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Jüdische Volksstimme · 1915-05-14 · Heft 14 (14.5.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 14 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ilttt 4 r*>^^^^-^WG^WMKMAM^MSPNU^WNW^MW»^^ WNWWW wmipiiir II und Selma, und den Kindern? Valerie War die Bravste von allen mit dem Schreiben, wenn mir niemand geschrieben hat, von Valerie habe ich doch einen Brief oder eine Karte bekommen und so was läßt sich nicht mit Gold aufwägen, im Felde eine Karte von zu Hause das weiß eben nur der, der dort war. Kh sende Euch heute mein« Adresse und kannst du verbuchen mir zurückzuschreiben, obwohl ich auch nicht weiß ob dich meist Brief erreichen wird unjd bitte nur das Notwendigste sonst wird der Brief vernichtet. Hoffentlich gibt der l. Gott bald, daß wir uns glücklich und gesund Wiedersehen können, also gute, I. Mutter, es grüßt dich und alle herzlich, dein treuer Sohn Erwin. Die Adresse Werdet Ihr wahrscheinlich nicht lesen können, Pickt es auf ein Kouvert. Antipicha, 29. 1. 1915. Liebe Mutter! Habe dir vor ungefähr 2 Monaten und dann auch vor 1 Monat geschrieben und dir auch meine Adresse angezeigt, aber noch keine Antwort zurückevhalten. Es ist möglich, daß meine Briefe in Verlust geraten sind und teile dir mit, daß ich russischer Kriegsgefangener bin. Nun zu dir, l. Mutter,. Wie geht es dir, bist du gesund? Ich hoffe zum l. Gott, daß ja, und was machen meiste anderen Geschwister? Wenn es möglich ist, liebe Muter, so schreibe mir zurück wie alles zu Hause ist, aber bitte, nur Familienangelegenheiten, von Politik nichts, weil sonst der Brief nicht an mich gelangt. Mir geht es so so, viel ist darüber auch nicht zu erzählen, nur so eintönig. Liebe Mutter, ich lege dir ein Retourkouvert bei und bitte, den Brief nicht zuzupicken, weil derselbe sonst nicht befördert wird. Ich hoffe zum lieben Gott, daß wir uns riecht bald gesund Wiedersehen werden. Also, ja, liebe Mutter, auf baldiges Wiedersehen. Es grüßt dich und alle meine anderen! Lieben herzlichst dein treuer Sohn Erwin Weih. Ein Stimmungsbild aus Russisch-Polen. Der bekannte Berliner Maler 'Herr Hermann Struck, der vor Kurzem eine Reise nach Russisch-Polen gemacht hat, stellt uns folgenden lehr charakteristischen Brief aus Russisch-Polen für die Stimmung der dortigen Bevölkerung zur Verfügung: ... 21. März 1916. ".... 'Viel habe ich von den Mördern gelitten. Fast jede Nacht klopften sie an unsere Tür, um fürchterliches zu begehen. Deshalb ging ich nach Lodz. Bei der Belagerung Lodzs war ich in der Stadt. Ich hatte viel mit meiner Familie auszustehen. Wir haben hungern müssen, denn es war nirgends was zu bekommen. Die hungrigen russischen Soldaten haben alles aufgegesson; sie entnahmen bei den Juden alles, was sie fanden. Es ist mir unmöglich, all die Leiden, die 'wir während drei Wochen zu ertragen hatten, zu beschreiben. Der Hunger war sehr groß. Ein Bauer hatte Kartoffeln zu verkaufen, und wir Juden kauften sie bei ihm am Sonnabend und trugen sie selbst nachhause. Von dem wenigen, was ich zu essen hatte, mußte ich noch meiner Mutter und Geschwistern abgeben, die alles während des Krieges verloren hatten. Als ich zu meiner Mutter kam, erkannte sie mich nicht und ich habe fürchterlich geweint.... So dauerte die entsetzliche Lage drei Wochen, bis die Deutschen die Stadt Lodz ׳besetzt haben. Als die Deutschen in die Stadt kamen, so wurden sogleich die Geschäfte geöffnet, man hat sofort Brot gebacken, und es wurde uns