Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 20 (8.8.1915)
- Date
- 1915-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«ritt«. jfiwpp vvnipmRr Hk. so. miit:$fett, chve entschiedene Abneigung gegen jede konventionelle Heuchelei und Unaufrichtigkeit, Waren von fesselnder Wirkung auf alle, die nM ihr in Berührung kamen. Nun ist die Edle und Vortreffliche für immer dahin. An einem schönen Juli tage, als die Blumen und Bäume des Jalauer Friedhofes im schönsten Blüten schmucke prangten, hat man dieses blühende Weib m die kühle Erde gebettet, betrauert von den gramgebeugten Gatten» den: einzigen Kinde, den untröstlichen Eltern und Geschwistern, von den, vielen Armen, denen sie stets eine warmherzige Helfevin Mar und von den zahlreichen Freunden, die sie im Leben sich erworben. Ehre ihrem Andenken! Dentschbrod. Anläßlich der Eroberung der Stadt Lemberg, Wurde Samstag, am 26. Juni, nachmittags um 4 Uhr, im hiesigen Bethäuse für die jüdische Schuljugend der Volks-Bürgerschulen und des k. k. Obergymnasiums eine Feier aLgehalten. Nach dem Mincha-Gebete hielt unser Herr Rabbiner Dr. Leo Berti sch an die Jugend eine kurze Ansprache, in der derselben die Bedeutung dieses großen Sieges erklärt wurde.Mit dem Absingen der Volkshymne von dm Schulkindern schloß die Feier. — Aus demselben An lasse fand Mittwoch, den 30. Juni, um 2 Uhr nachmittags, im hell und schön beleuchteten Tempel eine Feier statt. Vor der heil. Lade war die Büste unseres allgeliebten Kaisers, umgeben von schönen Bluwen, aufgestellt. Erschienen Maren: der hiesige Vorstand, fast alle Gemeindemitglieder, alle Flüchtlinge des hies. Sprengels, die Vertreter fast aller Behörden, so vor allem Bezirkshauptmann Herr Schneider-Soukop mit dem Kommissär Herrn Kobosil, Bezi rksschulinspektor .Herr Prof. Stvansky, Gymnasialdirektor Herr Jelliuek, wie auch Vertreter vom Gemeindevat und Bezirks- Ausschuß. Nach dem Mincha-Gebete trug unser Herr Rabbiner bei offener Bundeslade zuerst ein Gebet füx den Sieg, dann ein Gebet für den Kaiser vor, Worauf dann unser Herr Rabbiner eine formvollendete Ansprache hielt, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Mit der Volkshymne schloß die schöne Feier. DoVrrsch. Anläßlich der Wiedereroberung Lembergs veranstaltete der hies. Kultnsvorstand am 29. Juni im festlich beleuchteten Tempel in Gegenwart der k. k. Behörden und Vertretungen der hies. Vereine eine erhebende Siieges-Feier, zu der die gesamte Bürgerschaft nebst deren Frauen sich im FestgeWan.de ein fanden. — Nach Msiivguug der Siegespsalmen durch Kantor A. Pollak hielt Herr Dr. Eisenberg eine formvollendete, von tiefem Patriotismus getragene Festrede in böh- Mischer Sprache, welche auf alle Anwesenden einer: begeisternden Eindruck hervorrief. Die Rede setzte die Bedeutung der Befreiung Prze- :nysls und Lembergs für den künftigen Frieden auseimander und führte u. a. auch folgendes aus: ״Die Unersättlichkeit des Feindes in: Norden verleitete ihn, auch Nachbarländer zu beunruhigen. Doch der Anblick der zahllosen Gräber seines Millionenheeres allein vermag ihm endlich Friedensliebe einzulötzen." — Nach Nezitierung!der Vvlkshymne, in welche alle Anwesenden einstimmten, fand die erhebende Feier ihren Abschluß.. . Bukarest. In letzter Zeit hat Se. Majestät König Ferdinand die Führer der Juden, Doktoren, Beck, Niemirower und Stern nacheiuander in Audienz empfangen. Rabbiner Dr. Beck huldigte ihn: Namens seiner Gemeinde. Mit Rabbiner Dr. I. Niemirower unterhielt sich der König über Judentum und Juden. Dr. Stern überbrachte die Wünsche, der von ihn: geleiteten Union einheimischer Juden. Ein bedeutender Professor der Theologie Nazarie verdächtigte in einer Brochure ״Die Moral des Talmuds". Die Rabbiner Dr. Niemirower rmd CH. Schor antworteten in Brochuren, Dr. Beck in der Zeitung. ׳ S. Jsraelowitz. Literatur. Rabbinischer Humor aus alter und neuer Zeit. Eine Sammlung von Anekdoten und guten Wörtchen. Von Dr. P. I. Kohn. Verlag Louis