den schlichten Lebonsgewohuheiten der kaiserlichen Familie, der Fürsorge der Kaiserin für unsere Krieger, von dem innigen, liebevollen Familienleben der Gatten lesen. Hier treten sie uns auch fern von aller Zeremonie und Etikette des Hoflebens als schlichte Privatleute entgegen, sie kommen uns menschlich nahe. Anschauliche Bilder aus dem Leben des Kaisers im Felde erhöhen noch den Reiz des Buches. Die eingestreuten heiteren Episoden kennzeichnen das herzliche, sympatische Familienleben in unserem Kaiserhause treffend. Ein Buch, das alle Deutschen lesen sollten. Rabnidranath Tagore. Der Gärnkner, Liebesgedichte, Verlag Kurt Wjolff, Leipzig, geheftet 3 Mark, gebunden 4 Mark. Tagore, der Nobellpreisträger ist ebenso durch und durch Dichter, als er durch und durch Philosoph ist. In dem vorliegenden Buch schenkt er uns eine reiche Sammlung von Liebesged:chten oder besser gesagt, Liebeshymneu, wel- -che eine solche Ausgeglichenheit und innere Schönheit, eine solche harmonische Gedanken, und Gemütstiefe atmen׳, das; man in staunender Verehrung zu diesem Dichter aufblickt, welcher es versteht, in den einfachsten Worten Las Tiefste und Letzte zu sagen, was Meuscheiigemüt bewegen kaum. Ter Grundzug, der durch diese Liebeshymneu geht, ist eine unendliche Sehnsucht, ein Warteu und hoffen des Herzens nach tiefster Eins- Werbung mit einer geliebten und verwandten Seele, ein brennendes Verlangen, unmittelbar an des Lebens Quellen zu trinken und die tiefsten Geheimnisse des Welltzusaminenhanges aufzuspüren. Nirgends finden wir, wie!man von einen! Judenerwarten dürfte, eine Lebensmüdigkeit oder Gleichgültigkeit den! Dasein gegenüber, sonder!! überall spricht eine solche Zuversicht, Sicherheit und Freudigkeit, daß >n!an nicht fehlgeht, diese Gedichte als eine dein Leben und der Liebe dargebrachte Huldigung anzusehen. Tagore ist der Goethe des heutigen Orients. Pirke Aboth, übersetzt und erläutert von Dr. S. Bamberger. Preis 1.00 Mark gebunden. Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M. Das vorliegende Buch bietet trotz feines wohlfeilen Preises einen, vorzüglichen, ziemlich eingehenden Kouunentar zu den Sprüchen der Väter nnd eine FW 00,n! echtjüdischer Belehrung. Infolge der gedrängten Kürze der heiligen Sprache m!!b der knappen Ansdrucksweise der Lehrer der Mischna ist es un,möglich, die Pirke Aboth ohne gute Ilebersetzung n. Erläuterung zu verstehen. Bei den Anforderungen ist der Autor vollauf gerecht geworden. Das Buch ist recht zu empfehlen und sollte namentlich der reiferen jüdischen Jugend in die Hand gegeben werden. Es reicht sich würdig den Uebersetzuingen und Erläuterung!! an, die uns Hirsch über die Bücher der heiligen Schrift gegeben hat. Notiz. Autor. Privat-Handelsschüle Ruprich, Brünn. Aus dem vorliegenden Jahresberichte entnehmen wir, daß an der Anstalt im eben abgelanfeiteit 40. Schuljahre einschließlich des Direktors Ruprich 16 Lehrkräfte tätig waren. Die Schule umfaßt ein- und zweijährige Kurse für Knaben, junge Männer, Mädchen und Frauen, einen Abendkurs für Handelsfächer und einen Kurs f. Maschinenschreiben. Ans dem Berichte ist ferner zu ersehen, daß die für Liebesgaben und Kriegsfürsorgezwecke während des Schuljahres veranstalteten Sammlungen den nennenswerten Betrag von 719 Kronen 68 Heller ergeben haben. Die Ünterrichtsersolge waren auch Heuer sehr g n n st i g. Die Unterbringung von Absolventen und Absolventinnen ging auch im Laufe des verflossenen Schuljahres trotz der kriegerischen Ereignisse gut vonstatten und es stellte sich in! Frühjahr sogar ein Mangel -an tüchtigen Kräften ein. Die Zahl der Absolventen und Absolveutinnen des eben abgelaufenen Schuljahres, welche

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