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Jüdische Volksstimme · 1915-06-18 · Heft 17 (18.6.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 17 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.4 «׳*€ qmm b«1»(h«ww» MW Kt 17 Die Huldigung der israelitischen Kultusgemeiude in Stryj. Auf die Huldigungskundgebung, welche die israelitische Kultusgemeinde Stryj anläßlich der Befreiung von Stryj aus russischen Händen an den Oberkommandierenden der österreichisch-un- § arischen Armeen, Feldmarschall Erzherzog Kiedrich, gerichtet hat, ist an den Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Heinrich Goldstern, folgende Antwort singelangt: ״Se. k. u. k. Hoheit, der durchlauchtigste Herr Armeeoberkommandamt Feldmarschall Erzherzog Friedrich läßt für die im Namen der israelitischen Kultusgemeinde Stryj übersendeten Glückwünsche bestens danken. Im höchsten Aufträge: Flügelädjutant Oberstleutnant v. Lorx." * * * Kundgebung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an Erzherzog Friedrich. Anläßlich der Wiedereroberung von Przemysl hat der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an den Erzherzog Friedrich nachstehendes Telegramm gerichtet: ״An Se. k. u. k. Hoheit den durchlauchtigsten Erzherzog Friedrich, Oberkommandanten und Feldmarschall, Hauptquartier: Unter dem überwältigenden Eindrücke der herrlichen, an die bisherigen großen Erfolge sich würdig anreihenden Waffentat, durch welche die siegreichen Verbündeten Truppen wieder in den Besitz der Stadt Przemysl gelangten, erlaubt sich der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Eure k. u. k. Hoheit zu bitten, die ergebensten Glückwünsche gnädigst entgegennehmen zu wollen. Die Judenschaft Oesterreichs ist stolz darauf, daß ihre Söhne,' erfüllt von glühender Liebe für Kaiser und Vaterland, durchdrangen von. der Gerechtigkeit unserer Sache, mit Hingebung und Todesverachtung unter Eurer k. u. k. Hoheit Oberbefehl in der Reihe ihrer Mitbürger für die Verteidigung des Vaterlan: des kämpfen. Gottes Schutz geleite auch fernerhin unser glorreiches Heier zum endgültigen Siege. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Hierauf ist an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde nachfolgende telegraphische Antwort eingelangt: ״Herrn Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Wien. Herzlichsten Dank für die mir im Namen des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde verdolmetschten patriotischen Glückwünsche aus Anlaß der Wiedereroberung der Festung Przemysl. Im selbstlosen, treuen Zusammenarbeiten aller, i!m unerschütterlichen Gott-!vertrauen und in der heißesten Liebe zu Kaiser und Reich liegt unserer Waffen Stärke, die uns den endgültigen Sieg und den segenbvingenden Frieden erkämpfen werden. Feldmarschall Erz- Herzog Friedrich." Moritz Schwarz. ״Das ist fürwahr ein Mensch gewesen, Und das heißt ein Kämpfer sein." Ein langes, müh- und ehrenvolles Leben, auf dem Gipfel des Daseins treu erfüllter Pfl-ichten, liebe- und glückumsponnen, fand plötzlich seinen Abschluß. Ganz unerwartet, auf einer Reise in Prag, traf ihn jäh des Todes Ruf; ferne der Stätte, wo die Wiege seines Glückes stand, wo er inmitten rastlosen. Schaffens für das wettere Ansehen eines großen Welthauses, für eine zu ihm aufblickende, ihn abgöttisch liebende Familie und hochverehrende Gemeinde wirkte. Er suchte und fand sein Glück in dem Wohle anderer und nun deckt sein Grab die Scholle jenes Rotlandes um Auscha, aus dem in fleißiger Wahrnehmung kaufmännischen Geistes der irdischen Güter volles Maß erwuchs. Sein eigen Glück hienieden ist erstorben, doch das Glück, ihn m-it des Herzens Pulsschlägen ganz besessen zu haben, ist geblieben, das Glück, das er gesät und sich fortpflanzen wird in Zukunftszeiten, in welchen sein Namen erst mit den letzten Spuren seines Denkmals vergehen wird. Draußen lacht jetzt der Frühling Md svrie- Nächstenli-ebevereines Bnei-Brith-Prag, welchen tzen die Triebe des Hopfens der wütigen Blüte sich eine unabsehbare Menge leidtragender Anentgegen, in der des großen Toten