Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 14 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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UW8 ו׳־־־■*י* ^״■^p',^r *^•A#-^iv^-5.;2־:^:'. «fite 8. Mt WMWHfD» WR^nMm M 14 Übung lagen wir als Plänkler neben einander in der Schwarmlinie. Es war eine kleine Pause. Da findet Michaile einen Marillenkern und setzt ihn ein. Während wir Tod und Verderben üben, ist Michalke, der schlesische Forstarboiter, auf Leben und Wachstum bedacht. Es wird einmal wieder Frühling sein, Friede und Freude. Sonntage wird es wieder geben und muntere Wanderer, und droben auf dem Roten Berge wird einmal mn blühender Marillenbaum seine Zweige ins Weltblau strecken." Wacker, wacker! ״Auf dem kleinsten Raun! pflanze, einen Baum!" Können wir den hohen Gefundheitswert des Obstgenusses durch beru!fene Vertreter der Ernährungschemie und der Heilkunde kräftigst er- Härten und dient uns das ״Buch der Bücher", die auch dem vorurteilsfreien Sohne unserer Zei!t tifiel sagende und viel bedeutende Bibel, als bester Beleg für die gebührende Wertschätzung und Würdigung des Obstbaumes, so steht uns überdies auch noch kein Geringerer als Goethe Wirksamst und hilfreichst zur Seite, wenn wir die bisher leider nicht genug erkannte und beachtete Bedeutung des Obstbaues und Obstgenusses ins rechte Licht rücken wollen. Wie wunderschön heiß! es im zweiten Teil des ״Faust": ״Und mütterlich im! stillen Schattenkreise Quillt laue Milch bereit für Kind und Lamm; Obst ist nicht weit, der Ebene reife Speise, Und Honig trieft von ausgehöhlten Stamm. Hier ist das Wohlbehagen erblich, Die Wange heitert wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund." Zufrieden und gesund! Wer wollte das nicht sein? Sollen und wollen wir uns dieses glücklichen Zustandes weit mehr als bisher erfreuen, dann darf das Obst nicht weit und spärlich sein, sondern die herrliche Gottesgabe des Obstes muß ganz nahe in reicher Fülle als eine tägliche Hauptspeise zur Verfügung stehen, und der von der Bibel selbst im Kriege als unverletztlich erklärte Fruchtbaum muß pi ״Wirte, Wundermild" werden; von dein der wackere deutsche Volksdichter Uhlland, wie wir noch aus der Volksschule wissen, so allerliebst zu melden weiß: Einkehr. Bei einem Wirte wundermild, Ta war ich jüngst zu Gaste; Ein goldner. Apfel war sein Schild An einem langen Aste. Es war der gute Apfelbaum, Bei dem ich eingekehrt; Mit süßer Kost und frischem Schaum Hat er mich wohlgenähret. . Es kommen in sein grünes Haus Viel leichtbeschwingte Gäste; ׳- Sie sprangen frei und hieltekv Schmaus Und sangen auf das Beste. Ich fand ein Bett zu süßer Ruh' Auf weichen, grünen Matten; Der Wirt, er deckte sellbst mich zu Mit seinem kühlen Schatten. Nun fragt' ich nach der Schuldigkeit, Da schüttelt' er den Wipfel; Gesegnet sei er alle Zeit Von der Wurzel bis zum Gipfel! Doch nun wieder zurück zur ״gebundenen Sprache". In seiner bereits erwähnten Vorzuglichen Obstlobschrift aus dem Jahre 1854 sagt der Wiener Arzt Ed. Grundfest: ״Eine mildere, unsere Organismus so sehr zusagende Nahrung gibt es wohl nicht mehr; wo Obst wächst, da gibt es auch heitere, glückliche und gesunde Menschen. Das Obst wirkt auffallend auf den Charakter der Menschen, und es ist statistisch erwiesen, daß in Ländern, wo kein oder doch sehr verkümmertes Obst erzeugt Wird und die Bewohner mehr auf eine Floischnahrung angewiesen sind, weit mehr Laster Vorkommen, als da, wo Obst gedeiht. Es ist Tatsache, daß in großen Städten unverhält- -tismäßig mehr Verbrechen begangen werden, als auf dem Lande, und es stimmen denkende Männer in der Ansicht überein, daß die Ursache in dem häufigen Genüsse von Fleischspoifen zu suchen sei, Mas bei den Landbewohnern nicht der Fall ist, da diese mehr Pflanzenkost und Obst essen. Obst unjd