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Jüdische Volksstimme · 1915-06-04 · Heft 16 (4.6.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 16 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. «MUMWW«MWWMWWWWM>W>W>W ^Msche V»MW««D *t 18 der Anglo-Oesterreichischen Bank in Wien, fand bei einem Sturmangriff auf!dem nördlichen Kriegsschauplatz den Heldentod. Er fiel, wie von seinem Kommandanten rühmend hervorgehoben wird, feiner Mannschaft mit bravouröser Tapferkeit vorangehend, durch einen Kopfschuß. Der Direktor-Stellvertreter der Prager -Filiale der Anglo-österreichischen Bank Herr Siegmund Epstein ist ׳der Vater des tapferen, nach dem Tode mit dem Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdekorativ!: ausgezeichneten Offiziers. Am 3. Mai 1884 geboren, absolvierte er die Prager Handelsakademie, trat nach Absolvierung der Studien bei der Filiale der Anglo-österreichischen Bank in Aussig ein, war sodann in der Teplitzer Filiale tätig und ging hierauf auf einige Monate zu der Anglo-Austria-Bank nach London. Sodann wurde er wieder nach Wien verseht, war in der Warenabteilung und in der Bankabteilung tätig und wurde knapp vor Ausbruch des Krieges zum Leiter der Expositur in Johannisbad in Böhmen ernannt. Herr Ernst Epstein diente im 3. Tiroler Kaiserregiment, ging am 29. Oktober 1914 auf den nördlichen Kriegsschauplatz ab und fiel in seinem ersten Gefecht, bei ׳einem Sturmangriff in Russisch-Polen, an: 16. November 1914. Er ist südöstlich von Glewiec, Kote 266, begraben. Kurt Nassau, Fähnrich, Sohn des Herrn L. Nassau in Dolloplas, fiel am 6. November 1914 auf dem südlichen Kriegsschauplätze vor dem Feinde. Er wurde im Jahre 1891 zu Ung.-Brod geboren, absolvierte die Realschule in Prohnitz, die Handelsakademie in Olmütz, machte im Jahre 1912—1913 sein Freiwilligenjahr Beim Infanterieregiment Nr. 54 mit und kam hierauf als Beamter zur Rossitz-Pardubitzer Zuckerraffinerie nach Wien. An: 31. Juli 1914 wurde er gelegentlich der Mobilisierung als Kadett einbcrufen, avancierte nach zweimonatigem Dienste in Przemysl zuin Fähnrich und ging als solcher vor der Zernierung der erwähnten Festung nach Serbien ab, wo er in den Reihen des 10. Jägerbataillons den Heldentod fand. Professor Dr. Erwin Kolmar (A. H. der Lese- und Redehalle der jüdischen Hochschüler in Prag), der in Rußland gefallen ist, wurde für sein hervorragend tapferes Verhalten vor dem Feind mit dein Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Von Getauften u. Baldgetauften. (Aus der neuerschienenen Witzesammlung: Auserwählte Volkswitze. Mk. 1.60, Verlag Lustige Blätter, Berlin. ״Haben Sie schon gehört? Der Davjdl Bramsohn will sich taufen lassen?" ״Das ist echt jüdisch!" Ein Kommis des Bankiers Poppelauer hat sich taufen lassen. An: nächsten Tage legt er seiitem Chef das Konzept eines Geschäftsbriefes vor. Poppelauer liest, findet Fehler über Fehler und zerreißt das Manuskript mit ben Worten: ״Vierundzwanzig Stundeil e Goi, und schon e Chammer!" Löb Aronheimer sitzt im koscherene Nestauraiit und ißt gefüllte Milz. Dabei monologisiert er: ״-wenn ich bedenk, daß es Glaubensgenossen gibt, die sich taufen lassen! . . . großartig ist die Miliz.... und voll so e Religion soll ine Weggehen!" ״Sagen Sie, Herr Levi, feiern Sie eigeiltlich Weihnachten?" ״Ach nein, meine Frau und ich, wir sind scholl zu alt dazu, und meine Kinder sind getauft!" Gedanken eines jüdischenKriegers. Von Jehuda ben Gerson. Dieser Krieg hat gezeigt, daß man für die Ehre und die Existenz seines Volkes sterben kann. Wir Juden sollen weiter nichts, als hierfür leben. Das ist der ganze Zionismus. Schnrach und Schande, wenn wir das nicht einmal können. Es ist die ewige Tragik