Lebenswerk tetlnehmer der Stadtbevölkerung, wie von nah seit dem väterlichen Anbsginn seinen Quellenur- und fern anschloh. sprung fand. Wie das Mannah der Israeliten | Jim ganz in Schwarz dekorierten Tempel in der Wüste, so ist ihm das duftende Mehl in der sprach Rabbiner Stulz einige tiefempfundene Fruchtdolde des rankenden Gewächses, dem Auscha Abschiedsworte, worauf die irdischen Ueberreste feinen Aufschwung, seine Bedeutung verdankt, die göttliche Gabe gewesen, die ihm auf seinem- Felde erst die Möglichkeit schuf, die ererbte Existenz zu sichern und weiter zu fruktifizieven, bis zum Zenit seines Ehrenzuges,׳in dem sein Licht erlosch, das nun seinen Nachkommen die Wege leuchtend weist. Von der gütigen- Natur mit vorzüglichen Eigenschaften des Geistes und Herzens ausgerüstet, war der Verblichene schon von Jugend an, als er in das Geschäftshaus seines Vaters eintrat, das Muster eines strebsamen,.tüchtigen jungen Mannes. Das Unternehmen gewann unter seiner umsichtigen Leitung, im Vereine mit seinen Brüdern, mit den Jahren immer mehr an Umfang Md Bedeutung als eines der renommiertesten Handelshäuser der Hopfenbranche, das im In- und Auslande größtes Vertrauendenotz und heute mit an erster Stelle steht. Wie es ihm stets ein Bedürfnis gewesen, mit reinem Willen sein Wissen zu mehren, sein Denken zu läutern, sein Urteil zu reifen, so wuchs er mit seinen größeren Zwecken als Geschäftsmann, der die Zeit begriff und mit ihr ging, in regsamer Tatkraft, gepaart mit freundlichem Wesen, zu jener seltenen Autorität heran, die nur durch eine hohe Meinung über ihre zuverlässige Treue und vertrauenswürdige Verständigkeit erstehen und sich behaupten kann. Die hohen Bürgertugenden des nun im Herrn Ruhenden offenbarten sich auch in seinem Erdenwallen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und Werktätigen Nächstenliebe. Sein humanes Walten, seine freudige Ovserwilligkeit, sein vorbildlich.jüdisches Herz hilfsbedürftigen Glaubensgenossen gegenüber, seine stete Bereit- Willigkeit in Unterstützung notwendiger Hilfsaktionen jedweder Art, seine Anteilnahme und Mitarbeit in Rat und Tat, in Anregung und positivem Handeln für als zweckdien lick erkannte Maßnahmen, verliehen׳ ihm in natürlicher Folgerung feiner Persönlichkeit die Würden, die er, wie i׳n der Geschäftswelt als alterfahrener, grundsolider Fachmann und Sachverständiger, auch als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Auscha in öffentkich gemeinnützigen Angelegenheiten, in der Gesellschaft und insbesondere auch als Familiensenior genoß. Hier, im engeren Kreise seiner Nächsten, trieb sein edles Herz, sein tiefes Gemüt, in hingebungsvoller Liebe di!e schönsten Blüten und seine fromme Seele wußte es dem göttlichen Lenker aller menschlichen Schicksalsfügungen zu danken, daß es ihm beschieden war, den Sogen eines überaus glücklichen Familienlebens nebst allem, was die Erde einem Menschonkinde an Gutem und Ehrenvollen bietenkann, empfangen zu haben. So mag auch sein Scheiden aus dieser Welt ein kampflos friedliches gewesen sein. So träufle Gott noch Balsam auf die Herzenswunden seiner klagenden Gattin, die ihn in vielen- Jahren seltenenEheglückes betreute, seinenKinderu, die ihn, Wohl versorgt und in den angesehensten Stellungen, mit Stolz erfüllten, seinen lieben Kindeskindern und allen, die ihn im Leben nahe standen und seinen Hingang betrauern. Das Sterbliche an ihm ist gestorben und vergeht, das Unsterbliche und Unvergängliche wird fortl^ben in der Erinnerung aller, die Moritz Schwan׳ als den Ihrigen geliebt und mit ihm verbunden oder sonst von der Größe seiner Jndividualitat durchdrungen waren. Die nach Ueberführung der Leiche von Prag nach Auscha, dem Wohnort und der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit und Erfolge, am 26. Mai 1915 stattgefundenen Beerdigungsfeierlichkeit führt am sprechendsten vor Augen, welche Wertschätzung der Verstorbene in allen Schichten der Gesellschaft, der Gemeinde, Behörden und vielen Körperschaften, als Mensch, Geschäftsmann, Bürger, Kultusgemeindevorsteher, ehrwürdiges Haupt einer