Lamm, Berlin, 1916. Di« in diesem Buche enthaltenen Anekdoten nnd guten Wörtchen sind keineswegs mit den berühmten und berüchtigten jüdischen Witzen zuverwechseln. Dies besagt schon der Titel: -,Rabbinischer Hümor". Rabbinisch ist nicht jüdisch und Humor ist kein Witz. In diesem Buche findet man geistreiche Erklärungen und Deutungen schwieriger oder bloß scheinbar schwieriger Mischna- und Talmudstellen, hübsche Auslegung und Anwendung von biblischen Versen, herrliche Ausspräche berühmter Rabbiner aus alter und neuer Zeit. Dieser Humor reizt zwar nicht zum Lachen, aber er regt zum Nachdenken an und dies ist der Endzweck eines gesunden Humors. Dem Verfasser, der über eine schöne Feder verfügt und die Sprache zu meistern versteht, gebührt das Verdinst, diese rabbinischen Anekdoten gesammelt und sie der Vergessenheit entrissen zu haben. Druck und Ausstattung sind tadellos; es ist die berechtigte Hoffnung vorhanden, daß diese Sammlung in keinem Hau.se, wo man noch für gesunden Humor Verständnis hat. fehlen wird. Zwittau (Mähren) Dr. Kanter. Gebete für Kantoren bei Leichenbegängnissen. Zusammengestellt und herausgegoben von Max Schwager, Mitglied des Chores der isr. Kultus- -genUmde. Wien 1916. Zu beziehen durch den Herausgeber Max Schwager, Wien, 2., Cirkus- ׳gaffe 60. — Der Wministrator der ״Oesterr. Wochenschrift" Herr Max Schwager hat uns Kantoren mit einem fein ausgestattetem Handbuch beveichert, welches den Zweck verfolgt, die Gebete und die Rezitationen so anzuwenden, wie sie auf dom Friedhofe in Wien in stetem Gebrauche sind. Wer einmal einer solchen Bestattung beiwohnte, dem werden noch lange die wehmütigen Töne des A-moll-Akkordes wie ihn die begleitenden Sanger beim Hazur-tomin: wehklagend Vorträge::, in: Ohre klingen. Ebenso die hehren Klänge des Janschew beßeser und die trostreichen Akzente des Schiwisi, sie sind in diesen: Buche musikalisch festgehalten u. zw. so, Wie sie Sulzer, dessen Bild wir hier erblicken, in: großen Werke Schir Zion geschaffen hat und dessen reformatorischer und organisatorischer Geist über dem Ganzen schwebt. Möge dieses Buch, ^das. den: großen Humanisten und Präsidenten der Wiener Chewva Kadischa Herrn Salo Cohn in Verehrung gewidmet ist, bei unseren Fachgenossen mit solcher Sympathie ז׳יח genommen werden, wie cs das schöne Bestreben des Verfassers in vollen: Maße verdient. ' Juugjbnnzlau in: Juli 1916. Oberkantor Benedikt Singer. Andachtsbüchlein für jüdische Krieger im Felde von Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, Leiter der k. u. k. Isr Militärseelsorge in Wen. Uobersetzt ins Ungarische von Feldrabbiner Dr. E. Deutsch (Verlag Josef Schlesinger, Wien, 1., Seiteustettengasse 6. 1916, Preis 24 Heller. — ״Ein Sehnen nach Religion geht durch unser Volk" dieses Wort, das vor einigen Jahren ein deutscher Gelehrter im Hinblick auf Deutschlands Intelligenz sagte, dürfen Wir heute von uns Juden behaupten. Wer mit jüdischen Soldaten während des Krieges in Berührung kommt, merkt, daß das gewaltige Völkerringen auch auf unsere jüdische Jugend in religiöser Hinsicht von größtem Einflüsse geworden ist. Daher war es ein glücklicher Gedanke, daß bald nach Kriegsbeginn sowohl bei uns, als auch in: Deutschen Reich Gebetbücher für jüdische Krieger erschienen sind. Das neue, unter obigen: Titel veröffentlichte Andachtsbüchlein trägt den: tatsächlichen Bedürfnis eines Soldaten Rechnung. Es übertrifft seine. Vorlagen an Handlichkeit, worauf nicht genug Gewicht gelegt werden kann. Durch seine Doppelsprachigkeit ist es ein wirklich österr.-ungar. Sol-!haten-Andachtsbüchlein. Auch die Auswahl der Gebete ist eine dem Zweck angepatzte. Neben der Kürze zeichnet es sich durch das Hevausgreifen der schönsten Stücke unseres Sidnr aus. Hiebei verfolgt der Verfasser das Prinzip nur die allge- :::einen Gebete zu bringen und die besonderen Festtagsliturgie nicht zu berücksichtigen. Die Uebersetzung ist schlicht, leicht faßlich.Für alle in: Leben des Soldaten in Betracht kominenden Erlebnisse ist vorgesehen. Möge dieses Büchlein den beabsichtigten Zweck erreichen, stärkend::.