dieses Krieges, daß wir zu sterben verstehen und nicht einmal für uns leben können. Aber wir sterben gern. Schon alleilt, um zu sehen, ob die alte Kraft noch lebt, mit der tun einst für uns starben und mit der wir, sollte es sein, einst für uns zu sterben wißen. Aus Andacht und Begeisterung schöpft mm. das Große. Andacht und Begeisterung in dir, Gnade mit dir. Hh>n4fcüau. Ein neues Kaiserportrait. Montag unl halb 10 Uhr vormittags wurde der akadenrische Maler David Kohn vom Kaiser in Audienz empfangen. Der Kaiser empfing der Maler in Schönbrunn im Blauen Saale. Der Künstler brachte im Auftrag der Kabinettskanzlei die Bilder des verewigten Erzherzog Rainer, des Ministers Hartl und des Grafen Wilczek mit. Der Kaiser, der sehr gut aussah, besichtigte die Bilder eingehend. Der Monarch nahm dann Platz und ließ sich in Generalsuniform niit särntlichen Orden im Brustbild Porträtieren. Die Sitzuilg dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Der Kaiser unterhielt sich mit den: Künstler längere Zeit über die Malkunst. Schließlich verabschiedete er den Künstler in besonders huldvoller Weise. Vom Bizefeldwebel zum Hauptmann befördert. Ein seltener Fall von militärischer Besorg dorung, wie er in Preußen zu den größten Seltenheiten gehört, die sich in Jahrzehnten nur zwei-, dreimal ereignen, ist laut amtlichen ״Militär-Wochenblattes" bekanntgegeben worden. Es handelt sich um den bisherigen Vizewachtmeister der. Landwehr a. D. Fritz Haber, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstitutes für physikalische Chemie und Elektrochemie in Dahlein. Sonst war dieser Vizewachtmeister, der übrigens isr. Konfession ist, noch Geheimrat, königlicher Professor und Doktor zweier Fakultäten. Habers Religion, wegen der ihm vor dem Kriege die Möglichkeit genommen war, zum Offizier befördert zu werden, ist seit den Augusttagen 1914 kein Grund mehr, ihm den Leutnantsrang zu verweigern. Vom rein militärischen Standpunkte aus betrachtet, stellt diese Förderung vom Vize-Wachtmeister zum Hauptmann einen Sprung dar, wie ihn bis her nur wenige in der Preußischen Armee gemacht haben. Goldene Tapferkeitsmedaille, die er nicht erlebte. Der Neusegler Bewohner Arpad Klein erhielt vergangene Woche das nachfolgende Schreiben ״Euer Hochwohlgeboren! Leider muß ich Ihnen Mitteilen, daß Ihr werter Bruder, Fähnrich Mass Klein, am 12. März l. I. in der Nähe von Tyskowa den Heldentod für Kaiser" und Vaterland ׳erlitt, dem Regiment durch sein Verhalten Ehre und Ruhm schaffend. Er Wurde für die goldene Tapferkeits- Medaille beantragt. Nehmen Sie des Offizierskorps und mein spezielles Beileid entgegen. Gott schenke den lieben Eltern Kraft und Stärke, den schweren Schicksalsschlag zu ertragen. Hochachtungsvoll Nadda, Hauptmann, Neg.-Adjutant." Aus russischer Gefangenschaft entkommen. Advokaturskandidat Dr. Hermann Löw, der bei dein Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Josef Winternitz als Konzipient tätig war, ist als Neserveleutnant Beim Feldjägerbataillon Nr. 12 auf dem galizischen Kriegsschauplätze eingerückt, wurde in: Gefechte verwundet und geriet in russische Gefangenschaft. Nun erhielt Herr Dr. Josef Winternitz eine von: 18. Mai datierte Ansichtskarte aus Munkacs, auf welcher Leutnant Dr. Löw schreibt: ״Sehr verehrter Herr Doktor! Es gelang mir, aus russischer Gesangenschaft durchzugehen. Von hier gehe ich zu meinein Bataillon und hoffe, Sie in Wien aufsuchen zu können. Ihr ergebener Dr. Löw." Leutnant Dr. Löw War am 7. September als Patrouille in ein Dorf geraten, das bereits von den Russen besetzt war. Es entwickelte sich zwischen der Patrouille und den in großer Ueberzahl befindlichen Gegnern ein Gefecht, bei dem der Offizier verletzt und gefangengenommen wurde. Nun ist eS ihm gelungen, in Frauenkleidern, als Dänerin, zu entweichen. Dr. Löw ist ein gebürtiger Mähr.