Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 14 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-*, י.<־״?»*- י. -. ״- ־״ qjr: ';£$■)****" §* 14 LNW .% L OCkWi . v unserer Kühnsten fem iw Osten) vollendete um 8 Uhr abends die RiMrlage der Russen. Wir hatten an diesem Tage neun ruffische Offiziere und 1100 Mann gefangen — zur größten Genüge tuung der Landstürmer, die L^mit 6600 Kronen Prämie erwarben. Der Train der Ruffen wurde erbeutet, ihre Reserve zersprengt." Kellner ist Jude. Ein Denkmal für Perez. Die Nachricht vom Tode des großen Dichters hat in Newyork, dem Herzen des jüdischen Volkes, große Trauer hervorgerufen. Mitte April hat eine große Versammlung von Schriftstellern ftattgefunden, bei welcher.dem verstorbenen Poeten warme Nachrufe gehalten wurden. Es Wurde beschlossen ein bleibendes Andenken in Form einer großen Institution zu schaffen, die Herausgäbe der Werke von Perez zu veranlassen und ein Monument auf einem Newyorker Platz zu errichten. Bialik über den Krieg. Der berühmteste hebräische Dichter der Neuzeit, CH. I. Bialik—Odessa äußerte sich: ״Einen großen moralischen Sieg hatten wir schon: die ״Ernüchterung des Volkes" durch das Verbot des Alkohols. Hoffen wir, daß dies der erste Schritt zur gänzlichen ״Entnüchterung des Volkes" sein wird. Wenn die Regierung einsieht, daß das Monopol auf Brandwein schädlich für das Volk ist, so ist es aber siebenfach schädlicher, ein ״Monopol" auf Rechte auszuüben. Jerusalem unter deutschem Kommando. Newyorker Blätter bringen Nachrichten aus Jerusalem, wonach die Stadt vollkommen unter deutschem militärischen Kommando sieht. Sowohl die Post als die gesamte sonstige Zensur werden von Deutschen beaufsichtigt und ausgeübt. Unter den Zensoren befinden sich auch eine Anzahl jüdischer Herren für Hebräisch, Jargon und Rumänisch. Die Oberaufsicht über die Militärhospitäler in der Türkei liegt in den Händen eines österreichischen Glaubensgenossen, Ingenieur Hecker. Die Oberschwester des Misgabladoch-HosPiitales, Frau Lischanski, ist mit der Leitung der Krankenpflege in sämtlichen Militär- Hospitälern Jerusalems betraut Wochen. Nationalsondsspenden-Eingänge im April. Die im Monate 8lpri-l 1915 dem Nationalfonds zugeführten Spenden beliefen sich auf M 41647. Zu diesem Ergebnis haben beigetragen: Nordamerika. M 28408,. Deutschland M 4629, Rußland M 2363, Rumänien M 1778, Argentinien M 1064, Oesterreich M 905, Griechenland M 713, Tunis M 668, Holland M 656, Italien M 274, England M 214, Schweden M 97, Schweiz M 89. Enver Pascha über die jüdischen Soldaten in der türkischen Armee. x Ein bekannter Kriegsberichterstatter Wurde vom Generalissimus der türkischen Armee Enver Pascha in Audienz empfangen. Der Oberkom- Mandant der gesamten bewaffneten Macht der Türkei äußerte sich über die Juden im türkischen Heere wie folgt: Im türkischen Heere gehören die Juden zu unseren hervorragendsten Soldaten. Jeder ist auf seinem Platze und ihr todesvemchtender Heldemuut ist allgemein bekannt. Gegen ihren Todfeind, die Russen, gelten sie mit geradezu fanatischem Haß los. Es ist nur natürlich, daß sich unter unseren Dekorierten auch uuge- Heuer viel jüdische Soldaten befinden. Schon während des Balkankrieges konnten wir die Heldenil-a-ftigkeit der jüdischen Soldaten wahrnehmen und wir verleihen ihnen auch die höchsten militärischen Stellen. Einer meiner Flügeladjutunten ist jüdischer Konfession. Und erst dieser Tage habe ich zwei Juden zu Obersten ernannt. Ihre Treue ist unerschütterlich und neben den Türken sind sie die besten Soldaten. Auch Ihre Intelligenz ist uns von MrgröKem Nutzen. — Dieses Zeugnis Ml Umso Wvtrer ins Gewicht, als erst die Jungtürken die Dienstpflicht der Nichtmohamedaner, also auch