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Jüdische Volksstimme · 1915-04-29 · Heft 13 (29.4.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 13 (29.4.1915)
Date
1915-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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.w •rtfel M ן .. M VMIVfRVnRc*־ M. 18 31. März 1915. Lieber Cb! Hch üehmS S«, haß dich unser Leben hier ein wemH inte'rHisti und will dir daher unser Gefecht vom 17, März fchivsrrn, Wie ich dir ber-tts mitgeteilt habe, waren Wir fe'it den zwei Gefechten am 1. und 2, d.> in RestrVtstLllungen unld würben n-Lr die und da zu kleinen Anisrnehmunden verwendet Wie die WakddmWkeißung und Strafexpedition gegen Ans׳ verräterische Darf Am erwähnten Tage, den l7. März,,griffen die Rüssen, die von unserem 2. Und 3'. KüM, besetzten Otelllungen in großer Ilebermacht an und ttttd wir würden um 9 Uhr früh alarmiert Md zur Nerftärkilttg herNngezogen. Der Befehl fürs Renirnent lautete, die Stellung bis zum letzten Mann unbedingt zü halten und unser braver Oberst, der wegen der kolossalen Uebernmcht der Rußen die Gefahr eines Durchbruches erkannte, begab sich selbst zu uns an die Deckungen, Dreimal griffen die Russen mit großer VeheiNenz an, kamen das drittemal an einer Stelle bereits bis an unsere Drahthindernisse, brachen aber stets unter unserem Schnellfeuer zusammen und fluteten unter ungeheueren Verlusten zurück. Unsere Situation war bereits sehr kritisch gewesen ein kleiner Ruck noch, das Beispiel eines tapferen Offiziers hatte die Leute eventuell gehalten und der Durchbruch ,wäre gelungen. Dafür Mar aber bei uns jeder Mann ein Held. 789 gezählte schwere Granaten und Schrappnells fielen an diesem Tage in unsere Stellung, dazu noch das Jnfanterie- und Maschinengewehrfeuer, Wovon befonders letzteres einen mit seinem nervenaufpeitschenden Tat, tak, tak, rasend machen kann׳, und trotzdem hielten unsere tapferen, braven Hannaken wie eine eiserne Mauer stand, an der schließlich der Angriff zerschellen mußte. Natürlich hatte auch unsere Artillerie nicht gefeiert, sondern den Russen mindestens so eingeheizt, wie sie uns und besonders unter den vorrückenden Reserven große Verheerungen angerichtet. Zahlreiche Tote und Verwundete bedeckten die weite Schneefläche und besonders vor unseren Drahthindernissen türmten sich die Toten haufenweise. Auch unsere Verlüfte waren bei manchen. Kompag. nicht unerheblich, so viel ich weiß, betrug das Maximuün bei einer Komp. 18 Tote, bei den andern schwankte es zwischen 3 und 7. Auch einen Hauptmann verloren wir an diesem Tage. Die Nüssen gruben sich nach diesen erfolglosen Versuchen etwa 300 Schritte uns gegenüber ein und so lagen wir zwei Tage, wir, die wir später als Verstärkung eingesetzt worden Waren, in offenen Schützenmulden etwa 26 cm. im Wasser. Als sie während dieser Zeit, ihre Versuche nicht wiederholten wurde das 2. und 8. Baon., zurückgezogen und wir nahmen ihre Stellung ein und lagen dort bis zum 27./B., wo wir dann wieder von den 2 Baoneu abgelöst wurden. Moiuentan befinden wir uns wieder in einer Reservestellung, in der ich eine sehr schöne Deckung habe und nur es gut gehen lasse. Auch die zweii Sederabende feierte ich hier, wenn auch nicht ganz so wie zu Hause. An: ersten Abend hieß es die Russen hätten Verstärkung! bckonnnen und beabsichtigen für die Nacht wieder ciueii Angriff, wir hatten deshalb strenge Bereitschaft und ich saß die ganze Nacht rn.it 2 Kameraden, einem jüdischen rmd christlichen Leutnant im Gespräche. Als nrir dann einfiel, daß um diese Zeit alle unsere Glaubensgenossen mit ihren Lieben beim Seder sitzen, hielt ich auch diesen zwei Kameraden einen Vortrag über die Entstehung u. Bedeutung dieses Festes. Arn zweiten Tage spendete der Hauptmann 2 Liter Wein, ich I>atte ein opulentes Jonteweßen bestellt und ich setzte meineu Vortrag fort. Thema: ״Die Judenfrage und deren mögliche Lösung. Der christl. Kainerad, ein intelligenter Mensch, hörte meine Ausführungen mit Interesse zu und ich glaube nrir schmeicheln xn können, daß ich ihur durch die Darstellung uw serer Ziele und Bestrebungen soweit gebracht habe, daß er unserer Bewegung sicherlich nie