Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 13 (29.4.1915)
- Date
- 1915-04-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 ״ w״4 -1« .ע,., <■ -^r - . .־׳ MM»»tW««t.s..,_.fcfr.fr .. . . -. fit. 18 ' ff Tatmud und Decissoren (Jeschubot) die größten Opfer bereitwilligst gebracht worden wären: Mit dem Beginn der neuen Aera aber, der Aern der Freiheit, wurde düs Strchlum der re׳ligiösen-Wissenschaft, .besonders, das TalMttdstuviuin. stärk veriidchlässim, die Jeschibot gehörten bald her Geschichte an, so daß man allgemein befürchtete: die Kenntnis der Religionslehre würde aus Israel schwinden: . . UM diesem Uebelstände, das für das Judentum. eine Katastrophe gewesen Ware, Vorbeugen zu können, versuchten es namhafte moderne Gelehrte Und Geschichtsforscher den Talmud wissenschaftlich zu behandeln, das Studium der Geschichte zu Pflegen und zu.fördern und, überhaupt das ganze Gebiet der jüdischen Literatur mit.ge^ diegenen, zumeist in der Landessprache tibhesaßten Arbeiten zu bereichern. Cs dauerte gar nicht lange, und es erschienen auf dem literarischen Markte: ״Geschichte der Israeliten", Geschichte der Juden", Geschichte des Judentums und seine Sekten, Biographien der hervorragendsten Lehrer der talmudischen und der uachtal. Zeit und zahllose andere ähnliche Schriften, aus denen jeder gebildete Laie — wenn ihm auch der Talmud ein. mit sieben Siegeln verschlossenes Buch wäre — erfahren kann, welch herrliche und erhabene Vorschriften, Satzungen und Lobensregeln der Talmud enthält, wer die ״Weisen des Talmuds" waren, was sie geleistet, gewirkt und geschaffen haben. Trotz der zahlreichen-Schriften, die seit h'undert Jahren über den Talmud und Midrasch in verschiedenen Sprachen erschienen sind, ist dieses Gebiet noch lange nicht erschöpfend genug behandcltworden. So z. B. kann der Laie aus den hier erwähnten historischen Arbeiten fast die meisten Tanaiten, Amonäer und Saburäer kennen lernen, er erfährt aber aus denselben fast nichts von der Existenz, der. Jugendlehrer, d. h. der hebr. Elementarlehrer in der talmudischen Zeit. Diese Lücke auszufüllen hat sich Hr. L, Wiesher zur Aufgabe gemacht, und es kann nicht gcleWnet werden, daß es ihm tatsächlich gelungen sei, sich derselben in glänzender Weise zu entledigem Er darf daher mit Recht sagen; ta מקום דלוד לי א^ותי להתניו , Ich rechne als Verdienst an, was Ul eine Borganger zu vollführen, mir überlassen hatten. Unter den dreißig Jugendbildnern, deren Wirken und Schaffen Herr Wiesner in - dieser vortrefflichen Schrift schildert, befinden sich auch hervorragende tal. Heroen wie R. Jochanan b. Sakai, N. Chija Nabbah und N. Chija bar Abba, die sich besonders hohe Verdienste auf dem Gebiete des Jugendunterrichtes erworben hatten. Auch einer Kindererzieherin Mirjan, und einiger Schullehrer unbekannten Namens Wird in diesem Merkchen Erwähnung getan. Es unterliegt Wohl keinem Zweifel, daß diese verdienstvolle, zweckentsprechende, von« einem reichen Schatz von Wissen zeugende Arbeit die gebührende Anerkennung und weiteste Verbreitung finden werde. Beritas. Oeünner Ra«sri<s1<׳n Auszeichnung. Herr Dr. Albert Schönhos k. u. k. Leutnant, erhielt in Anbetracht seiner besonderen Tapferkeit /vor dem Feinde das Signum laudis. Brünn. Die diesjährige General-Versanun- Iunfl der Delegierten des jüdischen Landesmassafonds fand an: 19. d., statt. Dieselbe War sehr stark besucht und unter den Delegierten befanden sich auch diesmal 2 Angehörige des Rabbinerstandes, nämlich die Herren Dr. I. Günzig aus Loschitz und Dr. Felix Kanter aus Zwittau. Der Vorsitzende Herr Hofrat Dr. Spitzer begrüßte die zahlreich erschienenen Delogierten und wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß wir uns