der Juden, einger führt haben. ״Mische HWM-n für Palästina. Die Zionistische Organisation (Bureau Kopenhagen) hat in allen europäischen Ländern eine allgemeine jüd. Hilfsaktion für Palästina in die Wege geleitet, die von den Zionistischen Landeszentralen, meist gemeinsam mit anderen, jÜP. Verbänden durchgeführt wird. In Deutschland, England, Holland, Oestevrich, NüUand und Skandinavien haben di^Tammlungen bereits begonnen Md me ersten größeren Ueberweisungen nach Palästina konnten schon erfolgen. Die Aktion wird durch einen Aufruf unterstützt, den das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation (Vestergade 1), in hebräischer, jiödischer, deutscher, englischer, französischer und dänischer Sprache Herausgeigeben und in den jüdischen Zeitungen aller Länder veröffentlicht hat. Der Appell findet in allen jüdischen Kreisen lebhaften Widerhall. Der Plan eines jüdischen Kongresses. In der amerikanischen Presse wird der Plan der Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses, der die Forderungen des jüdischen Volkes für die spätere Friedenskonferenz formulieren und die Schaffung einer legitimen Vertretung des jüdischen Volkes vorbereiten soll, eifrig diskutiert. Auf einem vor kurzem ab'gehaltenen Meeting in Newyork wurde ein 60gliedriges Komite gewählt, das für die Einberufung eines jüdischen Kongresses tätig sein soll. Die leitende Persönlichkeit dieses Kongresses ist her bekannte Zionist Herr Josef Barondes. Mit dieser Frage beschäftigte sich auch die unlängst in Newyork abgehaltene Konferenz der sozialistischzionistischen Arbeiterpartei Poale-ZioN. Auch hier wurde beschlossen, eine große Aktion in Be- Wägung zu setzen, uni den Kongreß unter Beteiligung der großen jüdischen Organisationen zustandezubringen. Eine ähnliche Konferenz fand jüngst in Mailand statt. Sie wurde von dem bekannten jüdischen Politiker Luzzatti, dem ehemaligen italienischen Finanzminister, geleitet. Der Krieg und die Judenfrage. Johannesburg. Das Executivkomite der Süd-Afrikanischen Zionistenforderation hat auf seiner letzten Tagung folgenoe Resolutionen beschlossen: 1. Die Executive der-Südafrikanischen Zionisten-Förderation, welche mehr als 100 zionistische Vereine.vertritt, ist der Meinung, daß eine einzigartige Gelegenheit zur Wahrnehmung der Rechte der Juden sich bei den Friedensver- Handlungen nach Beendigung des Krieges bieten Wird und daß die größten Anstrengungen zur Sicherung dieser Rechte gemacht werden müssen. 2. Ls erscheint dringend geboten, eine vereinigte jüdische Aktion einzuleiten, um die Forderungen der bürgerlichen, Politischen und religiösen Gleichberechtigung der Juden für diejenigen Länder zu formulieren, wo sie noch nicht besteht. 3. Eine vereinigte Aktion soll unternommen werden, um eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erlangen. 4. Alle Zionistischen Förderationew sollen dringend auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, mit anderen jüdischen Körperschaften zusamenzuarbeiten, um eine Zentralkürperschaft zu schaffen, welche für die oben erwähnte Ziele wirken soll: sie sollen dafür sorgen, daß in dieser zentralen Körperschaft die Zionistische Organiation in angemessener Weise vertreten ist. Das amerikanische Lebensmittelschiff. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihren Dampfer ״Vulkan" dem ״Amerikanischjüdischen Hilfskonnte" und dem ״Provisorischen Komite für allgemeine zionistische Angelegenheiten" zur Verfügung gestellt, uni Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der ״Vulkan" ist am 13. März ausgefahren. Am Bord des Schiffes befanden sich mit W Vollmacht zur zweckentsprechende,Y Verteilvnä der Lebensmittel die KepMenAMN derheiden Komite-, die Herren L. H. Lewine und Dr. S. LevimDslM.. Die Regierung der, Vereinigten SMren, sowohl wie die krieMhrenden Mächte haben diesem Schiffe sichere Fahrt. aarantiert. Von den zur Ausrüstung dieses Schiffes gespen» deten Summen seien folgende genannt: Nathan Strauß 60.000 Dollar, das Provisorische KöNM für allgemeine zivnistiM ANgelogenheiten 26.000 Dollar» das UMLxjMisch-Jüdische Hilfskomite 28.M Döttär, Jacob H. Schiff 26.000 DvMr. ^.Di'e Tatsache, ׳daß eines der größten Kohlenschiffe, wie der ״Vulkan", von seiten der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dem persönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Bryan zu verdanken. Da keine Schiffahrtsgesellschaft die unsichere Fahrt nach Palästina riskieren wollte, waren die Komi-tes gezwungen, allein 75.000 Dollar zn sammeln um die Expeditionskoften und die Kosten der Versicherung zu decken. Diese Kosten mußten bewilligt werden, da kein e!.NzmKS M momentan freien HegierüNgsWffe für die um!-- fangreiche LadllNg Räum genug zur Verfügung hatte. Im letzten Augenblick hat nun das Marine-Ministerium in Washington dem Komite mitgoteilt, daß es in Anbetracht der Wichtigen menschenfreundlichen Aktion Order gegeben habe, ihren Dampfer ״Vulkan", der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder auszuladen, um so die unentgeltliche Beförderung der Wären nach Palästina zu ermöglichen. Die gesamte ämerikänische Presse begrüßt diese humuue Hä'MUntz der Regierung» Die Orättftenplantagen in Palästina. . Von der wirtschaftlichen Krisis in Palästina sind ׳auch die Ovangenplantagen bedroht, deren Wert auf mehr als 30 Millionen Francs veranschlagt wird. Die von zionistischer Seite erfolgten Bemühungen zu ihrer Rettung haben ein er» freuliches Resultat gezeitigt. Der zur Erhaltung der Pflanzungen notwendige Betrag wird den Besitzern in Form einer Anleihe zur Verfügung gestellt werden. Die Zionistische Organisation hat sich durch ihre Finanzinstitute mit einem Betrage von 250.00V Franks an ihr beteiligt: der bekannte jüdische Philantroph. Herr Jacob H. Schiff in Newyork, hat 20000 Lire für diesen Credit gezeichnet. ך׳ ־ ׳״״ Das hebräische Schulwerk in Palästina. Die diesjährigen Sammlungen für den Zionistischen Zentralfonds einschließlich hebr. Schulwerk l>aden im 1. Quartal 1916 den Betrag von Mark 46000.— ergBen. In allen hebräischen Schulen Palästinas (mit Ausnahme der Mädchenschule in Jaffa) wird der Betrieb regelrecht durchgeführt. 1׳. י־. Der jüdische Nationalfonds. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds (Haag, Bierkade 8a) teilt mit: Während des Monates März hat der Jüdische Nationalfonds Mk. 30223,08 an Spenden vereinnahmt. — Diese verteilen sich auf: Nordamerika Mk. 15382.07, Oesterreich Mk. 6978.73. Rußland Mk. 2773,39, Deutschland Mk. 2345,84, Rumänien Mk. 629,64, England Mk. 482,98, Schweiz Mk. 435,66, Holland Mk. 332.93, Griechenland Mk. 244,00, Australien Mk. 222,24, Bulgarien Mk. 212,00, Ost-Asien Mk. 183,60. Nach den letzten Berichten aus Palästina hat man sich in diesem Jahre in den Farmen des Jüdischen Nationalfonds besonders auf den Anbau von Gemüse vcrlegt. Aus der Pflanzungs- und Ackerbaufarw Ben Schemen werden täglich Milch und Käse!»ach Tel-Awiw, sowie Geflügel und Eier nach Jaffa gebracht. Die Genossenschaft Dagania am Jordan bringt in Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa oder Jaffa-Jerusalem, ihre Produkte nach Damaskus zum Verkauf. —irr Zionistische Tagungen. Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation teilt mit, daß der diesjährige Delegiertentag der Amerikanischen Zionisten in der letzten Juni-Woche in Boston stattfinden wird. — Die Landeskonferenz der Skandinavischen Zioniste!l wird am 23.-24. Mai in Kopenhagen abgehalten werden.