weitverzweigten, hochgoachteten Familie, sowie als Freund gefunden. Zum Leichenbegängnisse erschienen: der Bürgermeister von Auscha mit 'der Stadtvertretung, die Vertreter der Gerichts-, Zivil- und Schulbehörden, der israelitischen Kultusgen,?' des Verblichenen nach dem im Frühlingsschmuck prangenden Bergfriedhofe, von dem man Auscha überblickt, in feierlichem Zuge überführt wurden. Die am Grabe allen tief zu Herzen ge- Hemde Rede des Rabbiners Jakob Stulz gab trefsend des Toten Lebensbild und Charakter wieder und gab dem stillen Gram und Schluchzen die Weihe des versöhnenden Glaubens. Als Freund und Vertreter ׳der Auschaer Kultusgemeinde sprach Med.-Dr. Stein warme, herzliche Worte der Dankbarkeit und unvergessenen Verdienste, die der Verewigte sich erworben, Herr .Haas als Repräsentant des Bnai-Brith-Vereines würdigte ihn in ergreifender Weise als Wohltäter, und Kantor Erzberg aus Leitmeritz verrichtete die Trauergebete. Menschen, deren- Er- ׳denspuren nie verwischen, sterben nicht, und der Tod ist der ewigen Liebe Meisterstück. Die Newyorker Jüdische Preffe über das Versenken der ״Lusitania". Die jüdische Presse in Newyork mit einer täglichen Zirkulation von nahezu einer Million beurteilt das Versenken der ״Lusitania" in ganz anderer Weise wie die englische Presse und bekündet dabei ein großes Verständnis für nüch- Lerne Tatsachen und politische Gerechtigkeit. Das führende Organ der hiesigen jüdischen Presse ״Die Wahrheit", mit einer Auflage von 190.000 täglich, sagt in ihrem Leitartikel vom letzten Sonntag, 9. Mai, über die Katastrophe folgendes: ״Wenn die Haltung der Newyorker Presse zu der von. der deutschen Botschaft herausgegebenen Warnung eine schmachvolle ist, ist die Haltuug der Cunard Line Co. einfach deshalb ein Verbrechen, weil sie ganz unschuldige Passagiere auf-ein Schiff genommen hat, das Kriegskontrebande führt und Gefahr lief, versenkt zu werden.. Auch die englische Regierung, die heute um die amerikanischen Opfer der Katastrophe so lamentiert, hätte der Cunard Line Co. nicht erlauben dürfen. Passagiere auf ein Schiff zu nehmen, das Kriegskonterbande führte, aber England wollte nicht offiziell zugeben, daß es deutsche Unterseeboote fürchte. Nach alledem ist es klar: die Schuld an dem schrecklichen Tode so vieler Menschen muß der Cunard Line Co., der englischen Regierung, und bis zu einem gewissen Grade auch der Newyorker Presse zugeschrieben werden. Unschuldige Passagiere auf ein Schiff zu nehmen, das Kriegsmaterial führt, . . . ist einfach eine barbarische Tat, und wenn die Amerikaner nicht verblendet sind und die wirklich Schuldigen zur Rechenschaft ziehen wollen, werden üe sich an die Cunard Line Co. und an die englische Regierung wenden." Der ״Vorwärts", sozialistisch', Auflage 216.000, sagt: ״Nicht aus Lust zu morden, nicht aus Rache und nicht aus Blutdurst hat Deutschland das große Schiff versenkt, sondern Deutschland hat es getan, weil es eine Kriegsnotwe,ndi׳gkeit war. Zunächst hatte die ״Lusitania", wie berichtet wird, Kriegsmaterial für England gesi'chrt. Aber selbst wenn bewiesen werden sollte, daß die ״Lusitania" kein Kriegsmaterial an Bord hatte, hatte auch Deutschland ein Kriegsinteresse daran, zu vollbringen, was es versprochen hatte. Es liegt in Deutschlands Interesse, zu zeigen, daß es englischen Schiffen und englischen Gewässern gefährlich werden kann, es liegt in Deutschlands Interesse, zu demonstrieren, wie weit seine Herrschaft zur See geht und es liegt ferner in Deutschlands Interesse, zu zeige!n., daß es mit der englischen Seeherrschaft zu Ende ist. Außerdem aber liegt es ׳im Interesse Deutschlands, e׳!n Exempel zu statuieren, damit di«! amerikanischeu Kapitalisten fürchten, ferner den Gegnern Deutschlands Kriegsmaterial zu schicken." Der Vorwärts" schließt seine Betrachtungen mit folgenden Worten: - ״Der amerikanische Kapitalismus hat seinen . . ״ Anteil an dieser barbarischen und verbrecherischen den von Leitmeritz, Lobositz, B.»LeiPa und des Politik. Wir aber haben keine Ursache, zornent-

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