׳tröstend wirken, so lange man sein bedarf. i-TC i i’— ... . ..... ׳י'! Eingesendet. Löbliche Redaktion! In Ihrer vorletzten Nummer haben Sie den Artikel ״Der Lügengeist" von Dr< Altmann abgedruckt, der bereits im ״Salzburger Bolksbhatt" erschienen ist und bei denen die mit der biblischen Geschichte, vertraut sind, nicht ohne Widersprrrch geblieben ist. Herr Dr. Altmann sagt: ״Auch der sinnlose. Krieg Italiens hat sein uraltes Analogon!" Er vergleicht also den Krieg Achabs mit den: Kriege, den Italien führt. Ist das richtig und ist das statthaft?? Der Krieg, den Italien gegen Oesterreich führt, stellt einen Treubruch dar ״wie ihn die Geschichte weiter nicht kennt." Was ist aber mit dem Krieg Achabs? Ich bedauere unendlich, aber ich kann eine solche Verkennuna der biblischen Geschichte, die ihren Weg in die Oeffentlichkeit nimmt, nicht ruhig mit ansehen. Die Geschichte berichtet in der Tat folgendes: Ben Hadad 2., König von Aram-Damaskus, war von König Aöhab geschlagen worden. Achab übte an! dem Besiegten Gnade und ließ Ben Hadad, der auf weitgehendeZugeständnisse eiw ging, frei. In der Folge hielt Ben Haoad die Versprechungen nur zum Teil, insbesondere <gab er die Stadt Ramot in Gilcad, einen wichtigen Stützpunkt, nicht heraus Und rüstete sogar ״zum Kampfe. Deshalb verband sich Achabs König von Israel mit Josaphat, König von Juda, zum Kampfe gegen Ben Hadad wegen dieser Stadt Ramot in, Gilead. Nun war es Josaphat, König von Juda, der nach einen: Propheten Gottes verlangte und darum Wurde Michajahu geholt, Warnte in dem Gleichnisse hon König, aber trotzdem zogen beide in den Kampf, in dem Ben Hadad siegte. Ich frage nun: Ist es angängig, den Kampf, den Achlab urch Josaphat, die Könige von Israel und Juda, gegen Ben Hadad führen, weil dieser treulos und undankbar die Versprechungen Nicht hält, mit den: Kampfe Italiens gegen Oesterreich zu vergleichen? Höchstens kann Ben Hadad mit dem Könige von Italien verglichen werden! Ich frage weiter: Ist es recht und notwendig, für den Treubruch Italiens, der als ein Treubrüch, ״Wie ihn die Geschichte nicht Weiter kennt" aus berufenstem Munde bezeichnet wurde, ein ״Analogon" ״aus der biblischen Geschichte" zu ״finden", damit es ausschaue, als könnten nur noch die Könige von Juda unjd Israel so treulos handeln? Ich sehe von der Parabel, die nur zur Hälfte wiedergegeben ist und daher in anderem Sinne als wirklich angewendet wurde und ein!'- gen sonstigen Unrichtigkeiten ab, möchte aber Protest einlegen, datz die biblische Geschichte in Zeitungen und Artikeln zu politisierenden Zwecken beliebig geändert werde. Zun: Schlüsse :nächte ich aber ernstlich richtig stellen, datz die Stelle in der Bibel heißt: ״Mim du in Frieden zurückkehren wirst, hat Gott nicht durch :::ich gesprochen usw." Wenn Herr Dr. Altmann die Bibel von einigen Kapiteln-vorher oder vielleicht Grätz in sei- ::er Geschichte über dieses Thenn: Nachlesen wollte, so Wird er em sehen, wie sehr er der Bibel Gewalt angetan hat. Hochachtend Dr. B. Kurrein, Rabbiner in Salzburg. Üriifftapten. Zdokoh. Wie reich Prinz Alois Lichtenstein, der offizielle Führer der Chvistlichsoz,ialen, ist, Wissen wir nicht. Jedenfalls gehört er zu den reichsten Leuten in Oesterreich. Es ist daher mehr als abgeschmackt, datz die ihn: nahestehende christlichsaziale Presse nniit deu von ihm gespendeten 200 Liter Wein soviel Aufhehens macht und es gar so auffällig hevvorhedt, daß der ״hochherzige" Wohltäter schon zum Viertenmale seit Kriegsbeginn sich durch seine namhaften Spenden auszeichne. Der achtungsvoll geschriebene Bericht will offenbar nicht ironisch genommen werden. Dafür aber donnerte derselbe fürstliche Latisundienbesitzer gegen den Lebensmittelwncher in: Kriege und Pries Pas tapfere Heer, durch dessen Siege Men von den polnisch-jüdischen Flüchtlingen wieder befreit werden Wird.