Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 18 (8.7.1915)
- Date
- 1915-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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J5 ־>r,\V *.״ ■MMMl MMÜMaA 9l|(k IO 1 ׳r^vy ^^c.;t׳i.;:^r״#:>f:'v(.:>!^ •־ ■rr-r‘-pr ' M fWly 9 Ein zeitgemäßes Wort. Kawin, Josef Laster, Josua Kramer, Eierhänd! ler Mendel Movdechai Ohringer und Jsak Aller: Im Jahve 1887 teilte Professor C. M. Müll-' Hand. Das Opfer des von den russischen Bestien ner in ״Schorers Familienblatt" ein noch ungedrucktes Gedicht Heines mi1׳, das in der jetzigen tiefernsten Zeit — wo der Fluch des Propheten Jesoias: jirhauer hanaar des oben, ״der junge unwissende Lasse erkühnt sich, den greisen, geist- und erfahrungsreichen Mann zu meistern, der verächtliche, verkommene Charlatan den angesehe nen, verdienstvollen Gelehrten geringschätzenv zu behandeln", in Erfüllung gegangen — noch aktueller als vor einem halben. Jahrhundert ersche nen dürfte, denn damals hatte es noch keinen wortbrüchigen Fürsten gegeben und!dem mosko kritischen Despoten kam es noch nicht in den Sinn, im Vereine mit seinen Bundesgenossen die Welt in Brand zu setzen, um Kultur, Bildung Zivilisation, Fortschritt, Humanität und Frei heit durch rrvssische Pogrome und sonstige Greuel taten, die die Geschichte nicht verzeichnet hat, fürdern zu können. Wenn der große Tonaite R. Meir keinen Anstand nimmt, sich von dem bekannten Abtrün nigen ״Acher" (Eliischab. Awuje) belehren zu lassen, glaube ich, keinen Fehler zu begehen, so ich mir erlaube, von dem modernen Acher Heine ein recht zeitgemäßes Wort hier zu reproduzieren ״Drei Dinge haben hier im Leben Macht: Der Neid, die Hoffahrt und die Niedertracht. Doch, wenn sie dich auch noch so schön:bespucken Am Ende wirst du sie zu Boden ducken! Verloren aber bist du auf der Welt, Wenn sich die Dummheit dir entgegenstellt. Sie setzt Spinoza hinter Löbl Pintus, Und hat die Weisheit aller Zeiten intus. Sie lacht wie ein Kretin dir ins Gesicht Und lästert alles, nur sich selber nicht׳,; Und nichts bleibt übrig dir von diesemViehHen Als sacht' dich in dich selber zu verkriechein! - Veritas. Po Beerez. (Im Lande der Väter.) Hier im Lande der Väter Werden alle Hoffnungen zur Wahrheit. Hier wollen wir leben, Hier wollen Wir schaffen. Ein Leben in Reinheit, Ein Leben in Freiheit, Hier wird der heilige Geist ruhen, Hier wird die Sprache der Tora aufblühen. Ziehet Furche auf Furche, Singet Lied auf Lied, Seid fröhlich und guter Dinge. Schon sprossen die Blüten, Bald kommen die Fruchtkörner. Bereinigung der orthodoxen Gemeinden Amerikas. Der Jahresversammlung dieser Verein! gung, die in den nächsten Tagen stattfindet, mißt ״Die Jüdischen Gazetten" erhebliche Bedeutung bei, da die Versammlung die Aufgabe habe, eine Vereinigung der gesamten orthodoxen Judenheit Amerikas herbeizuführen. Die Vereinigung besteht Wohl schon -fünf zehn Jahre, aber ein großer Teil der orthodoxen Gemeinden gehört ihr noch nicht an. Der Wunsch eines Zusammenschlusses ist in den letzten Jahren auch unter den orthodoxen Inden Amerikas stark geworden, die Vereinigung der orthodoxen Gemeinden ist in der letzten Zeit als die Vertretung der orthodoxen Judenheit mehr hervorgetreten, und so ist zu hoffen, daß sich auf der Versammlung ein Weg findet, sie Wirklich zu dieser Vertvetung werden zu lassen. 