Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 14 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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”3 ׳ דיזז*־■ז«יי^ך־י־,׳- ■ן■ י .י.^s , ״? vf*'^t 1 י £ MWWWWWWW WWWWWW Gei« & *BWtfjB vinipiiii» Kr.!4. Kriegsstrsorge in Galizien während der ruffischen Invasion. tiffeer* Aus Sniatyn wird aeschrkben:" ״Der Vorsteher der hiesigen isr. KMtttHgemein.de, Herr David Goldes, hat während der sechsmonatlicheri Besetzung von Sniatyn durch die Russen in Berücksicktiguntz bet bedrängten Lage, in welche die Beamten, Lehrer, Gendarmen, äriin die Bear!!- rn und Arbeiter der Tabaktrafik in Zablütow, erNör die Privütbeamten und Familien der Ein- ׳erufenen geraten mußten, da sie von der russichen Aiegieruttg keinen Gehalt und keine UntertutzUNg erhiÄten und auch eine solche nicht antzrechen wollten, größere Beträge für diese Perbnen, Mssig gemacht^ und zwar 70.600 Kronen ur die Beamten.des Gerichtes, des AteüerinfpekörtrteH, der Evidenzhaltung, des Steuerämtes, »er Ei.senbqhN. de.r Post und der Finanzwache, Hw! e für die PeNstoNisten, die Real- und Polkschullehrer und die Privätbeamten voll Sttiathn, 28.000 Krönech für die staatlichen uNd äütonö- Men Beamten sowie für das Personal in der Zahlotower Tabakfäbrik, 42.000 Kronen, für die Familien der^ EiNberusenen, Belehnung von Späreinlägobüchely der Kies, und anderer nicht funktionierenden Sparküsseii und Genossenschaften sowie für offene Darlehen und- Darlehen auf Faustpfänder. Diese Summen wurden zinsenfrei zur Auszahliungg ebracht. Nach dem Einmarsch unserer Truppen in Sniatyn, Mitte Februar, I>at der Kommandant des eilften Armeekorps, als ihm dies berichtet lvurde, Hrn. Goldes in freundlichen unlh warmen Worten den Dank für seine Kriegsfürsorge während der russischen Invasion ausgesprochen und sobald die normalen Verhältnisse m Sniatyn wieder hergestellt waren, erstattete die Regierung dem fürsorglichen Präsidenten der Kultusgemeinde, die verausgabten Beträge mit Ausnahme der- Darlehen, dankend zurück." Gins Mchetsannnluny der ״Ägudas-Usrüel." Unsäglich ist die Not voü hunderttausenden unserer Glaubensgenossen im Osten; der einen durch die Flucht vor oen anrückenden Russen, der anderen durch,dip Unterbrechung ihres fried!- lichen Gewerbes infolge der Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen. Neben die materielle Not tritt jedoch auch eine geistige, die besonders die Kreise unserer Brüder im Osten schmerstich empfinden, denen die Beschäftigung mit den Gei- 'tesschatzen des Judentums religiöse Pflicht und eelisches Bedürfnis ist. Die ״Agudas-Jisroel" )üt zur Linderung der materiellen Not vor eintgen Nochen eine Geldsammlung eingeleitet, und ihr Ruf hat in den weitesten Kreisen lebhaften Widerhall gefunden. Nunmehr erweitert der Gruppenverband der ״Agiudas - Jisroel" in Deutschland seine Hilfsaktion auf die geistige Not durch eine Büchersammlung, zu der er im Inseratenteil des ״I. F.-Bl." auffordert. Ein Teil der gesammelten Bücher soll auch den Gefangeneylager zugute fömmen. Die Errichtung von fünf Depots erleichtert wesentlich die Zusendung der Bücher. Gewünscht werden besonders Tal- MUd-ExDiplare (auch einzelne Bände), Mischnajoth utib sonstige hebräische Werke der rabbjnischen" Literatur, sowie Gebetbücher, Chumoschim Und Tehilliln. In׳ zahlreichen Privathäusern und Gemeinden finden sich größere und kleinere Sammlungen von Büchern der erwähnten Kategorien und sind vielleicht seit Jahrzehnten unbe- ,nützt. Der Besitzer solcher Bücher hat jetzt gute Gelegenheit, sich durch Uebersendung derselben an die ״Aguhas Jisroel" an einem edlen Werk der jüdischen Menschenliebe zu beteiligen. Das Testament Lord.Rotschilds. In der vorigen Woche wurde das Testament Nathaniel Mayer Rothschilds, zweiten Baronetts und ersten Barons Rothschild, Chef