-Ostrauer, 26 Jahre alt und seit kurzem mit einer Tochter des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Du Bernstein verheiratet. Eine Antwort des deutschen Kaisers auf das Bittgesuch eines jüdischen Kindes. Ein Schwiegersohn ׳des Amtsleiters der Wiener Kultusgemeiude, Herrn Horowitz, seit längerer Zeit inBerlin wohnhaft,mußte bei Ausbruch des Krieges als englischer Staatsangehöriger in eines der Konzentrationslager übersiedeln. Einer seiner Neffen, ein Enkelsohn des Herrn Horowitz und sonnt Urenkel des bekannten einstigen Wiener Rabbiners, sandte nun hinter dein Rücken seiner Angehörigen an den deutschen Kaiser für seinen Oheim ein Gnadengesuch, in den! er ausführte, sein Onkel sei zwar seiner Abstammung nach ein englischer Untertan, aber von Gesinnung der beste Deutsche. Auf dieses Bittgesuch des zwölfjährigen Knaben traf von der Kabinettskanzlci des Kaisers die Antwort ein, der Oheim sei bereits aus dem Konzentrationslager entlassen worden. Eine Versammlung italienischer Juden. Es mutz verzeichnet werden, daß zur Zeit, da das ganze schöne Italien von Kriegsgeschrci der Interventionisten widerhallt, die Juden Italiens ganz andere Sorgen an den Tag legen. In Mailand fand dieser Tage eine große jüdische Versammlung statt, an welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Ju-׳ denheit, unter ihnen auch Minister, teilnahmcn und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Aktionen der großen jüdischen Körperschafton der übrigen Länder zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließcn. Die Versamm׳lu>ng sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß es nach diesem Weltkrieg, in welchem die Juden aller Länder den opfermutigsten Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, keinen einzigene Staat mehr geben werde, i׳n welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. In der Versammlung wurde auch zur Kenntnis gebracht, daß die Juden Frankreichs beschlossen Haben, anläßlich des Friedensschlusses mit aller Energie in diesen: Sinne tätig zu s׳ei׳n. Bolksspeisehalle ״Einheit". .Herrn S. Manheit, dessen Tätigkeit in einer ganze!: Anzahl von Wohltätigkeitsvereinen bekannt ist, wurde'von der Volksspeisehalle ״Einheit", die eine der unentbehrlichsten Jnstitutionen Wiens geworden ist, aus Anlaß seines sechzigjährigen Geburtstages ein von dem Gesamt- Vorstände unterschriebenes. Prächtig ausgeführtes Ehrendivlom unter Führung des Obm'annes Herrn Bernhard Hofbauer überreicht. Namens des Vereins-Vorstandes richteten die Herren Bezirksrat Philipp Bak, Direktor Dr. S. Kvenberger und Hofrat Julius Schlag herzliche Ansprachen an den Jubilar. Herr und Frau Manheit haben aus diesem Anlasse auch Humanitären Zwecke!: größere Zuwendungen genmcht. Der jüdische Kongreß. Newyork, 7. Mai. Eine sechsstündige Debatte hat die dieser Tage stattgehabte Jahresversainmlung der Newyorker Kehillia über die Frage geführt, ob es angezeigt sei, einen amerikonisch-jüdischen Kongreß zur Erörterung der allgemeinen jüdischen Fragen als Vorbereitung auf den künftigen Friodonsschluß einzuberufen. Während der bekannte Vorsitzende der Kehillah, Dr. Magnes, für einen solchen Kongreß eintrat, wurde er von Louis Marshall mit guten Gründen und guter Beredsamkeit als nutzlos und ge: fährlich bekämpft. Die Diskussion endete mit den: Beschluß, die weitere Erörterung auf vier Wochen zu vertagen. Jüdisches aus Rußland. Nach den uns zugegangenen Warschauer Zeitungen befinden sich in Warschau allein gegeni i 1 1 i ו 1 י 1* i t I 8

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