Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 20 (8.8.1915)
- Date
- 1915-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9t*. 20 füll 11H M■IflitMMJt «IRipVinRr« VnR, 9 Paritätische Behandlung der Juden ln der neuen städtischen Selbstverwaltung Russisch-Polens. Wie bekannt, werden jetzt nach der neuen ״Städteordnung" für die unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietsteile Russifch-Polens die Mitglieder des- Magistrates (Schöffen) und des Stadtvepgrdnetenkollegiums bei der erstmaligen Bildung ernannt. In Lodz, Pabianice, Wietun unid vielenEderen Städten haben die Er- Nennungen schon stattgefunden. Wir hören aus bester Quelle, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Stärke gemäß neben den anderen Nationalitäten bei der Bildung der städtischen Selbstvcrwaltungskörperschaften voll und ganz berücksichtigt wird. So sind in Lodz unter den 10 Schöffen drei Juden vertreten, nämlich die Herren Bankier Stanislaus Jarocinski, Fabriksbesitzer Bielßowski und Kaufmann Sergius Hoffmann. Unter den 30 Stadtverordneten befinden sich 12 Juden. In Pabianice wurden zu Schöffen drei Deutsche, zwei Polen und ein Jude ernannt. Die 23 Stadtverordneten sind, wie wir hören, durch 12 Deutsche, 7 Polen und 4 Juden vertreten. In׳ Wictutn befinden sich unter den Schöffen 4 Deutsche, 4 Juden unid 4 Polen. ״Der Schmelztiegel" — verboten. In Edinburg sollte ein Stück des bekannten Israel Zaugwill ״Der Schinelztiegel" aufgeführt werden. Es handelt sich um die Jupegverfolgung in Rußland. Das Auswärtige Amt veranlaßte, daß die Theaterleitung das Stück vom Zettel strich. Die Hilfsaktion für Palästina. Die Hilfsaktion für Palästina hat bald nach Beginn des Kriages in allen jüdischen Kreisen oijngesetzt, weil man Nachrichten empfangen hatte, daß die Unterbindung des Verkehres und vor allerm die Unmöglichkeit, die in den judäischen Kolonien gepflanzten Orangen und Mandeln abzusetzen, eine Hilfsaktion dringend notwendig geinlacht hatte. In der letzten Zeit sind die Wirtschaft lichen Aussichten in Palästina wieder sehr trau¬ An die österreichische Judenschaft! Mr alle hoffen Md glauben zuversichtlich, daß es unseren braven Truppen gelingen wird, Galizien und die Bukowinavon der russischen Invasion bald völlig zu befreien. Wir alle sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die h. Regierung die Zusage unseres geliebten Kaisers einlösen und nach Abschluß eines ehrenvollen Friedens nicht ermlangelw wird, die Kriegsopfer des Ostens in entsprechetidcr Weise zu entschädigen. Nichtsdestoweniger ist zu befürchten, daß eine große Zahl jüdischer Familien vor die harte Frage gestellt sein wird: in welcher Weise ihre durch den Weltkrieg! zerstörte Existenz neu aufgebaut, für die Zukunft dauernd gesichert werden soll. Die während des Krieges geschaffenen Fürsorgoaktionen, so gerne ihre Verdienstlichkeit anerkannt sei, waren von vornher nur dazu bestinnnt, eine vorübergehende Wirkung eben während des Krieges zn zeitigen. Eine dauernde Wirkung kann nur eine Aktion Hervorrufen, welche darauf ausgeht, den jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten Existenz- Möglichkeiten für die Dauer zu verschaffen, sei es hierzulande, sei es für jene, welche sich zur Aus- Wanderung bestimmt fühlenaußer Landes. Eine Aktion! zn diesem Zwecke wurde nun von den Vereinen ״Keren Kajemeth Lejisroel" in Lemberg und in Wien gemeinschaftlich einge- Ici'tct. Unter dem Namen ״Kriegs-Landsspende" werden Kapitalien gesammelt, deren Zweckbcstimmung ist: Grund und Boden in Palästina zu er- Werben und denselben im Wege der Erbpacht (für die Dauer von 40 Jahren) jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten zur Benützung zu überlassen. Der Durchschnittspreis eines Dunums (ungefähr ein Fünftel Jach) beträgt in Palästina 60 Kronen. Wer nur einen oder mehrere Dunam Land spendet, der schafft eine wirtschaftliche Grundlage zur Ansiedlung jüdischer Kviegsopfer aus dem Osten. Dem Spender steht überdies das Recht zu, eine ihn! werte Person namhaft gemeine.