in einer ernsten Zeit versammelt haben, in einer Zeit, die namentlich für unsereGlaubensbrüder aus Galizien und der Bukowina als äußerst unglücklich bezeichnet werden kann und schloß mit dem Wunsche eines baldigen Friedens Mld einem Hoch auf Se. Majestät dem Kaiser. Der Vorsitzende teilte ferner mit, daß das Kuratorium beschlossen habe, den in den Baracken lagern befindlichen Flüchtlingen, eine Subvention von 5000 K zu gewähren und außerdem einen namhaften Betrag für einen im Plenum der General-Versammlung nicht zu bestimmenden Zweck zu spenden. Don der Verlesung des Rechenschaftsberichtes wurde Abstand genommen und gleich an die Wahlen der Kuratoren geschritten, die keine nennenswerte Aenderung brachten. Es Mrde beschlossen,-Sr: Exz. dem Statt- Halter Ritter v. Blehleven, der sich Mit besonderer Wärme und besonderem Interesse der arinSn Flüchtlinge ankimmt, den Dank der Delegierten- Versammlung schriftlich zu übermitteln: Ebenso würde dem Vorsitzenden Hofrat Dr. Spitzer, der Dank für seine iMermMiche Fürsorge zum Wöhle der Flüchtlinge votiert: Delegierter Dr. Beer aus Mähr.-Ostraü stellte den Antrag, das Kuwtorium möge sein besonderes Augenmerk auf die Ertelilung des Religions- und.hebräischen Unterrichtes richten. Deliegi.etter Dt: Kanter aus Zwittau stellte den Antrag, es möge aus dem Schoße,des.Kuratoriums, dem. Männer von jüdischem Wissen äugehören, von Zeit zu Zeit der Religionsunterricht inspiziert werden, um etwaigen Schäden und Mängel abzuhelfen. Es wurde beschlossen, diese Anregungen, resp. Antrag als 1. Punkt der Tagesordnung der nächsten Delegierten-Versammlung zu setzen. Um 12 Uhr mittags erklärte der Vorsitzende die diesjährige General-Versammlung für geschlossen. WohltStigkeits Turner-Akademie. Samstag, den 8. Mai veranstaltet Frl. Martha Schwarz, Leiterin des Kinderturnens des ״Jüdischen Turnvereines in Brünn, zu Gunsten unserer Krieger im Felde, im großen Saale der Schwechater Bierhalle eine Wohltätigkeits-Turner- Akademie mit folgendem Programm: 1. Begrüßung, Frl. Martha Schwarz. 2. Freiübungen der Kinderriege. 3. Gedichte, vorgetragen vom kleinen Leo Czuczka. 4. Reigen. Kinderriege. — Paus e. 6. Liedervortrag von Marianne Wolf und Anni Goldstein, Klavierbegleitung von Anni Nosenfeld. 6. Stabübungen der Zöglinge. 7. Violinvortrag, Herr Roseilthal. 8. Mahnenschwingen der Zöglinge. — Pause. 9. Strickstundc 10. Vorträg von Fani Grubner. 11. Schkrßbild. Die Klavierbegleitung zu den Hebungen besorgt Frl. Anni Hahn..^ ., Hilsskomite des Vereines ״Machsike Hadas^׳. Brünn, Adlergasse 12 und Zeile 25. Bekleidung. Das Hilsskomite bittet um Ueberlassung von .Kleidern, Schuhe, Wäsche, Sessel, Tische,' Strohsäcke, Decken, Polster, Ki'niderwügen, DaS FlÜchUingSheim Zeile SS ist von halb 7 Ühr früh bis halb 10 Uhr abends geöffnet.- Jüdischer Kindergarten. Das Hrlfskönrite des Vereines beabsichtigt für die Kinder der galizischen Flüchtlinge, jüdische Kindergärten zu begründen: Det Lehrlingssürförgö wird ein besonderes Augenmerk gewidmet. Kinder böt Flüchtlinge werden durch Vermittlung von Arbeitsstellen dem Handwerke zugefühüt: KoeeefponäenzcÜ. Kojetein. Anläßlich des Pessüchfestes übernahm die hiesige ifr. Kultusgemsinde auf Anre- Wng Sr. Ehrwürden deD Herrn Rabbtiners S. . pflegsmatzazitt" für neun Tcktze. Die Sederfeiet wurde in Anwesenheit des Herrn Kultiisvorste- Hers M. Bick, der Kultusräte M. Löwenthak, I. Weißkopf nach einer herzlichen, in einem beKeisterten ״Hoch" auf Seine Majestät den Kaiser ausklingenden Begrüßung des Herrn Löwentyül durch eine tiefempfundene, inhaltliche Ansprache des Herrn Rabbiners eröffnet, in welcher die hohe Bedeutung des Festes, besonders in unserer Zeit, eingehend erörtert wurde. Die Mannschaft