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Jüdische Volksstimme · 1915-07-08 · Heft 18 (8.7.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 18 (8.7.1915)
Date
1915-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. »SlIfMt Mivphsm« **. 18 P n & wird auch das Werkzeug zur Verantwortung gewenn er heute noch leben würde — die grauenzogen und lMt bestraft wenden? Nein, nimmer^ haften, entsetzenerregenden und lMrsträubenden mehr! Möge wer immer diese Mission überneh-j Schandtaten der Pogromhelden geschildert und men, ich meinerseits gebe mich nicht dazu her."t gebrandinarkt! Er entließ das Heer, trat zum Judentum über u. Wenn nun jetzt, wie es allgemein heißt, der von ihm sei dann R. Meir abgestammt.. Welch! russische Generalissimus an einem Leber- und ׳ eine herrliche Moral liegt dieser Dichtung zu- Gallensteinleiden krankt, so ist es kein Wunder, gründe. Bekanntlich lautet ein talm. Ausspruch: Megalgelin sechus al jede sakae wechowe al jede chajiw: ״Das Gute wird durch die Guten, und das Böse durch die Bösen befördert" (Sabbath 82). Die gütige Vorsehung läßt ihre mannigfachen Pläne durch verschiedenartige Organe verwirklichen. Die edlen des Volkes, die sich durch religiöse Begeisterung, Biedersinn, Seelenadel, Herzensgute, Charakterfestigkeit und sonstige Tugenden auszeichnen, stnd berufen, eine segensreiche Tätigkeit im Kreise 'der menschlichen Ge sellschaft zu entfalten, Tränen zu trocknen, Wun den zu heilen, betrübte Herzen aufzurichten, Schwergeprüften und Harthejmgesuchten bei zustehen, sie aus ihrer traurige!!!, Mark und Bein erschütternden Lage zu befreien; Barbaren hingegen haben die Mission, Schrecken zu verbreiten, heillosen Schaden in der sündigen Welt arrzurichten, auf daß die Verirrten zur Besinnung kommen, ihren Fehler, Sünden und Freveltaten bereuen und zu Gott sich bekehren. Kaiser Nero, der in der Geschichte als einer der Musamsten Tyrannen, die es je gegeben, geschildert wird, dürfte in gewissen Momenten denn׳ doch die Ueberzeugung gewonnen^ haben, daß es einen gerechten Gott gibt, der nach Verdienst und Gebühr belohnt und bestraft. Und diese UeberzeuWng mochte wohl in ihn: das menschliche Gefühl wachgerufen haben, daher er, wie cs in. der oben erwähnten Dichtung heißt, sich für den Glauben des Judentums begeistert habe. Wie anders geartet und gestaltet jedoch ist der gegenwärtige russische Gcneralissinrus, der moderne Nero! Sein ganzes Denken, Sinnen, Forschen und Grübeln ist dahin gerichtet, die altehrwürdige Monarchie zu zertrümmern, deren Bewohner, besonders die Bekenner des Judentu!n!s, zu vertilgen und die schönsten, herrlichsten Landstriche in öde Wüsteneien zu verwandeln. Wohin seine Horden, diese blutgierigen Mordbrenner, ihren Fuß setzen, verbreiten sie Furcht, Schrecken, Angst, Bangen und Grauen, verüben unter den Augen ihrer Vorgesetzten scheußliche Gräuel und Schandtaten, wie sie die Geschichte nicht kennt. Selbst der Generalinquisitor Torquemado hätte mögen noch zu dem modernen Nero in die Schule gehen, um zu lernen, wie man Hunderttausende Schlachtopfer rasch ins Jenseits befördern und viele Tausende unschuldiger Menschen, die mit dem Kriege nichts gemein haben, nicht nur ihres schlvererworbenen Vermögens berauben, sondern sie auch zu Tode quälen, peinigen martern, foltern und schänden kann. Wenn man sich