Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 13 (29.4.1915)
- Date
- 1915-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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MMMM/ «rttr 4. WWßHMMTMMU WWW WW V^W er zu wi-okrholtenmalen gegen die Verunglimpfung der jüdischen Akademiker durch den bekannten Waidhofener Beschluß mit Entschloßsenheit und Mut ein, und manchem antisemitnscheu Studenten hat Dr. Emil Trainer mit seiner glänzend geführten Klinge seine Meinung, ins Gesicht geschrieben. Gleich seinem Bruder, Dr. Rudolf, der als Alter Herr der Verbindung ״Unitas" angehört, wirkte er auch in der Provinz in agitatorischem Sinne für die jüdische Moderne. Mit Dr. Emil Tramer ist ein junger, für die hohen Ziele seines Volkes durchdrungener/ hoffnungsvoller Jude ins .Heldengrab gesunken. Sein Andenken wird unter allen, die ihm im Leben nähertraten, in treuer Erinnerung bleiben. Ernennung eines neuen Feldrabbiners. Sr. Majestät der Kaiser hat zmn Feldrabbiner den israelitischen Seelsorger in Neuern Dr. Arpad Hirschberger ernannt. Israelitische Feldkapellen. An die löbl. Vorstände der isr. Kultusgemeinden und Tempelveroinel Die Heeresverwaltung hat zu Beginn des Krieges für unsere Glaubensangehörigen im Felde Kapellen (die zu einem Gottesdienste notwendi gen Ritualien) bereitwilligst eingerichtet. Durch den Feldgebrauch jedoch wurden sie abgenützt, zum Teile unbrauchbar. Die Heeresverwaltung beabsichtigt nun, an Stelle der bisher verwendeten Kapellen handliche, an der Seite mittels Gurt zu tragende Taschenkapellen den Feldrabbinern beizustellen. Da die Beschaffung kleiner, leicht tragbarer, in die Tasche Passender Thorarollen allzu geraume Zeit in Anspruch nehmen und größere Kosten verursachen würde, ergeht an die löblichen Vorstände die ergebenste Bitte, sie mögen die im Gemeindebesitze sich etwa befindenden Thorarollen kleinsten Formates (Mapimalhöhe 83 bis 36 Zentimeter) der Heeresverwaltung leihweise zur Verfügung stellen. Es darf Wohl erwartet tverden, daß auch in diesem Falle, wie immer die Judenschaft unseres Vaterlandes ihre Ehrenpflicht gleich den anderen Konfessionen erfüllen wird, die in munifizentester Weise Feldkapellen für die Heeresverwaltung eingerichtet haben. Sendungen sind ehebaldiigst zu richten: K. u. k. Israelitische Militär-Seelsorge in Wien, 0/4, La tschka gaffe 7. Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, Leiter der k. u. k. Israelitischen Militärseelsorge in Wien. Auszeichnung wegen Tapferkeit. Die ״Köln. Ztg." veröffentlicht unter der Rubrik ״Kleinigkeiten aus England" verschiedene Zeitungsmeldungen; darunter befindet sich folgende Nachricht: Die ״Jewish World" hat aus Rußland die erfreuliche Nachricht erhalten, daß die Pflegerin Annie.mit der St.-Georgsdenkmünze wegen Tapferkeit ausgezeichnet worden ist, als die erste Jüdin, die einer solchen Ehre würdig befunden wurde. Das Blatt kann nur den Vornamen mitteilen, weil — der russische Zensor den Zunamen gestrichen hat! Wenn die ״Jeroish World" sich entschließen könnte, auch weniger erfreuliche Berichte Wiederzugeben, etwa über die entsetzlichen Schandtaten, die ihre Stanunesgenossen und Genossinnen in Galizien und der Bukowina von den Russen erlitten haben, so wäre es wohl — der englische Zensor, der ihr in den Weg träte. lllanenwachtmeister Aaron Schapira mit der großen silbernen und der goldenen Tapferkeits- Medaille ausgezeichnet. Es war am 16. Dezember 1014. Der Zugssichrer Aaron Schapira der Neserveeskadron des 7. Ulanenregimentes erhielt den Auftrag, mit 6 Reitern gegen Bochnia aufzuklären. Schapira ritt dorthin und am Wege schon sagten ihm die Zivilbewohner, daß Bochnia vom Feinde besetzt sei. Nichtsdestoweniger ritt er in das Städtchen hmein, nachdem er zuvor einen Meldereiter zur Truppe zurückgeschickt hatte. Vier Mann ließ er in einer gewissen Entfernung zurück und mit nur einem Reiter sprengte er auf den Marktplatz von Bochnia. Tort