Pflanzenspeisen erzeugen ein heiteres Gemüt; man vergleiche den lustigen rmd frohen Neapolitaner, der oft nichts über den Tag ißt als einige Datteln und Feigen, mit dem schwerfälligen trüben Engländer» der auf Fleisch und Fisch angewiesen ist, und den erst der Genuß von geistigen Getränken aus seinem Trübsinn wecken muß. Die einfachste Nahrung ist die gesündeste; in der Regel erreichen Menschen, die einfach leben, ein höheres Alter, als die Fleischesser und Weintrinker; so weit man in der Gesundheitslehre liest, sind Beispiele des hohen Alters von Menschen bekannt, welche mehr auf Pflanzenkost angewiesen sind, worunter Vorzuglich ״Obst". O, dieser ״trübe Engländer", der die blutigsten ״Beefsteaks", die schwersten Port-Weine, das stärkste Porter- und Ale-Bier, den schärfsten ״Whisky" liebt, das milde Obst nicht in seiner einfachsten, natürlichen Form, sondern nur gekocht und reich gezuckert als ״Jam" an: liebsten itzt und uns durch die Anzettelung des ungeheuerlichsten Kriegsbrandes so sehr betrübt hat! Der ״trübe" Engländer ist es auch, der sich 'seine zur Erhaltung seines überüppigen Lebens nötige Wcltsee- und Welthandelsherrschaft nicht länger durch den unbequem gewordenen Mitbewerb Deutschlands trüben lassen wollte und deshalb den lästigen ״Konkurrenten" auf dem Weltmarkte durch einen hauptsächlich von den Russen und 'den Franzosen zu bestreitenden Vernichtungskrieg aus dem Wege zu räumen versuchte. Wie immer sich, 'die spätere Zukunft gestalten werde, zunächst wird die unbeschränkte ״Welt- Wirtschaft" einen bedeutenden Stos; erfahren, und an Stelle des alle Länder und Meere weit umspan-nenden internationalen Güter- und Menschen-Austausches, als dessen neuester Triumph das Riesenwerk des Pcmama-Kanales 'geschaffen wurde, wird nunmehr die zuletzt stark zurückgedrängte und fast über die Achsel angesehene ״Nationalwirtschaft" wenigstens für die nächste Zeit wieder in den Vordergrund treten oder doch starke Berücksichtigung heischen und dadurch die Landwirtschaft nebst dem Obstbau 'so mächtig gefördert werden, daß endlich die Frage: ״Agrar- oder Industrie-Staat" in die Forderung übergehen wird: '״Agrar- und Industrie-Staat". Die große volkswirtschaftliche Bedeutung und Wirklichkeit reichlicheren und allgemeineren Obstbaues erhellt am besten aus dem Riesenumfange der an Menge und Güte in gleicher Weise ganz hervorragenden Obsterzeugung der Vereinigten Staaten von Nordamerika, sowie aus den wichtigsten Zahlen der Obsteinfuhr. In wie hohen: Ansehen aber der Obstbau bei den alten Orientaten stand, lehrt uns nicht bloß die Bibel, son-- dern auch die höchst bezeichnende Tatsache, daß die Perserkönige bei feierlichen Gelegenheiten mit eigener Hand an.geweihten Stellen Obstbäume pflanzten. Der Obstbau galt für eine königliche Beschäftigung und wurde von älteren 'Kyros mit besonderer Sorgfalt bedacht; die Heerstraßen, welche die Provinzen mit der Hauptstadt verbanden, wurden nüt Obstbäumen bepflanzt. Wohlan: die königliche Beschäftigung des alten Morgenlandes mögen wir Juden jetzt wieder ausnehnren und weihevoll zu neuen Ehren bringen: wir knüpfen so höchst zeitgemäß an unsere große Vergangenheit an und schaffen damit ein echt jüdisches Werk: edel und nützlich. Auf denn, Juden voran! Profeffor Dr. Adolf Berliner gestorben. Das Juden tun: hat einen großen Verlust erlitten. Einer seiner angesehensten Persönlichketten Professor Dr. Adolf Berliner ist in: nicht ganz vollendeten 82. Lebensjahre in die ewige Heimat eingegangen. Mit ihm ist ein treuer Mitarbeiter Israel Hildesheimers ges. Und. von uns geschieden, Weit ist der Kreis, der um Berliner Trauernden. Vor allem beweinen ihn viele Generationen von Schülern. In Obersitzko, Prov. Posen, wo er am 13. Jjar (20. Mai) 1833 geb. War, erteilte er schon im Alter von 16 Jahren, mn für Mutter und Geschwister