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Jüdische Volksstimme · 1915-04-29 · Heft 13 (29.4.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 13 (29.4.1915)
Date
1915-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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«r. 13 Auszeichnung. Herr Dr. Hugo Stötzler, k. u. k. Rogimentsarzt des L.-J.-R. Nr. 30, beim Feldspital Nr. 8/9, erhielt zum zweiten male im Felde das gold. Verdienstkreuz mlit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille in Anerkennung vorzüglichcr und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde. — Herr Dr. Hugo Stößler ist ein Bruder des Rabbiner Herrn Dr. Johann Stößler in Trebitsch. . Der ״hohe Rabbi L'öw" wird nun in Prag seine Statue haben. Der Bild- Hauer Saloun verfertigt eine solche für die Fassade des neuen Rathauses. Emigranten-Los. Aus Paris schreibt ein russisch-jüdischer Emigrant: Man hat uns aufgefordert, für das heilige russische Vaterland gegen den deutschen Barbaren zu kämpfen. 2000 russisch-jüdische Emigranten sind hier allein als Freiwillige eingetreten und circa 16.000 von ganz Frankreich. Der russische Konsul hat eine zuckersüße Rede an alle Freiwillige gehalten, den Prowoslaven hat er sofort neue warme Kleidung verteilen lassen und an die jüdischen Freiwilligen hat er vergessen. Wir, die wir zu Hause bleibeu, müssen für Wasser und Brot schwer arbeiten. Mehr darf ich nicht schreiben. (״Vorw.") Russen in Sadagora. Das Schloß des Wunderrabbis ist vollständig geplündert. In der alten Synagoge waren Stallungen eingerichtet, bis sich selbst die christlich-orthadoxe Bevölkerung dagegen empörte. Beer Hermann, Mayer Liquornik und Kalman Netter wollten die Ehre ihrer Frauen schützen und wurden ermordet. Wolf Grauer wurde Wahnfinnig. Juden im italienischen Parlament. Mit der Ernennung der Herren Frazzi und Leone Wollemborg zu Senatoren sind es jetzt im ganzen 18 Juden, die im Oberhaus des italiemschen Parlaments sitzen, während es 16 im Abgeordnetenhaus sind. Herr Wollemborg war bereits jahrelang Kammermitglied und wurde im Jahre 1001 zum FinanMMwister ernannt. Er sowohl wie seine Frau sind in Rom wegen ihrer Teilnahme an gemeinnützigen Werken sehr bekannt. 1000 Dollar-Spende der österr.-ung. Zionisten Newyorks für jüdische Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Die österr.-ung. Zionisten in Newyork haben zur Linderung der Not der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina über Jntervention der Herren Red. Frostig, Adolf Stand und Ober-Ingenieur Stricker den Betrag von 1000 Dollar (6500 K) gesammelt Und an. die Adresse der Obgenannten eingesendet. Diese Gelder wurden laut Beschluß des ״Exekutivkomites der Zionisten Oesterreichs" in der Weise verwendet, daß durch das Büro der Hilfsaktion anläßlich der Pessachfeiertage 2500 K an jüdische Flüchtlinge aus Galizien, 500 K .an solche aus der Bukowina verteilt wurden. Weitere 1000 K wurden für jüdische Flüchtlinge aus der Bukowina bestimmt und der Rest von. 1500 K den: ״Zionistischen Zentralkomite für West-Oesterreich ״Hilfsaktion für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina", überwiesen. Die Farmen des Jüdischen Nationalfonds. Nach den letzten Berichten aus Palästina haben zwar die N.-F.