wurde durch die eifrige Mitwirkung und Opferfreudigkeit der hiesigen isr. Frauenvereinigung, beson- Vers der Frau Rabbiner Paula Friedenthal, der Präsidentin Sofie Kaufmann, der Damen K. Bick, Henriette Langer, Jsabella Langer und Auguste Finkelstein reichlich bewirtet. Besonderer Dank gebührt dem löbl. Kultusvorstande für die ,reiche materielle Unterstützung, welche zum Gelingen dieses schwierigen Vorhabens wesentlich beitrugen. Lovrana, der schönste Ort an der österreichischen Riviera, fern von allen Kriegslärm und. Seuchengefahr, ist jetzt das Ziel aller Erholungsbedürftigen. Besonders aufmerksam machen wir auf das neue Erholungsheim, geleitet von einer Brünner Dame, die mit besonderer Gewissenhaftigkeit und Umsicht bemüht'ist, durch erstklassige Küche und individuelle Bewirtung jedes einzclnen Erholungsbedürftigen den Aufenthalt angenehMi und erfolgreich zu gestalten. Kinder auch ohne elterliche Begleitung finden dort durch mütterliche Pflege und Fürsorge besten Kurerfolg. — Trotz all dieser verbikrgten Vorzüge und der prachtvollen Lage des Hauses sind die Preise äußerst mäßig. Wir verweisen aus das Inserat des neuen Erholungsheimes. u. s. W. Arbeitsvermittlung. Die P. T. Arbeitgeber werden dringend gebeten, frei werdende Posten jeder Art dem Hilsskomite zur Kenntnis zu bringen. Die Vermittlung erfolgt kostenlos. Beth Hamidrasch. Das Beth Hamidrasch für die Flüchtlinge befindet sich im. Flüchtlingsheim, Zeile 25. Besitzer von Seforim Werden um freundl. Ueberlassung gebeten. Talmud Thora. Der Verein erhält für Ki'inder der Flüchtlinge in den Lokalitäten Adlergasse 12 und Zeile 25 eine 6klässige Bibelschule. Rechtsschutz. Für die Flüchtlinge erhält das Hilfskonnte ein unentgeltliches Nechtsschutzbureau. Sprechstunden zwischen 7—8 Uhr früh u. abend. Adlergasse 12. Heimarbeit. Um den Flüchtlingen Gelegenheit zu geben, einen Erwerb zu finden, wird den Flüchtlingen Heimarbeit beschafft. Besitzer von Nähmaschinen werden׳ um freundl. Ueberlassung gebeten. Aerztliche Hilfe. Uber Ansuchen des Hjilfskomites haben sich meftrexe Aerzte zur unentgeltlichen Be- Handlung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Lesehalle. In der Lesehalle Adlevgasse 12, liegen für die Flüchtlinge in der Zeit von 5—9 Uhr abends circa 80 Zeitschriften, Tagesblätter usw. auf. Peinliche Szenen in einer Berliner Synagoge. Auf Einladung des Synagvgenvereines in Charlottenburg, Fasanenstraße, sollte die bekannte Schauspielerin Hedwig Mangel, ehemals Mitglied der Neinhardtschen Bühnen, in der Synagoge eine Vorlesung aus dem Alten Testament halten. Sie las jedoch nicht aus dem Alten Testam-ent, sondern aus den: Neuen Testament vor. Die Zuhörerschaft, die pt großen Teile ans Juden bestand, wurde von großer Unruhe ergriffen. Diese Unruhe teilte sich auch der Vortragenden mit und statt weiterzulesen, hielt Hebwig Mangel eine frei Rede, in der sie zum Christentum aufforderte. Es kam zu großen Tumultszenen, die nur dadurch ein Ende fanden, daß einer der Anwesenden die Geistesgegenwart besaß die Orgel mit den lautesten Tönen erschallen zu iaffen׳. Der Vorsitzende des Synagogenvereines wird wegen dieses Vorfalles seine Stelle niedprlegen. Von anderer Seite erfährt der Berichterstatter des ״W. I.", daß gegen Hedwig Mangel die Anzeige wegen Religjionsstörung erstattet werden soll. Freilich würde eine solche Anzeige wenig Sign haben, denn Mangel, die schon seinerzeit 1 durch''ihren plötzlichen Abgang von der Bühne voll sich reden machte, ist eine höchst exzentrifcke Frau. DieSynagoge in der Fasanenstraße ist die j vornehmste Synagoge Berlins. Ihre Vertäfelung i staint aus den kaiserlichen Schalildttewerken mld der Kaiser selbst besuchte seinerzeit anläßlich der