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Jüdische Volksstimme · 1915-05-28 · Heft 15 (28.5.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 15 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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tritt; 9 Sh.15 •CUHb WANUßWI «raPptUr» schen Juden für den Roten Halbmond zu werben An der Spitze des Komites stehen Kommerzien rat Gerson Simon, Berlin, als Vorsitzender Dr Alfred Nossig als Leiter des Geschäftsführenden Ausschusses und Bankier Alois A. F. Marcus als Schatzmeister. Binnen kurzer Zeit sind bei der Zahlstellte des Komitees, Bankhaus Veit, Selberg u. Cie., Berlin W. 8, über 100.000 Mk. eingegangen. Bemerkenswert ist, daß selbst sehr kleine Gemeinden an dieser Sammlung sich beteiligt haben. 318 Synagogengemeinden haben aus ihren Gemeindefonds Beiträge bewilligt, in 188 Gemeinden wurden Privatsammlungen dürchgeführt. Usberdies haben auf Grund des Aufrufes des Komitees zahlreiche Personen ihre Beiträge den Kais, türkischen Konsuln in ver schiedenen Städten direkt zukommen lassen. Die Verwendung des aufgebrachten Fonds für die Zwecke des Roten Halbmonds hat sich das Komitee Vorbehalten. Der Ausweis über die einzelnen Beträge wird im Publikationsorgan der A. I. K. O. ״Der Orient" erfolgen. Weitere Spenden werden von der genannten Zahlstelle (Postscheckkonto Berlin Nr'. 4396) entgegengenommen. Erich Rosenkranz. Am 27. April starb׳ in Metz, wo er als Chefarzt eines Festungslazaretts tätig war, der Chirurg Dr. Erich Rosenkranz aus Berlin im 34. Lebensjahre an den Folgen eines Wagenunfalls. Der Verstorbene hat länger als 8 Jahre erst den Bund Jüdischer Corporationen (B. I. C.), dann das aus diesem unter Verschmelzung mit dem Kartell Zionistischer Verbindungen (K. Z. V.) hervorgegangene Kartell Jüdischer Verbind!!!!-- gen (K. I. V.) als Vorsitzender des Präsidiums geleitet. Als solcher hat er sich außerordentliche Verdienste um die Entwicklung und Organisierung der national-jüdischen Akademikerschaft in Deutschland, die in ihm einen ihrer vorzüglichsten Repräsentanten erblickt, erworben. Seinen frühen Tod muß mit der großen Schar seiner Bundesbrüder, die an ihm mit besonderer Liebe und Verehrung hingen, das gesamte deutsche Judentum beklagen, das in der Entwicklung des national-jüd. Gedankens die Bürgschaft der Erhaltung des Judentums sieht. Drakonische Maßnahmen gegen die Juden in Rußland. Die Judenverfolgungen in Polen haben seit drei Wochen wieder erheblich zugenommen. Besonders zeichnen sich die Gouverneure! von Radom und Kielce durch ihren Judenhaß aus. So Wurden in den letzten Tagen sämtliche jüdisch Bewohner einer großen Anzahl von Kreisen der genannten Gouvernements ohne Ausnahme ausgewiesen. Die russischen Behörden gingen hierbei gegen die Juden mit großer Rücksichitslosigkeit vor und gestatteten nur wenigen Juden, ihre ganze Habe mitzunehmen. Hierdurch sind viele bisher wohlhabende Juden an den Bettelstab gebracht worden. Trotzdem einige reiche Juden sofort ein längeres Bittgesuch an die beiden Gouverneure richteten, welches sie durch ״Spenden für wohltätige Zwecke" in beträchtlicher Höhe unterstützten, Wurden die Ausweisungsanordnungen ohne Unterbrechung vollzogen. ״Bloß Judenbengel." Der Sonderberichterstatter der ״Vossischen Zeitung" schreibt in einen! längeren Artikel ״Unter russischen Gefangenen": ״Etwas abseits von den übrigen hocken auf den! Bahnsteig einige schwarzhaarige ausgemergelte Gestalten in zerrissenen Soldatenmänteln und nmrmeln in eintönigem Singsang etwas vor sich hin. ״Wer sind diese Kameraden?" frage ich den rauflustigen Feldwebel. ״Das sind keine Kameraden, Euer Hochwohlgeboren, sondern bloß Judenbengel (Shidt), die gerade ihr Nachmittagsgebet verrichten." Also ״bloß Judenbengel", — die entsittlichende Zarenwirtschaft richtet selbst auf dem Schlachtfelde und in der