feindlich gegenüber stehen wird. Gestern inachte ich auch einen Gang durch unser Lager. Die Leute hatten sich sehr schöne Erd- und Reisighütten gebaut, allenthalben wurde gekocht hie und da auf Mund- oder Zieh- Harmonika musiziert, dazu gesungen, gelacht und gescherzt. Ist es nun nicht traurig, wenn man bedenkt, daß diese schöne Idylle in der nächsten Minute durch das kurze aber grausauw Wort Alarni gestört werden kann und in den nächsten Stunden wieder einige, die jo eben noch fröhlich und sorglos dahinlebten, tot das Feld bedecken. Nun, das ist Soldatenlos l Heute rot morgen ist! Ach hoffe, daß du mit meinem heutigen Berichte zufrieden sein wirst und verbleibe mit den herzl. Zionsgrüßen an dich und die anderen dein treuer Altbach. 1. April 1916. Lieber Mundy! Deine Karte habe ich erhalten. Hier gibt es viel zu wenig neues, als daß ich immer und oft schreiben konnte. Wir rühren uns nicht vom Fleck, es wäre denn, daß wir auf einige Tage in Raststellung gehen, sonst bewohnen wir unsere Bovaky und freuen uns, daß der Frühling da ist und daß es angenehm warm ist. Wir sitzen sozusagen vor der Tür m!d lassen uns sonnen. Daß wir bei weitem nicht das mitmachen wie unsere Soldaten in den K.... das ist furchtbar klar. Man soll aber das Glück nicht beschreien. Mein Bruder ist wieder im Feld bei 54. Von T. und A. habe ich öfters Bericht, es geht den Leuten unten ebenfalls gut, sind in einer ähnlichen Situation wie wir. Uns geht es ausgezeichnet . Vom Winter haben wir sehr wenig gesehen, auch die vielgefürchteten Märzstürme erschöpften sich in einer Woche, hoffentlich bleibt es jetzt warm. Feuchte Tage werden allerdings noch kommen. Den Pessach verleben wir normal. Augesäuerte Brote haben wir, leider ist der Wein nicht sehr jontewig, da er sauer ist. Das einzig Echte hätten wir an unseren Bechern. Seder haben wir nicht gegeben, weil wir keine Hagadah hatten. E. F. K. der Bambüla von der L. machte sich zwar erbötig, uns die Legende zu erzählen, er vermischt aber den Wirklichen Text zu sehr mit seinem eigenen Erlebnissen. Moraur haben wir genügend, den Krenn würde ich schon dazu geben, ein Knochen ließe sich hier sehr leicht auffinden. Du siehst, daß ein Seder hier möglich Wäre. Samstag gehen wir, nach 14 Tagen Stellung, in Reserve. Dort will ich mich wieder ausvnhen. An Neuigkeiten doch etwas: ich habe mir meinen 3 Monate alten Kriegsbart abnehmen lassen und rasiere mich nun wieder wie im tiefsten Frieden. Dieser Tage war ich auf nächst. Patrouille, um die Stellungen der ruß. Feldwachen zu eruieren. Bekam plötzlich trotz Sicherung ein verflucht starkes Feuer in die Flanke und zog mich natürlich eilends zurück. Passiert ist nichts. Die Ludern schossen fast nur nüt Einschlußpatronen. Habe in Eile geschrieben und grüße dich und die Bekannten recht herzlichst dein treuer Bick. Dr. Gustav Kohn. Wien. Am ersten Peßachtage Wurde der 76. Geburtstag unseres allgemein beliebten und hochverehrten 1. Vize-Präsidenten der Kultusgemeinde Wien und k. k. Landesschulrates Dr. Gustav Kohn im Leopoldstädter Tempel festlich begangen, bei welchem Anläße Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald seine vollste Aufopferung, die er mit ganzem Herzen und seinem ganzen Vermögen den: Dienste der Gemeinde Wiidmet, in wärmsten Worten gedachte, und welche auch bei der großen Versainmlung mit wahrer, aufrichtiger Begeisterung ihre volle Zustimmung fanden. Einzelne Schilderungen über dessen Tun und Schaffen, sowie über sein tatkräftiges Wirken nach so vielen Richtungen könnte hier kaum genügend Nauin gegeben werden, und will ich daher nur ein, seinem bescheidenem Sinne entsprechendes Bild in folgender Form enthüllen: Drei Kronen findes, die das greise Haupt des Jubilars schmücken. Die erste ,כתויתד die Krone der Wissenschaft und der reichlichen Erfahrungen, die er sich in seiner frühesten Jugend zu eigen nrachte. Zweitens!