zu sorgen, Reltgionsunterricht, da sein Vater kurz vorher gestorben war. Dabei ״lernte" er bei Rabbi Michael Struck, dem Rabbiner von Obersitzko, dessen Tochter er später heiratete. Die Ehe blieb kinderlos, war aber trotzdem eine Jdealehe. Die Gattin verfolgte mit wärmsten Interesse das geistige Schaffen und den Aufstieg ihres Mannes und war bestrebt, ihm alles fern zu halten, was ihn in seinen Studien und Arbeiten stören konnte. Im Alter von 26 Jahren wurde Berliner als Prediger und Religionslehrer nach Arnswalde berufen. Hier gab er im Jahre 1866 sein Hauptwerk, einen korrekten Text des Raschikommentars zum Chumesch nach Handschriften heraus. Beson- Oers wertvoll wurde und ist diese Raschiausgabe durch den Quellennachweis, der ihr beigegeben ist. Hierdurch wird es möglich schwierige Stellen durch das Nachschlagen der Quellen zu verstehen und richtig aufzufassen. Für dieses Werk verlieh die Leipziger philosophische Fakultät dem Verfasser den Doktortitel honoris causa. Er wurde dann als Lehrer an die Chewras Schaß (Talmudverein) in Berlin berufen, wo er auch an der Universität Geschichte studierte. Er nahm Teil an der Gründung der Adaß Jisroel, wurde 1873 bei Gründung des Rabbinerseminars durch Dr. I. Hildesheimer als Dozent der Geschichte an diese Anstalt berufen, wo er bis vor wenigen Jahren noch,tätig War. 1871 veröffentlichte er seine, später in 2. Auflage erschienene Schrift ״Ueber das innere Leben der Juden in Deutschland zur Zeit des Mittelalters", welche auch ins Hebräische übersetzt wurde. Im Jahre 1873 machte Dr. Derliner seine 1. Reise nach Italien. Es wurde ihm gestattet, in der Bibliothek des Vatikans zu arbeiten. Dieser Reise folgten noch 20 Reisen nach Italien. Diesen Forschungsreisen verdankt man mehrere Werke über die Geschichte der Juden in Italien, u. a. das dreibändige Werk ״Die Geschichte der Juden in Rom" 1893. Als Anerkennung für dieses Werk ernannte ihn der König von Italien zum ״Ritter der Krone Italiens". Zur ersten Reise erhielt Berliner eine Subvention des preußischen Kultusministeriums, ebenso zur Herausgabe des ״Tar-gum Onkelos" von der Könglichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Gegen die Einführung der Origel in die Synagoge nahm er Stellung in der Schrift ״Zur Lehr und Wehr." Zum 70. Geburtstage wurde ihm der Titel Professor verliehen. Wir verdanfett ihm noch eine große Reihe größerer und kleinerer Werke. Den junget: Leuten, welche am Rabbinersemiinar in Berlin strtdierten, war er Freund und Berater. Seine beispiellosen Kenntnisse in der jüdischen Biographie ermöglichten es ihm, darüber Auskunft zu geben, wo in Werken, Jahrbüchern, Zeitschriften über irgend' ein Thema der jüdischen Wissenschaft etwas zu finden ist. BBBBBBBBBBBBBBBB An jüdische Schriftsteller und Feldrabbiner. Auf dem Kriegsschauplätze befindliche jüd. Schriftsteller, Feldrabbiner, werden um Aufgabe ihrer Adresse gebeten. Jüd. Buch- und Kunstverlag, Brünn, Adlergasse 9. BBBBBBBBBBBBBBBBB Feldpostbriefe. 26. Dezember 1914. Liebe Mutter! Habe an Euch vor etwa 4 Wochen geschrieben, Blanka, Selma, Valerie auch. Hoffentlich sind sie schon bei Euch angelattgt und Ihr infolgedessen über mich ein wenig beruhigt, daß ich russischer Gefangener bin, weißt du bereits und sonst ist nicht viel zu erzählen, erst bis mir der t. Gott das Glück geben wird, daß ich Euch meine Lieben, Wiedersehen kann, dann werde ich Euch so ausführlich als es mir möglich Wird, alles erzählen. Also hoffentlich kann ich es bald hm. Hier wo ich jetzt bin ist 40° Kälte. Man wird aber so daran gewöhnt, als Wenn es 20—25° wäre, so daß man ganz ruhig spazieren geht. Was machst du eigentlich, l. Mutter, bist du gesund? Wenn der l. Gott mein Gebet erhört, so ganz bestimmt. Und mehre anderen Geschwister? Gibt Arthur Nachricht von sich? Wie geht es Ewald, Blanka