Gefangenschaft eine himmolhohe Schranke zwischen Auchchristen und Nurjuden auf. Diese hahen inzwischen ihr Gebet beendet, und scheu, gleichsam selbst hier in steter Angjst vor dem russischen Polizisten, nähern sie sich unserer Gruppe. ״Wir sind aus Balta, teurer Herr," beantworten sie meine Frage, ״und Gott segne die Deutschen, die uns jetzt ausgenommen haben. Viele sind ja von uns nicht übrig geblieben, denn so oft die Rüsten stürmten, mutzten wir in erster Reihe voranstürmen; selbst die Maroden und Kranken wurden dann jedesmal dazu aus den Revieren (Okolodki) geholt. Gott verzeihe ihnen diese Blutsünde!" Eine magere Faust schlägt au die eingefallene Brust, und in trüber Resignation nicken die übrigen jüdischen Mitkameraden. ״Ich war Rabbiner in Ostrowko," sagt ein zweiter, ״habe ehrlich Gottes Wort gepredigt und war nie Soldat gewesen. Da haben sie mich um 29. Januar von! Movgengebet weg aus der Synagoge unter Faustschlägen und Kolbenstößen geholt, haben mich nicht einmal von meiner Frau und meinen Kindern Abschied nehmen lasten, schleppten mich in einem Viehwagen an die deutscheu Berge und ließen!nich stürn!en. Wie konnte ich dies aber — wußte ich doch nicht einmal, was ich mit einem Gewehre anfangen sollte, das sie mir in die Hand gedrückt. Gott sei dafür gelobt, daß die Deutschen mich gerettet haben!" Der Direktor der Alliance-Schulen in Alexandrien (Aegypten) gibt folgende Statistik über die jüdischen Fluchtlinge dortselbst: 1449 Erwachsene und 760 Kin-- der aus Rußland, 748 Erwachsene und 436 Kinder aus Frankreich, 241 Erwachsene und 116 Kinder aus England, 216 Erwachsene und 130 Kinder aus Spanien, 66 Erwachsene und 36 Kinder aus Amerika, 40 Erwachsene und 9 Kinder aus der Türkei, 36 Erwachsene und 22 Kinder aus Persien, 18 Erwachsene und 10 Kinder aus Rumänien, 24 Erwachsene und 10 Kinder aus Bulgarien, 11 Erwachsene und 3 Kinder aus Italien, 32 Erwachsene und 9 Kinder aus pellierte: .״Gut, meine Herren. Welchen Betrag erwarten, Sie, für diesen Zweck von mir zu erhalten?" *500 Francs". Ventura entgegnete nun: ״Nicht 500, sondern 100 Francs zeichne ich für meine Firma. Aber nicht für das russtische, sondern für das bulgarische Rote Kreuz. Für Rußland, das feine Söhne jüdischer Konfession, die im Kriege ihre Gesundheit einbüßten und ihr Blut vergossen, aus den Spitälern von Moskau auswoisen läßt, sobald sie als Juden bekannt werden, für ein solches Land habe ich keine Centime übrig!" Drakonische Maßnahmen gegen die Juden in Rußland. Die Judenverfolgungen in Polen haben seit drei Wochen wieder erhMich zugenommen. ,Besonders zeichnen sich die Gouverneure von Radom und Kiielce durch ihren Judenhaß aus. So wurden in den letzten Tagen sämtliche jüdische Bewohner einer großen Anzahl von Kreisen der genannten Gouvernements ohne Ausnahme ausgewiesen. Die russischen Behörden gingen hierbei gegen die Juden mit großer Rücksichtslosigkeit vor und gestatteten nur wenigen Juden, ihre ganze Habe mitzunehmen. Hierdurch sind viele bisher vohlhabende Juden an den Bettelstab gebrachtw orden. Trotzdem einige reiche Juden sofort ein längeres Bittgesuch an die beiden Gouverneure richteten, welches sie durch ״Spenden für wohltätige Zwecke" in beträchtlicher Höhe nnterstützten, wurden die Ausweisuugsanordnuugen ohne Unterbrechung vollzogen. Eins Rabbiner gegen die Tuchlieferanten. Der Oberrabbiner der Oroshazaer isr. Kultusgemeinde Martin Büchler, hat vor kurzen! für!den Sieg unserer Waffen und für den baldigen Friedensschluß einen Fasttag angeovdnet. Griechenland, 2 Erwachsene und 3 Kinder aus Serbien, zusammen 3012 Erwachsene und 1623,^. ~ CLl . . r, r.^m . , Kinder, total 4636 Flüchtlinge. Ein großer Teil I SlCl^a9 versammelte stch die Gemeinde der Flüchtlinge ist nach Rußland, Amerika oder tm Tempel, 11m einer Predigt des Oberrabbiners Südafrika weitevgereist. Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef in Kolomea. Aus Kolomea wird gemeldet: Anläßlich des Besuches des Thronfolgers Erzherzog Karl Franz Josef empfing der Erzherzog auch eine Deputation der dortigen Judengemeinde unter Führung irhes Vorstandes, des kaiserlichen Rabeizuwohnon. In seiner Predigt gedachte Büchler jener Gewissenlosen, die um eines materiellen Vorteiles willen zum Schaden des Vaterlandes und der i!n Felde stehenden Soldaten Betrügereien verübt haben. Diese Vaterlandsverteidiger — meinte er — strafen wir mit unserer Verachtung. Diejenigen unter ihnen, die unserem Glauben angehören, betrachten wir nicht!!!ehr als Juden, denn sie haben die größte, die schwerste tes Schiller. Auf die Frage des Erzherzogs, wie 7 “'7• sich gegenwärtig die Lage der JM-ngemeinÄe! Sunde begangen. D.c Predigt macht« tiefen Einverhalte, schilderte Kaiserlicher Rat Schiller diedruck. argen Verfolgungen, denen die Jujden zur Zeit' . ״ t^ t der Rustenherrschaft in der Stadt ausgesetzt wa- Der Rabrnerverband!n Böhmen benn Stattren. Jetzt, wo wieder österreichische Truppen die Befreiung de!7 Stadt durchgeführt habne. seien die Juden Kolomeas glücklich, ihre Ergebenheit für den Thron ausdrücken und erweisen zu dürfen. Zugleich erinnerte der Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde daran, daß zahlreiche Juden der Halter. Die Rabbiner Prof. Dr. Stern in Professor Dr. Kisch in Prag und Prediger Doktor Schwartz in Prag erschienen kürzlich beim Statt- Halter, um ihn im Namen des Rabbinerverba!!- Stadt, die von den Russen als österreichische des zu begrüßen. In seiner Erwiderung betonte Spione verdächtigt wurden, von ihnen als Geider Statthalter, daß er schon in seinem früheren 'eln fortgeschleppt Wurden. Erzherzog Karl Wirkungskreise die Israeliten als Patriotische Franz Josef erwiderte: ״Wir haben imiuer vorfriedliche und tüchtige Mitbürger kennen gelernt ausgesetzt, daß die Juden treue Bürger des Staahabe und daß er nach wie vor den Wünschen diees sind und haben uns davon letzt während des [e? Glaubensgemei nschaft vorurteilsfrei gegen- Krieges auch überzeugt. Was die aus Kolomea!übertreten werde. Dann berührte der Statthalter verschleppten Geiseln betrifft, so hoffen wir. sie die Flüchtlingsfrage und äußerte seine Anerkenim Wege des Austausches bald zurückzubekom men. Jetzt", so schloß der Thronfolger seine Wore, ״Kopf hoch! Es wird alles bald gut werden!" Eine treffende Antwort. Der Rustschucker Gemeinderat ist oppositionell gesinnt. Um dieser Stimmung greifbaren Ausdruck zu verleihen, beschlossen die Herren, unter den Bürgern der Stadt eine Sammlung zugunsten der verwundeten Russen zu veranstalten. Da die hierzu ernannte Kommission aus mehreren sehr einflußreichen und angesehenen Persönlichkeiten bestand. War das Ergebins ein glänzendes. Gegen die an sich humane Idee wäre nichts zu sagen, wenn sie nur dem Drange. Unaluck unld Elend zu lindern, entsprungen wäre. Nun ist ein Fall in die Öffentlichkeit gedrunaen. daß ein angesehener Rustschuker Bürger — Firma Ventura Freres. Herr Ventura, ein spaniolischer Israelit — die Kommission nach den einleitenden Worten in folgender Weise internung für die opferwillige Fürsorgotätigkeit im Dienste der Unglücklichen. Die Pester Chewra Kadischa hat in! Jahre 1914: 1,467,898 Kronen vorausgabt. Die Chewra verwaltet ein Vermögen von 7,229,972 Kronen. Die Chewra hat die galizischen Flüchtlinge reichlich unterstützt. Für die Verwundetenspitäler sind 100,200 Kronen für das Jahr 1915 präliminiert. Der jüdische Friedensdelegierte. Die Londoner ״Jewish Chronikle" — die bedeutendste englisch-jüdische Zeitung, hält — O, Strauß-Newyork, den gewesenen Konstantinopler Botschafter, und G. M. Sulzberger, Philadelplna. für die geeignetsten Ka>ndidaten als jüdische Delegierte zum Friedenskongreß,

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