nur einen Beigriff von dem Wesen der span, und portugies. Inquisition machen will, so betrachte man das Bild, das der Dichter Samuel Usque, der ebenfalls von: Juquisitionstribunal zum Tode verurteilt wurde, von derselben entworfen hatte. Er schrieb: ״Aus Nom wurde ein wildes Ungetüm bezogen, von einer so Wunderlichen Gestalt und einem so entsetzlichen Anblick, daß von seinen! Rufe allein ganz Europa erzittert. Sein Leib war von rauben! Eisen, mit tödlichen! Gifte geknetet, mit einer harten Schale von Stahlschuppen bedeckt. Tausend schwere, giftgefiillte Flügel erhoben es von den! Boden. Sein Wesen gleicht den! fürchterlichen Löwen und der Schlange der afrikanischen Küste. Sein Gebiß übertrifft das der riesigen Elephanten. Sein pfeifender Ton tötet schneller als der giftige Basilisk. Aus seinen Augen und seinen! Munde entströ-!neu stets Flannnen und Feuerschlünde. Er nährt sich von!nenschlichen Leibern. Es übertrifft den Adler! an Schnelligkeit des Flugs. Wohin es kommt, verbreitet es mit seinen! schwarzen Schatten düsteres Dunkel. Wie hell auch die Sonne scheint, so hinterläßt seine Spur eine ägyptische Finsternis. Wtihin es seinen Flug nimn!t, jede grüne Matte, die es betritt, jeder blühende Baun!, auf den es seinen Fuß seht, verdorrt, entfärbt sich und stirbt ab. Mit seinem zerstörenden Munde entwurzelt es alles bis auf den Grund. Und mit seinem Giftgeruche verwandelt es den Umkreis seiner Bewegung zu einer Wüste, wo keine Pflanze gedeiht und kein Grashalm aufkonunt." (Samuel Usque, Consolacoes 3, N. 25 und Gr. Gesch. d. Juden, 8,>B. 318.) Mit Welcher Entrüstung hätte erst Salomon Usque — denn ״Neid und Mißgunst, Ehrgeiz, Herrsch- und Habsucht sind Leidenschaften, die den Menschen seiner Vernichtung entgegenführen". (Spr. d. Väter, 4, 21). Ob nuiunehr der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, wie einst Nero, zur Besinnung kommen und einsehcn wird, daß es einen einig einzigen, weltregierenden, gerechten Gott gibt, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, ist fraglich, denn der russische, sich selbst vergütternde, auf seine Uebermacht pochende Despot ist trotz seiner sogenannten Frömmigkeit stolz, hoch-!nütig, verstockt und unbeugsam wie ein Pharao. Allerdings wird inan einwenden: der russische Despot verdient ja nicht, so sehr verurteilt zu werden, denn er würde es gewiß nicht gewagt haben, den Weltkrieg zu entfachen, wenn er nicht hierzu von den Diplomaten des hochkultivierten englischen Volkes veranlaßt und in seinem Stre ben kräftigst unterstützt worden wäre. Sollte er etwa humaner sein als die hochliberalen Englän der? — Allerdings kann es nicht geleugnet werden, daß die Engländer lange Zeit als hochlibevale Leute galten, allein ihre gegenwärtige Politik zeigt, daß ihr Liberalismus kein echtes, sonder!! Talmgold war. Sie sind gerade so wie die Franzosen erblich belastet, haben nur seit hundert Jahren die Maske des Liberlalismus, und zwar aus Geschäftsrücksichten, getragen, in Wirklichkeit aber sind sie wie jene nicht besser, womöglich noch schlin!!m!er, als ihre Urahnen in früheren Zeiten waren. Ein Blick in!die Geschichte der Juden genügt, um uns zu überzeugen, daß die Bekenner des Judentums im Mittelalter in England gerade so inißhandelt, bedrückt,.verfolgt, beraubt und geplündert wurden, wie ihre Glaubensgenossen m Spanien, Portugal, Frankreich usw. Zur Begründung dieser Behauptung mogen hier nur einige Beispiele angeführt werden. 