des Hauses N. M. Rothschild u. Sons, der an: 31. März im Altervon 74 Jahren starb, für rechtsgültig erklärt. Der Vermögensstand des persönlichen Eigentums wird vorläufig auf 2500.000 Pfund Sterling angesetzt. Das Testament ist am 12. Mai 1914 datiert, es enthält jedoch einen interesfanten Zusatz, der am'18. August 1914, also kurz nach Beginn des Krieges, datiert ist. In seinem Testamente ermächtigt nämlich der derstorbene Lord Rothschild seine Bevollmächtigten, die Zahlung gewisser Legate hinauszuschieben oder sie in 10 jährlichen Raken, zuzüglich 3 Prozent Zinsen, auszuzahlen. Aber durch Zusatz dehnt er diese Periode von zehn auf fünfzehn Jahre aus. Als Grund für diesen Zusatz wird der durch den Krieg herbeigeführte Geschäftsstand angegeben. Aus demselben Grunde reduzierte er eines feiner Vermächtnisse von 200.000 auf 150.000 Pfund Sterling. Gleichzeitig ernannte er seinen Sohn Nathaniel Charles Rothschild zu seinem Nachfolger im Firmenanteit. Der Zar und seine ״lieben Inden". Eine neue kaiserliche Verordnung verbietet den Juden, Aufenthalt längs der finnischen Bücht bis züm Narwa-Fluß zu nehmen. Die dort sich äufhülteüden Sufrctt müssen die Gegend in vier Tagen verlassen. Ein Aufenthaltsverbot gegen die Juden wurde auch fm ganzen Gouvernement Wiborg erlassen. ״Rjctfch" schreibt, die Juden seien dadurch in die Kategorie verdächtiger Personen eingeteiht worden. Die Przemysler Kriegsgefangenen Die von! österreichischen Roten Kreuze errichtete Auskiiristsstellö.für Kriegsgefangene (1. Bez. Jasomirgottsträße Nr. 6) hat sich, wie seinerzeit in den Tagesblättern berichtet Wurde, nach der Uebergabe der Festung Przemysl wiederholt ielogvaphisch aN diäs Rote Kreuz in Petersburg mit der Bitte gewendet, die Namenslisten der gefangenen Offiziere und Mannschaften möglichst rasch nach Wien zu senden und den Gefangenen nach Maßgabe der Bedürftigkeit die möglichste Hilfeleistung zuteil werden zu lassen. Das russ. Note Kreuz sagte die Erfüllung dieser Bitte telegraphisch zu. Gestern ׳erhielt nun die Wiener Auskunftsstelle für Kriegsgefangene folgenden in französischer Sprache geschriebenen Brief der gleichen Auskunftsstelle des Noten Kreuzes in Petersburg: ״.An. das Präsidium des Roten Kreuzes, Wien. Heber Wunsch der General- Direktion des'kaiserlich russischen Noten Kreuzes wurde ich am 25. Marz 1915 in besonderer Mission' nach AasisteN^uNd speziew nach Przemysl entsendet. Ich beeile mich, dem Präsidium des österreichischen Roten Kreuzes folgendes bekannt zu geben: Der größte Teil der Przemysler Garnison wurde sofort nach der liebergäbe aus Przemysl entfernt. Nur die Kranken und Verwundeten wurden in den Spitälern und Sanatorien belassen. Sie erhalten ^(ihre Anzahl ist ungefähr 6000) jede ärztliche Pflege, deren sie benötigen. Die Garnison Wurde in verschiedenen Richtungen nach den definitiven Jnternierungsorten in den Militärbezirken Kasan und Turkestan gebracht. Naturgemäß wird die Zusendüng der Listen nach Wien infolge der großen Entfernung der Jnternierungsorte von Przemysl und der' großen Anzahl der Gefangenen eine gewisse Verzögerung erleiden. Um jedoch den vielen über das Los ihrer Angehörigen in Ungewißheit befindlichen Familien Trost zu bringen und um der österreichischen kompetenten Stelle zu zivilrechtlichen Zwecken Nachrichten über die gefangene Garnison zu geben, wird das Zentralnachweisbureau für Kriegsgefangene im Laufe der nächsten Woche die in Przemysl selbst aufgestellten Listen der Offiziere und der Mannschaft aus Przemyssi sowie mehrere Listen über Of.fiziere und Mannschaft aus den Etappen einsenden. Was die Unterstützung der Przemysler Garnison bis zum Augenblicke ihrer definitiven Internierung betrifft, so beehre ich mich. Ihnen mitzuteilen, daß die Subalternoffiziere bis zum Hauptmann inklusive Rubel 1.50 pro Tag (zirka 4 K), die