כתר כהנד die Krone des priesterlichen Adels, mit welch wahrhaft frommen Geiste er erfüllt, um Wohltat und Menschenliebe so vielfach zu betätigen. Und drittens כתר מלגות die Krone seiner mächtigen Wirksamkeit nach Innen wie nach Außen, in den so manigfachen Sphären seines erhabenen Berufes. Was ihm aber über diese noch die höchste Würde verleiht, ist nämlich כתי שש die Krone seines so vornehmen und bedeutenden Namens, welcher weit über die Grenzen unseres Reiches hinausklingt, ist die ZeuWttschaft so vieler Notleidenden und Bedürftigen, deren Hunger und Elend er gestillt, Brotloser Familienväter, denen er einen entsprechenden Lebenserwerb zu verschaffen ernstlich bemüht war, Witwen und Waisen, welche er mitleidsvoll seine Fürsorge und Aufmerksamkeit zuwendete, von Kummer und schweren Sorgen bedrückte und gebeugte Glaubensbrüder, mit seiner Hilfsbereitschaft aufrichtete. Mögen daher diese feine ruhinreiche Taten auch Nachahmung finden unter der Menschheit, und die musterhafte Beispiele den Heranwachsenden Geschlechtern als leuchtendes Vorbild dienen. Der Allgütige aber möge daher auf seine edlen Werke und feine segensreiche Handlungen damit belohnen, daß es ihm noch recht lange vergönnt sei, die allgemeine Wohlfahrt ziu fördern und zu üben, um sowohl der Gemeinde wie auch der Gesamtjudenschaft in jeder Weise und wo es das Interesse erfordert, sich stets nützlich erweisen zu können. Das sind die frommen Wünsche, welche von so vielen Kehlen und dankbarer Herzen in dieser feierlichen Stunde zum Himmel emporsteigen. I. E. Kunäfeäau. Heldentod eines gewesenen Präses der ״Anitas" Auszeichnung nach dem Tode. Vor einigen Tagen hat auf dem Kriegsschau- Plgtze in den Karpathen Assistenzarzt in der Reserve des Jnfanterie-Reg. Nr. 40 Dr. Emil Tramer den Heldentod gefunden. Als er auf dem Hilfsplatze den aus den Schützengräben eingebrachten verwundeten Soldaten ärztliche Hilfe brachte, wurde er von einer feindlichen Granate am Kopfe getroffen und Verschied kurze Zeit darauf, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der auf so tragische Art in treuer Pflichtersüllung gefallene Arzt stand erst im 26. Lebensfahre. Er war bei Ausbruch des Krieges als Assistenzarztstellvertreter zu seinem Negimente eingerückt ״und wurde wegen seines tapferen Ver- Haltens, das er immer bekundete, zum Assistenzarzt ernannt. Wie nun das Armeeverordnungsblatt mitteilt, wurde dem jungen, als Helden gefallenen Arzte in. Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde bas goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. . Dr. Emil Tram er, ein Friede ker von Geburt, absolvierte seine Studien an der Wiener Universität und war vor Ausbruch des Krieges Sekundararzt des Wiener Allgemeinen Krankenhauses an der Abteilung des Primarius Professor Ehrmann. Mit ihm waren zugleich vier Brüder in den Krieg gezogen..Einer von ihnen, Dr. Rudolf Tränier, Advokat in M.-Osträu, wurde für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde zum Oberleutnant befördert und mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Der Mutter des gefallenen Arztes, Frau Regine Tramer in Friede?, die von sieben Söhnen fünf an der Front hatte, wendet sich die größte Teilnahme zu. Dr. Tramer wurde in heimailicher Erde zur ewigen Ruhe gebettet. Der junge Held war ein von hohen Idealen für seinen Beruf beseelter Arzt, der sich wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften der größten Wertschätzung und Verehrung aller, die ihn kannten, erfreute. Von glühender Liebe zu seinem Volke durchdrungen, schloß sich Dr. Emil Tramer als junger Student schon der zionistischeu Bewegung an, deren eifrigster Förderer er wurde. Er trat in die jüdische akademische Verbindung ״Unitas" in Wien und in die Bielitzer Ferialverbindung ״Emunah" ein und. arbeitete auf allen Gebieten der jungjüdischen Bewegung mit Hingebung und nie erlahmenden Eifer. Er vertiefte sich in die jüdische Literatur und genoß wegen seiner umfassenden jüdischen Bildung und seines liebenswürdigen, dabei aber echt studentisch strammen Wesens das Ansehen und die Liebe seiner Kouleurbrüder. Er bekleidete in den vielen Semestern, welche er der Verbindung ״Anitas" angehörte, verschiedene Chargen und war auch deren Präses. Als solcher hatte er Gelegenheit, das Ansehen der Verbindung den akademischen Behörden gegenüber irmner auf das nachdrücklichste zu vertreten. Mit heißer Leidenschaft trat

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