3m zwölften Jahrhundert wurden die Juden von! König Heinrich dem Zweiten durch ungewöhnlich große Steuern derart ausgebeutet, daß die Täuflinge gezwungen wurden, zum Gl!aubei! ׳der Väter zurückkehron, damit er von ifynen als Juden mehr erpressen konnte. (Jean d'EsPange 225). Als König Johann 1206 gegen Philipp 2., in Frankreich iu den Kampf zog, ließ er vor allen! die Güter sülntlicher in England! wohnenden Juden ei!!ziehen, um sie zu Kriegszwecken -verwenden zu können. In Bristol jedoch hat ein reichbegüterter Jude nainens Hoffen aus Furcht, seines ganzen Verinögens beraubt zu werden, seine sämtlichen Schätze au einen! geheimen Orte verborgen. Als der König hiervon Kunde erhielt, ließ er ihn in den Kerker werfen, woselbst ihn! auf Befehl des Königs jeden Tag ein Zahn ausgebrochen wurde, so lange, bis er nicht seine Schätze entdeckte.Jossen erduldete standhast sieben Tage hindurch diese grausamen Qualen und Schinerzen, ließ sich sieben Zähne ausreißen; endlich wurde ihn! doch diese Folter unerträglich, daher er sich gezwugen sah, den Ort, der seine Schätze barg, anzugeben, und so wurden dieselben sofort dein König ausgeliefert. (Basnage Hist, de Juifes, 1233.) Die Verfolgungen nahmen solche gewaltige Dimensionen an, daß die Inden sowohl von seiten des Königs als auch des Volkes den furchtbarsten Grausamkeiten ausgesetzt waren, infolgedessen sie dann unter Eduard den! Ersten in! Jahre 1200 größtenteils freiwillig England verließen. Und so blieb denn England!!!ehr denn 300 Jahre judenrein, bis es endlich 1655 den! berühmten Gelehrten, R. Menasse ben Jisroel, der als Verteidiger der Juden nach London karr!, unter de!!!! damaligen Protektor Englands, Richard Croinwell, gelang, die Wiederaufnahme der Juden!!ach und nach durchzusetzen, die gewaltigen Hindernisse, die ihm in der! Weg traten, zu bewältigen und die von feindlicher Seite verbreiteten blutrünstigen Märchen und sonstigen lügenhaften Verleumdungen gründlich zu widerlegen. — Was Wunder also, daß die kultivierten Englander — die überdies, wie nämlich bekannt ist, leichtgläubige Leute sind, die sich von Heuchlern und Frömmlern auf die leichteste Weise düpieren lassen, daher tatsächlich notorische Hochstapler oft in England, besonders in London, eine Zufluchtsstatte gefunden — sich mit den russischen Barbaren auf das innigste verbünidet und sie in ihrem Vorhaben kräftigst unterstützt haben. ״Das Gute wird nur durch die Guten und das Böse durch die Bösen befördert." Wer also gottlose, lasterhafte Menschen, in Schutz nimmt, versündigt sich ebenso schwer, wie diejenigen, denen er hilfreich zur Seite steht und sie in die Lage versetzt, ihrer Rachgier, Verleumdungs- und Genußsucht frühneu zu können. NNre der englische Liberalismus ein Echter, unverfälschter gewesen, so hätte es gewiß keinen Weltkrieg gegeben, Millionen arheilsame Menschen wären nicht zur Schlachtbank geführt, Hunderttausende Existenzen nicht zerstört, zahlreiche Frauen nicht ihrer Ernährer und!!!!zählige .Kinder, die jetzt mit dem klagenden Propheten händeringend zum Himmel rufen: ״Jesoinin! nojiuu, vaterlosen Waisen gleichen wir, unsere Mütter verlassenen Witwen" — nicht ihrer Väter beraubt worden. Wir, die wir fest und unerschütterlich