׳ Beliebtheit und WertMtzung. Er war rige geworden, ha eine unMheucve .Heuschrecken-, M machen, m deren Ehrung die Spende geleistet Plage die Kolonien betroffen hat. Drei Heustunde; der Dank feiner Spende gekaufte Boden schreckenschwärme sind vom Süden her in die Ko lonien eingefallen, einer stärker als der andere. In den jüdischen Kolonien war der Abwehrkampf gegen die Heuschrecken mit aller Energie organistört wovden. Der Leiter der Jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation, der bekannte Agronom Aronsohn, wurde von Djemal Pascha, den! türkischen Oberkommandierenden, mit der Leitung des Abwehrkampfes im ganzen Lande be- Wird nämlich für immerwährenide Zeiten den Namen jener Person tragen. Auch kleinere Spenden sind zulässig. Die Wichtigkeit und Nützlichkeit der eingeleiteten Aktion ist so groß und klar, djaß sie einer näheren Begründung nicht bedarf. Es geht somit an alle Juden in Oesterreich die dringende Bitte, sich an unserer Aktion der ״Kriegs-Äandsspenden" mit Warmherzigen Eifer traut. Den neuesten Nachrichten Wfolge ist der ' z״ beteiligen, selbst nvch Kräften zu spenden und von den Heuschrecken angerichtete Schaden in einzelnen Kolonien leider außerordentlich groß. — Während man die Heuschrecken und ihre noch gefährlichere Brut mit Erfolg bekämpft hatte, so weit sie direkt in. jüdischen Kolonien eingefallen waren, es waren z. B. alle Schüler der jüdischen andere zur Mitwirkung anzuspornen. Alle Spenden sind ehetuillichst an untenstehende Adresse abzuführen. Sie werden allwöchentlich in> der ebendort erscheinenden ״Jüdischen Zeitung" veröffentlicht' werden. Mit vereinter Kraft wollen wir ein Werk und betätigte sich insbesondere im 1. Wiener jüd. Turnverein, dessen mehrjähriges Ausschußmitglied er War. Er ruhe m Frieden! Brünn. (Wohltätigkeits-Vorstellung als Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät.) Am Samstag, den 14. August 1915, genau halb 8 Uhr abends, findet im kleinen Festsaale des Deutschen Hauses eine vou den Frl. Hella und Wally Hartenstein veranstaltende Theater-Vorstellung statt, deren Reinerträginis dem Prothesenfonde gewidmet ist. Eingeleitet wird der Abend durch einen Prolog (Melodram), gesprochen vou Herrn Zldolf Fischer. Am Klavier Frl. Wally Hartenstein, Molin Herr Hermann Spitz (Men). Zur Aufführung gelangt der Schwank: ״Der Raub der Sabincrinnen", von Fr. und Paul von Schön.׳ than. Es wirken mit die Damen: Nosl Borre, Elly Deutsch, Thesy Eisner, Rosl Fried und die Herren Friedrich Feith, Adolf Fischer, Robert Fischer, Norbert Klein, Robert Placzek und Herinann Spitz. Das RemerträMis fließt einom besonders wohltätigem Zwecke zu, weshalb ein überaus reger Besuch zu erwarten ist. Wien. Jüdischer- Schnlverein für den 9. Bez. Vor 14 Tagen fand die Zeugnisvertcilung in feierlicher Weife in Gegenwart des Herrn Schulinspektor I. Braun und des Vercinsvorstandes statt. Herr Josef Braun hielt eine zum Herzen gehende Ansprache an! die Kinder und erklärte sich mit den Lehrerfolgen, die Heuer unter besonderen Schwierigkeiten erzielt wurden besonders befriedligt und drückte dem Vorstande und dem Lehrkörper besonderen Dank aus. Hernach hielt Herr Lehrer Müller eine tiefempfundene Ansprache. Zum Schlüsse wurde eine solenne Huldigung Sr. Majestät unserem allverehrten Kaiser dargcbracht, die Volkshyimne Md andere patriotische Lieder von allen Anwesenden gesungen. Wien. (Oesterr.-ung. Kantoreu-Verein in Wien.) Die seinerzeit eingeleitete Aktion zur Unterstützung geflüchteter Kantoren unid deren Familien aus Galizien und der Bukowina hat ein glänzendes Ergebnis gezeitigt. Da nun dem größten Teile der Flüchtlinge die Möglichkeit einer Rückkehr in die Heimat,gegeben ist, betrachtet der Vorstand des Oesterr.