-Betriebe unter der allgemeinen Krisis in mancher Hinsicht zu leiden, doch geht alles erfreulicherweise seinen gewöhnlichen Gang. Ueberall konnte!!!an fast alle Arbeiten, wie sie von der Verwaltung ursprünglich im Wirtschaftsplan vorgesehen Waren, ausführen. Man hat sich besonders in diesen! Jahre auf den Anbau von Gemüse verlegt. Aus der Pflanzung^-- und Ackerbau-Farm Ben Schemen werden täglich Milch und Käse nach Tel-Awiw, sowie Geflügel und Eier nach Jaffa gebracht. Die Genossenschaft Dagania am Jordan bringt in Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa oder Jaffa- Jerusalem ihre Produkte nach Damaskus zum Verkauf. j Der Frühling. משירי שיללערו »ל תשאליני למד, בלבתי, בימי עלומי היגון 3ה חדרן היקום בד עלז« שמחד רבתי« בשוב האביב בהוד והדר« Ja, Alles freuet sich und hoffet, wenn der Frühling sich erneut! In mir freut sich auch meine Seele. Es kommt der Frühling!! Manche sagen es so still — sie sagen es nicht einmal — ihr Mund bewegt sich nur aber keine Stimme hört man, — manche sagen es so betrübt — und ihre Augen sind voll Tränen. Fürwahr! Was bietet uns der Frühling? Unsere Söhne — unsere Männer — unser Heim — wo sind sie? Diese Frage richten sie und betrübt schauen sie in die Helle schöne Sonne blickend. Und diese als hätte sie verstanden, scheint zu fragen: למד. אתה בובה ישראל? Und wenn sie keine Antwort in den träumerischen Augen Israels die immerhin — dorthin nach den Orient gerichtet sind — steht, scheint sie zu sagen: erinnere dich, was du am Passachtag gesagt hast: Und aus der cgyptischen Gefangenschaft hat uns Gott herausgezogen: לא על ידי מלאך, ולא על ידי שרף, ודא על י שליח׳ אלא ... בכבודו ובעצמו: und die Liebe Sonne scheint zu sagen: erinnere dich nur an Midrasch. Und was sagt dieser? Er sagt: אנכי נותן למניכם היום ברבה וקללה Und dabei lacht so hell und lustig die Sonne — daß in jeder Judenseele — in jedem Judenauge wird es auf einmal so hell und so fröhlich. Und auf einmal geht mit Freude aus jeder Juden-Menschenbrust der Schrei: Der Frühling kommt! Ja, es kommt der Inden-Frühling. Diese ״Klulu" ist erfüllt worden an Israel — es naht die ״Bruchu"! Freue dich Israel. Meine Seele freut sich und eins weiß sie nur: ״Mit den Frühling kommt die ״Bruchu" — Sie kommt — erkämpft mit dem Blut Jsraels Söhne! Dieser Frühling wird schon aber dauern — und die Bruchu wird uns schon folgen — bis wir werden wieder einmal ziehen — wandern — wandern dorthin, wo der Jordan fließt — wo die Väter ruhen — wo der Sinai sich erhebt, dort wo die Steiner Israels sind, und dort werden Israels kleine Kinder singen: אבן ישראל׳ אבן הראשה׳ בבית אלהים אחד לכל העמים׳ אבן העזר יצדקד־ז הקדושה׳ אבן חן׳ נעם וימי תמים. I. Weißmann. Ein biblisches Omen für den Krieg 191411915. תחת שלוש רגזה ארץ ותחת ארבע לא תוכל שאת. תחת עבד כי ימלוך ונבל כי ישבע לחם. תחת שנואה כי תבעל ושמחה כי תירש גבירתה. (משלי ל. כ״א-כ״נ. Unter drei Dingen wird die Erde erschüttert und unter vieren wird es ihr unerträglich: Unter einem Sklaven, welcher zur Königswürde gelangt, unter einem Habsüchtigen, welcher Brot im Ueberflusse bekommt, unter der Begattung einer gehaßten Frau sowie unter einer Leibeigenen, welche ihre Besitzerin beerben soll. (Sprüche Sal. 80, 21—28). Diese exotischen, dreitausend Jahre alten sibyllinischen Verse bilden quasi eine Andeutung tritt» I bei heutigen welterschütternbeN Völkerkrieges m zwi just im Sinne der Zenträlmächte;״ In dem zur Macht gelangenden Sklaven erkennen wir die Russen wieder, die im Altertüm ein ausgesprochenes Sklavenvolk warne (welchem Umstande sie den Namen Slawen zN veüwnken haben); der im Ueberflusse schwelgende Egoist! ׳ kein anderer als John Bull, dessen sarkastische Benennung sich schon im Klange des biblischen ונבל abspiegelt; die Begattung des gehaßten Weibes ist eine vortreffliche Allegorie für das republikanisch-demokratische Frankreich, welches