an Gottes gerechte Weltregierung glauben, dürfen daher mit Bestimmtheit erwarten, daß die Zeit wicht!!!ehr fern sei, wo die Diplomaten der Mon- .archie und des Deutschen Reiches denen der Ententemächte — die den Weltbrand entzündet haben — mit dem würdigen heidnischen Prieister Jatro zuvufen würden: ״Jetzt gewinnen wir erst recht die Ueberzsugung, daß der Ewige größer sei als alle göttliche Wjesen, de!n׳n mit derselben Sache, mit der unsere Feinde gefrevelt, wurden sie bestraft," daher es ihnen trotz der unerimeß-!ich großen Schlachtopfer, die sie seit neun Mona ten in leichtsinniger Weise gebracht, bisher, Gott sei Lob und Dank, doch nicht gelungen sei, ihre verteufelten Pläne zu verwirklichen. Den bibelfesten Engländern möchten wir uns erlaubei!, das Wort der heiligen Schrift ״Lu chochmo jakilu saus, jowiniu leachvisom", ״Wenn ihre unbezähmbare Habsucht ihren Verstand nicht getrübt hätte, würden sie doch an ihr Ende denken", ins Gedächtnis zuzurufen. Dr. Fr. Brief eines österreichischen Internierten in Frankreich. (Vom 21. Juni 1915.) Liebster Onkel und liebste Tante! Entschuldigt Schrift, überhaupt alles, wenig Zeit, weil plötzliche Abfahrt der Frauen. Bestätige von H. die zwei Karten, welche!mich sehr freuten, deren kurzen, aber sachlichen Inhalt. Ich kann Euch nur sagen, daß Ihr von Frankreich nicht die gute Meinung und das Vertrauen hättet, wenn Ihr gefangen wäret. Die Franzosen nennen den Krieg den Kampf der Gerechtigkeit und Menschlichkeit gegen tyie Barbaren. In! Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit geben sie einem in der Früh ulin 7 Uhr eine Reissuppe, d. h. der Reis aus de!!! Sack in einen Kessel, enthaltend׳ 286 Liter Wasser, hereingeschüttet. Mittags ein Bouillon ״Kathi, nit leben sollste", sowie 300 Grau!!!! Brot für oen ganzen Tag. Ein Stück Fleisch, Größe 4:9, Dicke 6 Millimeter. Seit zwei Wochen bekommen wir auch stinkiges Schweinefleisch. Was heißt schlecht? Das hat noch kein Hund gefressen. Es läuft nämlich ein vierbeiniger, französischer Hund, ausgehungert herun! und der hungert lieber weiter. — Außer dem Gemüse, Reis, Bohne!!, Erbsen oder Kartoffeln. Nu, is es Reis? Die Bohnen das Einzige, das was taugt. Erbsen mit — Steine, die Erdäpfel? Bei uns würden die Schweine Revolution machen, wenn n!an sie it)!!en vorsetzen würde, und noch dazu!!!üssen die Kartoffeln von uns selbst geschält werden. O Tante F., ich habe mich schon ganz zur Hausfrau entwickelt. Ich wasche meine Wasche, und wie! Die Bürste, die Wäsche und ich werden dabei kaput. Macht nix, rein wird sie doch. — Zum Nachtmahl eine Suppe. Wunderbar, großartig! Die Kroaten sagen, daß sie nicht geglaubt haben, daß!!!an in Frankreich so ist. — Wer nicht glauben will, n!uß fühlen! Wir schlafen seit Dezember aus einem Strohsack, Errungenschaft der französischen Humanität; denn bis Dezember sind die Läuse und Flöhe direkt vom Stroh, so wie!!!an es dein geliebten Vieh aufstreut, auf uns gesprungen. O selige Zeit, o ihr französischen Flöhe, wie könnt ihr doch verflacht gut beißen! Nur gut, daß eure französischen Kanonen nicht so gut schießen. — Bei Frau K. in W. haben wir nur Wanzen gehabt, die können wenigstens nur kriechen, aber diese Flöhe, diese Akrobaten, daß sich Gott erbarme, Amon! Ich habe vorige IMWWMUMWWMWM

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