-ung. Kanitoren- Vereines diese segensreiche Aktion für abgeschlossen und erlaubt sich auf diesept Wege allen Gönneun Md Spendern den wärmsten Dank abzustatten, mit der Bitte auch ferner die Bestrebüngen des Vereines fördern zu wollen. Der Vorstand. Jglau. (Sterbefall.) Eines tragischen, jähen Todes starb in Jglau Frau Berta Blan, Gattin des Geschästsimanues Herrn Heinrich Blan, tu der schönsten Blüte ihres Lebens und wurde am 25. Juli 1915 unter ungemein zahlreicher Beteiltgung aller Schichten der Bevölkerung zu Grabe schaft zur Ehre und unseren unglücklichen Brü- Lern, den jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten, zu Heil und Segen gereichen soll! Mit vorzüglichster Hochachtung und treu jüdischem Gruß für den Verein, ״Keren Kajemeth Lejisroel", Wien, 2., Zirkusgasse 33. Dr. Gerson Zipper Dr Egon Zweig Dr. Wilhelm Beigel tllorrefponäenzen. Schulen in die Kolonien gezogen, um zu helfen,-- aufrichten, /(welches der österreichischen Juden-!.getragen.— Berta Blan war eine mit allen Vorstattete Frau, als Gattin, als Jüdin und Meusch iin gleicher Weise ausgezeichnet, ein edler, biederer Charakter, dessen wahres Wesen, wegen ihrer bescheidenen Zurückhaltung, erst bei näherer Bekauntschaft sich dem Beobachter ganz erschloß und ihn zu rückhaltsloser Achtung rmd Verehrung begeisterte. Sie bewährte sich als ״Esches Chajil" itt der vielsagendsten Bedeutung des Wortes; sie war das Musterbild einer jüdischen Gattin, der Typus einer liebenden und hingebungsvollen Mutter, ganz Pflichtgefühl und ganz Opferfreudigkeit. Sie besaß eine edle Seele und ein Herz, das auch den Schmerz anderer empfand. Sie übte Wohltätigkeit oft über ihre Kräfte, aber immer still, verschwiegen, daß kein anderer als der bedürftige Arme davon erfahre und konnte sie nicht durch Taten helfen, dann stand sie den Elenden und Unglücklichen mit gutem Rate zur Seite; immer hatte sie Wenigstens ein stärkendes und ermutigendes Wort auf den Livven. träufelte sie dien Balsam des Trostes in die bekümmert«׳׳! Herzen. — Im gesellschaftlichen Verkehr war sie von einer herzgewinnenden Liebenswürdigkeit. Gm Zauber lag in ihrem Wesen, etwas Gewinnendes und Anziehendes, ®litte wohltuende Heiterkeit hat sie nie verliaffen, ein freundlicher $0 * und freundliche Morte — sie haben ihr nie gefehlt: ihre Bescheidenheilt, ihre Güte und Herzkonnte man ihrer schon nicht Herr Werden, als sie aus den arabischen Dörfern gegen die jüdischen Kolonien zogen. Die Araber hatten nämlich ׳ihrerseits die notwendigen Maßregeln zur Bekäimpfung der Heuschreckenplage trotz der Aufforderungen hierzu nicht durchgeführt, so daß aus den arabischen Dörfern ungeheuere Mengen der flügellosen Heuschrecken in die jüdischen Pflanzun gen einbrachen. So ist auch ein großer Teil der diesjährigen Ernte vernichtet und die durch die Unterbindung des Verkehrs entstandene Wirtschaftliche Not ist wieder verstärkt worden. Um so notwendiger ist es. daß die Hilfsaktion für Palästina, die die jüdischen Organisationen eingeleitet haben, weiter mit Eifer durchgeführt werde. In Deutschland haben sich die verschiedenen in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen 9K. Brünn. Mm 8. Juli ist der Einj.-Freiw. des Laudwehr-Jnfanterie-Reigintentes Herr Dokzu einem gemeinsamen Hilfswerk für Palästina; tor Erwin. Haas, Beamter der Riunione Mriazusatnmengeschlossen, so u. a. der Verein Bemlel,, tica in Men, einer tückischen Krankheit, welche der Verein ״Esra", der ״Vetzbänd Jüdisch״!- j er sich in Ausübung seines militärischen Dienstes Ivanen für Kulturarbeit in Palästina", die ״Ge- ׳ zugezogen hat. zum Opfer gefallen Das Leichen sollschaft für Palästnnaforschung", die ״Zionistibegängnis fand am 11. Juli unter militärischer sche Vereinigung für Deutschland" usw. Gleich Assistenz rmd zahlreicher Beteiligung auf dem nach Beginn der Aktion Wurden Mk. 20.000, nach Zentral-Friedhofe in Wien statt. Die Trauer- Palästina überwiesen. In den nächsten Tagen erreden hielten die Herren Feldprodiger Dr. Frankscheint in der allgemeinen Presse der Ausweis über die bisher eiugegangene Summe von Mk. 40.000. Weitere Spenden werden erbeten an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W 15, Postscheckkonto Berlin 4192. furter und Rabbiner Dr. Taglicht. — Der Ver bliche ne, ein Sohn des Gutspächters M. Haas in Welka und Brüder des im Felde stehenden Brünner Mvokaten Dr. Theodor Haas, genoß zufolge seiner vorzüglichen Charakter-Eigenschaften all-! lichkeit, ihr ungezwungenes Wesen Md ihre Frei-