Oberstleutnants und Oberste Rubel 2.25 pro Tag (zirka 6 K) und die Generale Rubel 2.50 pro Tag erhallen. Die Mannschaft bekommt die gleiche Löhnung wie die russischen Soldaten. Infolge des raschen Abtransportes der Garnison von Przemysl nach den: Innern Rußlands war es schwer, in allen Zwischenstationeü eine genügende Hilfeleistung zu organisieren, doch wurden von den maßgebenden russischen Stellen alle nur möglichen Maßnahmen getroffen, um bedürftigen Gefangenen in den verschiedenen Zwischenstation!en Bäder zu verabreichen und reine Wäsche auszufolgen. Unterstützungen in Geld oder Gegenstünden, die uns durch das Fürsorgekomitee in Men zugehen, werden von uns sofort an die Gefangenen in ihren Bestimmungsorten derteilt werden. Der Präsident des Zentralnachweisbureaus für Kriegsgefangene: Generalmajor Ovtchirmikoff. Spenden für die Kriegsgefangenen sind an das Gemeinsame Zentral-Nachweisbureau des Roten Kreuzes, Fürsorgekomitee für Kriegsgefangene, Wien, 1. Bezirk, Jasomirgottstraße Nr. 6,-Hu senden. Die P. T. Empfänger werden höfl. ersucht das Abonnement zu erneuern, damit in der Zusendung keine Unterbrechnng entsteht. Die Administration. Wien. Herr Rabbiner Dr. S. Funk, Bosko- Witz, wurde zun! Rabbiner in! Jubiläunistompel Wien, 2. Bezirk gewählt. Berlin. Der Sonderberichterstatter der ״Vossi schen Zeitung" schreibt in ei New längeren Artikel ״Unter russischen Gefangenen"! Etwas abseits von den übrigen hocken auf dem Bähst* steig einige schwarzhaarige ausgeinergelte Gestalten in zerrissenen Soldateumänteln und nrnrmein im eintönigen Singsang etwas vor sich hin. ״Wer sind diese Kamemdend''" frage ich den raublustigen ׳Feldwebel. ״Das sind keine Kameraden, Euer Hochwohkgeboren, sondern bloß Judenbengel (Shidi), die gerade ihr Nachmittagsgebet verrichten". Also ״bloß Judenbengel" — die enisittlichende Zarenwirtschaft richtet selbst auf dem! Schlachtfeld und in der, Gefangcnschatf eine hin!- lnelhohe Schranke zwischen Auchchristen und Nurjuden auf. Diese haben inzwischen ihr Gebet beendet, und scheu, gleichsam selbst hier.in.steter Angst vor'dem russischen Polizisten, nähern M sich unserer Gruppe. ״Wir sind aus Balta, teurer Herr", beantworten sie meine Frage, ״und Gott segne die Deutschen, die uns jetzt ausgenommen hüben. Viele sini^ ja von uns nicht übriggeblieben, denn so oft me,Russen stürrnten, niußten wir in erster Reihe vöÄinstürinen; selbst die Maroden und Kranken wurden dann jedesmal dazu aus den Revieren (Okolodki) geholt. Gott verzeihe ihnen diese Blutsünide!" Eine magere Faust schlägt andie eingefallene Brust, und in trüber Resignation nicken׳ die übrigen jüdischen kgmeraden. ״Ich war Rabbiner in Ostrowko", sagte in Zweiter, ״habe ehrlich Gottes Wort ge- Predigt und war lue Soldat gewesen. Da haben sie nrich ain! 29. Januar vom Morgengebet weg aus der Synagoge unter Faustschlägen und Kolbenstößen geholt, haben mich nicht einmal von ineiner Frau und meinen Kindern Abschied nehmen lassen, schleppten mich in einen! Viehwagen an die deutschen Berge und ließen mich stürn״״ Wie konnte ich dies aber — wußte ich doch nicht einmal, was ich mit einem Gewehr anfangen sollte, das sie nvir in die Hand gedrückt. Gott sei dafür gelobt, daß die Deutschen!!!ich gerettet haben!". llrünner Nachrichten Brünn. Der Einjährig-Freiwillige Lndwig Glaser, Sohn des Herrn Eduard Glaser, hat auf dem nördlichen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. — Ehre seinem Andenken. Jüd.-akad. Lese- und RedehaÜe in Brünn. Donnerstag, den 27. Mai 1915, spricht zugunsten der ״Kriegs-Landspende" in! großen Saale des Grand Hotel Herr Dr. Gerson Zipper über das Thenra: Ausblicke über die Zukunft des jüdischen Volkes nach dem Weltkriege. — Kassaeröffnung halb 8 Uhr. Beginn genau 8 Uhr. Sitzplätze zu 2 K und 1 K. Stehplätze zu 40 h sind an der Kassa erhältlich. j J