traf er, wie er später feststellte 160 Kosaken, an deren Spitze einen Offizier einen russischen Major. Der Nussenmajor ritt unseren Unteroffizier im Galopp an und als er auf, Säbelreiche herankam, versetzte ihm Schapira einen derart wuchtigen Hieb, daß er auf der Stelle kampfunfähig blieb. Die 150 Kosaken erhoben hierauf die Hände, worauf Schapira ihnen befahl, die Waffen wegzulegen und er sie gefangennahm. Eine russische Batterie und eine Abteilung Kosaken, die die Gefangennahme der erwähnten Kosakenabteilung bemerkten, jagten in wilder Flucht davon. Die Kosaken sperrte Schapira in die Ortsschule ein und wartete den Einzug der nachrückenden Truppe ab, welche erst um 6 Uhr abends ankam. Eröffnung des k. u. k. Rekonvaleszentenhauses in Borkloster Tifchnowitz, Mähren, errichtet vom Verein ״Ferienheim" in Wien. Das k. u. k. Militär-Stationskommando in Brünn hat durch Seine Exzellenz den FML. v. Pöschmann das ״Kaiiser Franz Josefs-Ferienheim" aufgefordert, seinen in Tischnowitz (Mähreu) gelegenen Besttz dem k. u. k. Heeve zur Etablierung eines Rekonvaleszentenhauses zur Verfügung zu stellen. Die Vereinsleitung hat in patriotischer Gesinnung dieser Aufforderung Folge geleistet und wird das Nekonvaleszentenhtaus in Tischnowitz am 1. Mai für 200 kriegsverwunkte Soldaten eröffnet. Die Oberleitung und Verwaltung des Hauses hat die Vereinspräsidentin Frau Sofie Grünfeld übernommen. Die jüdischen Gefangenes in Serbien. Wie man der ״Ungarl. jüb? Ztg? aus N i sch mitteilt, erfreuen sich die jüd׳. österreich-ungarischen Kriegsgefangenen in Serbien der vollen Freiheit. Zufolge der Haftung des Oberrabbinats wurden sie nicht in den Gefängnislagern interniert, sondern halten sich in den Städten des Laudes unter militärischer Aufsicht auf. Ihre Verpflegung haben die jüd. Gemeinden im ganzen Lande übernommen. m!uug ist: Grund und Boden in Palästina zu erwerben und denseldrn im Wege der Erbpacht (für die Dauer von 40. Jahren) jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten zur Benützung zu überlassen. Der Durchschnittspreis eines Dunams (ungefähr 1/ötd Joch) beträgt in Palästina 50 K. Wer nun einen odev mehrere Dmmm Land spendet, der schafft eine wirtschaftliche Grundlage zur Ansiedlung jüdischer Kriegsopfer aus dein Osten. Dem Spender steht überdies das Recht zu, eine ihm werte Person namhaft zu nmchen, zu deren Ehrung die Spende geleistet wurde; der, Dank seiner Spende, gekaufte Boden, wird nämlich für immerwährende Zeiten den Namen jener Person tragen. Auch kleinere Spenden sind zulässig. Die Wichtigkeit und Nützlichkeit der entgeleiteten Aktion ist so groß und klar, daß sie einer näheren Begründung nicht bedarf. Es ergeht somit an alle Juden in Oesterreich die dringende Bitte, sich an unserer Aktion der ״KriegsLandsspende" mit warmherzigen Eifer zu beteiligen, selbst nach Kräften zu spenden und andere zur Mitwirkung anzuspornen. Alle Spenden sind ehetunlichst an untenstehende Adresse abzuführen. Sie werden allwöchenlich in der ebendort erscheinenden ״Jüdischen Zeitung" veröffentlicht werden. Mit vereinter Kraft wollen wir ein Werk aufrichten, welches der österreichischen Judenschaft zur Ehre und unseren unglücklichen Brüdern, den jüdischen.Kriegsopfern aus dem Osten, zu Heil und Segen gereichen soll! Mit vorzüglicher Hochachtung und treu jüdischen Gruß für den Verein ״Keren Kajemeth Lejisroel" Wien, 2., Cirkusgasse 33, Postsparkassenkonto Nr. 100208. Dr. Gerson Zipper, Dr. Egon Zweig, Dr. Wilhelm Beigel. Die Rabbinerwahl in Wien. Jüdisches Museum, Wien. Zur Ehrung und Erinnerung an den wackeren Legionär Moritz Oppenheimer aus Neu- Raußnitz, gestorben im Dezember 1907, hat dessen Landsmann, Herr Anton Löw in Wien, eine das Bild des Verewigten und jenes des Gefangenzimmers im alten Polizei gebärtde der Sterngasse zu Wien, in welches der Freiheitskäm-pfer Oppenheimer am 7. Juni 1860 internirt wurde, enthaltende Gedenktafel anfertigen lassen und diese