etwas leichter. Wir hatten keine Angst mehr, daß die Russen uns unser Brot rauben werden. Ich selbst habe es gesehen, wie ein russischer Soldat einen armen Juden, der Brot trug, geschlagen hat und das Brot ihn: wegnahm. Ich habe bis jetzt nicht den hundertsten Teil der Schrecken beschrieben, die wir erlebten. Ich fuhr dann nach .und öffnete meinen ärmlichen Laden, der schon von früher her durch den Boykott der Polen ruiniert wiar. Gott möge uns Juden von den mörderischen Russen hüten und besetzen!" ב״ה. - Akrostichon verfaßt von meinem gottseligen Großvater Josef Hirsch Grünwal-, gew. Rabbiner in, Bisenz, welcher mütterlicherseits von dem berühmten Gelehrton Harvam Eisenstadt abstammte. Von demselben erschien das Work: Meharamasch. Uebersetzt von Dr. Josef Grünwald. Men, 27. April 1916, 13. Jjar 6676. Aus dem Original abgeschrieben vön Malvine Grünwald. שיר מזמור ליוסח. ידי אשא לך הבורא וצור כר העולמים ואשבח ואהלל לך בכריעה ובתחנונים 0מכת וחזקת אותי לחשוב ביעיונים ישרים &עלת ועשית עמי חסדים רבים וגדולים צרכי ביתי נחת לי ברוב רחמך בנעמים 2ך אני בוטח ואחכה. תחת כנסיך כל הימים ידיך תפרוס להגין ולחסות עלי ברחמים 2מקיחא אחת אתה רואה כל העולמים ד!בחנת לבבות מכל הימים יודע אתה,כל הנסתרות הנעלמים שומע אתה כל הבא לפניך בתחנונים רוצה וחפ״׳ן אתה בתשובת השבים אך בתשובה שלימה המה מקובלים לפני כסא כבודך בזד. המה מגיעים?בדני נם אותי בכל עת ושעה ביניהם לטובה ולברכה ולחיים ארוכים׳ מק״ק בתענ<ן• . Zu dir Schöpfer und Fels des ganzen Weltalls erhebe "ich meine Häitde! Ich lobe und Preise dich unter kniefälligem Flehen! Du stützest und stärkest mich rechtlich zu denken,, Uebest viel und große Gnade an mir. Meine Lebensbedürfnisse verschaffst du mir in Barmherzigkeit und Liebe. Auf dich vertraue ich und stelle mich unter Schutz Deiner Fittige all mein Leben lang. Deine Arme breitest du aus, mich anzuschirmen Und zu schützen in Barmherzigkeit! Mit einem Micke überschaust du das ganze Weltall, Prüfst die Herzen aller Zeiten, Kennst die tiefsten Geheimnisse, Erhörst das Flehen Aller, die vor dir erscheinen, Nimmst gnädig und wohlgefällig die Reumütigen auf; Jedoch nur die vollkommen aufrichtigen Reumütigen Erscheinen vor Deinem geheiligten Trone. Gedenke auch meiner zu jeder Zeit gütigst zum Glück, zum Segen und zu langem Leben. Koreefponlleazen. Mähr.-Kromau. Am 23. April verschied hier der von seinen Kollegen hochgeschätzte Kantor Samuel Lagodzinsky im Alter von 67 Jahren. Derselbe war ein treuer Beamter, von der Gemeinde geschätzt und geachtet. Trotz seines Leidens fungierte Kantor Lagodzinsky noch Freitag, den 23. April, beim Gotesdienste. In derselben Nacht verschied er. umgeben von seinen geliebten Angehörigen, .Bei dem am 26. April statlgefundenen Leichenbegängnisse fungierten der Rabbiner und der Kantor aus Kanitz. Uniter den An- Wesenden war auch der Oberkantor aus Mißlitz. Mähr.-Ostrau. Auf Anregung der hies. jugendlichen Flüchtlinge gelang es ihnen, Dank und der Mitwirkung des hies. Kultusvates und Obmannes des Bet-Hamidvasch-Bereines Herrn Dr. M. Beeer, ein entsprechendes Lokal Mecks Fortsetzung der jüdischen Literaturwissenschaften, zu erlangen. Die für dreimal wöchentlich nominierten Vorlesungen haben bereits begonnen. Die Vorlesungen erwiesen sich bei den Teilnehmern als äußerst eminent und erhaben. Ein reges Leben von echten jüdischen Geiste war im Lokale zu ׳ erblicken, so daß auf einen größeren Zuspruch von Teilnehmern sich Aussicht zeigte. Hoffentlich wird die Verwaltung von der im ebendemselben Lokale befindlichen Bibliothek, die