8 Juden gehängt, 54 Sifri-Tauraus verbrannt. Ueber die Schandtaten der Russe:: in Horodenka wird jetzt der ״Wiener Mopgen-Zeitung" berichtet: Am 11. Mai plünderten die Russen die Stadt, am 12. zündeten sie die Stadt an zahlveichen Stellen an und am 13. nahmen sie 40 Juden gefangen, zählten von diesen jeden vierten ab und bestimmten ihn zum Aufhängen. Vorher zwang man sie, ein Schriftstück zu unterschreiben, in dem sie selbst bestätigen, die Stadt angezündet zu hüben. Von denJuden starben vorher zwei — der 60jähri.ge Barbier Simon Adler und sein Vetter, der Barbier Mendel Adler — infolge Naga-ikahiebe. Die Namen der 8 Gehenkten sind: Getreidehändler Meier Ekerling, Schneider Nachum Tiker, Lsderhändler Jakob Fliegler, Wolf angelegten Brandes wurden 64 Sifri-Tauraus, die große Synagoge, das Beth-Hamidrasch und alle Klausen. Der Gründer des Bureaus Reuter". Paul Julius Freiherr v. Reuter, der Gründer des Telegraphenbureaus Reuter, wurde imter dem Namen Israel Beere 1816 als Sohn des Rabbiners Samuel Levi Josaphat in Kassel geboren. Er ließ sich anscheinend schon als junger Mann taufen. Julius Rodeniberg schreibt in seinem Buche: ״Aus der Kindheit" über ihn: ״Noch erstaunlicher war die Laufbahn eines andern jungen Mannes, dem es, als er in mein Elternhaus kam, kümmerlich genug ging. Er war auch ein Heffe, hatte in einem Göttinger Bankgeschäft gelernt und lebte hierauf stellen- und mittellos eme Zeitlang bei seinem Bruder, der Gemeindelehrer in unserem Städtchen (Rodenberg bei Rinteln) war. Manchen Mittag hat er sichs am Tische meines Elternhauses wohl sein lassen und manchen Abend den vierten Mann beim Whist gestellt. Zu größeren Dingen schien er nicht berufen. Und doch war es der nämliche junge Mann, der mich, da wir beide etliche vierzig Jahre älter gewordn waren, in einem der fürstlichen Paläste des Westend von London empfangen und bewirtet hat. Seine kleinen schwarzen Augen, der bräunliche Teint seines Gesichts, der Anflug hessischen Dialekts, wenn er von der Vergangenheit sprach, erinnerten mich an den, den ich einst so manchmal bei uns ein und aus gehen sah. Aber wie hatten die Verhältnisse sieh seitdem gewandelt!Diener in Livree mit Pappen auf fom Knöpfen, servierten an der Tafel.. . und mein Wirt War der große Baron Reuter, der Begründer des weltbekannten Telegvaphenbureaus." Jüdische Palästina-Hilfsaktion, Zentralstelle Kopenhagen. Die von der Zentralstelle Kopenhagen in allen Ländern mit Ausnahme von Amerika, wo die Arbeit von dem Provision«;! Zionist Comitee geleitet wird, ms Leben!gerufene Jüdische Palästina-Hilfsaktion hat bereits erfreuliche Resultäte gezeitigt. In den meisten Ländern wurden unter Jnitiative der Zionistischen Landes-Koim-itees spezielle Sammlungen für Palästina eröffnet; in einigen Ländern wurde ein Teil der für die infolge des Kriegesin Not befiMichen Juden gesammelten Beträge für Palästina bestimmt. Es steht zu hoffen, ׳daß alle Kreise des Judentums das Ihrige zur Rettung der jüdischen Bevölkerung m Palästina «und zur Erhaltung des jüdischen Kolonisationswerkes beitragen werden. Aus Deutschland, England, Rußland und Skandinavien sind schon erhebliche Beträge zur Linderung der Not in Palästina überwiesen worden. In Holland, Rumänien und in der Schweiz wurden die Sammlungen ebenfalls begonnen. Die Ueberweisung der Gelder erfolgt von der Zentralstelle der Jüdischen Palästina-Hilfsaktion, Kopenhagen, Vestergade 1, durch Vermitt lung des amerikanischen Botschafters in Konstantinonpel, Mr. Movgenthau. Zionistische Flüchtlingsfürforge. Spitze aller Aktionen, die zur Linderung der Not der aus dem Kriogsgebiete fliehenden Juden durchgeführt werden. In Alexandrien, wohin etwa 7000 Juden feindlicher Gtaatsangehorigkeit aus Palästina flüchteten, die keine Lttomanen werden wollten, konnte einem großen Teile die Möglichkeit zur Weiterreise und zur Begrün- Die zionistischen Landeszentralen in׳ dm kriegführenden Ländern haben sich seit Beginn )es Krieges der in ihrem Lande verbliebenen üdischerAugehörigen feindlicherStaaton-die viel- 'ach in größte Not gerieten, in dankenswerter Weise angenommen. In England arbeiten die Zionisten iin einem allgemeinen Hilfskomitee, dessen Tätigkeit sich in erster Reihe auf die seinerzeit aus Belgiengelüchteten Juden erstreckt. In Deutschland hat das Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung in Serli n seine Fürsorge vornehmlich den in Deutsch and verbliebenen palästinensischen Juden iwtö den jüdischen Gefangenen zuigewandt. In Oesterreich sind in Wien und Prag zionistische Hilfs- ׳omitees entstaerdon, die Hunderttausenjden aus Galizien geflüchteten Juden Lebensmittel, Kleimng, medizinische Behandlung, juristischen*. Rat usw. zu verschaffen bemüht siÄ. Auch in Rußland stehen die Zionisten überall mit an dev lästine-Cömpany) einen Betrag von 250.000 Franken bereitstellte, der in kleinen Beträgen an Depositeure der Bank, die aller sonstigen Mittel bar waren, Mr Verteilung gelangte. Vermittlung privster Geldsendungen aas Amerika nach Rußland and Oesterreich. Das Provisorische Zionistische Exekutivkomitee in Newyork hat jetzt auch die Vermittlung privater Geldsendungen aus Amerika nach Rußland und Oesterreich übernommen, was für die aus dem Kriegsgebiete aeflüchteten und in Not befindlichen jüdischen Mrertatten dieser Lätt der, die vielfach Angehörige in Amerika haben, vongrößter Bedeutung ist. Hand in Haiid Mit dem genannten Komitee arbeiten die Hilfskomitees, die sich in verschiedenen russischen Zentren und in Wien gebildet l>aüen. Die Adresse des Provisorischen Erekut'vkomitees lautet: Provisional Erekutive Comitee for General Zionist Af-fairs, Newyork, Suite 118, Mercantile Blog. 44 East 22rd Street. Die Zionistischen Finanstnstitute. Die Eingänge für den Jüdischen Nationalfonds betrugen in der Zeit vom 1. Jänner bis 8m. April 1915 145.000 Frank.nt, für den Zionisti scheu Zentralfonds bis zmn 31. Mai 60.000 Franken. Die Ermordung des Lehrers Schächter in Kolomea (Galizien). Originalbericht des Jüdischen Kriogsarchivs. In de>r ziemlich entlegenen. Diatkowergasse iw Kolomea wohnte der Kindtzrlehror Salomon Schächter, ein Mann von zirka 40 Jahren. Mitte Jänner 1915 drangen fünf Kosaken in׳ die WPHn.ung ein, um die schöne, 16jährige.Tochter des Schächlier zu vergewaltigen. Schächter trat ihnen entgegen, flehte und weinte und bot ihnen seine gaitze Habe an, um das Kind zu schützen. Die Kosaken beachteten ihn weiter nicht. Ju seiner Verzweiflung stürzte sich Schächter auf einen Kosaken, der die Tochter -bereits in den Armen hatte. Da sprang ein. anderor Kosak hinzu und tötete den Schächter durch Messerstiche in die Brust und den Bauche Daunnahmen zwei Kosaken die Leiche auf und warfen sie vor di!e Türe auf die Straße. Die Passanten wagten weder einzuschveiten, noch eine Anzeige zu erstatten. Die Angst vor der Rache der Kosaken war zu groß. Eine merkwürdige ״Anerkennung" des ״tapferen Judenvolkes". Einen besonders schlauen Bürgermeister hatte die Stadt Pyritz vor 150 Jahren in der Person eines Herrn namens P. B. Bötticher. Dieser, nicht nur um das Wohl seines Gemein- Wesens, sondern ganz besonders um seinen Geldbeutel besorgte Mann Machte i׳m Jahre 1765 eine Eingabe an Friedrich den Großen, iin welcher er den König um Erlaubnis bat, ״eine Karte vom gelobten Lande mit hebräisch geschriebenen Be- Nennungen ׳und Anmerkungen der Schlachten und Kriegsmärsche des wekland tapferen Juden- Volkes stechen zu lassen". Alsdkn׳n sollte der König befehlen, daß jeder Jude in den preußischen Staaten verpflichtet sei, ein Exemplar dieser Karte zu kaufen, außerdem aber noch für die Druck- und sonstigen Herste,ungskosten zwei Prozent seines Vermögens (!) beizusteuern. Nach seiner Berechnung würden hierdurch rund 300.000 Taler erzielt werden, wovon der schlaue Herr Bürgermeister für seine höchst mühsame Ausheckung dieses seines Planes ״nur" 20.000 Taler für sich beanspruchte, so daß seinen großmütigen Intentionen zufolge dem Staate 280.000 harte Äler verbleiben sollten. Allein der Alte Fritz, der im übrigen trotz seiner bekannten Toleranz dem Geldbeutel unserer Glaubensgenossen manches Opfr auferlegte, ging auf diesen Vorschlag nicht ein und lehnte die erbetene Erlaubnis ab.