von seinem größten, natürlichsten Feind, dem autokratischen Rußland, als Verbündeten heimgeführt wurde, nichts ist ja unnatürlicher; unter der Leibeigenen, welche ihre Besitzerin beerben möchte haben wir endlich Serbien zu verstehen, dessen Territorium und Volksmassen, von jeher zum größten Teil integrierende Bestandteile der altehrwürdigen Donaumonarchie bildeten, die sie stets gegen Türken und Bulgaren in ihren Schutz nahm, zum Danke dafür trafen die Serben in allem Ernste Anstalten, die Monarchie zu zertrümmern und auf ihren geerbten Trümmern eine großserbische Donaumonarchie zu gründen. Unter diesen Vieren also erbebt die Welt oder viel mehr Österreich, denn der Zahlenwert des Wortes ארץ in dem in- Betracht kommenden Vers ist derselbe, wie jener des Wortes אוסטריה, , des hebräischen Namens Oesterreichs, Nämlich 291. Diie treffliche Benennung Englands .. גכל ist auch in anderer Beziehung richtig, In diesem Spitznamen befinden sich nämlich dieselben Buchstaben wie im Worte לבן - weiß; da grinst uns die blonde Bestie Albiott entgegen. G. M. Laser. Vom Büchermarkt. L. Wiesner. Die JugeMehkel der talmudifchen Zeit. Wien 1914. Verlag vön R. Löwit 1. Bez., NotenturMstraße 22. In dieser von gründlichem Quellenstudium zeugenden Schrift hat Herr L. Wiesner, ein gediegener Kenner des jüdischen Schrifttums, sichs zur Aufgabe gemacht, das Wirken und Schaffen jener Lehrer der talm. Zeit, die sich auch mit dem Jugendunterrichte eifrigst befaßt hatten, zu schildern. Die verdienstvollsten, gelehrtesten und angesehensten Persönlichkeiten in der Geschichte des Judentums/in der nachbiblischen Zeit, waren unstreitig die Tanaim (Gesetzeslohrer) u. Amaraim (Gesetzeserklärer), Männer, die die Mischna und Gemara, Talmud genannt, gegründet haben. Dieses prachtvolle imposante, eine Welt von Gedanken, eine Fülle von anregenden Ideen enthaltende, ans zwölf starken Folianten bestehende und 2047 Blätter zählende Werk, das nicht nur rein religiöse, sondern auch astronomische, niaturgeschichU., anatomische, medizinische, mathematische philosophische, biographische und Weltgeschiichtliche Themata bespricht und behandelt, zeugt, daß dessen Verfasser hochgelehrte, gottbegeisterte Männer waren, die keinen anderen Zweck verfolgten, als den, ihre Glaubens- und Stammesgenossen zu wahrhaft frommen׳, Kultur und Bildung fördernden Israeliten zu treuen, nützlichen und geachteten Mitgliedern der Familie, Gemeinde und der menschlichen Gesellschaft heranzubilden. Tatsächlich bildete das Talmludstudium Jahrhunderte lang den einzigen Lebensanker des Judentums in! Golus. Während draußen der wutentbrannte, rascheschnaubende von Neid und. Haß erfüllte Feind alle möglichen und unmöglichen Torturen und Folterqualen ersonnen hatte, um das schwache wehrlose Israel vollständig vernichten zu könneu, herrschte in! Innern der jüd. Lehrhäuser ein reges bewegtes Leben. Mit einem Feuereifer sondergleichen durchsegelten Lehrer und Schüler das unermeßlich große Meer des Talmuds und fühlten sich überglücklich, wenn sie hier sich ungestört der Durchforschung talnMdischer Materien hingeben konnten. obgleich ihnen draußen der Kampf um das Dasein so schwer als möglich gemacht wurde. Das Wort der heil. Schrift: ״Du sollst dich mit dem Studium der Gotteslehre Tag und Nacht beschäftigen". stand mit feurigen Zügen vor ihrer Seele. Es gab in früheren Zeiten keine einzige Gemein-, de. in der nicht für die Erhaltung der Bibelschulen (Chedarim) und der höheren Lehranstalten, für

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