zur Bildung erforderlichen Bücher, freigeben, womit die verfolgte Idee vervollkommnst wird. I. S.. Bielitz, Endo April. Wie vor Kurzem in den! öffentlichen Blättern zu lesen war, wohnte Se. Exz. Dr. v. Korytowski, Statthalter von Galtzien, mit seinem Beamtenkorps einem Abendgottesdienste in unserem Tempel bei. Die Pracht- , volle Stimme und der künstlorischs Vortrag des ׳; Oborkantors Jgttatz Goldmann machten auf den ' erlesenen Zuhörerkreis solchen Eindruck, daß Se. i Exzellenz den Wunsch äußerte, Herrn Goldmann auch in weltlichen Gesängen zu hören. Um diesem Wunsche des hohen Herrn nachzukommen, veranstaltete Herr Goldmann vor Kurzem in seiner eigenen Wohnung eine musikalische Soiree zu welcher außer Sr. Exzellenz auch der Bürgermeister der Stadt Bielitz und noch andere Persönlichkeiten der ist. Kultusgemeinde, die Gemälin des Mühlenbesitzers Reumann samt Tochter, Herr Neumann war verreist, geladen Waren. Oberkantor Goldmann sang im Verlaufe des Abends einige Lieder und Balladen und errang 5 durch seinen abgeklärten, warmen, mit jugendi frischer Stimme durchgeführten Vortrag den aufrichtigsten Beifall der Anwesenden. Nach den! Vortrage der Ballade ״Der seltene Beter" von ' Löwe, war Se. Exzellenz so ergriffen, daß er Herrn Goldmann gerührt umarmte. Auch Fräulein Grete Neumann, die eine Schülerin der Gesangsmeisterin Frau Manberg in Wien ist, sang unter der feinfühligen Begleitung des Hrn. Professors LuLrich einige Lieder mit kräftiger und gutgeschulter Stimme und fand wohlverdien- - ten Beifall. Seine Exzellenz, der ein warmer ־.; Verehrer der Musik und des Gesanges ist, dankte : beim Abschiede Herrn Oberkantor Goldmann ' für den gebotenen Kunstgenuß und dessem Gemalin für die lukullischen Genüsse hsrzlichMMd * betonte, daß es ihn besonders freiteeinen saHUvorragenden Beamten der hies. KultusgemeistU in seinem Heim besucht zu hahen und dieser ׳ Abend ihm lange in Erinnerung bleiben, werde. ׳ Breslau. Rabbiner Dr. Guttmanu feierte seinen 70. Geburtstag. Dr. Guttmann, der nach kurzem Wirken iw, Breslau viele Jahre das Landrabbinat zu Hildesheim bekleidet hatte, wirkt nunmehr als Nachfolger des verstorbenen Dr. Joel seit einer Reihe von Jahren in unserer Gemeinde. Weiteren Kreisen ist der Jubilar als Vorsitzender des deutschen Rabbinerverbandes bekannt. Wie sein Amtsvorgänger Dr. Joel ist auch Dr. Guttmann als Gelehrter namentlich aus dem! Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie geschätzt. Die Preußische Regierung hat diese seine Wirksamkeit durch die Verleihung des Professortitels anerkannt. Kunllfckau. Das Eiserne Kreuz für einen Feldrabbiner. Wie soeben bekannt wird, ist mim zum zweiten Male — nächst dem jüngst hier erwähnten Dr. Levy, der sich u. a. durch seine Berichte über die Leiden der Juden auf dem russisch-polnischen Kriegsschauplatz verdient gemacht hat, — ein zweiter deutscher Feldrabbiner Ritter des Eifernen Kreuzes geworden. Es ist Herr Dr. Jacob Sonderling, ein Brünner, aus Hamburg, der sich nicht nur der jüdischen Glaubensgenossen sondern ✓ auch der Angehörigen anderer Bekenntnisse fürsorglich angenommen hat. Haup'tmanu Kellner. In der ״Neuen Freien Presse" vom 16. April schreibt der Kriegsberichterstatter Roda-Roda: ״Die Unternehmung gegen Rarancze kam nicht recht vom Fleck, da waren die Russen allzusehr überlegen. Man muhte den Ort umgehen urid einschließen. Hauptmann Kellner (von dem ich gelegentlich noch mehr erzählen werde — einer

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