jüngst km Jüdischen Museum in Wien 2. Bez., Malzgaffe 16, gewidmet. Anschließend an die Bilder ist ein Artikel der ״Jüdischen Volksstimme", Brünn von: 1. Januar 1008 geschmackvoll und erläuternd angebracht, der die von Op- Penheimer selbst niedergeschriebenen Lebenserinnerungen enthält. Das Jüdische Museum, das jeden Samstag und Sonntag von 11—1 Uhr frei zugänglich ist, hat mit dieser Widmung eine höchst interessante Bereicherung erfahren. An die östereichische Judenschaft! Wir alle hoffen und glauben zuversichtlich, daß es unseren braven Trirppen bald gelingen wird, auch das Kronland Galizien von der russischen Invasion zu befreien. Wir alle sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Hohe Regiernng die Zusage unseres geliebten Kaisers einlösen und nach Abschluß eines ehrenvollen Friedens nicht ermangeln wird, die Kriegsopfer des Ostens in entsprechender Weise zu entschädigen. Nichtsdestoweniger ist zu befürchten, daß eine große Zahl jüdischer Fam.ilien vor die harte Frage gestellt sein wird: in welcher Weise ihre durch den Weltkrieg zerstörte Existenz neu aufgebaut, für die Zukunft dauernd gesichert werden soll. Die während des Krieges geschaffenen Fürsorgeaktionen, so gerne ihre Verdienstlichkeit anerkannt sei, waren von vornher nur dazu bestimmt, eine vorübergehende Wirkung eben während des Krieges zu zeitigen. Eine dauernde Wirkung kann nur eine Aktwn Hervorrufen, welche darauf ausgeht, ben jüdl schen Kriegsopfern aus dem Osten Existenz- Möglichkeiten für die Dauer zu verschaffen, sei es hierzulande, sei es für jene, welche sich zur Auswankrung bestimmt fühlen, außer Landes. Eine Aktion zu diesem Zwecke wurde nun von den Vereinen ״Keren Kajemeth Lejisroel" in Lemberg und in Wien gemeinschaftlich eingeleitet. Unter dem Namen ״Kriegs-Landsspenk" werden Kapitalien gesammelt, deren Zweckbestim- Die Wiener Kultusgemeinde hat bekanntlich die Rabbiner Dr. Hevesi und Dr. Venezianer zu Vorträgen eingeladen. Diese Einladungen stehen mit der Absicht der Gemeink dem Oberrabbiner Güdemann, der längst amtsmüde ist, einen Vertreter zu geben, in Verbindung, und soll diese Angelegenheit beroits in ein akutes Stadium getreten sein. ״Im Jewisch Gazette" (Newyork) widmet Gerschon Bader km Wirken des Nikolsburger Rabbiner Dr. Lewin einen besonderen Artikel, der in dem Satze gipfelt: ״Verschwanden ist der einstmalige Glanz der Nikolsburger Gemeinde, aber der Rabbiner von Nikolsburg hat sich als würdiger Nachfolger der einstigen großen Rabbiner von Nikolsburg bewiesen. Eine Menge von 8000 Personen ans ihrem alten Milieu losgelöst, angewiesen in Not und Drang von Almosen zu leben, *׳׳ 0 frort Krankheiten, von Zwistigkeiten und Hader heimgesucht werden. Nabbiner Dr. Lewin hat sie geführt, zu ihm kommen alle Klagen; er ist Richter, Fürsprecher, Moral- Prediger und Wegweiser. Die Millionäre. Das Warschauer hebräische Tagblatt ״Hazefira" wendet sich in einem Artikel scharf gegen die Warschauer Millionäre, welche noch wenig zur Linderung der Not beigesteuert haben. Die Armen geben ihre letzte Kopeke für die Flüchtlinge her. Der mutige Chiefrabbi. Wir haben bereits berichtet, daß der portugiesische Chiefrabbi und Zionistenführer Doktor Gaster in London öffentlich erklärt hat, daß er auch jetzt die Juden aller Länder als seine Brüder ansieht. Er sammelt nunmehr auch Geld für die notleidenden Juden in Palästina. Die Regierung bedang sich, daß das Geld vom amerikanischen Konsul selbst verteilt würde. I. L. Perez. Das Leichenbegängnis des berühmten Dichters, der inmitten der Arbeit ״Lieder für die Flüchtlinge", vorn Herzschläge getroffen wurde, fand unter ungeheuerer Beteiligung in Warschau statt. An 100.000 Personen begleiteten ihn auf km letzten Wege. War es doch seine Welt, die er mit solcher Liebe geschildert hatte, welche nach Warschau geflüchtet war, und der auch feiin letzter Gedanke galt. Studenten bildeten Spalier und Schriftsteller trugen seine Bahre.